Iulius Alexander (Julius Alexander, gestorben um 200 n. Chr.) war ein antiker Glasmacher („opifex artis vitriae“) in römischer Zeit, der ursprünglich aus Karthago stammte und später nach Gallien auswanderte. Er war im 2. Jahrhundert n. Chr. tätig. mini|Grabstein des Iulius Alexander
Grabinschrift und Person Er ist einzig bekannt durch seinen um 200 n. Chr. zu datierenden Grabstein. Der Grabstein wurde 1757 in einer römischen Nekropole im Stadtviertel Saint-Irénée von Lyon, dem antiken Lugdunum, gefunden.Heute im Musée gallo-romain in Lyon. Danach starb er im Alter von 75 Jahren und hatte vier Kinder und sieben Enkelkinder.
Die Inschrift auf dem Grabstein lautet:Wiedergegeben nach mit wissenschaftlichen Ergänzungen nach dem Leidener Klammersystem (sowie in relativ wortgetreuer deutscher Übersetzung) Die Darstellung der Axt findet sich auch am oberen Rand des Grabsteins.
An den Namensformen ist auffällig, dass die Tochter des Verstorbenen (Numonia Belliosa) nach ihrer Mutter (Numonia Bellia) benannt war, während alle Söhne und Enkel wie üblich den Gentilnamen des Vaters (Iulius) trugen. Als Erklärung dafür wäre denkbar, dass die Tochter als erstes Kind und zu einem Zeitpunkt geboren wurde, zu dem eine Ehe zwischen ihren Eltern rechtlich noch nicht möglich war, vermutlich weil der Vater noch Sklave war. Die restlichen Kinder wären dann nach dessen Freilassung und der Eheschließung der Eltern geboren worden und hätten daher den Familiennamen des Vaters erhalten.Lothar Wierschowski: Fremde in Gallien – „Gallier“ in der Fremde. Die epigraphisch bezeugte Mobilität in, von und nach Gallien vom 1. bis 3. Jh. n. Chr. (Texte – Übersetzungen – Kommentare). Franz Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07970-X, S. 340. Die Ehefrau des Iulius Alexander trägt ein keltisches Cognomen, dürfte also Gallierin oder Freigelassene eines Galliers gewesen sein. Das wiederum legt nahe, dass die Ehepartner sich erst in Lyon kennenlernten, wohin Alexander angesichts ihres 48-jährigen Zusammenlebens dann schon recht früh, wohl mit 20 bis 25 Jahren, gekommen sein muss. Geht man davon aus, dass er tatsächlich anfänglich noch ein Sklave war, dürfte seine Freilassung nur wenige Jahre später erfolgt sein, da er mit Ausnahme seiner Tochter alle ihn überlebenden Kinder als freier Mann in einer rechtsgültigen Ehe zeugte.Lothar Wierschowski: Fremde in Gallien – „Gallier“ in der Fremde. Die epigraphisch bezeugte Mobilität in, von und nach Gallien vom 1. bis 3. Jh. n. Chr. (Texte – Übersetzungen – Kommentare). Franz Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07970-X, S. 341. Auffällig ist außerdem, dass Alexander in seiner Grabinschrift als „Bürger von Karthago“ („civi Carthagine(n)si“) bezeichnet wird, was über die reine Herkunftsangabe hinaus eine gewisse (ursprüngliche) politische Zugehörigkeit zur Stadtgemeinde von Karthago nahelegt.Lothar Wierschowski: Fremde in Gallien – „Gallier“ in der Fremde. Die epigraphisch bezeugte Mobilität in, von und nach Gallien vom 1. bis 3. Jh. n. Chr. (Texte – Übersetzungen – Kommentare). Franz Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07970-X, S. 8 f.
Moderne Rezeption Der amerikanische Künstler und Glasbläser Josiah McElheny (* 1966) schuf 1994 in Erinnerung an Iulius Alexander und sein Grab eine Installation mit dem Namen „The Only Known Grave of a Glassblower“. Sie befindet sich heute im Seattle Art Museum.Inventarnummer 95.92; Eintrag beim Museum.
Literatur Jesús-Víctor Rodríguez Adrados: El vidriero Julio Alejandro (CIL XIII 2000). In: Jesús de la Villa, Vicente Picón García, Luis M. Macía Aparicio, Esperanza Torrego (Hrsg.): Quid ultra faciam? Trabajos de griego, latín e indoeuropeo en conmemoración de los 25 años de la Universidad Autónoma de Madrid. Ed. de la Universidad Autonóma, Madrid 1994, ISBN 84-7477-502-7, S. 289–296. Lothar Wierschowski: Fremde in Gallien – „Gallier“ in der Fremde. Die epigraphisch bezeugte Mobilität in, von und nach Gallien vom 1. bis 3. Jh. n. Chr. (Texte – Übersetzungen – Kommentare) (= Historia Einzelschriften. Band 159). Franz Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07970-X, S. 339–341. Axel von Saldern: Antikes Glas (= Handbuch der Archäologie). C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51994-6, S. 234, 607. Fr. Bérard: Julius Alexander, originaire de Carthage, artisan verrier à Lyon. In: Hugues Savay-Guerraz (Hrsg.): Rencontres en Gaule romaine. Infolio, Gollion 2005, ISBN 2-88474-118-6, S. 120–121. Anne-Catherine Le Mer, Claire Chomer: Carte archéologique de la Gaule 69-2: Lyon. Paris 2007, ISBN 2-87754-099-5, S. 681 Nr. 610*, 15.
Anmerkungen
Kategorie:Glasmacher (Römisches Reich) Kategorie:Römer Kategorie:Geboren im 2. Jahrhundert Kategorie:Mann Kategorie:Gestorben im 2. oder 3. Jahrhundert