mini|300px|Die Grafik zeigt modellhaft das Konzept des Schattens nach C.G. Jung in seiner Beziehung zu Ich-Bewusstsein und Persona

Die Psychologische Astrologie ist ein Teilgebiet der modernen, westlichen Astrologie. Sie wird von manchen Vertretern der Tiefenpsychologie, der Humanistischen Psychologie, der Transpersonalen Psychologie und Individualastrologie zur Entwicklung neuer Beratungs- und Therapiemöglichkeiten geprägt. Das Geburtshoroskop wird dabei vielfach als Abbild seelischer Anlagen, Denk- und Verhaltensweisen gedeutet.Jürgen Hamel: Begriffe der Astrologie. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2010, S. 151, Stichwort 'psychologische Astrologie'. Diese gelte es zu verstehen, um sich so vor allem selbst besser kennen zu lernen, und im Idealfall alle Licht- und Schatten­seiten anzunehmen.

Alle methodisch korrekten empirischen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass überprüfbare Aussagen von Astrologen statistisch nicht signifikant besser zutreffen als willkürliche Behauptungen. Trotz des Begriffes "Psychologisch" hat die Psychologische Astrologie nichts mit der modernen wissenschaftlichen Psychologie zu tun.

Geschichte Anstoß zur Entwicklung einer Psychologischen Astrologie mini|Carl Gustav Jung, Porträt Die tiefenpsychologischen Konzepte von Sigmund Freud und vor allem von Carl Gustav Jung ermöglichten erst die Entstehung einer psychologisch geprägten Astrologie. Als Schüler Sigmund Freuds richtete sich C.G. Jung jedoch bald gegen dessen Lehre von der Dominanz der Libido als Antrieb menschlichen Handelns. 1912 trennten sich ihre Wege, und Jung nannte seine Richtung fortan Analytische Psychologie. Er maß dem Kollektiven Unbewussten (im Gegensatz zu dem Persönlichen Unbewussten) als Entwicklungsbasis der menschlichen Seele große Bedeutung bei. Dies führte ihn zur Mythologie sowie zu den Konzepten der Symbole und Archetypen, welche das menschliche Verhalten steuern.Ute Reichel, Zum Wandel des Verhältnisses von Wissenschaft und Astrologie vom 16. Jahrhundert bis heute, in: Ulrike Voltmer & Reinhardt Stiehle (Hrsg.), "Astrologie und Wissenschaft", Chiron Verlag, Tübingen 2011, ISBN 978-3-89997-193-4, S. 149 Er verfügte schon früh über fundierte Astrologie­kenntnisse. Die Astrologie stelle die Summe aller psychologischen Erkenntnisse im Altertum dar, sie beruhe auf Zeitqualitäten. Das hieße, was in diesem Zeitmoment geboren oder geschaffen werde, hätte die Qualität dieses Zeitmoments."Zitiert in Dane Rudhyar, Die Astrologie der Persönlichkeit, S. 84/85 Jungs Modelle wie «Animus und Anima» und der «Schatten», die «Persona» sowie die «Individuation», die «Archetypen» und die «Synchronizität» sind Basiselemente in der psychologischen Astrologie nach C.G. Jung. «Die Bedeutung der Jung’schen Psychologie für die Astrologie des 20. Jahrhunderts kann kaum überschätzt werden.»Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. C.H. Beck Verlag, München 2003. S. 339.

Während der 1920er Jahre gingen Psychologen und Astrologen in Werken und Deutungen den Theorien Jungs nach. Der Schriftsteller und Kulturpsychologe Oscar A. H. Schmitz gab mit seinem Buch Geist der Astrologie (1922), besonders im zweiten Teil mit dem Titel Astro-Psychologie, einen entscheidenden Impuls für eine psychologisch geprägte Astrologie.Schmitz, Geist der Astrologie, 1922, ab S. 185.Schmitz, Geist der Astrologie, 1922, S. 218: "Dies ist der erste Versuch, die Psycho-Astrologie systematisch in ihrem ganzen Farbenreichtum so zusammenzustellen, dass ihr Sinn durchscheint.(..) Darum rühmt sich diese Arbeit trotz ihrer Einmaligkeit keineswegs der Originalität, sondern nur ihrer Wahrhaftigkeit. Sie stützt sich auf die Erfahrungen von Jahrtausenden. Das relativ tiefgründigste, was die moderne Astrologie bisher über Astro-Psychologie hervorgebracht hat, findet sich bei F. Ch. Barlet, Les Génies planétaries." 1926 wurde Schmitz Schüler C.G. Jungs und arbeitete 1928 unter dessen Anleitung als Psychoanalytiker.Schmitz, Oscar A.H.: Durch das Land der Dämonen. Tagebücher 1912–1918. Aufbau Verlag 2007, S. 198. Weitere Vertreter dieser Richtung waren Herbert Freiherr von Kloeckler und die Ärztin Olga von Ungern-Sternberg.Wolfgang Bock: Astrologie und Aufklärung: Über modernen Aberglauben. Diss. Univ. Bremen 1993, M&P, Stuttgart 1995, S. 311

Auch der Maler und spätere Astrologe Thomas Ring kam während der 1920er Jahre mit der Psychologie C.G. Jungs in Kontakt, lehnte die Astrologie anfänglich aber ab. Ring bestritt den Einfluss der Himmelskörper im mechanischen Sinn, wandte sich gegen starre Deutungsregeln und jede Form von Determinismus sowie konkrete Ereignisprognosen. Rings vierbändige Astrologische Menschenkunde kann als ein Vorläufer oder eine spezielle Form der Psychologischen Astrologie betrachtet werden.

Der deutsche Arzt und Astrologe Herbert Freiherr von Klöckler fasste Hypothese und Reichweite der Astrologie 1929 so zusammen: «Astrologie ist die auf Erfahrung begründete Lehre von den Beziehungen zwischen den Funktionen der Himmelskörper und gewissen Seiten und Teilen der physikalisch-chemischen, biologischen und psychologischen Prozesse auf der Erdoberfläche, bezogen auf Tendenzen und Affinitäten.»Herbert Frhr. von Klöckler, Kursus der Astrologie, Bd. 2: Grundlagen der astrologischen Deutung, 2. Aufl., Leipzig 1932, S. 10 Die Astrologie biete also für keine der von ihr behaupteten Beziehungen monokausale Erklärungen an, sondern lehrte lediglich «gewisse Seiten und Teile» der verschiedenen Lebensprozesse, und gründe sich auf Erfahrung. Diese Perspektive auf Möglichkeiten und Grenzen astrologischer Deutung gehört spätestens seit den 1920er Jahren zum Grundverständnis der sich selbst als seriös einschätzenden Astrologie.Vgl. Klöckler 1932, S. 16 + 25 ff.

Thomas Ring und Herbert Freiherr von Klöckler, die wesentlichen Schöpfer der missverständlich «revidierte klassische Astrologie» genannten Astrologie-Richtung, betonen in ihren Arbeiten oft die in diesem Sinn gesetzten Aussagegrenzen der Astrologie. Sie hatten bis wohl Anfang der 1990er Jahre insbesondere die Psychologische Astrologie und die berufspolitische Position astrologischer Institutionen (z. B. Deutscher Astrologenverband) beeinflusst.In der Zeitschrift für Anomalistik, Band 7 (2007), S. 9–79, wird im Artikel Ein Grundkonsens in der Astrologie? das Grundsatzpapier astrologischer Vereinigungen (1983) kritisch kommentiert, vielfach auch durch Astrologen.

Gründung der Psychologischen Astrologie Der französisch-amerikanische Komponist Dane Rudhyar befasste sich mit der Astrologie seit 1920. Er begann als einer der ersten, die Astrologie mit der Tiefenpsychologie, u. a. auch mit der Jungschen Psychologie, systematisch zu verbinden, da sich beide Bereiche gegenseitig befruchten würden, so Rudhyar, beispielsweise bei der Überwindung der deterministischen Prägung der früheren Astrologie. Rudhyar glaubte, dass astrologische Konstellationen keine festen Ereignisprognosen ermöglichten, sondern Bilder seien, synchronistisch auf den Menschen ausgerichtet. Sie würden die einzelnen, psychologischen Stärken zeigen, die im Individuum wirksam sind, aber die menschliche Freiheit betonen. Rudhyar beschrieb seine Interpretation der Astrologie zunächst als Harmonische Astrologie, ab 1936 bezeichnete er sie als Psychologische Astrologie und behandelte sie ausführlich in seinem Werk Die Astrologie der Persönlichkeit. Seitdem gilt Dane Rudhyar vielfach als Begründer der Psychologischen Astrologie.Campion, Nicholas: History of Western Astrology. Continuum Books, London & New York 2009, S. 248, S. 256–257.

Ausbreitung der Psychologischen Astrologie Eine breitere Wirkung der Psychologischen Astrologie setzte ab den 1960er Jahren ein, um dann, mit der verstärkten Abkehr von schematischen, ereignisorientierten und schicksalshaften astrologischen Deutungen, während der 1970er Jahre eine breite Wirkung zu entfalten. Mit der New-Age-Bewegung entdeckten auch bedeutende Verlagshäuser den Begründer der Psychologischen Astrologie und veröffentlichten seine Schriften: unter den ersten war The Practise of Astrology (1970). Rudhyar prägte die Psychologische Astrologie maßgeblich und stellte dabei den Menschen („humanistisch“) radikal in den Mittelpunkt. Aus diesem Grund bezeichnete er seine Psychologische Astrologie – in Anlehnung an Abraham Maslows Humanistische Psychologie – ab 1963 als Humanistische Astrologie.

Die Huberschule hat an der modernen Psychologischen Astrologie großen Anteil. Sie waren die ersten, die einen lösungsorientierten Ansatz verfolgten, auf angstmachende Deutung verzichteten und mehr die Potentiale eines Horoskops hervorhoben. Bruno und Louise Huber sammelten von 1959 bis 1962 bei Roberto Assagioli als seine Assistenten in Italien Erfahrungen mit ganzheitlichen therapeutischen Ansätzen. Darauf gründeten sie das Astrologisch-Psychologie Institut (API), das seitdem tausende von Schülern in der Astrologie ausbildet.

Auch der Psychologe und Astrologe Hermann Meyer gilt im deutschsprachigen Raum manchen als Begründer der Psychologischen Astrologie, weil er in Deutschland als einer der Ersten schon während der 1970er Jahre ein therapeutisches Modell der Psychologischen Astrologie erarbeitete, das auf den Einsichten der Humanistischen Psychologie beruht («Astropsychotherapie»).Schubert-Weller, Spricht Gott durch die Sterne?, S. 73 Im Jahr 1981 gründete er in München das Institut für Psychologische Astrologie. Ein Jahr später eröffnete der deutsche Psychologe, Therapeut und Astrologe Peter Orban vor dem Hintergrund des Archetypen- und Schattenkonzepts von C.G. Jung zusammen mit Ingrid Zinnel in Frankfurt am Main seine Symbolon. Praxis für Therapie, die er seit 1995 mit Heidemarie Orban, seiner neuen Ehefrau, betreibt.

Die Psychologische Astrologie etablierte sich dennoch weltweit erst während der 1980er Jahre mit den Büchern und Vorträgen von Liz GreeneHolden, James, A History of Horoscopic Astrology: From the Babylonian Period to the Modern Age, (AFA 1996) S. 202 und Stephen ArroyoHand, Robert, Horoscope Symbols (Para Research 1981) S. 349, die beide praktizierende Psychoanalytiker nach C.G. Jung sind.Hyde, Maggie. Jung and Astrology. (Aquarian/Harper Collins, 1992) S. 105 http://www.skyscript.co.uk/synchronicity.html Liz Greene und der Psychosynthetiker Howard Sasportas gründeten 1983 in London das Centre for Psychological Astrology (CPA), das Ausbildungen in Psychologischer Astrologie anbietet.History of the Centre for Psychological Astrology https://www.cpalondon.com/history.html Das Zentrum arbeitete von Beginn an intensiv mit der Astrodienst AG zusammen, in Zürich fanden bereits viele astrologische Seminare des Zentrums statt.

Beratung und Therapie Die Psychologische Astrologie deutet bei einem Geburtshoroskop vor allem seelische Strukturen, Einstellungen und Verhaltensweisen. Sie behauptet entsprechend häufig, auch Wege und Lösungen angeben zu können, wo sie problematische Strukturen und Strebungen erkennen will. Manche psychologische Astrologen wollen im Geburtshoroskop sogar jene Strukturen sehen, mit deren Hilfe der Klient an anderen, eben problematischen Strukturen arbeiten können soll.

Aus der Perspektive einer Lebenshilfe ist die Trennung von Beratung und Therapie wenig hilfreich, auch aus Sicht einer Individualastrologie wird sie