Die Talsperre Valdecañas () staut den Río Tajo etwa auf halber Strecke seines Verlaufs im Osten der Provinz Cáceres in der spanischen Region Extremadura. Sie wurde im Jahr 1964 fertiggestellt und dient der Flussregulierung und der Energieerzeugung.

Daten und Lage Der ca. 315 m hoch gelegene Stausee in den Bergen der Montes de Toledo hat eine Oberfläche von maximal 7.300 Hektar und ein maximales Fassungsvermögen von 1446 Millionen Kubikmetern. Er gehört damit zu den größten Stauseen Spaniens.La situación embalse a embalse rtve.es, 1. Juli 2026, abgerufen am 2. Juli 2026 (spanisch) Die Staumauer verbindet die Gemeinden (municipios) Belvís de Monroy und Valdecañas de Tajo. Talsperre Valdecañas – Karte mit Höhenangaben. In: OpenStreetMap. Abgerufen am 11. Februar 2022.

Sehenswürdigkeiten Die Ruinen der Römerstadt Augustobriga wurden beim Bau der Talsperre überflutet; lediglich die Reste eines Portikus und drei Säulenstümpfe wurden auf ein höheres Niveau versetzt.

Ebenso befindet sich im Stausee ein Megalith-Bauwerk, der Dolmen von Guadalperal, das allerdings nur bei extrem niedrigem Wasserstand zugänglich ist.

Isla de Valdecañas Auf der 135 Hektar großen Insel Isla de Valdecañas an der Nordostecke des Stausees wurde ab 2007 bis 2011 mit Billigung der Regionalbehörden illegal die Ferienanlage Marina de Isla de Valdecañas errichtet, obwohl das Gebiet als Europäisches Vogelschutzgebiet im Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 ausgewiesen ist. Die Ferienanlage umfasst ein Luxushotel, ein Kongresszentrum, einen 18-Loch-Golfplatz, 186 Ferienhäuser plus 380 vorbereitete und baufertige Ferienhausgrundstücke, einen künstlichen Strand, einen Yachthafen, Sportplätze und andere Einrichtungen, wobei ein Teil nicht fertiggestellt wurde. Die Umweltschutzverein Ecologistas en Acción (Umweltschützer in Aktion) klagte 14 Jahre lang gegen das Projekt. Das Obergericht der Extremadura (Tribunal Superior de Justicia de Extremadura) entschied im Juli 2020 auf einen Teilabriss. Das spanische Oberste Gericht (Tribunal Supremo) in Madrid urteilte im Februar 2022, dass die gesamte Anlage abzureißen sei. Der Abriss soll mindestens 34 Millionen Euro kosten. Dazu kommen finanziellen Entschädigungen in geschätzter Höhe von 111 Millionen Euro.Spektakuläres Urteil: Luxusressort mit 185 Villen, Hotel und Golfplatz muss komplett abgerissen werden stern.de, 18. Februar 2022Ladrillo contra natura: de la Isla de Valdecañas al Algarrobico y tiro porque me toca elpais.com, 2 Oktober 2022 (spanisch)La victoria de David (Ecologistas) frente al Goliat del resort de Valdecañas elconfidencial.com, 2. August 2022 (spanisch)

Der Spiegel sah im Urteil einen Paradigmenwechsel, da Investoren in Spanien vorher immer darauf vertrauen konnten, dass die Politik jedes auch noch so umstrittene Projekt letztlich doch durchsetzte und genehmigte. 2007 begann die aus Madrid zugezogene Paca Blanco mit den Umweltschutzvereinen Ecologistas en Acción und Adenex den Kampf gegen das Projekt. Neben Klagen führte man Demonstrationen durch. Blanco wurde angefeindet und ihr Haus und Auto beschädigt. Das Obergericht der Extremadura entschied im März 2011, dass es kein öffentliches Interesse an der Anlage gebe, wie die örtliche Politik behauptet hatte, und verfügte den Abriss. Blanco zog wegen der Anfeindungen im selben Jahr zurück nach Madrid. Die Regierung der Extremadura hingegen bescheinigte die Legalität des Projektes und änderte rückwirkend ein Gesetz, so dass nun der Bau in Schutzgebieten zugelassen sein sollte. Eine Umweltprüfung des Bauherrn hatte dem Projekt die Unbedenklichkeit bescheinigt. Die Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission bewertete diese Umweltprüfung aber als zu oberflächlich. 2019 kam ein Umweltgutachten zu dem Schluss, dass der Betrieb der Anlage zehnmal schädlicher sei als der Abriss. Die Projektbaufirma ging schon 2014 in die Insolvenz, nachdem ein Gerichtsurteil festgelegt hatte, dass die Firma den Villenkäufern eine Rückkaufgarantie für den Fall des Abrisses geben musste. Die Regierung der Extremadura hat das Abrissurteil vor dem Verfassungsgericht in Madrid (Tribunal Constitucional) angefochten und will notfalls vor den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg ziehen. Im Herbst 2022 nahm das Verfassungsgericht die Beschwerde der Landesregierung und der Grundstückseigentümer an. Im März 2023 war der Rechtsweg vor dem Obersten Gericht erschöpft, das die Abrissverfügung bekräftigte. Gleichzeitig versuchte die Regierung erneut, das Urteil durch Gesetzesänderungen zu umgehen, indem Teile des Vogelschutzgebietes neu klassifiziert werden sollten. Im Juni 2023 verfügte das Verfassungsgericht den vorläufigen Stopp der Abrisse, verpflichtete die Regierung im September desselben Jahres jedoch zum Abriss des Hotels und der unbewohnten und unfertigen Ferienhäuser, während für die bereits bewohnten Häuser ein Bestandsschutz geprüft wird.Esther Sánchez: Los jueces ordenan al Gobierno extremeño la demolición del hotel y las viviendas inacabadas de la urbanización de lujo Isla de Valdecañas. In: El País, 22. September 2023, abgerufen am 9. April 2024.

Im Juni 2026 gab der Oberste Gerichtshof von Extremadura der Berufung der „Ökologen in Aktion“ gegen das Dekret 180/2025 der Junta de Extremadura vom 16. Dezember 2025 bezüglich der Insel Valdecañas statt und hob das von der Provinzregierung verabschiedete Dekret, welches die Insel von der besonderen Vogelschutzzone ausnahm, auf. In dem Urteil bemängelte er das Fehlen einer überzeugenden Dokumentation, aus welchen Gründen die Grenzen des Schutzgebietes geändert wurden. Er unterstrich in seinem Urteil die verbindlichen Beschlüsse des Verfassungsgerichts und des Obersten Gerichtshofs zum Abriss der Gebäude und zur Rückgabe des Grundstücks in seinen ursprünglichen Zustand mit der Begründung, dass Umweltschutz ein vorrangiges öffentliches Interesse sei und die Durchsetzung von Urteilen in diesem Bereich eine besondere Bedeutung habe. Die Regionalregierung kündigte daraufhin an, sie werde in Berufung zur Überprüfung dieses Beschlusses gehen.El TSJEx anula la exclusión de Marina Isla de Valdecañas de la ZEPA del embalse rtve.es, 9. Juni 2026, abgerufen am 1. Juli 2026 (spanisch)Rescate de Valdecañas paralizado por la Justicia, duro revés para la Junta de Extremadura devalverde.es, 30. Juni 2026, abgerufen am 4. Juli 2026 (spanisch) Der Betrieb des Resorts geht unterdessen unvermindert weiter.De isla protegida a laberinto judicial: qué es Marina Isla de Valdecañas elperiodicoextremadura.com, 9. Juni 2026, abgerufen am 2. Juli 2026 (spanisch)

Siehe auch Liste von Wasserkraftwerken in Spanien Liste von Talsperren der Welt (Spanien) Liste der größten Talsperren der Erde Liste der größten Stauseen der Erde Liste der größten Wasserkraftwerke der Erde

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Einzelnachweise

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