In letzter Stunde (Originaltitel Time Without Pity, wörtlich „Zeit ohne Mitleid“, deutscher Alternativtitel Teuflisches Alibi) ist ein britischer Film noir des Regisseurs Joseph Losey aus dem Jahre 1957. Der Film, der „auch ein Plädoyer gegen die Todesstrafe“Norbert Grob, Bernd Kiefer: Tödliches Alibi / In letzter Stunde. In: Norbert Grob (Hrsg.): Filmgenres. Film noir (= RUB. Nr. 18552). Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-018552-0, S. 215–220, hier 217. ist, handelt von einem Wettlauf gegen die Zeit, von einem Versuch, innerhalb einer Frist von 24 Stunden einen zum Tode Verurteilten zu retten. Darin, dass die Haupt-Handlung in wenige Stunden zusammengedrängt wird, gleicht der Film Robert Siodmaks Zeuge gesucht, Anatole Litvaks Du lebst noch 105 Minuten und Stanley Kubricks Die Rechnung ging nicht auf.Vgl.: Norbert Grob, Bernd Kiefer: Tödliches Alibi / In letzter Stunde. In: Norbert Grob (Hrsg.): Filmgenres. Film noir (= RUB. Nr. 18552). Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-018552-0, S. 215–220, hier 216.
Handlung London, kurz vor Weihnachten: Alec Graham soll wegen des Mordes an seiner Freundin gehängt werden. Die Tat geschah im Landhaus des wohlhabenden Automobilfabrikanten Robert Stanford, dessen Sohn Brian Alec Grahams bester Freund ist.
Alec Grahams Vater David, ein erfolgloser und trunksüchtiger Schriftsteller, hat nicht am Prozess gegen seinen Sohn teilgenommen, weil er in Montreal zu einer Entziehungskur war. Von dort kehrt er 24 Stunden vor Vollstreckung des Urteils zurück. Er glaubt unbeirrt an die Unschuld seines Sohnes, steht damit jedoch allein. Zuerst will Alec Graham seinen Vater, der sich um ihn kaum gekümmert hat, nicht einmal sehen. Die Hoffnung seines Vaters, in der verbleibenden Frist seine Unschuld erweisen zu können, teilt er nicht.
David Graham sucht Jeremy Clayton auf, den Anwalt seines Sohnes, der von Robert Stanford bezahlt wird. Seine Unterstützung fällt zurückhaltend aus.
Allein bricht David Graham zu einer Suche durch das nächtliche London auf, um Hinweise zur Entlastung seines Sohnes zu finden. Er begegnet Stanfords adoptiertem Sohn Brian, der ihm sein Versagen als Vater vor Augen führt, und Stanfords Frau Honor, die in Alec verliebt ist, sowie Stanfords ehemaliger Sekretärin Vicky Harker. Robert Stanford erweist sich als jähzorniger und infantiler Familientyrann, den seine Frau sogar als „ein perverses Kind“ bezeichnet. Außer dem merkwürdigen Eindruck, den die Stanford-Familie macht – alles scheint Fassade zu sein –, gibt es einige Ungereimtheiten, aber der zunehmend verzweifelte Vater erkennt, dass dies seinen Sohn nicht retten wird. Er beginnt wieder zu trinken.
Schließlich sieht David Graham keinen anderen Ausweg, als sich zu opfern: Er teilt Clayton mit, er habe Stanford überführt, und verwickelt diesen in einen Kampf. Dabei richtet er Stanfords Revolver auf sein eigenes Herz und drückt mit Standfords Finger ab. „Was tun Sie?“, fragt Stanford entgeistert.
Hintergrund In letzter Stunde ist Loseys erster in England gedrehter Film unter eigenem Namen. Nachdem das Komitee für unamerikanische Umtriebe ihn auf seine ‚schwarze Liste‘ gesetzt hatte, was ein Arbeitsverbot in den Vereinigten Staaten bedeutete, hatte er in England seit 1953 unter wechselnden Pseudonymen gearbeitet.Vgl.: Bernd Kiefer, Marcus Stiglegger: [Artikel] Joseph Losey. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008 [1. Aufl. 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 445–449, hier 447.
In der literarischen Vorlage des Films, dem Drama Someone Waiting von Emlyn Williams, steht die Suche nach dem Täter im Vordergrund. Auf die daraus resultierende Spannung verzichtet der Film: Bereits in der Pre-Title-Sequenz wird die Identität des Mörders verraten, welcher auch in einer Großaufnahme gezeigt wird. Dies interpretieren Norbert Grob und Bernd Kiefer so: Dadurch öffne „Losey den Raum für die eigentliche Dramatik: für die Spannung zwischen den Figuren und ihr Verhalten auf düstersten Schauplätzen.“
Synchronisation Eine erste Synchronisation wurde 1958 für die ARD produziert.In letzter Stunde (1957). In: Synchrondatenbank, abgerufen am 21. Dezember 2017. 1991 entstand noch eine zweite Synchronisation. Rolle Darsteller Sprecher 1. Synchronisation Sprecher 2. SynchronisationDavid GrahamMichael RedgraveHans PaetschRüdiger SchulzkiHonor StanfordAnn Todd?Kerstin De AhnaRobert StanfordLeo McKernHeinz PiperHarald HalgardtBrian StanfordPaul Daneman??Jeremy ClaytonPeter CushingRichard MünchPeter AustAlec GrahamAlec McCowenGünther SchrammNicolas KönigMrs. HarkerRenée Houston?Ursula VogelVicky HarkerLois MaxwellRenate Heilmeyer?Mr. Maxwell, AbgeordneterRichard WordsworthCarlos WernerAchim SchülkeBarnes, RedakteurGeorg Devine?Frank StraassStaatssekretärErnest Clark?Gerhart HinzeGefängniskaplanPeter Copley?Harald PagesGefängnisdirektorHugh Moxey?Jörg GillnerJournalistJohn Chandos?Peter Kirchberger
Kritik
Literatur Emlyn Williams: Someone waiting. A play in three acts. London 1953 [Neuausgaben Heinemann, London 1954, 1970 u. ö.] Emlyn Williams: Ein Mann wartet. Stück in drei Akten. Deutsche Bearbeitung von Hilde Spiel […]. Kaiser, Wien [ca. 1960]. Norbert Grob, Bernd Kiefer: Tödliches [sic!] Alibi / In letzter Stunde. In: Norbert Grob (Hrsg.): Filmgenres. Film noir (= RUB. Nr. 18552). Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-018552-0, S. 215–220 [mit Literaturhinweisen].
Weblinks
(Wertung von Leonard Maltin: 3 von 4)
(Darsteller, Standfotos, Plakate, Benutzerwertung) (Handlungsabriss, Plakat, Wertung durch registrierte Mitglieder, Links) (Handlungsabriss, Kurzkritik, Standfotos, Wertung der Redaktion: 5 von 5, Besucherwertung) (Handlungsabriss, Kurzkritik, Standfoto, Wertung der Redaktion: 3 von 5, Besucherwertung) Teuflisches Alibi in Der-Film-noir.de (Handlungsabriss, Kurzkritik, Filmplakate, Standfotos, Wertung der Redaktion: 4 von 5)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1957 Kategorie:Britischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Film noir Kategorie:Literaturverfilmung