Carl Hilgert oder auch Karl Hilgert (* 21. Juni 1866 in Ingelheim am Rhein; † 17. Januar 1940 in Mainz) war ein deutscher Jagdaufseher, Forschungsreisender und Ornithologe.

Leben und Wirken Von Berufs wegen Tüncher und Jagdaufseher kam er durch seine Liebe zur Natur schon bald in Kontakt mit Carlo von Erlanger.Ludwig Gebhardt, S. 157.

Tunesienexpedition mini|links|Carl Hilgert im mittleren Zelt bei der Oase Gabès Am 19. Oktober 1896 kam Hilgert zusammen mit Johann Michael Holtermüller (1865–1931) und Carlo von Erlanger (1972–1904) in Marseille an, wo sie mit dem Dampfer Vill’d’Oran nach Tunis schifften. Am 30. Oktober erreichten sie Gabès, wo Paul Spatz (1865–1942) bereits die weitere Reise mit einheimischen Helfern und Material vorbereitet hatte.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 10.

Von Erlanger, der die Expedition organisierte und leitete, schrieb über Hilgert:

Die Reise selbst wurde in drei Abschnitten durchgeführt. Ausgangspunkt jeder Reise war jedes Mal Gabès.

Über die Oase Djara führte sie die erste Expedition nach Ghannouch zum Wadi Akarit, an dem sie ihr erstes Lager aufschlugen. Am 4. November durchwanderten sie ein Sabcha-Gebiet bis westlich nach Nadour. Von dort zogen sie an den Küstenufern bis Skhira weitere vier Kilometer nördlich. Nach einem Ruhetag ging es am 7. November weiter nach Mahrès. Eigentlich wollte man am nächsten Tag mit einem Kutter auf die Kneiss-Inseln, doch verhinderte schlechtes Wetter eine Überfahrt. So sammelte man in der Umgebung und konnte das Vorhaben erst am 12. November umsetzen.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 12. Die Insel wurde erst am 16. November wieder verlassen und so kehrten sie am 17. November nach Gabès zurück.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 13.

Schon am 20. November brach die Mannschaft wieder auf. Über die Oasen Menzel, Ouderef und Tibula schlugen sie ihr erstes Lager in der Nähe von Kettana auf. Weiter ging es nach Zarat, wo sich die Gruppe von 22. bis 24. November aufhielt, um an der Küste im Sabcha Mezessar zu sammeln. Über den Wadi Mezessar zum Wadi Zigzaou ging es nach Mareth und am 28. November zurück Richtung Gabès.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 14.

Am 9. Dezember startete die zweite Expedition längs der Oase Menzel Richtung des Südhanges des Jabal ad Dīsah zur Oase El-Hamma. Hier durchquerte man das Djebel-Dahar-Gebirge und erreichte El Hamma.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 15. Am 10. Dezember ging es über den Wadi Beschima und den Wadi Magroun zum Wadi Nachla. Hier sammelten sie im Wadi und dem Gebirgskette des Jabal aţ Ţabaqah. Von Wadi Nachla führte die Route am 13. Dezember zur Quelle des Nebsch-ed-Dib nach bei Saidane und weiter an die Oase Limaguess. Am 15. Dezember zogen sie weiter zum Gebirgszug Bahir, der auch die Wasserscheide zwischen dem Chott el Fedjadj und dem Chott el Djerid bei den Oasen der Region Nefzaoua bildete. Von dort führte sie der Weg nach Kebili. Am 16. Dezember verließ man bereits Kebili und erreichte schließlich Jemna.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 16. Bereits einen Tag später ging es weiter Richtung Douz, um dort in die Sahara weiterzuziehen.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 17. Hier machte die Gruppe Besorgungen und konnte aufgrund von starken Regenfällen die Stadt erst wieder am 22. Dezember verlassen. In einer Tagestour erreichten sie Aïn Djabar.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 18. Am nächsten Tag zog man über Bir Bel Kassem bis Bir Toulis, dem südlichsten Brunnen des Gebiets des Stammes der Merasigk. Den 24. Dezember verbrachten sie in Chadames.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 19. Während von Erlanger mit zwei Einheimischen am 26. Dezember den Tafelberg Tembaïne bestieg, brach der Rest der Karawane auf. In südsüdwestlicher Richtung traf von Erlanger wieder auf das Lager seiner Begleiter mit Hilgert.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 20. Am 27. marschierte man weiter Richtung Südosten und befand sich südwestlich des Dakamis al Kabir, dessen Gebirgskette am 28. besucht wurde. Sie zogen dann am 29. in südlicher Richtung und musste am 30. wegen einsetzendem Regen rasten. Somit konnten sie die Umgebung mit Ansiedlungen von Menschen aus dem Stamm der Adara besuchen. Am 1. und 2. Januar kämpfte man sich beschwerlich über verschiedene Sanddünen bis an den Gur-el-Areif.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 21. Zunächst musste man im ca. 10 Kilometer entfernten Bir Aouin Wasser auffüllen. Am 4. Januar ging es nach Galb-el-Assued südwestlich von Douiret. Die Mitglieder entschlossen sich hier bis 8. Januar zu sammeln, ehe es weiter nach Bou Kartouf ging. Am 11. Januar kam man am Gebirge Gar-Rham an, ein Ort, der oft als Kampfplatz zwischen Tuareg, Chamba und Merasigk diente.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 22.

Am 12. und 13. machte man sich auf den Weg zum Sanger-Tal, in dem man bis 17. rastete und Ausflüge in der näheren Umgebung unternahm. Das nächstes Ziel war am 19. die französische Kolonialverwaltungsstadt Tataouine. Hier trennte man sich von den Mrazig-Begleitern, die der Expedition gute Dienste geleistet hatten.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 24. Ein Besuch des Grabmals des Marabout Sidi Mosboh erfolgte am 21., bevor es einen Tag später nach Medenine weiter ging. Hier rastete man einen Tag. Am 25. machte Hilgert gemeinsam mit Spatz, von Erlanger und zwei Arabern einen Ausflug an den Djerbel Souenia, der sie auch in eine kraterähnliche Höhle führte. Am Abend erreichte sie dann Mareth. Über Kettana erreichte die Gruppe in einem Zweitagemarsch schließlich am 27. Januar wieder Gabès.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 25.

Es dauerte bis 22. Februar, ehe sie schließlich zu einer dritten Expedition aufbrachen. Über Oudref schwenkte die Karawane nach Westen nach Oglet Telemine. Nach starken Regenfällen überquerten sie verspätet den Fedjadj. Am 24. mussten sie notgedrungen durch starke Regenfälle an der Karawanenkreuzung nach Bir Al Huffay und Bi’r Mehamla stoppen und rasten.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 26. So führte sie am 26. der Weg über einen Umweg durch das Seggi, die Kornkammer Süd-Tunesiens, nach Bir Selousa.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 27. Nächstes Lager wurde der Gebirgspass Bir Mrabat an der Kreuzung der Karawanenstraßen von Kebili aus dem Süden und El Guettar im Westen.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 28. Von dort war das nächste Ziel Gafsa.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 29. Nachdem der 1. März 1897 genutzt wurde, um die Vorräte aufzufüllen und sich zu erholen, ging es am 2. weiter Richtung des 960 Meter hohen Djebel Tfel. Am Ufer des Tfel-Flusses schlugen sie für mehrere Tage ihr Lager auf.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 31. Nach Sammelaktionen in der Gegend ging es am 10. März zurück nach Gafsa.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 33. Am 12. zogen sie weiter Richtung Djebel Sidi Ali Ben Aoun, dessen Fuß sie am 14. erreichten und an dem man bis 20. verblieb.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 34. Ihren Lagerplatz verlegte die Karawane am 21. an den Fuß des Djebel Sidi Aich, von dem sie am 1. April wieder an den Djebel Sidi Ali Ben Aoun zurückkehrten. Am 16. führte sie der Weg weiter zum Djebel Freiou, wo sie einen Aufenthalt bis 21. hatten. Nach einem Überfall auf die Gruppe wurde am 21. der Rückweg über den Djebel Srir nach Gafsa eingeschlagen, das sie am 24, mit reichtlich naturhistorischer und vor allem ornithologischer Ausbeute erreichten. Hier wurde die Expedition erneut überfallen, konnte die Angreifer aber in die Flucht schlagen.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 35. Am 5. Mai ging es am Djebel Guettar vorbei nach Bou Omrane.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 38. Hier blieb die Karawane bis 9. Mai und erkundete die Gegend. Am 9. und 10. schlug man das nächste Lager am Bir Soelousa auf. Schließlich erreichten sie am 19. Mai wieder Gafsa. Am 25. Mai brachen sie zu einer Tour durch das französische Schutzgebiet Ain Draham auf. Gegen 6 Uhr morgens erreichten sie das 50 Kilimometer nordwestlich von Gafsa gelegene Madjen bel Abbès. Es ging weiter nach Fériana.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 42. Während die Karawane am 30. sich zum Marsch nach Kasserine aufmachten, sammelten Hilgert, von Erlanger und ein Araber namens Ali noch etwas in der Gegend, um dann am Abend wieder auf den Rest der Karawane zu treffen.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 43. Erst am 7. Juni führte sie dann der Weg zum Bi’r Bu Hayyah. Über Oued Sarath lagerten sie am 20. bei Thala. Die weiteren Tage führte sie der Weg nach El Kef, ein Ort, den sie am 23. Juni erreichten.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 46. Drei Tage später brachen sie nach Souk El Arba auf. Von hier wollte die Gruppe die Eisenbahn nach Tunis nehmen. Vom 30. Juni bis 6. Juli wurden aber zunächst Sammelausflüge rund um Souk El Arba unternommen. Nachdem Spatz die Lasttiere verkauft hatte, kehrte die Truppe am 7. Juli nach Tunis zurück.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 47.

Von La Goulette brachen Hilgert, Spatz, von Erlanger, Ali und Haffeid am 13. Juli zu einer letzten Bootstour zur Insel Nemoura auf.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 48. Während von Erlanger mit einigen anderen mit dem Boot die Küste erkundigen wollte, blieben Hilgert und Spatz auf der Insel zurück. Von Erlanger geriet in einen Sturm und wurde an die tunesische Küste getrieben. So trafen Hilgert und Spatz in großer Sorge erst am 18. Juli wieder in Tunis auf ihren Begleiter.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 49. Am 24. Juli kehrte Hilgert schließlich mit von Erlanger und Holtermüller Afrika den Rücken und kehrten nach Europa zurück.Carlo von Erlanger in Angelika Schulz-Parthu, S. 50.

Expedition Nordost-Afrika