Das Projekt 941 „Akula“ ( [] = „Hai“), von der NATO als Typhoon-Klasse bezeichnet, war eine in der Sowjetunion für die sowjetische Marine entwickelte Reihe von U-Booten mit ballistischen Raketen. Außerhalb der Staaten des ehemaligen Warschauer Vertrages blieb die sowjetische Bezeichnung der Klasse zunächst jedoch weitgehend unbekannt, so dass ihre NATO-interne Bezeichnung geläufiger war.

Die Boote dieses Projekts waren die größten jemals gebauten U-Boote. Die NATO-Bezeichnung „Typhoon“ ist einer Debatte zwischen Leonid Breschnew und Gerald Ford in Wladiwostok aus dem Jahr 1974 entnommen, in der Breschnew die Entwicklung eines Waffensystems mit dem Namen als Reaktion auf die geplante Einführung der US-amerikanischen Ohio-Klasse ankündigte.Bulletin of the atomic scientists. Band 57, Atomic Scientists of Chicago, 2001, S. 21 (englisch).

Planung und Bau 1972 begannen im „Rubin“-Entwicklungsbüro in Leningrad unter der Leitung von Sergei Nikitich Kowalew die Planungsarbeiten an einem neuen U-Boot-Typ der sowjetischen Marine, der einen neuen Typ von Interkontinentalrakete tragen sollte. Die Spezifikationen der zukünftigen Rakete waren erst zum Teil festgelegt worden, denn ihre eigentliche Entwicklung begann erst im folgenden Jahr.

Die Raketen mit ihrem zu erwartenden hohen Eigengewicht und entsprechenden Abmessungen in ausreichender Anzahl in einem U-Boot unterzubringen, erwies sich als Problem, da die bisherigen U-Boote mit Interkontinentalraketen der Sowjetunion, die Projekte 667A und 667B, nach einem immer gleichen Prinzip geplant worden waren: Ein Druckkörper mit einem Turm im vorderen Drittel und nachfolgend zwei Reihen von Raketensilos. Dieses Konstrukt auch bei der R-39-Rakete anzuwenden hätte bedeutet, die Boote so zu verlängern, dass sie die meisten Häfen und Docks nicht mehr hätten nutzen können.Norman Polmar, Kenneth J. Moore: Cold War submarines. The design and construction of U.S. and Soviet submarines. S. 194 (englisch). So entschied sich Kowalew dafür, zwei parallele Druckkörper zu verwenden und den nötigen Auftrieb für Projekt 941 nicht durch eine Erhöhung der Länge, sondern durch eine Verbreiterung zu erreichen.

Das neue Projekt wäre so in der Lage gewesen, 24 der neuen R-39-Raketen zu tragen, jedoch wurde die Zahl vom Admiral der Flotte der Sowjetunion Sergei Gorschkow per Dekret auf 20 begrenzt.

Nachdem das erste Boot von Projekt 941 schon 1976 in der Werft von Sewerodwinsk auf Kiel gelegt worden war, wurde der D-19-Raketenkomplex in Kombination mit der R-39-Rakete erst 1984 von der Marine als zufriedenstellend akzeptiert.

Kosten

Aus ihrer schieren Größe und der Verwendung von modernen Technologien resultierte eine enorme Bindung von sowjetischen Arbeitskräften und Rohstoffen. So enthält jedes Boot des Projekts 941 rund 9000 Tonnen teures und schwer zu verarbeitendes Titan.Anna Huang: The application of titanium Navy. In: MHC INDUSTRIAL CO., LTD., 15. September 2010, abgerufen am 5. September 2011 (englisch). Allein 1219 Mitarbeiter der Werft 402 „Sewmasch“ wurden nachträglich für die Teilnahme an Bau und Entwicklung des Projekts von der Sowjetunion mit Orden ausgezeichnet. Mehr als 1000 verschiedene Betriebe, Unternehmen und wissenschaftliche Institute waren an Planung, Bau und Ausrüstung der Boote beteiligt.Artikel: Юбилей „Донского“ – Четверть века назад в состав ВМФ вошел головной корабль проекта 941 Северная неделя (russisch: „Jahrestag des Don – Vor einem Vierteljahrhundert erhielt die Marine das erste Projekt-941-Boot“ im Magazin Nordwoche), Anastasia Nikitinskaja, Pressedienst von Sewmasch, Ausgabe vom 19. Dezember 2006

Technik mini|400px|Querschnitte Rumpf mini|Schematische Seitenansicht eines Unterseeboots Projekt 941 mini|Ein mit Schnee und Eis bedecktes Boot Projekt 941. Die Umrisse der Auftauchkammer neben dem Turm zeichnen sich leicht durch eine fehlende Bedeckung mit Eis an ihrer Außenkante ab. Projekt 941 ist 172,8 Meter langNach deepstorm.ru weichen TK-17 mit 172,6 Metern und TK-20 mit 173,1 Metern von den übrigen Booten ab. und es verdrängt bei Tauchfahrt rund 48.000 t Wasser. Der Rumpf besteht aus einer äußeren Hülle aus Stahl, die zwei nebeneinanderliegende zylindrische Druckkörper aus Titan beinhaltet, die sich nahezu über die gesamte Bootslänge erstrecken. Diese begehbaren Druckkörper haben einen Durchmesser von jeweils bis zu 7,2 Metern und beherbergen die Unterkünfte und den Großteil der technischen Systeme. Ein dritter kurzer Druckkörper ist mittig auf die beiden anderen aufgesetzt und beinhaltet auf zwei begehbaren Decks die Kommandozentrale des Bootes, den Funkraum und verschiedene Computersysteme.

Um die Torpedorohre am Bug und die Ruderkontrollen am Heck trotz der beiden parallelen Druckkörper in der Mitte – also auf der Längsachse von Projekt 941 – platzieren zu können, baute man an Bug und Heck jeweils einen weiteren zylindrischen Druckkörper zwischen die beiden Hauptdruckkörper, so dass insgesamt zwei große und drei kleinere Druckkörper das begehbare Innere der Boote bilden. Ein Unfall, bei dem eine Explosion im Torpedoraum einen Großteil des dahinterliegenden Druckkörperinneren zerstört, wie es der Kursk passierte, kann so bei Projekt 941 nicht vorkommen. Wenn sämtliche Schotten im Boot geschlossen sind, bilden sich insgesamt 19 wasserdichte Abteilungen.

Die zwanzig Startbehälter für die Interkontinentalraketen befinden sich zwischen Bug und Turm der Boote. Sie sind zwischen den beiden Hauptdruckkörpern eingelassen und zum Schutz der Raketen vor Schäden durch Wasserdruck und Salzwasser selbst so konstruiert, dass der Druck in ihrem Inneren konstant gehalten wird.

Die Boote des Projekts 941 verfügen über zwei Auftauchkammern am Fuß des Turmaufbaus, die die gesamte Besatzung im Notfall sicher an die Oberfläche tragen können. Diese Rettungskapseln befinden sich an Backbord und Steuerbord und können vom jeweiligen Hauptdruckkörper aus betreten werden.

Projekt 941 ist so konstruiert, dass es rund 48 % mehr statischen Auftrieb erzeugen kann, als notwendig wäre, um das Boot am Sinken zu hindern. Bei der US-amerikanischen Ohio-Klasse sind es dagegen nur 15 %, so dass Projekt 941 im Fall von Beschädigungen weit mehr Wasser aufnehmen kann als sein Gegenstück, bevor es sinkt.Norman Polmar, Kenneth J. Moore: Cold War submarines. The design and construction of U.S. and Soviet submarines. S. 195 (englisch).

Zur Dämmung der Geräuschemissionen wurden bestimmte Maschinen und Installationen von der Druckkörperhülle entkoppelt, indem sie auf Gummischichten gelagert wurden. Der gesamte Rumpf wurde zudem an seiner Außenseite mit einer Schicht aus geräuschdämmenden Kacheln verkleidet.

Konstruktionsprobleme Projekt 941 ist, wie die meisten U-Boote mit ballistischen Raketen aus der Ära des Kalten Krieges, für das Auftauchen unter arktischem Eis und den Durchbruch durch Eisdecken von bis zu zwei Metern Dicke konstruiert.Apalkow: Schiffe der UdSSR – Strategische Raketen-U-Boote und Mehrzweck-U-Boote. S. 35. Der Einsatz unter dem Eis erlaubt einerseits, die Eisdecke als Schutz vor Entdeckung aus der Luft zu nutzen, und andererseits kann die Geräuschkulisse der aneinander schrammenden Eisschichten benutzt werden, um das eigene Boot vor passiver Sonarortung durch andere U-Boote zu verbergen. Für das Durchbrechen der Eisdecke mussten die Konstrukteure besonders den Turm und den Bug von Projekt 941 verstärken, denn das Eis wird beim Auftauchen mit dem Bug voran durchbrochen.

Die Position des Brückenturms hinter den Raketensilos und damit hinter der Schiffsmitte machte die Kombination von Tiefenrudern am Turm und am Heck, wie sie bei den kleineren Booten des vorangegangenen Projekts 667 und auch bei der US-amerikanischen Ohio-Klasse vorkam, für Projekt 941 unmöglich, da die Boote so kaum auf Änderungen der Ruderstellung reagiert hätten. Um den schweren Booten dennoch in kurzer Zeit den Wechsel von einer Tiefe in eine andere zu erlauben, musste man diese Ruder am Bug und am Heck installieren, wie es sonst beim Bau von Jagd-U-Booten gehandhabt wird.

Die Nachteile des Fehlens der Ruder am U-Boot-Turm, die eine unterstützende Wirkung entfalten, wenn ein U-Boot in der Schwebe gehalten werden soll (beispielsweise vor einem Raketenstart) und die ebenfalls Störgeräusche reduzieren, da sie weit vom Sonarsystem im Bug entfernt liegen, mussten bei Projekt 941 von anderen Systemen ausgeglichen werden. Zudem mussten die Tiefenruder am Bug so konstruiert werden, dass sie eingezogen werden konnten, bevor das Boot eine Eisdecke durchbricht oder in einem Hafen manövriert, um so deren Beschädigung zu vermeiden. Neben einer schnelleren Reaktion auf Änderung der Ruderstellung liegt ein Vorteil von Tiefenrudern am Bug in der Verringerung des Widerstandes, da der Turm ohne die Rudermechanik kleiner konstruiert werden kann und sich die erreichbare Geschwindigkeit entsprechend erhöht.Norman Polmar, Kenneth J. Moore: Cold War submarines. The design and construction of U.S. and Soviet submarines. S. 133, 134 (englisch).

Ein weiteres Problem stellte der enorme Tiefgang der Boote in aufgetauchtem Zustand dar. Er beläuft sich auf 11 Meter, was für viele militärische Häfen als zu tief erachtet wurde. Aus diesem Grund bauten die Konstrukteure eine Reserve ein, die es erlaubt, beim Einlaufen in Häfen oder flache Gewässer die Boote über die Wasserlinie hinaus durch das Auspumpen von zusätzlichem Ballastwasser zu leichtern.

Antrieb Die Energieversorgung von Projekt 941 stützt sich auf je einen Reaktorkomplex OK 650B in jedem Druckkörper. Damit hat jedes Boot zwei Druckwasserreaktoren innerhalb der Komplexe. Sie sind mit einer vom Batteriestrom unabhängigen Kühlung ausgestattet und haben Abschaltautomatiken, die die Steuerstäbe auch dann noch zwischen die Brennelemente des Reaktors schieben können, wenn das Boot kieloben liegt.Igor Kudrik: 12. Juni 2002, bellona.org, abgerufen am 11. September 2011 (englisch). Die Reaktoren mit einer thermischen Leistung von jeweils 190 MWth werden zur Dampferzeugung eingesetzt. Mit dem Dampf werden zwei GTSA-Turbinen mit jeweils 45.000 bis 50.000 PSApalkow: Schiffe der UdSSR – Strategische Raketen-U-Boote und Mehrzweck-U-Boote. S. 34. (33 bis 37 MWeff) Leistung angetrieben, die je auf eine der beiden Wellen wirken, die die beiden siebenflügeligen Impeller bewegen. Im Tauchbetrieb können so bis zu 25 Knoten (46 km/h) erreicht werden, an der Oberfläche, an der die beiden Impeller nicht komplett unter Wasser liegen, sinkt die Spitzengeschwindigkeit entsprechend auf 12 Knoten (22 km/h). Die beiden Impeller sind mit einem Gehäuse umschlossen, das sie beim Auftauchen vor Schäden durch Eis schützen soll. Jeder Impeller hat einen Durchmesser von 5,55 Metern.

Alternativ zu den beiden Reaktoren stehen zwei Schiffsdieselgeneratoren für die Stromerzeugung zur Verfügung, die je 800 kW leisten.

Die Boote der Klasse haben Manövrierantriebe mit geringer Leistung, um sich in Häfen oder anderen Umgebungen, in denen sie die Impeller ihres Hauptantriebes nicht benutzen können, zu bewegen. Die beiden Elektromotoren dieser Antriebe leisten je 190 kW. Sie sind an der Rumpfunterseite an Bug und Heck montiert.

Reichweite und Tauchzeit Projekt 941 unterliegt durch seinen nuklearen Antrieb keinen Reichweitenbeschränkungen. Lediglich die mitgeführten Vorräte an Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern für die Besatzung begrenzen die Einsatzdauer der Boote auf geschätzte 120 Tage.J. Apalkow: Schiffe der UdSSR – Strategische Raketen-U-Boote und Mehrzweck-U-Boote. S. 33.

Diese theoretische Einsatzdauer bestätigte sich 1984, als TK-208 121 Tage ohne Unterbrechung getaucht operierte. Der bisherige Rekord, der vom britischen U-Boot HMS Warspite 1983 mit 111 Tagen ununterbrochener Tauchzeit aufgestellt worden war, wurde damit um zehn Tage überboten.

Besatzung