Die Melanbogenbrücke (auch Siegbrücke) ist eine Straßenbrücke über die Sieg zwischen Sankt Augustin-Menden und Troisdorf-West im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Über sie verläuft die L 143, hier als Siegstraße benannt. Die historische Brückenkonstruktion, zu der auch Vorlandbrücken gehören, verbindet die anliegenden Orte und Gewerbegebiete miteinander wie auch mit dem überregionalen Verkehrsnetz. Die Brücke gilt als bedeutendes Denkmal deutscher Ingenieurbaukunst.Wanderungen und Radtouren im Grünen C Tour 2: „Kleine Ostrunde“ auf sankt-augustin.de Aufgrund von Standsicherheitsmängeln ist dennoch ein Abriss und der Neubau an gleicher Stelle geplant.

mini|Westseite, 2011 mini|Das Bauwerk mit Strombrücke und der Vorlandbrücke auf der Sankt Augustiner Seite

Geschichte Die Betonbogenbrücke wurde in Melan-Bauweise errichtet, die auf ein Patent des österreichischen Bauingenieurs Josef Melan zurückgeht.Martina Welt: Marode Brücke über die Sieg. Ein Denkmal wartet auf den Abriss. In: Bonner General-Anzeiger vom 21. März 2017 Diese Schnellbauweise wurde gewählt, um Behinderungen durch Herbst- und Winterhochwasser zu vermeiden. Die Brücke entstand im Zuge der Planung für die Umgehung des Durchgangsverkehrs für Siegburg. Bis dahin verkehrte an der Stelle eine Fähre. Mit dem Bau wurde im Juni 1928 begonnen.Oberkasseler Zeitung, 9. Juni 1928, S. 3 (online)Oberkasseler Zeitung, 26. Juni 1928, S. 3 (online) Die Betonarbeiten wurden von der Bauunternehmung Hüser & Cie. in Oberkassel durchgeführt; die Stahlkonstruktion lieferte das Werk Sterkrade der Gutehoffnungshütte.

Ungenauigkeiten beim Zeichnen, das Nichtberücksichtigen des Gewichtes der Schalung und das ungleichmäßige Verfüllen des Betons in die Schalung führten zu einem Einsturz der Konstruktion während der Betonarbeiten am 8. Dezember 1928. Dabei kam ein Bauarbeiter ums Leben.Michael Lehnberg: Melanbogenbrücke über die Sieg soll neu gebaut werden. In: Bonner General-Anzeiger vom 21. Januar 2013http://www.klu-und-du.de/fileadmin/redaktion/bilder/troisdorf/huette/fahrradrallye/81_eisenbahnbruecke_ueber_die_sieg.jpghttp://www.rheinische-industriekultur.de/objekte/Menden/Siegbruecke/siegbruecke.html

Der 1929 erneut begonnene Brückenbau wurde im selben Jahr erfolgreich abgeschlossen und am 9. November eingeweiht.Die feierliche Uebergabe der neuen Siegbrücke bei Menden, General-Anzeiger, 11. November 1929 Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke teilweise zerstört. Am 16. Oktober 1949 erfolgte nach knapp einjährigem originalgetreuen Wiederaufbau die erneute Einweihung.General-Anzeiger, 8. Oktober 1949, S. 9 (online)General-Anzeiger, 17. Oktober 1949, S. 4 (online )

Im Jahr 2007 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt.Rhein-Sieg-Kreis (Hrsg.): Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises. Rheinland-Verlag, Köln 2008. Im selben Jahr wurden Überbeanspruchungsmängel an den Hängern des Bogens festgestellt. Es wurden provisorische Verstärkungen (zusätzliche Stahlbügel, gen. „Hosenträger“) eingebaut, um eine vorübergehende Weiternutzung der Brücke durch Pkw- und begrenzten Schwerverkehr sicherzustellen.Claus Goralski, Holger Eggemann: Verstärkung der Melan-Brücke über die Sieg bei St. Augustin. In: Beton und Stahlbetonbau, Ausgabe 1/2008, S. 49 f. Für den Schwerlastverkehr über 14 Tonnen wurde sie im Dezember 2006 gesperrt. Bis zur Sperrung überquerten hier täglich rund 700 Lkw von und zu den Industriegebieten Josef-Kitz-Straße und Mendener Straße in Troisdorf die Sieg. Betroffen waren vor allem Zulieferer der Klöckner-Mannstaedt Werke sowie der anliegenden Entsorgungsunternehmen RSAG, Remondis und Suez.Regionale Nachrichten - Archiv 2006, neunkirchen-seelscheid.info

Konstruktion Die Brücke überspannt das rund 60 Meter breite Flussbett der Sieg und die sich beidseitig anschließenden Flutgelände. Das Brückenbauwerk hat eine Gesamtlänge von 265 Metern und eine Breite von 10,8 Metern. Es besteht aus drei Abschnitten: sechs Flut- oder Vorland-Bögen im Hochwasserbereich auf der Mendener Seite mit Spannweiten von 20 bis 25 Metern, der Strombrücke über die Sieg mit dem Melanbogen mit 60 Meter Spannweite, sowie einem Flutbogen auf der Troisdorfer Seite mit 20 Meter Spannweite. Der Bogen der Strombrücke ist oberhalb der Fahrbahn, einer profilstahlbewehrten Stahl-Beton-Verbundkonstruktion, gespannt, die mit Betonhängern an diesen angebunden ist. Nach diesem Prinzip wurden nur wenige Melanbogenbrücken gebaut, eine weitere befindet sich im ehemaligen Arnau an der Oberelbe. Die Flutbögen sind als Dreigelenkbögen mit Fahrbahnplatte ausgeführt.

Neubau Aufgrund technischer Schwierigkeiten, die Melanbogenkonstruktion zu sanieren, beschlossen Behörden und Politik an Stelle der alten Brücke einen Neubau, vermutlich in Form einer Stabbogenbrücke, also mit einer optisch ähnlichen Konstruktion. Trotz Denkmalschutzes wurde im Jahr 2012 eine Abrissgenehmigung erteilt. Eine Alternative, die einen Erhalt als Fußgänger- und Fahrradbrücke bei gleichzeitigem Neubau einer Straßenbrücke vorsah, wurde aus Kostengründen verworfen. Der Baubeginn für die neue Brücke wurde bereits mehrfach verschoben, Ende 2021 wurde mit Beginn der Arbeiten im Jahr 2025 und einer Fertigstellung 2028 gerechnet. Alleine der Abriss wird, aller Voraussicht nach, vier bis sechs Monate in Anspruch nehmen.Abriss der Melanbogenbrücke nicht vor Ende 2021 in General-Anzeiger Bonn vom 13. April 2020, abgerufen am 13. April 2020 Während der Bauzeit von zweieinhalb bis drei Jahren wird der Übergang komplett gesperrt und der Verkehr über die Siegbrücke der B 56 geleitet werden.Andreas Helfer: Marodes Bauwerk. Neue Brücke bei Menden über die Sieg in Sicht. In: Rhein-Sieg Rundschau vom 13. Dezember 2016Dieter Krantz: Menden / Troisdorf. Zwei Jahre Umweg für Autos und Radler wegen Neubau Melanbogenbrücke. In: Rhein-Sieg Rundschau vom 7. April 2017 Nach weiteren Verzögerungen soll das Planfeststellungsverfahren für den Brückenneubau nun 2026 eingeleitet werden (Stand: Januar 2026)., Straßen.NRW

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Troisdorf Liste von Brückeneinstürzen

Weblinks

Menden Siegbrücke auf den Seiten Rheinische Industriekultur L143: Neubau der Siegbrücke zwischen Sankt Augustin und Troisdorf auf den Seiten des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen Historisches Foto des Brückenbaus von 1928

Einzelnachweise

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