Der Verband zur Wahrung der Interessen der bayerischen Radfahrer, seit 1901 Verband zur Wahrung der Interessen der Bayerischen Rad- und Motorfahrer, wurde am 27. März 1896 gegründet und umfasste das Königreich Bayern. Der Verband nutzte seine Verbindungen zur Politik zur Vereinheitlichung der Vorschriften für Radfahrer, zur Verbesserung der Straßen in Bayern und für Vereinfachungen beim Grenzübertritt.Anne-Katrin Ebert: Radelnde Nationen: Die Geschichte des Fahrrads in Deutschland und den Niederlanden bis 1940. Campus historische Studien; 52, Frankfurt: Campus-Verlag, 2010, S. 267.

Geschichte Hervorgegangen ist der Verein aus dem am 15. November 1895 gegründeten Verband zur Wahrung der Interessen der Münchener Radfahrer.

mini|Denkmal für Hermann von Rotenhan in Gauting mini|Inschrift des Denkmals Schirmherr des Vereins war Ludwig Ferdinand von Bayern. Bereits 1898 hatte der Verband zur Wahrung der Interessen der bayerischen Radfahrer, dessen Gründungsvorsitzender Oberst Hermann von Rotenhan (1836–1914) war, der gar als „Urvater“ des Stadtradelns bezeichnet wurdeDer Urvater des Stadtradelns: Freiherr von Rotenhan baute die ersten Radwege in und um München. 5-Seen-Wochenanzeiger (Starnberger Anzeiger), 13. Juni 2017., über 20.000 Mitglieder und verfügte über sehr gute Verbindungen in die bayerische Politik.Anne-Katrin Ebert: Radelnde Nationen. Die Geschichte des Fahrrads in Deutschland und den Niederlanden bis 1940. Campus Verlag, 2010, S. 266–268. ISBN 978-3-593-39158-8. Von Rotenhan war nicht nur Begründer und Gründungspräsident des Verbandes, sondern auch Schöpfer der Sanitätsradfahrer-Kolonne im Verband, aus dem 1909 der Deutsche Samariter- und Sanitätsradfahrer-Verband hervorging.Hermann von Rotenhan. In: Automobil-Rundschau. Ausg. 5, Mitteleuropäischer Motorwagen-Verein, 1906, S. 15.Einsatz von Sanitätsradfahrern durch den "Verband zur Wahrung der Interessen der bayerischen Radfahrer" im Bayerischen Hauptstaatsarchiv.

Die Eingabe des Verbands von 1897 mit der Bitte um Vereinheitlichung der Fahrvorschriften und Feststellung eines einheitlichen Radfahrrechts in Bayern in der Reichsratskammer fand Unterstützung bei Reichsrat Hans Veit zu Toerring-Jettenbach und in der Kammer der Abgeordneten bei den Abgeordneten Andreas Deinhard und Franz August Schenk von Stauffenberg. 1898 erwirkte der Verband den Erlass der Oberpolizeilichen Vorschriften für den Radverkehr am 1. März des Jahres, der alle bisher gültigen Vorschriften niedriger Verwaltungsgliederungen ersetzte und das Fahrrad dem Fuhrwerk gleichstellte. Mitgeführt werden musste eine von der Ortspolizei grundsätzlich nur für Personen ab 14 Jahren ausgestellte „Fahrkarte“. Der Verband gehörte dann dem 1898 gegründeten Kartell deutscher und österreichischer Rad- und Motorfahrer-Verbände an.

Weitere Anliegen des Vereins waren die Verbesserung der Straßen, des Fahrradtransports per Eisenbahn, die Aufhebung der Radfahrverbots für Geistliche einzelner Erzbistümer usw. Der Verein bot neben Werkstätten auch Rechtsschutz.

Ab 1901 nannte sich der Verband Verband zur Wahrung der Interessen der Bayerischen Rad- und Motorfahrer.Anne-Katrin Ebert: Radelnde Nationen: Die Geschichte des Fahrrads in Deutschland und den Niederlanden bis 1940. Campus historische Studien; 52, Frankfurt: Campus-Verlag, 2010, S. 269. 1925 schloss sich der Verband der 1924 gegründeten Vereinigung Deutscher Radsport-Verbände an. Sitz des Vereins blieb immer München.

Mitgliedsverbände 1896/97 1896/97 waren folgende Radfahrerverbände Mitglied im Verband zur Wahrung der Interessen der bayerischen Radfahrervgl. Jahrbuch der deutschen Radfahrer-Vereine 1897/98: Diverse Verbände, Verband zur Wahrung der Interessen der bayr. Radfahrer, S. 147.:

Freie Vereinigung der älteren Münchener Radfahrer-Vereine (Freie Vg. d. ält. Münchener RV) Verband der radfahrenden Mitglieder der Künstlergesellschaft „Allotria“ München Offiziersverbände der Bayerischen Armee: Verband der radfahrenden Officiere des Ingenieur-Corps, München Verband der radfahrenden Officiere des Cadetten-Corps, München Verband der radfahrenden Officiere des Inf.-Leib.-Reg., München Verband der radfahrenden Officiere des 2. Inf.-Reg., München Verband der radfahrenden Officiere des 3. Feld-Art.-Reg., München Verband der radfahrenden Officiere des 6. Inf.-Reg., Amberg Verband der radfahrenden Officiere des 7. Inf.-Reg., Bayreuth Verband der radfahrenden Officiere des 10. Inf.-Reg., Ingolstadt Verband der radfahrenden Officiere des 17. Inf.-Reg., Germersheim Verband der radfahrenden Officiere des 15. Inf.-Reg., Neuburg an der Donau Verband der radfahrenden Officiere des 16. Inf.-Reg., Passau Verband der radfahrenden Officiere des 19. Inf.-Reg., Erlangen Verband der radfahrenden Officiere des 1. Pionier-Bat., Ingolstadt Verband der radfahrenden Officiere des 2. Pionier-Bat., Speyer Verband der radfahrenden Officiere des 1. Jäger-Bat., Kempten

Bedeutende Mitglieder Hermann Julius von Rotenhan (1836–1914), Gründungsvorsitzender, kgl. Kämmerer und Oberst z. D. Max Edelmann, Gründungsschatzmeister und damals Student

Ehrenmitglieder (unvollständig) Prinz Franz von Bayern (seit 1896) Prinz Alfons von Bayern (seit 1896) Herzog Siegfried in Bayern (seit 1896) Ernst Speer (seit 1903), praktischer Arzt und ehemaliger 2. VorsitzenderZeitschrift des Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins. Nr. 2, 1903.

Publikationen Oberst z. D. Freiherr von Rotenhan: Die Entwicklung der Landstraßen und die Anforderungen der Gegenwart an dieselben mit besonderer Berücksichtigung Bayerns. Zusammengestellt von einem Fachmann und hrsg. im Auftrag des Verbandes zur Wahrung der Interessen der bayerischen Radfahrer von dem I. Vorstand, München 1897. Franz Ludwig Wirschinger: Das Radfahrer-Recht im Königreiche Bayern. Bearbeitet im Auftrage des Verbandes zur Wahrung der Interessen der bayerischen Radfahrer, J. Schweitzer, München 1898. Velociped-Fahrkarte und Verzeichnis der in Bayern erlaubten und verbotenen Wege. Herausgegeben vom Verband zur Wahrung der Interessen der bayerischen Radfahrer, 1898.Sammlung Varia 19./20. Jh. Nr. 141, Staatsarchiv München. Blätter für Rad- und Motorfahrer. Offizielles Organ des Verbandes zur Wahrung der Interessen bayerischer Rad- und Motorfahrer; Redaktion und Verlag Augustenstraße 82, München.

Literatur Das Radfahrer-Recht im Königreiche Bayern: bearbeitet und im Auftrag des Verbandes zur Wahrung der Interessen der bayerischen Radfahrer, München 1898, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz: Digitalisat. 2. Schutzverbände. Von August Geisser – Regensburg., in: Der Radfahrsport in Bild und Wort, Acad. Verl. München, 1897, S. 201, Digitalisat.

Weblinks

Historische Radfahrervereine im München-Wiki

Einzelnachweise

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