mini|hochkant|Christian Lorenz (2013) Christian „Flake“ Lorenz (* 16. November 1966 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Musiker. Der als Keyboarder der Band Rammstein bekannt gewordene Lorenz war zuvor Mitglied der Punkband Feeling B. Er ist auch als Schriftsteller und Radiomoderator tätig.
Leben Lorenz wuchs mit seinen Eltern – sein Vater war Ingenieur im VEB Elektro-Apparate-Werke Berlin-Treptow „Friedrich Ebert“ (EAW), seine Mutter an der Humboldt-Universität und nebenbei publizistisch tätigFeeling B: grün & blau. Begleitbuch zur CD, Kapitel Christa Lorenz: Dicht an der Grenze. Motor Music 2007, Katalognummer MOTO7952, S. 22. – und seinem drei Jahre älteren Bruder in dem damals eigenständigen Stadtbezirk Prenzlauer Berg (heute: Bezirk Pankow) auf. Schon in der Kindheit entstand sein Spitzname „Flake“, den er bis heute beibehält. Eigenen Angaben zufolge wird er so genannt, seitdem er fünf Jahre alt war; Vorlage sei ein Handlungsort aus dem Trickfilm Wickie und die starken Männer gewesen.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink. Punk im Osten. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-89602-418-3, S. 117. Da die Sendung – eine Adaption einer ab 1963 erschienenen Kinderbuchreihe von Runer Jonsson, abgerufen am 20.9.17 – jedoch erst 1974 in Deutschland erstausgestrahlt wurde, ist der Ursprung nicht eindeutig geklärt.
Seine Schulzeit beschreibt der Musiker als schwierig, da er stotterte und von Mitschülern gehänselt und in Müllcontainer gesperrt wurde. Er besuchte zunächst die Grundschule an der Heinrich-Roller-Straße, die nur wenige hundert Meter von der elterlichen Wohnung entfernt lag.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink. Punk im Osten. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-89602-418-3, S. 116.Flake: Der Tastenficker – An was ich mich so erinnern kann. 2. Auflage, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86265-439-0, S. 109 ff. In der fünften Klasse lernte er Paulo San Martín aus Chile kennen und freundete sich mit ihm an. Die Freundschaft besteht bis heute, der einstige Schulfreund ist als Band- und Produktionsassistent bei Rammstein tätig.Wer zu Lebzeit gut auf Erden – Rammstein – Mit Deutschlands größtem Kulturexport auf Tour in Amerika. Online-Version Sonderheft aus SZ-Magazin 27/2012, S. 30; abgerufen am 22. Januar 2017
Bis zur 10. Klasse besuchte Lorenz die POS im Prenzlauer Berg, ab dem 1. September 1983 machte er eine Lehre als Werkzeugmacher im VEB Rationalisierung Berlin an der Schönhauser Allee.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink. Punk im Osten. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-89602-418-3, S. 135.Feeling B: grün & blau. Begleitbuch zur CD, Kapitel Christa Lorenz: Dicht an der Grenze. Motor Music 2007, Katalognummer MOTO7952, S. 26. Ursprünglich wollte er Arzt werden, was ihm jedoch verwehrt blieb, da er aufgrund seiner schulischen Leistungen für eine Abiturientenlaufbahn nicht infrage kam. Eigener Aussage nach war der Grund hingegen die angekündigte Wehrdienstverweigerung.Flake Lorenz: "Wer glücklich sein will, soll sich vom Erfolg fernhalten", Interview in: UNICUM BERUF Wirtschaft Nr. 03/2016, S. 10; archiviert unter https://web.archive.org/web/20231211175304/https://www.udrop.com/LdXg/Flake.pdf?download_token=958d4edb29ce7e863a6115eaf9df1ffd2a017cd4ab774cf1b6f75cd50839523a Zudem beschwerte sich die Schuldirektorin bei seinen Eltern, er benehme sich herablassend. Die landläufige Aussage, er werde wegen seines unerfüllten Berufswunsches heute noch von Fans und Bandkollegen „Doktor Lorenz“ genannt, korrigierte er 2017 in seinem Buch Heute hat die Welt Geburtstag:
Nach dem Ende seiner Ausbildung war er bereits als Musiker so aktiv, dass er seinen gelernten Beruf nicht mehr ausübte und nur noch Gelegenheitsjobs übernahm, einerseits, um die eher überschaubaren Gagen aufzubessern, die Feeling B zumindest in der Anfangsphase bekam, andererseits aber auch, um nicht wegen Verstoßes gegen die für Amateurmusiker bestehende Arbeitspflicht des asozialen Lebenswandels bezichtigt und deshalb verhaftet werden zu können. Seiner Einberufung in die Nationale Volksarmee entzog er sich bis zur Wende, indem er sich immer wieder von Ärzten krankschreiben ließ und sich beim Wehrkreiskommando selbst als psychisch labil bezeichnete.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink. Punk im Osten. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-89602-418-3, S. 139.
Nach dem Fall der Mauer und der Einführung der Deutschen Mark reichte sein Verdienst als Musiker Lorenz zufolge nicht mehr aus, sodass er eine vom Staat geförderte ABM-Tätigkeit annahm. Mit Freunden gründete er einen gemeinnützigen Verein und betrieb unter anderem eine nur mäßig erfolgreiche Kunstgalerie, in der er und seine Mitstreiter eigene Gemälde ausstellten. Zudem arbeitete er ab 1990 im entstehenden Kunsthaus Tacheles, für das eine Gruppe Kreativer ein altes Warenhausgebäude an der Oranienburger Straße besetzt hatte. Dort half er beim Aus- und Einbau eines Theaters, betätigte sich als Regisseur im West-Berliner Schillertheater und war als ABM-Kraft unter anderem am Ausbau und an der Wiedereröffnung eines Kinos beteiligt.Flake: Der Tastenficker – An was ich mich so erinnern kann. 2. Auflage, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86265-439-0, S. 258 ff. Später versuchte er, sich durch den An- und Verkauf gebrauchter Westautos Geld dazuzuverdienen. Im Alter von 30 Jahren, als er vom Staat eine Arbeitslosenhilfe bekam, machte er sich als Mitglied der Band Rammstein offiziell als Musiker selbstständig.Flake: Der Tastenficker – An was ich mich so erinnern kann. 2. Auflage, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86265-439-0, S. 287 ff.
In späteren Jahren eröffnete er gemeinsam mit einem Geschäftspartner in Berlin einen Oldtimer-Verleih, in den er als Autofan zahlreiche eigene Fahrzeuge einbrachte. Nach finanziellen Schwierigkeiten und Differenzen mit dem Geschäftspartner stieg er jedoch aus dem Unternehmen aus.Flake: Der Tastenficker – An was ich mich so erinnern kann. 2. Auflage, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86265-439-0, S. 294ff.
Musikalischer Werdegang Seine Liebe zur Musik entdeckte Lorenz nach eigenen Angaben zufällig. Auf eigenen Wunsch erhielt er ab der dritten Klasse Klavierunterricht, nachdem er einen Mitschüler sehr gekonnt spielen gehört hatte. Er wurde an der Musikschule Prenzlauer Berg angemeldet und übte zunächst ohne eigenes Klavier. Um die Noten zu lernen, klebte er Papierstreifen aneinander, auf die er Tasten gemalt hatte. Für 100 Mark erstanden seine Eltern schließlich ein gebrauchtes Klavier.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink. Punk im Osten. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-89602-418-3, S. 117.
Als er im Alter von zehn Jahren nach einem Autounfall längere Zeit im Krankenhaus lag und nach der Entlassung noch zu Hause bleiben musste, schenkte ihm sein Vater, ein großer Jazz-, Country- und Bluesfan,Flake: Der Tastenficker – An was ich mich so erinnern kann. 2. Auflage, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86265-439-0, S. 74/148/149. einen Minett-Kassettenrecorderrft-geraete.de: Kassettengeräte. Mit diesem Gerät nahm Lorenz in den folgenden Jahren Musik aus dem (West-)Radio auf, unter anderem die Sendungen des für seine Honecker-Witze bekannten RIAS-Moderators Lord Knud,maz-online.de: Ich habe wochenlang geflennt. 29. März 2016; abgerufen am 17. Juni 2017 später auch die Sendung Musik für den Recorder des DDR-Senders DT64, bei der zunächst eine Plattenseite einer ostdeutschen Band gespielt wurde und danach die einer internationalen Gruppe. Er gelangte unter anderem an einen Mitschnitt von Musik der Rolling Stones, die ihn begeisterte. Dadurch entstand sein Wunsch, in einer Band zu spielen. Er begann, die Bluesplatten seines Vaters zu hören, und dachte sich eigene Stücke aus, die er gemeinsam mit einem Freund auf Kassette aufnahm, um sie anderen vorzuspielen.Ich habe wochenlang geflennt. maz-online.de, 29. März 2016; abgerufen am 22. Januar 2017Flake: Der Tastenficker – An was ich mich so erinnern kann. 2. Auflage, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86265-439-0, S. 159/166/167.
Seinen ersten Auftritt hatte er im Mai 1981 im Alter von 14 JahrenRonald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink. Punk im Osten. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-89602-418-3, S. 137ff. bei einem Rock-Schulfest an der EOS Heinrich Schliemann im Prenzlauer Berg, die sein Bruder Peter besuchte.Peter Auge Lorenz. neurotitan.de; abgerufen am 22. Mai 2017 Mit seinem chilenischen Schulfreund und dessen bulgarischem Bekannten übte er vier Stücke ein, lieh sich für den Auftritt das schuleigene E-Piano. Als die beiden „Bandkollegen“ kurz vor dem Auftritt wegen Lampenfiebers ausstiegen, überredete er den Schlagzeuger einer anderen dort auftretenden Gruppe, ihn bei seinem Vorspiel zu begleiten. Sein Auftritt endete nach drei Stücken: eines mit E-Piano und Schlagzeug, eines nur noch mit E-Piano – ein Großteil des Publikums und der Drummer hatten Lorenz zufolge die Halle verlassen – sowie ein kurzer Blues, den er auf seiner Mundharmonika spielte. Über diesen Auftritt schrieb Lorenz in seiner 2015 erschienenen Biografie:
Lorenz spielte dann in der christlichen Rhythm-and-Blues-Band Hilflos (später umbenannt in Tedeum),Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink. Punk im Osten. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-89602-418-3, S. 133. die in einer Kirche in Berlin-Pankow probte. Da er kein E-Piano besaß, bestand seine Probe daraus, dass er das Spiel der restlichen Mitglieder verfolgte und das Gehörte zu Hause am Klavier übte. Für Konzerte lieh er sich für jeweils 50 Mark von einem Bekannten dessen Instrument.Flake: Der Tastenficker – An was ich mich so erinnern kann. 2. Auflage, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86265-439-0, S. 171/172. Als die Gruppe sich auflöste, bemühte er sich um eine neue Band. Dies gestaltete sich aber schwierig, da er nach wie vor kein transportables Instrument besaß. Daraufhin kauften ihm seine Eltern für 2000 (Ost-)Mark – Lorenz zufolge das zweieinhalbfache Monatsgehalt seines Vatersspiegel.de: „Mir fehlt die DDR“ einestages, 18. Februar 2008; abgerufen am 23. Juni 2017 – auf Annonce eine gebrauchte Weltmeister-Orgel des Typs TO 200/5, die allerdings nur unwesentlich leichter als ein Klavier war. Laut Lorenz konnten vier Personen sie tragen.
Einstieg bei Feeling B Im Jahr 1983, im Alter von 16 Jahren, wurde er Mitglied der Band Feeling B. Der Kontakt entstand über den Berliner Schlagzeuger Alexander Kriening – dieser war ebenjener Drummer gewesen, der Lorenz zwei Jahre früher beim Schulfest seines Bruders für ein Lied begleitet hatte.Ronald Galenza, Heinz Havemeister: Feeling B – Mix mir einen Drink. Punk im Osten. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-89602-418-3, S. 44/135. Dort musizierte er mit Kriening, zuvorderst aber mit dem Sänger Aljoscha Rompe und mit seinem späteren Rammstein-Bandkollegen, dem Gitarristen Paul Landers, ab 1990 auch mit dem neuen Gastschlagzeuger Christoph Schneider, heute ebenfalls Rammstein-Musiker.
Bei Feeling B sollte Lorenz mit seiner Weltmeister-Orgel nicht nur Melodien spielen, sondern vor allem die Rolle eines Bassisten übernehmen – dieser fehlte zu dieser Zeit in der Band und Lorenz’ Orgel brachte die technischen Voraussetzungen dafür mit, um die unteren Oktaven als Basstöne abzutrennen. Die Musik – eine Art Fun-Punk – machte auf den damals 16-jährigen Lorenz mächtig Eindruck:
Das gleichzeitige Spielen der Basstöne mit der linken Hand und der für die Band seither charakteristischen verspielten Keyboardmelodien mit Rechts blieb in den folgenden zehn Jahren meist Lorenz’ Doppelpart – und erklärt die stoische Miene, mit der er in der Rückschau bei Feeling-B-Konzerten oft beschrieben wird: