Die Landwirtschaft Brasiliens ist eine bedeutende Wirtschaftsgrundlage des Landes. Theoretisch könnte Brasilien etwa eine Milliarde Menschen ernähren, weshalb es als Ernährer der Welt gilt. Durchschnittlich werden 31 % des Bruttoinlandsproduktes mit dem Agrobusiness erwirtschaftet und etwa 42 % aller Exporte sind landwirtschaftliche Güter, wodurch die Landwirtschaft in Brasiliens Handelsbilanz eine essentielle Rolle spielt. Insgesamt gibt es in Brasilien 248 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, wozu jährlich etwa 1 Million Hektar durch Abholzung des tropischen Regenwaldes hinzukommen.
Entlang der Küsten wird Landwirtschaft in kleineren und mittleren Strukturen betrieben und es werden Nahrungsmittel für den Inlandsverbrauch erzeugt. In Mittelbrasilien hingegen gibt es Fazendas, die Flächen von 100.000 Hektar oder mehr bewirtschaften. Sie haben Brasilien zum Kostenführer bei landwirtschaftlichen Massengütern wie Zucker, Sojabohnen, Mais, Kaffee, Orangensaft, Rindfleisch, Schweinefleisch und Geflügelfleisch werden lassen. Die Landwirtschaft Brasiliens hat ihr Potenzial dabei noch nicht ausgeschöpft, es gibt noch große Landreserven und auch durch Intensivierung der Landwirtschaft könnten die Erträge noch weiter gesteigert werden. Die Entwicklung der Landwirtschaft wird vor allem durch Mängel an der Infrastruktur des Landes, durch die Entfernung der Anbaugebiete zu den Exporthäfen für landwirtschaftliche Produkte und durch den hohen Kapitaleinsatz für die Düngung der Felder begrenzt.
An der brasilianischen Landwirtschaft wird kritisiert, dass die Urbarmachung vormaliger Wildnisgebiete fast überall schutzwürdige, artenreiche Biome vernichtet, die aus Naturschutzsicht von internationaler Bedeutung sind. Insbesondere die Abholzung von Regenwaldflächen steht in der Kritik, da dabei zwangsläufig viele (vor allem endemische) Arten ausgerottet werden und ökologisch wertvolle biologische Vielfalt unwiderruflich verlorengeht. Aus Sicht des Klimaschutzes werden bei der Entwaldung zudem wichtige Kohlenstoffsenken degradiert. Wenn sie für die Viehwirtschaft in Weiden umgewandelt werden, kehrt sich die Bedeutung im Kohlenstoffkreislauf sogar um, da Weidetiere große Mengen des hochwirksamen Treibhausgases Methan emittieren. Aus Sicht der Menschenrechte werden in diesem Zusammenhang die Beschneidung der Rechte indigener Völker bis hin zur Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen genannt.
Darüber hinaus wird kritisiert, dass in Brasilien riesige Mengen an Kunstdünger und Pestiziden eingesetzt werden, dass Produkte für den Export in Monokulturen auf sehr großen Flächen angebaut werden und dass die Arbeitsverhältnisse für die Landarbeiter sehr schlecht sind. Zahlreiche Felder werden heute für die Produktion von Exportprodukten oder Energiepflanzen verwendet, anstatt Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung darauf anzubauen. Des Weiteren sind die Eigentumsverhältnisse stark konzentriert: etwa 50 teils ausländische Unternehmen dominieren die Landwirtschaft Brasiliens und ihre vor- und nachgelagerten Industriesektoren, während 150.000 Landarbeiterfamilien kein Land besitzen.
Erzeugnisse Rinder, Rindfleisch und Milch mini|Ein Nelore-Stier in der Region Centro-Oeste Die Züchtung von Rindern und Vermarktung deren Produkte gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Brasiliens. Das Land ist weltgrößter Exporteur von Rindfleisch: Im Jahr 2011 wurden 800 000 Tonnen Rindfleisch exportiert, wodurch Brasilien im Jahr 2011 4,2 Milliarden US-Dollar erlöste. Darüber hinaus werden in Brasilien jedes Jahr pro Person 45 kg Rindfleisch konsumiert. Im Jahr 2012 wurden 35 Millionen Rinder geschlachtet, wodurch 8,4 Millionen Tonnen Fleisch und 34 Millionen Häute gewonnen wurden.
Im Jahre 1920 gab es in Brasilien 34,3 Millionen Rinder. Diese Zahl stieg auf 128,1 Millionen im Jahr 1985 und 176,1 Millionen im Jahr 2006. Brasilien hatte nach Indien im Jahr 2010 weltweit den zweitgrößten Bestand an Rindern. Während der Bestand an Rindern in Brasilien wächst, schrumpft die von Rindern beweidete Fläche. Im Jahre 1985 wurden 179 Millionen ha von Rindern beweidet, im Jahr 2006 waren es noch 159 Millionen. Zwischen 1940 und 2006 ging die Weidefläche pro Tier von 2,56 Hektar auf 1,1 Hektar im Jahr 2006 zurück. Dies wird durch bessere Weidetechnik und genetische Verbesserungen an den Tieren möglich gemacht, etwa durch intensive Portionsweide, wo eine Fläche von 250 Hektar in zwölf Teilstücke unterteilt und von 240 Rindern jeweils eine Woche beweidet werden (Pizza-System). In Regionen mit intensivem Zuckerrohr- und Orangenanbau (vor allem im Bundesstaat São Paulo) die Tiere auch mit 70 % Bagasse aus der Zuckerherstellung, 10 % Baumwollkernmehl und 20 % Trester aus der Orangensaftherstellung gemästet.
In Brasilien gibt es 2,7 Millionen Betriebe, die Rinder halten. Die meisten Rinder leben in den Bundesstaaten Mato Grosso do Sul und Mato Grosso mit je 21 Millionen, weitere 20 Millionen leben im Bundesstaat Minas Gerais, 18 Millionen im Bundesstaat Goiás und 14 Millionen im Bundesstaat Pará. Momentan findet ein Wandel in der brasilianischen Rinderhaltung statt. Während die Bundesstaaten an den Küsten ihren Bestand abbauen, steigen die Bestände im Landesinneren stark. So sank zwischen 1996 und 2006 der Bestand der Rinderherden im Bundesstaat Rio Grande do Sul um 1,9 Millionen und im Bundesstaat São Paulo um 1,8 Millionen. Im gleichen Zeitraum stieg der Bestand an Rindern in Bundesstaat Pará um 7,8 Millionen oder 130 %, im Bundesstaat Roraima um 4,6 Millionen oder 117 % und im Bundesstaat Mato Grosso um 6,2 Millionen oder 43 %. Im Süden Brasiliens dominiert die Haltung des Hausrindes, im Rest des Landes die Haltung von Zebus, wobei die Tiere durch Einkreuzung europäischer Rassen wie Angus, Fleckvieh oder Limousin produktiver gemacht wurden. Für diese Tiere ist eine zweijährige Haltung auf der Weide mit anschließender dreimonatiger Endmast üblich; bei der Schlachtung haben sie dann ein Gewicht zwischen 450 und 550 Kilogramm. An der Verbesserung der Genetik von Rindern wird in Brasilien auch wissenschaftlich geforscht, im Jahr 2001 wurde das erste geklonte Rind des Landes geboren.
Etwa 1,3 Millionen Betriebe in Brasilien produzieren Milch. Insgesamt belief sich im Jahr 2006 die Milchproduktion auf 20,6 Milliarden Liter, wobei die Produktivität im Durchschnitt bei 1618 Liter pro Kuh und Jahr lag. Die Produktivität im Jahr 1970 lag noch bei 678 Liter pro Kuh und Jahr. Der größte Milchproduzent Brasiliens ist der Bundesstaat Minas Gerais, woher 28 % der gesamten Milchproduktion des Landes stammen. Die produktivsten Milchproduzenten sind jedoch die Bundesstaaten Rio Grande so Sul, Paraná und Santa Catarina mit 2406 Litern Milch pro Tier und Jahr. Aus Rindertalg werden in Brasilien etwa 15–20 % des Bio-Diesels gewonnen, weil es billiger ist als Sojaöl.
Mais mini|Maisfeld im Bundesstaat São Paulo. Mais wird in ganz Brasilien angebaut. Die mit Mais bepflanzte Fläche ist von 13,3 Millionen Hektar im Jahre 2003 auf 15,8 Millionen Hektar im Jahre 2015 gestiegen. Die Ernte wuchs ebenfalls, von 48,3 Millionen Tonnen (2003) auf 85,3 Millionen Tonnen (2015). Die Produktivität stieg somit von 3,7 Tonnen (2003) auf 5,5 Tonnen pro Hektar, liegt mit diesem Wert aber deutlich unter der Produktivität im europäischen oder US-amerikanischen Maisanbau. Im Jahr 2011/2012 war Brasilien der viertgrößte Maisproduzent nach den USA, China und der EU. Die wichtigsten Anbaugebiete für Mais liegen dabei im Süden des Landes. Die Hälfte der Ernte 2006 stammte aus den vier Bundesstaaten Paraná, Rio Grande do Sul, Santa Catarina und São Paulo. Dort werden auch die höchsten Erträge pro Hektar erzielt. In den wichtigsten Anbaugebieten ist eine Winter- und Sommerernte möglich. Im Jahre 2006 wuchs 94 Prozent der Maisernte auf künstlich bewässerten Feldern, 82 Prozent wurden chemisch gedüngt, 74 % mit Pestiziden behandelt und etwa ein Drittel der Ernte wurde von Hand eingebracht.
Im Unterschied zu anderen Staaten des Kontinents dient Mais in Brasilien nur zu einem kleinen Teil der menschlichen Ernährung. 75 Prozent des geernteten Mais wird als Tierfutter verwendet, weitere 15 Prozent finden in der Nahrungsmittel- und Chemieindustrie Verwendung. Ein großer Teil, nämlich zwischen 7,7 Millionen Tonnen 2009 und 28,9 Millionen Tonnen 2015, wird exportiert.
Ein Teil der Produktivitätssteigerung, die in den letzten Jahren erzielt werden konnte, geht auf den Einsatz gentechnisch veränderten Saatgutes zurück. Der Einsatz von solchem Saatgut stieg von 39 Prozent im Jahre 2009/2010 auf über 70 Prozent im Jahre 2011/2012. Durch den Einsatz von Pflanzen, die gegen Insektenbefall resistent sind, wurde Brasilien zum weltweit zweitgrößten Erzeugerland von gentechnisch verändertem Mais. Insgesamt werden in Brasilien 316 konventionelle und 173 gentechnisch veränderte Cultivare angebaut. Ein weiterer Teil der Produktivitätssteigerung stammt aus verbesserten Winterernten, deren Ertrag im Jahre 2012 zum ersten Mal den Ertrag der Sommerernte überstieg.
Zuckerrohr, Zucker und Ethanol mini|Zuckerrohranbau im Bundesstaat São Paulo
Die Zuckerrohr-Pflanze wurde durch die portugiesischen Kolonialherren im 16. Jahrhundert nach Brasilien gebracht. Erste Pflanzungen entstanden an der Küste von São Vicente und Olinda. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde São Paulo zum Zentrum des Zuckerrohranbaues. Im Jahr 1933 wurde das brasilianische Institut für Zucker und Alkohol gegründet, wofür ein Überangebot von Zucker im Markt der Anlass war. Dieses Institut hat das Ziel, den Markt zu regulieren und das Risiko für die Produzenten zu senken. Im Jahre 2010 wurde Zuckerrohr auf 9 Millionen Hektar angebaut. Aus dem geernteten Zuckerrohr wurde zu 45 % Zucker und aus dem Rest Bioethanol hergestellt. Heute wird der Zuckerrohranbau durch den Zoneamento Agroecológico da Cana-de-Açúcar reguliert. Dieser verbietet den Anbau von Zuckerrohr in Amazonien, im Pantanal und am Oberlauf des Rio Paraguai und soll die Vernichtung ursprünglicher Vegetation verhindern.
Im Jahre 2006 wurde Zuckerrohr von 193 000 Betrieben angebaut, die insgesamt 407 Millionen Tonnen Zuckerrohr ernteten. Die Konzentration des Anbaus ist jedoch hoch: 54 % des gesamten Zuckerrohres wurde jedoch von den 700 größten Betrieben geerntet. Dabei kamen 70 % der Ernte ohne Bewässerung aus, jedoch wurde 81 % der Ernte mit Pestiziden und 90 % mit Kunstdünger versorgt. Zuckerrohr wird in Brasilien das ganze Jahr über geerntet, mit einem Schwerpunkt in den Monaten Juni bis September. Die Pflanzungen erfolgen ebenfalls das ganze Jahr über, mit einem Schwerpunkt von Januar bis April. Per 2008 wurden etwa zwei Drittel des Zuckerrohrs von Hand geschnitten, wobei zu diesem Zweck die trockenen Pflanzenbestandteile vor dem Ernten abgebrannt werden. Diese Vorgehensweise sollte im Bundesstaat São Paulo per 2017 verboten werden; aus diesem Grund gingen jährlich etwa 1000 Zuckerrohr-Vollernter in den Betrieb. Die Erträge liegen bei 10 bis 12 Tonnen Zucker pro Hektar.
Etwa 60 % der gesamten Zuckerrohrernte im Jahr 2006 wurden im Bundesstaat São Paulo eingefahren. Weitere 8 % des gesamten Zuckerrohres wurden Alagoas, 7 % in Paraná und 5 % in Minas Gerais geerntet. Das absolute Zentrum des brasilianischen Zuckerrohranbaus liegt in der Mesoregion Riberão Preto, wo 21 % des gesamten brasilianischen Zuckerrohres geerntet werden. Weitere äußerst wichtige Anbaugebiete sind die Mesoregionen São José do Rio Preto und Bauru in São Paulo sowie Leste Alagoano in Alagoas. Es gibt eine Tendenz, dass der Zuckerrohr-Anbau aus São Paulo in Richtung Mato Grosso und Mato Grosso do Sul wandert; die per 2008 größte Zuckerfabrik des Landes befand sich in der Nähe von Cuiabá und verarbeitete 6,3 Millionen Tonnen Rohr aus einem Umkreis von 30 Kilometern.