Transformation (, „über, hinweg“ und , „bilden, gestalten“Ursula Hermann, Knaurs etymologisches Lexikon, 1983, S. 486.) ist in der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre ein Prozess der wesentlichen Zustandsänderung vom aktuellen Ist-Zustand zu einem angestrebten Ziel.
Allgemeines Die betriebliche Transformation ist ein Prozess einander bedingender sozialer und technischer Innovationen.Peter Witt, Planung betrieblicher Transformationsprozesse, 1996, S. 2 Eine Transformation muss wesentliche Veränderungen zur Folge haben. Diese können neue Technologien, Produkt- oder Finanzinnovationen zum Inhalt haben. Betriebliche Veränderungen können durch Anpassungen an externe (etwa geänderte Marktdaten) oder interne Umwelteinflüsse (Technologietransfer) ausgelöst werden.
Arten Der wichtigste Transformationsprozess findet täglich in Unternehmen bei der Produktion statt. Hierbei werden Roh-, Hilfs-, Betriebs- und Werkstoffe im Produktionsprozess in Güter oder Dienstleistungen umgewandelt, die mehr oder weniger nicht mehr das Aussehen oder die Eigenschaften der verwendeten Produktionsfaktoren aufweisen. Der Produktionsprozess wird als auf das Unternehmensziel ausgerichteter Transformationsprozess verstanden.Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Hrsg.), Gabler Kompakt-Lexikon Wirtschaft, 2010, S. 352 Der Produktionsprozess ist eine Transformation von Gütern, die Produktion ist das Ergebnis einer Transformation von Gütern.Joachim Houtman, Elemente einer umweltorientierten Produktionstheorie, 1998, S. 52 Bei Dienstleistungsunternehmen wirken als externer Produktionsfaktor der Kunde, Dritte oder die von ihnen eingebrachten Wirtschaftsobjekte am Produktionsprozess mit.Rudolf Maleri, Betriebswirtschaftliche Probleme der Dienstleistungsproduktion, 1970, S. 83 ff. Auch hier findet eine Transformation statt.
Nach der Wende musste in der DDR eine Transformation planwirtschaftlicher Unternehmen in marktwirtschaftliche erfolgen, denn dies war eingebunden in den gesamtwirtschaftlichen ostdeutschen Transformationsprozess.Horst Albach, Zerrissene Netze: Eine Netzwerkanalyse des ostdeutschen Transformationsprozesses, 1993, S. 11 f. Die zu ändernden volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen gaben dabei die betrieblichen Änderungen vor.Peter Witt, Planung betrieblicher Transformationsprozesse, 1996, S. 1.
Technischer Fortschritt, Schlüsseltechnologien (Robotik, Sensorik, Mikroelektronik)Helmut Schmalen/Hans Pechtl, Grundlagen und Probleme der Betriebswirtschaft, 2019, S. 20 oder Automatisierung überwiegend manueller Tätigkeiten bis hin zum Roboter und künstlicher Intelligenz sind technologische Transformationen. Auch organisatorische Maßnahmen wie Just-in-time-Produktion, Änderung der Fertigungstiefe, neue Fertigungsverfahren, Verfahrenstechnik, Digitalisierung oder Mechanisierung sind betriebliche Transformationen.
Volkswirtschaftliche Ebene Die industrielle Revolution, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihren Ausgangspunkt in Großbritannien hatte und sich von hier in immer mehr Länder ausbreitete, ist ein Beispiel für die Transformation ganzer Volkswirtschaften. Unter der Industriellen Revolution versteht man im engeren Sinne die durch Erfindung der Dampfmaschine und anderer neuer Arbeitsmaschinen (z. B. Webstuhl „Spinning Jenny“) in Verbindung mit der Fabrikproduktion ausgelöste Periode der stürmischen Industrialisierung. Die Industrielle Revolution bezeichnet im weiteren Sinne den durch wissenschaftlichen Fortschritt und technische Entwicklung ausgelösten schnellen Wechsel der Produktionstechniken und die damit verbundenen Veränderungen in der Gesellschaft.
Ein wichtiger Einflussfaktor für die Entstehung der Industriellen Revolution war die Dampfmaschine, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland die Industrielle Revolution vorantrieb und dafür sorgte, dass immer mehr Waren maschinell hergestellt werden konnten.
Die Industrielle Revolution lässt sich in vier Phasen unterteilen:
Phasen der Industriellen Revolution 1. Phase der Industriellen Revolution 1830–1871 Die Entwicklung der Dampfmaschine und ihr Einsatz in Fabriken im 18. Jahrhundert, trieb die Industrialisierung massiv voran. Durch die mechanischen Produktionsanlagen konnte eine größere Anzahl von Waren gefertigt werden.
2. Phase der Industriellen Revolution 1871–1969 Der Startschuss für die 2. Phase der Industriellen Revolution war die Einführung der Elektrizität als Antriebskraft. Durch die elektrische Energie führte Henry Ford 1913 in der Autoproduktion die Fließbandfertigung ein, die zuerst bei Schlachthöfen eingesetzt wurde. Kennzeichen der Industrie 2.0 sind die Unterteilung der Produktion in einzelne, in sich abgeschlossene Arbeitsschritte. Die Produktion lief deutlich schneller ab, da jeder Arbeiter nur noch einen Handgriff erledigte, die Reihenfertigung wurde geboren. In dieser Zeit begann auch die Globalisierung, die es ermöglichte Autos, Rohstoffe, Kleidung und Lebensmittel erstmals über Kontinente hinweg zu transportieren. Die Luftfahrt, die zu dieser Zeit ihren Betrieb aufnahm, trieb diesen Prozess voran.
3. Phase der Industriellen Revolution 1970 – Ende des 20. Jahrhunderts Die 3. Phase der Industriellen Revolution ist die Phase der Rationalisierung und Automatisierung. Die ersten programmierbaren Steuerungen kamen damals auf den Markt. In dieser Phase wird die menschliche Arbeitskraft zunehmend durch Maschinen in der Reihenfertigung ersetzt.
4. Phase der Industriellen Revolution heute Der Beginn der 4. Phase der industriellen Revolution ist das Ende des 20. Jahrhunderts. Die bis heute anhaltende, zunehmende Digitalisierung ist ein Kennzeichen der Industrie 4.0. Roboter fertigen in modernen Fabriken Hand in Hand mit Mitarbeitern. Die Roboter sind untereinander und mit den Werkstücken vernetzt und tauschen so ständig Informationen über den Stand des Fertigungsprozesses aus, Kunden, Firmen, Fabriken, Maschinen und Produkte stehen in direktem Kontakt und können Informationen und Anforderungen austauschen. Enorme Auswirkungen hat die Industrie 4.0 auf die Produktions- und Arbeitswelt im globalen Zeitalter. IT und Fertigungstechniken verschmelzen in den Fabriken der Zukunft. Durch die digitale Vernetzung können Maschinen aufeinander abgestimmt, Zeit und Ressourcen eingespart und individuelle Wünsche auch in geringen Stückzahlen wirtschaftlich hergestellt werden.
Branchenebene Eine neue Technologie kann dann eine ganze Branche revolutionieren, wenn ein Geschäftsmodell mit den neu entstehenden Bedürfnissen verbunden wird. Ein Beispiel hierfür ist die MP3-Technologie, die sich erst zu dem Zeitpunkt durchsetzte, als Apple den iPod mit iTunes verband und so ein ganz neues Geschäftsmodell entwarf.
eBay, facebook oder Google sind weitere Beispiele dafür, dass neue Produkte bzw. Dienstleistungen erst in Kombination mit einem neuen Geschäftsmodell vertrieben werden können. Ein weiters Beispiel ist die Elektromobilität als wahrscheinlicher Motor für eine Transformation im Automobilwesen. Transformationspotenzial für eine ganze Branche kann laut einer Studie dann entstehen, wenn neue Technologien bzw. Innovationen mit einem neuen Geschäftsmodell in Verbindung gebracht werden. Dabei muss das neue Angebot mindestens drei der folgenden Merkmale erfüllen: Individualisierte und personalisierte Produkte und Dienstleistungen (z. B. iTunes, Apps auf dem Handy); Ein geschlossener Kreislauf als Ersatz für eine lineare Konsumfolge; Geteilte Vermögenswerte anstelle von teuren Investitionen (z. B. AirBnB, Uber); Nutzenbasierte Preise statt Kauf der Produkte; Ein kooperatives Ökosystem durch Zusammenarbeit mit Partnern; Eine agile Organisation ersetzt herkömmliche und hierarchische Entscheidungswege.
Betriebliche Ebene Unter einer Unternehmenstransformation versteht man die aufeinander abgestimmte Umgestaltung der genetischen Architektur eines Unternehmens. Diese kann gleichzeitig – wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten- in vier verschiedenen Dimensionen („Die vier R der Transformation“) erfolgen. Typischerweise muss ein Unternehmen während des Transformationsprozesses einen Großteil seiner Beziehungen zur Umwelt neu definieren. Daher stellt die Business Transformation eine entscheidende Wende in den Beziehungen des Unternehmens zu Einzelpersonen und zu seinem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld dar. Somit bezieht sich eine ganzheitliche Business Transformation auf die gesamte Organisation: das Hinterfragen aller Geschäfts- und Unternehmensprozesse, verbunden mit einer radikalen Umgestaltung. Dauerhafter unternehmerischer Erfolg ist nur durch ständige Veränderung möglich.
Die International Business Machines Corporation (IBM) ist ein Beispiel dafür, wie durch die Änderung des Geschäftsmodells eines Unternehmens über die Jahre ein stetiger Transformationsprozess in Gang gesetzt wurde. IBM konnte sich auf diesem Wege von einem überwiegend produzierenden Unternehmen hin zu einem Dienstleistungsgiganten entwickeln.
Weitere Beispiele für Branchen- und Unternehmenstransformationen Transformation der Musikindustrie bzw. des Handels mit Musik; Transformation der Möbelhersteller vom umfassenden Service (Beratung, Lieferung, Aufbau) hin zur Selbstbedienung (Beispiel IKEA); General Motors: Transformation und Umstrukturierung; Transformation bei Remington vom Schreibmaschinenhersteller zum Rasierer-Hersteller, als der Personal Computer die Schreibmaschine verdrängte; BBC’s Delivering Quality First Programm. Marktführer können, wenn sie Umwälzungen ignorieren und sich allein auf ihre bisherigen Erfolge verlassen, auf einem Markt in der Bedeutungslosigkeit versinken, wie das Beispiel Nokia zeigt.
Ein Modell bzw. Hilfsmittel für die betriebliche Transformation ist der Enterprise Transformation Cycle.
Enterprise Transformation Cycle Der Enterprise Transformation Cycle betrachtet Abhängigkeiten, die bei einem Transformationsprozess im Unternehmen entstehen und minimiert die Prozesskomplexität durch die Differenzierung in Teilschritte. Er dient einer zielgerechten Transformationsplanung sowie deren Implementierung. Das Wort „Cycle“ deutet darauf hin, dass es sich hierbei um einen wiederkehrenden Zyklus handelt, der immer dann durchlaufen werden kann, wenn sich die Rahmenbedingungen des Unternehmens ändern. Dies kann zu einem permanenten Veränderungsprozess führen. mini|Aspekte des Enterprise Transformation Cycle
Aspekte des Enterprise Transformation Cycles Der Enterprise Transformation Cycle umfasst sechs Phasen, die für eine gelungene Transformationsdurchführung von Bedeutung sind. Hierbei wird jeder Bereich des Unternehmens einbezogen. Die einzelnen Phasen bauen aufeinander auf und werden zunehmend spezieller.
Strategie und Positionierung Das Ziel der ersten Phase ist es, die Unternehmens- und Geschäftsfeldstrategie zu durchdenken. Im nächsten Schritt gilt es, die strategische Positionierung zu definieren. Die Strategie und die Positionierung beschreiben somit die grundlegende Orientierung des Unternehmens. Hieraus erfolgt die Formulierung der Unternehmensziele und es ergibt sich der Geschäftsauftrag für die einzelnen Unternehmensebenen. Diese Phase des Enterprise Transformation Cycle bzw. deren Ergebnisse beeinflussen jeder der darauf folgenden Phasen direkt oder indirekt.
Prozesse und Rollen Nach der Definition von Strategie und Positionierung, sowie der daraus abgeleiteten Unternehmensziele, muss geklärt werden, wie diese Ziele erreicht werden können. Hierfür berücksichtigt die zweite Phase alle Abläufe und Prozesse der Wertschöpfungskette. Optimierte Prozesse sorgen dafür, dass Aufgaben planvoll durchgeführt werden und unterstützen somit das Unternehmen bei dessen Zielerreichung. Innerhalb der definierten Prozesse braucht es eine klare Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten. In den verschiedenen Unternehmensfunktionen sorgt die Zuweisung von Verantwortlichkeiten dafür, dass den Prozessen ordnungsgemäß nachgekommen wird.
Organisationsstruktur