mini|hochkant|Weigui Fang 2016 Weigui Fang (chinesisch: Fang Weigui 方维规, pinyin: Fāng Wéiguī; * 1957 in Shanghai, Volksrepublik China)Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2007: Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart, 21. Ausgabe, De Gruyter/Saur, Berlin/Boston/New York 2007, ISBN 3-598-23616-6. ist ein chinesischer Komparatist, SinologeWolfgang Kubin bestätigt Fangs Rolle als „Sinologe“. (Wolfgang Kubin, Rezension des von Fang herausgegebenen Buchs Den Kranich fragen. 155 Gedichte von Bai Juyi, in: ORIENTIERUNGEN. Zeitschrift zur Kultur Asiens, # 1/2007, S. 129–130.) – In Kürschners Deutschem Gelehrten-Kalender findet sich die folgende Angabe über Fangs Forschungsschwerpunkte: „Vergleichende Literaturwissenschaft; moderne chinesische Kultur und Literatur; Sprachwandel des Chinesischen (Historische Semantik); chinesische Medien“. und Literatur-Übersetzer. Die Neue Zürcher Zeitung nennt ihn kurz „Literaturwissenschaftler“ (NZZ, 6. Aug. 2004). Für den bekannten Sinologen Wolfgang Kubin ist Weigui Fang ein „hochtalentierter Sinologe“.Siehe Wolfgang Kubins Rezension des von Fang herausgegebenen Buchs Den Kranich fragen. 155 Gedichte von Bai Juyi, ebenda, S. 129. Karl-Heinz Pohl lobt die Übersetzung von 150 Gedichten des klassischen chinesischen Dichters Bai Juyi und spricht in seinem Vorwort zu dem Buch Den Kranich fragen von Fangs „souveräne[r] Übersetzungskunst“.Siehe Karl Heinz Pohl, „Vorwort“, in: Weigui Fang, Den Kranich fragen, 155 Gedichte von Bai Juyi. Göttingen: Cuvillier Verlag 1999, p.1. – Der Dichter und Sinologe Wolfgang Kubin spricht der Übersetzung ebenfalls eine hohe Qualität zu: „Der Ton […] kommt dem Original erstaunlich nahe“ (W. Kubin, Rezension von Den Kranich fragen. 155 Gedichte von Bai Juyi, ebenda.). Fang ist Distinguished Professor (sowie Changjiang Scholar) an der Beijing Normal University (BNU) in Peking.Siehe den Text „Fang Weigui 方维规“, veröffentlicht von der Abteilung für Chinesische Sprache und Literatur (School of Chinese Language and Literature) der Beijing Normal University (BNU), auf der BNU website Besucht am Nov 23, 2017. sowie Direktor des Center for Literature and the History of Ideas an der BNU. Weigui Fang zählt zudem zu den wichtigsten Spezialisten für historische Semantik in China.Er ist nicht nur in China, sondern auch im Ausland bekannt für seine Veröffentlichungen über Sprachwandel und die historische Entwicklung neuer Begriffe. So lobte die Zeitschrift Archiv orientální / Quarterly Journal of African and Asian Studies (Bd. 71, Nr. 1, Februar 2003, S. 209. - ), veröffentlicht vom Oriental Institute der Akademie der Wissenschaften in Prague, Fangs Aufsatz „Yi, yang, xi, wai and other terms: The Transition from 'Barbarian' to 'Foreigner' in Late Imperial China“, z. B. mit den Worten: „This study is an outstanding example of the role of lexicology […].“ (Auf Deutsch: „Diese Untersuchung ist ein hervorragendes Beispiel für die Rolle der Lexikologie“ – wenn dieselbe so kompetent praktiziert wird wie in dem besagten Beitrag Weigui Fangs.) Ebenso wie ähnlich historisch-semantisch orientierte Artikel von Fang wurde der Aufsatz in zahlreichen Büchern herangezogen, so von R.J. Smith in: Richard J. Smith, The Qing Dynasty and Traditional Chinese Culture. Lantham; Boulder; New York; London: Rowman & Littlefield, 2015. ISBN 978-1-4422-2192-5; ISBN 978-1-4422-2194-9, und von Sufen Sophia Lai in ihrem Text „Racial Discourse and Utopian Visions in Nineteenth Century China“, in: Rotem Kowner and Walter Demel (eds), Race and Racism in Modern East Asia: Western and Eastern Constructions. Brill: Leiden, 2012, S. 327–350. ISBN 978-90-04-23729-2 (Hardback); ISBN 978-90-04-23741-4 (E-Book). Lai schreibt auf S. 344: „China took time to shed its ambivalent habit of using yi as a signifier for foreigners. as late as 1850, Chinese official documents still used the term yi for referring to foreigners. According to Fang Weigui's study of the ‚transitional phenomenon‘ of gradually replacing yi with other terms, the usage of yi declined after 1860.“ His contribution focused on the concepts of yi, yang, xi, and wai is also discussed in Monumenta Serica/Journal of Oriental Studies, Bd. 53 (2005), S. 254. Seine Forschung über das sich wandelnde Bild Chinas in der deutschen Literatur fand Beachtung bei vielen Kollegen, so z. B. bei Marie Dollé and Geneviève Espagne (Universität Amiens).Marie Dollé und Geneviève Espagne schreiben, dass „FANG WEIGUI […] explique qu’au XIXe siècle des personnalités de premier plan infléchissent nettement la réception allemande et française de la culture chinoise dans le sens du dédain et de la déformation. À la suite de Montesquieu, Rousseau, Herder qui, dès le XVIIIe siècle, avaient laissé entendre leurs voix discordantes au milieu d’un discours globalement sinophile, Hegel, Schelling et Marx donnent à leur pensée une orientation sinophobe. Marx voit l’Empire du Milieu comme le « repaire de la réaction et du conservatisme ». L’idée d’une Chine immobile, figée, privée des mouvements bénéfiques de l’Histoire se consolide à cette époque. Elle alimentera l’idéologie colonialiste tout au long des conflits qui opposeront les puissances occidentales à un pays désormais « ouvert », les deux Guerres de l’opium, la guerre des Boxers.“ Siehe: Entre France et Allemagne: Idées de la Chine au XIXe siècle. Sous la direction de Marie Dollé et Geneviève Espagne. Paris: Les Indes savantes, 2014, S. 9. ISBN 978-2-84654-282-1.

Studium sowie frühe Lehr- und Forschungstätigkeit Weigui Fang absolvierte die Shanghai International Studies University und lehrte danach am German Department dieser Universität, bevor er im Rahmen eines akademischen Kooperationsprogramms der Beijing Foreign Studies University und der Humboldt-Universität nach Deutschland kam und an der Humboldt-Universität eine komparatistische Arbeit über Brecht und Lu Xun (Lu Hsün) schrieb,Siehe den Beitrag ”Fang Weigui 方维规”, ebenda. die 1991 unter dem Titel Brecht und Lu Xun. Eine Studie zum Verfremdungseffekt publiziert wurde.

Dann promovierte er in Komparatistik an der Universität Aachen. Seine Dissertation über das Bild Chinas in der deutschen Literatur zwischen 1871 und 1933 wurde 1992 veröffentlicht.Das Buch wurde positiv besprochen in: Hefte für ostasiatische Literatur (München), Nr. 15, Nov. 1993, S. 144–146. Sie war inspiriert durch die theoretischen Reflexionen des in Aachen lehrenden belgischen Komparatisten Hugo Dyserinck und seine Auffassung von „Imagologie“.Adrian Hsia merkte 1998 an: "imagology is experiencing a renaissance in Europe. A recent example is the doctoral dissertation of a Chinese scholar from Shanghai with the subtitle “Ein Beitrag zur komparatistischen Imagologie” (“A Contribution to Comparative Imagology”). As a student of the comparatist Hugo Dyserinck and benefitting from the latter’s erudition, he devotes over 60 pages to delineating all aspects of imagology. (Adrian Hsia, Chinesia: The European Construction of China in the Literature of the 17th and 18th Centuries. Berlin: De Gruyter, 1998; S. 13. ISBN 978-3-11-091489-4, ISBN 978-3-484-63016-1.) Dyserinck bestand auf der Notwendigkeit einer kritischen Erforschung der wechselseitig bestehenden ideologischen Selbst- und Fremdbilder (auto-images; Vorstellungen von sich und der eigenen Kultur) und hetero-images current (Vorstellungen vom „Anderen“) in den „nationalen Literaturen“ wie z. B. der französischen und der deutschen, die einander beeinflussten.Thomas Krause denkt, dass die Rekurrenz typischer ideologischer „images“ betonte: „Auffällig ist, dass bestimmte imagotype Elemente immer wieder mechanisch übernommen und trotz verändertem Kontext nur leicht verändert benutzt werden. Weigui Fang schlussfolgert daraus, dass die charakteristischen Merkmale der Konstanz die 'Wirkungspotenz ', die 'Überlieferungsmöglichkeiten' und die 'Gebräuchlichkeit' sind. Dadurch, so seine Überlegungen, wird erst die 'Universalität' ermöglicht.“ (Thomas Krause, Die Fremde Rast Durchs Gehirn, Das Nichts…: Deutschlandbilder in den Texten Der Banater Autorengruppe (1969–1991). Frankfurt; Berlin; Bern; New York; Paris: Peter Lang, 1998; S. 19.)

Anschließend schrieb Fang eine Post-doc Arbeit über Chinesische Literatur im Gefolge der 4.-Mai-Bewegung und damit in der sogenannten „Republikzeit“ (1919–1949), während er gleichzeitig von 1992 bis 1996 am Fachbereich II – Sinologie der Universität Trier lehrte und forschte. Ab 1996 bis 2000 arbeitete Fang am Ostasiatischen Seminar der Universität Göttingen und war beteiligt an der Forschung über „Neues Wissen“ in China während der späten Qing-Zeit. Seit 2001 forschte er am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Trier und lehrte zugleich am FB II-Sinologie dieser Universität. Im Jahre 2002 wurde seine Post-doc Arbeit als „Habilitationsschrift“ von der Universität Erlangen akzeptiert; sie erschien 2006 bei Harrassowitz. Das Buch wurde bei Harrassowitz publiziert unter dem Titel „Selbstreflexion in der Zeit des Erwachens und des Widerstands – Moderne Chinesische Literatur 1919–1949.“Das Buch wurde von Wolfgang Kubin positiv besprochen. Es wurde ebenfalls positiv besprochen in der Zeitschrift „Weimarer Beiträge“, Jg. 55, No. 2, 2009, S. 309–313.

Nach seiner „Habilitation“ war Fang Weigui Privatdozent und hielt Vorlesungen am Institut für Sprachen und Kulturen des Nahen Ostens und Ostasiens der Universität Erlangen. Er war zugleich weiterhin (bis 2006) am FB-II Sinologie sowie am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Trier tätig. Damals entstand sein Buch Das Internet und China, das u. a. in „Der Bund“ (Bern) positiv rezensiert wurde.In seiner Rezension des Buchs Das Internet und China (Hannover: Heise, 2004) schreibt Nick Lüthi: “Bei der Lektüre stellt sich heraus, dass sich der Autor der […] Problemzonen durchaus bewusst ist, sich aber davor hütet, einen anprangernden Ton anzuschlagen – im Wissen, dass manche der denunzierten Missstände Folge einer vielschichtigen Gemengelage sind.” Nick Lüthi, “Hinter dem Grossen Firewall: Internet-Boom in China: Sars hat dem E-Business weiteren Schub verliehen”, in: Der Bund (Bern), 4. August 2004, S. 35. - Fangs Buch findet auch Erwähnung bei Autoren wie Nele Noesselt, so in Noesselts Buch Governance-Formen in China: Theorie und Praxis des chinesischen Modells. GIGA, Springer VS, Hamburg 2012, ISBN 978-3-658-00722-5.

Spätere Karriere Seit seiner Rückkehr nach China im Jahr 2006,Wolfgang Kubin bedauerte diese Rückkehr als einen Verlust für die deutsche Sinologie und Komparatistik: „Gute Wissenschaftler verlassen bekanntlich Deutschland, und so ist auch der hochtalentierte Sinologe Fang Weigui 方维规, der in Deutschland promoviert worden ist und sich daselbst auch habilitiert hat, nach China zurückgekehrt.“ (Wolfgang Kubin (Bonn): Besprechung von Weigui FANG (hg.), Den Kranich fragen. 155 Gedichte von Bai Juyi, ebenda.) lehrt Fang als Professor am Institut für Chinesische Sprache und Literatur (School of Chinese Language and Literature) der Beijing Normal University, und ist zugleich Direktor des Center for Literature and the History of Ideas an der BNU. Er ist nicht nur Distinguished Professor an der BNU, sondern auch Chiangjiang Scholar des Erziehungsministeriums (Ministry of Education), was eine hohe Auszeichnung für außergewöhnliche akademische Leistungen bedeutet.Siehe den Text ”Fang Weigui 方维规”, ibidem, Besucht am 23. Nov. 2017. Seine Arbeitsschwerpunkte sind komparative Poetik, vergleichende Literaturwissenschaft, Begriffsgeschichte, Literatursoziologie, und sinologische Forschung zur „überseeischen“ chinesischen Literatur.