Der Bahnhof Waren (Müritz) in der gleichnamigen Stadt ist ein Eisenbahnknotenpunkt in Mecklenburg-Vorpommern. Hier treffen die Bahnstrecken Neustrelitz–Warnemünde, Parchim–Neubrandenburg (Mecklenburgische Südbahn) und die 1998 stillgelegte Verbindung nach Malchin zusammen. Das Empfangsgebäude und das Güterabfertigungsgebäude stehen unter Denkmalschutz.
Lage Der Bahnhof liegt im Norden der Stadt Waren (Müritz) im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, etwa einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Gleisanlagen verlaufen annähernd in nordwestlich-südöstlicher Richtung, das Empfangsgebäude steht im südlichen Bahnhofsteile auf der östlichen, innenstadtabgewandten Seite. Im nordwestlichen Bahnhofsteil trennen sich die Streckenäste in Richtung Parchim, Warnemünde und Malchin, in der anderen Richtung zweigen die Strecken Richtung Neubrandenburg und Neustrelitz erst im Bahnhof Kargow ab.
Geschichte Vorgeschichte und Bau mini|hochkant=1.1|Waren um 1890. Der Bahnhof entstand nördlich der Stadt. Am oberen Rand von links nach rechts die Strecken nach Malchow, Rostock und Malchin. Mitte der 1860er Jahre zeigte Waren großes Interesse an einem Eisenbahnanschluss. Der örtliche Bürgerausschuss beschwerte sich 1864 beim Großherzog, dass die Bahnstrecke aus Güstrow über Neubrandenburg deutlich an Waren vorbeigehen würde. Waren würde ohne Eisenbahn an Bedeutung verlieren. Erst 15 Jahre später erhielt sie die erste Eisenbahn. Die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn eröffnete am 9. November 1879 eine Stichstrecke aus Malchin, wo Anschluss nach Güstrow und Neubrandenburg bestand. Der erste Warener Bahnhof lag an der Friedrich-Franz-Straße, der heutigen Malchiner Straße.Jürgen Kniesz, Waren (Müritz): ein Rundgang durch die Stadt(geschichte), Sutton Verlag, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-944-4, S. 56–58 Der Straßenname „Am Alten Bahndamm“ nördlich des jetzigen Bahnhofs erinnert an den ehemaligen Verlauf der Bahnstrecke nach Malchin.
1885 und 1886 erreichten zwei weitere Bahnstrecken die Stadt. Die Mecklenburgische Südbahn-Gesellschaft eröffnete im Januar 1885 die Strecke von Parchim nach Neubrandenburg, die Eisenbahn- und Dampfschiffs-Actien-Gesellschaft Deutsch-Nordischer Lloyd im Juni 1886 die als „Lloydbahn“ bekannt gewordene Bahn von Neustrelitz nach Warnemünde mit Schiffsanschluss nach Kopenhagen. Der Bau der Strecken durch die Stadt war mangels Platzes schwierig, da die Altstadt die Fläche zwischen zwei Seen ausfüllte. Dem Streckenbau musste ein Teil der Stadtmauer und mehrere Häuser weichen. Auf engem Raum verliefen die Gleise der Südbahn, der Lloydbahn und der Anschlussbahn zum Hafen parallel. Der Bahnhof mit einem von der Lloydbahn gebautenLothar Schultz, Die Lloydbahn, Neustrelitz–Rostock–Warnemünde, VBN Verlag B. Neddermeyer, Berlin 2010, ISBN 978-3-941712-08-9, S. 39–44 repräsentativen Empfangsgebäude entstand auf freiem Feld nördlich der Stadt und wurde von beiden Bahngesellschaften genutzt. Vom Bahnhof zur Innenstadt führte parallel zu den Streckengleisen eine Anschlussbahn zum Hafen an der Müritz.
Staatsbahn mini|Bahnsteige und Gleise im Jahr 1907 Mitte der 1890er Jahre gingen Lloyd- und Südbahn in das Eigentum des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin über. Damit unterstanden alle drei Waren berührenden Bahnstrecken einer einzigen Verwaltung. Daraufhin wurde auch die Malchiner Bahn in den Bahnhof der Lloyd- und Südbahn eingeführt und der eigene Bahnhof für die Strecke nach Malchin aufgegeben.
In den folgenden Jahrzehnten führte das industrielle Wachstum zu einer erhöhten Verkehrsnachfrage. Die beengte städtebauliche Situation mit wenig Platz und einer Vielzahl von Bahnübergängen führte immer wieder zu Problemen, vor allem in Richtung des innenstadtnahen Hafens. Größere Erweiterungen des eigentlichen Bahnhofsareals in Richtung Norden entstanden Anfang der 1920er Jahre. Die Güterverkehrsanlagen wurden erweitert, ein neues Bahnbetriebswerk entstand. Die Probleme mit der Gleisführung im Innenstadtbereich bestanden aber weiterhin.
Im Jahr 1932 wurde die Bahnhofsbezeichnung von ursprünglich Waren (Meckl.) auf Waren (Müritz) geändert.Waren (Müritz) anstelle von Waren (Meckl.) Vossische Zeitung, 13. Januar 1932.
Niedergang nach 1945 und Wiederaufbau Zu einer großen Zäsur kam es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Hauptstrecke zwischen Neustrelitz und Rostock wurde größtenteils als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgebaut, ebenso die Strecke in Richtung Neubrandenburg und der Abschnitt der Mecklenburgischen Südbahn zwischen Karow und Malchow. Waren war (wie in den allerersten Jahren der Eisenbahn in der Stadt) nur noch aus Richtung Malchin mit dem übrigen Eisenbahnnetz verbunden, hinzu kam das als Stichstrecke betriebene Reststück der Südbahn bis Malchow. Auch ein Großteil der Gleisanlagen im Bahnhof selbst wurde beseitigt.
1948 begann der Wiederaufbau eines Teils der Südbahnstrecke bis Möllenhagen vor allem für den Güterverkehr als Anschluss zu einem Schwellenwerk. Für das Reststück bis Neubrandenburg war die Wiederinbetriebnahme immer wieder in Diskussion, wurde jedoch nie realisiert. Mit dem Bau des Rostocker Überseehafens wurde die direkte Strecke von Neustrelitz über Waren nach Rostock ab Ende der 1950er Jahre dringend benötigt. 1958 begann der Wiederaufbau der Strecke, teilweise auf neuer Trasse. 1961 ging sie zunächst provisorisch als Nebenbahn, 1964 als Hauptbahn wieder in Betrieb. Damit wuchs die Bedeutung des Bahnhofs Waren (Müritz) wieder deutlich an, auch die zwischenzeitlich demontierten Gleisanlagen im Bahnhof wurden wieder aufgebaut. Die reparationsbedingte Streckenlücke auf der Südbahn zwischen Malchow und Karow wurde 1968 wieder geschlossen, so dass seitdem wieder durchgehende Fahrten in Richtung Ludwigslust möglich waren.
Ein lange Zeit weiterhin ungelöstes Problem blieb die Gleisführung im Innenstadtbereich. Verschiedene Varianten wurden diskutiert, dazu zählte ein weiträumige nördliche Umfahrung der Stadt und ein neuer Bahnhof im Westen der Stadtgebiets. Schließlich entstand eine Verkehrslösung mit einer neuen begradigten Bahntrasse und einer Umgehungsstraße nördlich der Altstadt am Tiefwarensee. Eine Reihe von Häusern im Altstadtbereich wurden abgerissen. Die neue Strecke ging am 29. August 1977 in Betrieb, die alten Gleisanlagen wurden bis 1980 abgebaut und an der Müritz entstand eine Uferpromenade.Lothar Schultz, Die Lloydbahn, Neustrelitz–Rostock–Warnemünde, VBN Verlag B. Neddermeyer, Berlin 2010, ISBN 978-3-941712-08-9, S. 116–117
Am 15. Dezember 1984 wurde der elektrische Zugbetrieb im Bahnhof Waren (Müritz) zunächst aus Richtung Neustrelitz aufgenommen, am 18. Mai folgte der Abschnitt in Richtung Güstrow und Rostock.Lothar Schultz, Die Lloydbahn, Neustrelitz–Rostock–Warnemünde, VBN Verlag B. Neddermeyer, Berlin 2010, ISBN 978-3-941712-08-9, S. 155.
Entwicklung nach 1990 mini|Zug nach Malchin 1996, kurz vor Einstellung des Verkehrs Nach 1990 ließ die Bedeutung des Bahnhofs nach. Ein Großteil des einstigen Güterverkehrs wurde auf die Straße verlagert und viele Fabriken ganz geschlossen. Ein Teil der Güterverkehrsanlagen wurde in den folgenden Jahrzehnten abgebaut. Auch im Personenverkehr ließ die Bedeutung nach. 1996 endete der Verkehr auf der Strecke Waren–Malchin, die Strecke wurde wenig später stillgelegt. 1998 wurden die Nahverkehrszüge zwischen Waren und Güstrow vom Land Mecklenburg-Vorpommern abgestellt, es verblieben nur noch die Interregio-Züge. Diese wurden im Jahr 2000 durch die Deutsche Bahn gestrichen und durch vom Land bestellte Regional-Express-Züge ersetzt. Der internationale Verkehr auf der Strecke Waren – Rostock – Warnemünde nach Dänemark war bereits 1995 eingestellt worden.
mini|Reisendenübergang für Personen, 2019 zurückgebaut Ende 2014 endete auch der durchgehende Verkehr auf der Südbahn zwischen Waren und Parchim, verbunden auch mit Verkehrsausdünnungen in Richtung Neustrelitz. Nach Protesten wurde der Abschnitt zwischen Waren und Malchow auch weiterhin von Reisezügen bedient.
mini|Bahnsteige und Rampe zum Inselbahnsteig nach dem Umbau 2012/13 wurde die Strecke Neustrelitz–Rostock erneuert und für 160 km/h Streckengeschwindigkeit ausgebaut. Der Bahnhof Waren (Müritz) war während der Bauarbeiten für neun Monate ausschließlich aus Richtung Karow angebunden. Die Bahnhofsanlagen selbst wurden erst von 2017 bis Ende 2019 umgebaut. Die Weichen und Signale wurden dabei an ein elektronisches Stellwerk angeschlossen, die Bahnsteige wurden neu gebaut, wobei der nicht mehr benötigte zweite Inselbahnsteig sowie der Reisendenübergang für Personen von Bahnsteig 1 zum Inselbahnsteig 2/3 beseitigt wurde. Der Inselbahnsteig 2/3 ist seitdem über eine Rampe vom Bahnhofstunnel aus barrierefrei erreichbar.Bahn-Report, 3/2020, S. 33. Der barrierefreie Zugang in den Tunnel ist von zwei Seiten möglich: von der Teterower Straße über einen Personenaufzug, von der Bahnhofstraße über einen Treppenanlage mit Rampe – Fertigstellung Ende 2022.
Anlagen Empfangsgebäude mini|Ursprünglicher Teil des Empfangsgebäudes (1902) mini|Empfangsgebäude vom Vorplatz aus gesehen Das Empfangsgebäude steht auf der nordöstlichen, der Innenstadt abgewandten, Seite der Gleisanlagen. Es ist ein langgestreckter Backsteinbau, dessen zentraler Teil aus der Erbauungszeit der Strecke stammt. Ursprünglich war das Bahnhofsgebäude symmetrisch aufgebaut mit einem zweistöckigen Mittelsegment und je einem anderthalb- und einem einstöckigen Teil zu beiden Seiten. In den 1920er Jahren wurde das Gebäude deutlich erweitert. Auf beiden Seiten entstanden ausgedehnte Erweiterungsbauten, das alte Gebäude wurde teilweise, vor allem im nordwestlichen Teil aufgestockt. Im südöstlichen Gebäudetrakt entstand beim Umbau ein Restaurant, nicht zuletzt für die vielen Sommerfrischler. Es erhielt 1926 auf seiner gesamten Fläche einen seinerzeit sehr populären Dachgarten.
Das Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz, ebenso wie das nordwestlich davon gelegene Gebäude der Güterabfertigung, das ebenfalls in den 1920er Jahren entstand.
Seit 2014 ist das Bahnhofsgebäude im städtischen Besitz. Die Räumlichkeiten werden unter anderem von mehreren medizinischen Praxen genutzt, hinzu kommt eine private Reiseagentur.
Bahnsteige und Gleise mini|Nördlicher Bahnhofsteil mit Güterabfertigung. Vor dem Empfangsgebäude liegt der Hausbahnsteig am Gleis 1. Daran schließt sich ein Inselbahnsteig mit den Gleise 2 und 3 an. Weiter südwestlich gab es bis Anfang der 2000er Jahre einen weiteren Inselbahnsteig, der allerdings auf einer Seite direkt an Gleis 3 angrenzte und somit nur eine einzige eigene Bahnsteigkante mit Gleis 4 besaß. Ebenfalls bis Anfang der 2000er Jahre gab es ein weiteres Bahnsteiggleis, ein Richtung Norden führendes Stumpfgleis am Hausbahnsteig, das vor allem von den Zügen in Richtung Malchin genutzt wurde.
Der Inselbahnsteig ist über einen Bahnsteigtunnel am Südostende des Bahnsteigs zu erreichen. Bei der Streckenverlegung in den 1970er Jahren erhielt der Tunnel einen weiteren Ausgang zur Teterower Straße auf der Rückseite der Gleisanlagen.
Südwestlich der Bahnsteiggleise gibt es weitere für den Güterverkehr und betrieblich genutzte Gleise. Die Güterverkehrsanlagen dehnen sich weit in Richtung Nordwesten aus. Zwischen den Strecken in Richtung Rostock und Malchin, die sich bereits kurz nach den Bahnsteigen trennten, befand sich das Bahnbetriebswerk Waren (Müritz).
Im Güterbahnhof befindet sich eine Draisinenverleihstation. Von dort sind Ausflüge mit einer Draisine bis Schwinkendorf auf den Gleisen der ehemaligen Strecke nach Malchin möglich.Homepage von Draisine-Mecklenburg, abgerufen am 1. Mai 2021.
Die örtlichen Stellwerke wurden 1984 durch ein zentrales Stellwerk im Bahnhof ersetzt. Dieses war bis 2019 in Betrieb, danach wurde der Bahnhof an ein elektronisches Stellwerk angeschlossen.
Personenverkehr Vor dem Zweiten Weltkrieg