mini|hochkant=1.2|Plakatwerbung für die „Pelzaufbewahrung von Pelzwerk bei 4° Kälte“ durch die Wiener Firma Tlustý-Knöpflmacher & Comr (Anfang 20. Jh.) Unter Pelzkonservierung, oder einfach Konservierung, wird in der Pelzbranche die Einlagerung und Pflege von Kundenpelzen durch Pelzfachbetriebe verstanden. Dies findet naturgemäß vor allem in den Sommermonaten statt, in denen die meisten Pelzbekleidungsstücke nicht getragen werden. Die auch Pelzaufbewahrung genannte Dienstleistung dient vor allem dem Schutz vor schädlichen äußeren Einflüssen, wie Austrocknen des Leders oder Schädlingsbefall, sowie der Pflege der Pelze durch Auffrischen des Haares, die Durchsicht auf Schäden und das Ausklopfen oder Ausblasen von Schmutz und eventuellen Schädlingen, wie Kleidermotten oder anderen Schadinsekten. Außerdem sind die Pelze in dieser Zeit weitgehend gegen eventuell eintretende Schäden versichert.
Daneben gibt es noch die hier nicht behandelte Konservierung von Rohfellen, mit der die Felle nach dem Entbalgen bis zum Zurichten (Gerben) vor Fäulnis und Schädlingsfraß geschützt werden.
Allgemein Die fachgerechte Pelzaufbewahrung sorgt für die bestmögliche Erhaltung der meist wertvollen Pelzbekleidungsstücke in der Zeit, in der die Teile nicht getragen werden. Mäntel und Jacken werden auf Kleiderbügeln hängend in Konservierungsräumen aufbewahrt. Neben pelzbesetzten Textilien werden auch Kleinteile wie Pelzhüte, -kappen und Muffe in die Konservierung übernommen, sowie Pelzdecken, früher auch in höherem Umfang Wollsachen. Fachleute haben Pelzeinlagerungen über die Dauer von mehr als 30 Jahren an verschiedenen Stücken beobachtet und sind zu der Erkenntnis gelangt, dass kaltgelagerte Stücke eine wesentlich größere Lebensdauer und Brillanz beibehielten.Günther Goltz: Pelzkonservierung - Kaltlagerung von Fellen und Pelzen. In: Rund um den Pelz, Nr. 2, Februar 1951, Fulde-Verlag Köln, S. 31.
Der Konservierungsraum soll dunkel sein, um ein Ausbleichen zu verhindern, möglichst kühl um eine Vermehrung von Mottenlarven aufzuhalten und eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent aufweisen,Horst Wiethüchter: Betriebsuntersuchungen über Rationalisierungsmöglichkeiten im Kürschnerhandwerk. Handwerkstechnisches Institut an der Technischen Hochschule Hannover, Forschungsstelle des Deutschen Handwerksinstituts e. V. (Hrsg.), S. 7. (→ Inhaltsverzeichnis.) um ein Schimmeln, aber vor allem das schädigendere Austrocknen und Brüchigwerden des Leders abzuwenden.Paul Schöps, Kurt Häse, Hans Erdmann: Zur Lagerung von Pelzwerk. In: Das Pelzgewerbe, 1957 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Leipzig, S. 64. Die beim ersten Aufkommen von Kühlräumen beworbene Aufbewahrung bei Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt wird in Mitteleuropa wohl kaum mehr angeboten. Ein regelmäßiger Luftaustausch verhindert oder verringert einen eventuell vorhandenen Eigen- oder Fremdgeruch des Pelzes. Der Fachhandel bietet Mittel an, mit denen die Konservierungsräume zur Sicherheit gegen Insektenbefall während der Aufbewahrungszeit einmal eingenebelt werden können.
Über die Zeit, in der ein Pelz getragen wird, gibt es einige Sprüche und Bauernregeln: „Wenn’s an Karolus (4. November) stürmt und schneit, dann lege deinen Pelz bereit“. „Man muss seinen Pelz nicht zu früh ablegen.“ Grimms Wörterbuch sagt dazu: „Die Spanier empfehlen, den Pelz nicht vor dem Galiläertage (Himmelfahrt Christi) abzulegen; und auch in Venedig sagt man: Piu si giorno dei Galilei no te spogiar dei pani miei. (Orakel, 1046-1047.)“. Im Deutschen wird das Himmelsfahrtsdatum häufig scherzhaft noch über den Sommer hinweg verlängert, zum Beispiel: „Der Bauer (oder „Ein Ostpreuße“, „Ein guter Deutscher“ usw.) nach der alten Art, trägt seinen Pelz bis Himmelfahrt. Tut ihm auch dann der Bauch noch weh, so trägt er ihn bis Bartholmä (24. August)“,Konrad Held: "Der Bauer nach der alten Art, trägt seinen Pelz bis Himmelfahrt". In: Donaukurier, 28. Mai 2003 oder noch ausführlicher: „Ein Ostpreuß' von der rechten Art, trägt seinen Pelz bis Himmelfahrt; fängt er dann zu frieren an, so trägt er ihn bis Sankt Johann; und tut ihm dann der Bauch noch weh, so trägt er ihn bis Bartholomä; kommt ihm dann noch das Frieren an, so zieht er ihn von neuem an“, und warnend: „Wer seinen Pelz im Sommer verbraucht, wird im Winter frieren müssen“.
mini|1931: „Die Räume der städtischen Pfandkammer in Berlin überfüllt, ein Zeichen unserer Not!“ Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war es zumindest im katholischen Rheinland vielen noch bekannt, dass man seine Pelze üblicher- und schicklicherweise ab Allerheiligen (1. November) tragen darf. Zu diesem Termin war dann auch ein Großteil der konservierten Pelze ausgeliefert.
Ein Geheimtipp bis noch nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) war es, die Pelze im Frühjahr statt zum Kürschner kostengünstig in eine der Pfandleihen zu geben, die meist ebenfalls über Lagerräume für Pelzwaren verfügten – auch wenn der Pelz dort keinerlei Pflege erfuhr. Als die früher relativ zeitlos geschnittenen Pelze immer mehr die jeweilige Mode mitmachten, nahmen die meisten Pfandleihen jedoch keine Pelze mehr an. Es war für sie zu schwierig geworden, den Zeitwert der Pelzpfänder einzuschätzen, die Teile erbrachten bei Nichtabholung und anschließendem Verkauf häufig nicht den beliehenen Geldbetrag.
Geschichte mini|hochkant=1.2|Pelzkonservierung und Kältemaschine des Berliner Kaufhauses Rudolph Hertzog im Jahr 1914 mini|Metallcontainer zur Begasung der eingelieferten Pelze gegen Pelzschädlinge vor der endgültigen Einlagerung (USA, 1955)
Allgemein begann es wohl etwa Mitte des 18. Jahrhunderts, dass dem Kürschner Pelzsachen zur Aufbewahrung gegeben wurden.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. Selbstverlag Paris, ca. 1902/1903, S. 79. 1737 besagte eine Enzyklopädie, dass die Augsburger Rauchwerk-Händler, die ehemals das Kürschnerhandwerk erlernt haben, es am besten verstehen, wie man solches Rauchwerk am sichersten vor Schaben und dergleichen Ungeziefer und anderen schädlichen Dingen zu erhalten sei. Verschiedene Mittel wurden vorgeschlagen, die Schädlinge zu vertreiben, „vornehmlich stark riechende Sachen“, wie Kampfer, Bisam, „Ziebet, wenn sie bey die Pelze und Kleider geleget werden, denn solche halten mit ihrem starcken Geruch und Dünstigkeit von denen Kleidern ab, woraus die Motten und Schaben entspringen, auch ferner die Kleider zernagen, und in Vermoderung bringen, und dienen also die Dinge, wenn sie vorher in die Küsten oder Behälter geleget werden, daß ihr starker Geruch dieselben durchgehe, und allen moderhaltigen Geruch abhalte und daraus treibe, doch ist der Geruch von Biesam und Ziebet einigen Weibs-Personen zuwider, der Kampfer aber schadet selbigen nicht“. An Kräutern und Wurzeln wurden zum Einlegen in die Kisten außerdem empfohlen: Veil-Wurzel, Siebenzeit, Benedicten-Wurzel, Rhein-Blumen „und dergleichen“. „Das beste Mittel aber ist, daß man die Kleider und Pelzwercke offt an die Luft bringe, und wohl ausschüttele und klopffe.“Grosses Universal-Lexicon aller Wissenschaften u. Künste von Johann Heinrich Zedler, 15. Bd., Leipzig 1737, S. 2060, Stichwort „Kürschner, Kirschner, Körschner“.
Eine noch vorhandene Anweisung aus dem Jahr 1699 zum Aufheben und Putzen des Pelzwerks der in Düsseldorf residierenden Kurfürstin Anna Maria Luisa von der Pfalz an ihren dortigen Kürschner Johann Welen (Wolon) zeigt jedoch, dass bereits zu der Zeit ein Pelzwerker bei genügend betuchter Kundschaft die Aufbewahrung und die Pflege der Kundenpelze übernommen hatte. Die Kurfürstin bezahlte am 2. Juli für diese Dienstleistung vier Reichstaler, die Anzahl und Art der dafür aufbewahrten Pelze wurde offenbar nicht genannt.Jürgen Rainer Wolf (Hrsg.): Die Kabinettsrechnungen der Kurfürstin Anna Maria Luisa von der Pfalz (1667–1743), Band 1. Klartext Verlag, Essen, 2015, S. 353. Auch in Augsburg gab es, wie 1698 erwähnt wurde, Rauchwerk-Händler, die vorher das Kürschnerhandwerk erlernt hatten, und sich am besten darauf verstanden, „wie solches Rauchwerck am sichersten vor den Schaben und dergleichen Ungeziefer auch sonst andern schädlichen Dingen gut zu erhalten.“Christoff Weigel: Abbildung Der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände Von denen Regenten Und ihren So in Friedens- als Kriegs-Zeiten zugeordneten Bedienten an, biß auf alle Künstler Und Handwercker: Nach Jedes Ambts- und Beruffs-Verrichtungen, meist nach dem Leben gezeichnet und in Kupfer gebracht, auch nach Dero Ursprung, Nutzbar- und Denkwürdigkeiten, kurz, doch gründlich beschrieben, und ganz neu an den Tag geleget. Regensburg, 1698, S. 618. Zuletzt abgerufen am 25. Januar 2020.
Etwa seit Mitte des 18. Jahrhunderts übernahmen die Kürschner in vermehrtem Maß die Sommeraufbewahrung für die Pelzwaren, die wohl seit der Einrichtung von Kühlräumen vorwiegend „Pelzkonservierung“ genannt wird.P. Larisch: Die Kürschner und ihre Zeichen. Selbstverlag, Berlin 1928, S. 156, 167, 175–176. Ein altes Fachbuch meint dazu: „Werden sie [die Mottenlarven] in ihrer Thätigkeit nicht gestört, so ist dieselbe eine ganz furchtbare, daher ist der Kürschner bestrebt, sie ihres Lebens nicht froh werden zu lassen.“ Deshalb: „Bei der Aufbewahrung und Conservierung des Pelzwerkes spielt der Klopfstock die erste und wichtigste Rolle“.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. Selbstverlag, Paris ohne Jahreszahl (Erstauflage I. Teil 1903), S. 32. 1897 wurde gesagt, dass die Räume für die zur Sommeraufbewahrung gegebenen Pelze vom Kürschner mit Tannenreisig oder sonstigem Nadelholz ausgeräuchert wurden. Damit die absolut notwendige Trockenheit der Räume erreicht wurde, wurden kleine Mengen von Gas- oder Schießpulver angezündet.Jean Heinrich Heiderich: Das Leipziger Kürschnergewerbe. Inaugural-Dissertation, Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg, 1897, S. 95. Das Klopfen der Pelze nahm vor der Einführung von Klopfmaschinen jedes Jahr mehrere Wochen in Anspruch, insbesondere in den Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden größeren Betrieben mit mehreren Tausend aufzubewahrenden Pelzen. Ein wichtiges Argument für die Pelzkonservierung beim Kürschner ist die gegen Diebstahl besonders gesicherte und versicherte Verwahrung der Pelze. Die „Abteilung für Konservierung“ des renommierten Berliner Pelzhauses C. A. Herpich Söhne warb 1926 sogar mit einer „Tag- und Nachtbewachung“ für „Pelzsachen, Winterkleider, Teppiche etc“.Antwortkarte der Firma C. A. Herpich Söhne.
In der Pelzbranche galt vor dem Zweiten Weltkrieg noch der Spruch: „Die Konservierung erbringt die Miete“. Heute, bei gestiegenen Mieten und Lohnkosten wird dieser Geschäftszweig mehr als ein Kundendienst angesehen, mit dem Vorteil für den Geschäftsmann, den Kunden zweimal jährlich, im Frühjahr und vor allem zum Beginn des Winters mit der neuen Kollektion im Laden begrüßen zu dürfen – sofern der nicht den Kundendienst der Abholung und Lieferung nutzt.
Eine Delegation deutscher Kürschner besuchte im Jahr 1929 in Paris das Pelzhaus Revillon Frères und besichtigte auch deren Pelzkonservierung. Es lagerten dort zu der Zeit, auf 14 Etagen, etwa 350.000 Pelzteile: „Man verstand, dass bei durchschnittlich 4 Grad Kälte die Aufseher in langen Pelzen und Krimmermützen ihres Amtes walten müssen“.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 2. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 212 (Kollektion G. & C. Franke).
Vor allem in den USA gab es viele Kühlhäuser, die überregional von privater Kundschaft und von Kürschnern, die keine eigenen Kühlräume hatten, Pelze in Aufbewahrung nahmen. In Deutschland bestehen solche, nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Unternehmen nicht mehr.