Ferdinand Benjamin Busch (* 19. August 1797 in Arnstadt; † 14. August 1876 in SondershausenTodes- und Dankesanzeige in Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen 1876, S. 392 und 396.) war ein hochrangiger Jurist im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen und Autor juristischer und bienenkundlicher Schriften.
Familie Buschs Vater war der lutherische Pfarrer und Publizist Gabriel Christoph Benjamin Busch (* 1759, † 18. März 1823Nachruf von Sohn und Ehefrau sowie Kirchenamtsangabe in Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 22. März und 24. Mai 1823, S. 56f. bzw. Beilage.) in Arnstadt, ein Sohn des Arnstädter Geistlichen Johann Benjamin Busch (1727–1802). Seine Mutter war Johanne Antonie Friederike geb. Henkel (* 1755, † 19. November 1811Todesanzeige in Arnstädtische wöchentliche Anzeigen und Nachrichten vom 23. November 1811, S. 371.), Tochter des Arztes Johann Christoph Henkel. Nach ihrem Tod heiratete der Vater 1815 ihre Schwester Johanne Ernestine Sophie Friederike Henkel (1764–1828Todes- und Geburtsangabe in Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 17. Januar 1829, S. 12.).Heiratsangabe in Arnstädtische wöchentliche Anzeigen und Nachrichten vom 19. August 1815, S. 270. Busch hatte keine Geschwister.
Er heiratete am 22. Juni 1823 Amalie Lazer (* 21. März 1802 in Markwerben; † 19. Juli 1896 in SondershausenTodes- und Dankesanzeigen in Der Deutsche 1896 Nr. 168 und 170.), Tochter von Christian Gottfried Lazer. Das Ehepaar hatte drei Kinder. Die ältere Tochter Johanne Gabriele Friederike (* 12. Juli 1824 in Arnstadt,Geburtsangabe in Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 28. August 1824, S. 150. † 20. April 1920 in Sondershausen) verlobte sich Weihnachten 1842 mit dem Gerichtshalter, späteren Staatsanwalt, Politiker und Kreisgerichtsdirektor in Sondershausen Günther Keyser (1820–1874); Eheschließung am 2. Juni 1846.Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 24. Dezember 1842, S. 341, und vom 5. September 1846, S. 298. Dieser Ehe entstammte Buschs einziges Enkelkind, die Schriftstellerin Stefanie Keyser (1847–1926).Friederikes Todesanzeige in Der Deutsche 1920 Nr. 94.
Buschs jüngere Tochter Charlotte Marie Emilie (* 27. Oktober 1826 in Arnstadt,Geburtsangabe in Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 27. Januar 1827, S. 17. † 21. September 1860 in Sondershausen) war schriftstellerisch tätig.ähnlich wie später ihre Nichte Stefanie; vgl. biographische Bemerkungen in deren Aufsatz Wie ich Schriftstellerin wurde in Die Gartenlaube 1884, S. 828 (Wikisource). Sie ist nach langem Kranksein jung gestorben.Todes- und Dankesanzeige sowie Standesamtsangabe in Der Deutsche 1860 Nr. 115, 116 und 117. – Porträt von Emilie (von Ernst John 1846) in Scheidt, Bildnisse S. 41 und 48.
Der Sohn Ernst Wilhelm Benjamin Hermann (* 21. Dezember 1828 in Arnstadt,Geburtsangabe in Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 14. März 1829, S. 68. † 30. April 1902 in Sondershausen) studierte nach dem Abitur 1847Verzeichnis der Abiturienten S. 18. Jura in Leipzig und Heidelberg. Er wurde am 25. Juni 1853 vom Kreisgericht in Arnstadt als Auditor verpflichtet.Weimarische Zeitung vom 27. Juli 1853, S. 545. Nach mehreren Jahren beim Sondershäuser Landrat war er ab Mitte 1868 am Kreisgericht in Sondershausen, zunächst als Assessor, ab 1870 als Rat.Der Deutsche 1868 Nr. 65 und 1870 Nr. 7. Er übernahm 1876 die juristische Zeitschrift seines Vaters (s. u.). 1878 gründete er selber eine Zeitschrift für deutschen Civilprozess.Er leitete sie bis 1888; vgl. Zeitschrift Bd. 1, 1879, S. 1–6 und Bd. 12, 1888, S. 1f. Im Oktober 1879 wurde er an das neue Landgericht in Erfurt versetzt.Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 27. September 1879, S. 461. Im Dezember 1888 ging er in den Ruhestand und zog zurück nach Sondershausen.Vgl. Adressbuch 1900 S. 47 und S. 11. Todesanzeige und Nachrufe in Der Deutsche 1902 Nr. 100, 4. Seite, 102, 2. Seite und 103, 3. Seite; Zeitschrift für deutschen Zivilprozess Band 30, 1902, S. V–VIII.
Beruf Nach dem Abitur 1814Verzeichnis der Abiturienten S. 14. begann Busch sein Jurastudium in JenaEingeschrieben am 11. Mai 1814 (Matrikel der Universität Jena 1801‒1854, S. 69).Dort wurde er 1815 Mitglied der Urburschenschaft. und setzte es in Leipzig fort. Dort „entwickelte sich seine lebhafte Begeisterung für die Rechtswissenschaft“; dabei hat besonders Christian Gottlieb Haubold „mächtig anregend auf ihn gewirkt“.Nekrolog S. 436. Ostern 1817 kehrte er zurück nach Arnstadt und ließ sich als Advokat nieder. Er trat bald in den Staatsdienst. Ab Dezember 1822 war er Amtskommissar;Regierungs- und Amts-Blatt vom 14. Dezember 1822, S. 394. 1829 Amtsassessor im Justizamt, ab 1830 mit dem Titel Rat.Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 18. April 1829, S. 85, und 9. Oktober 1830, S. 175. 1831–39 war er als stimmberechtigter Regierungs- und Konsistorialrat Mitglied der Regierung in Arnstadt; dabei machte er sich um die Schulen verdient.
Ende 1839 wurde Busch als Kabinettsrat in das Geheimerats-KollegiumFürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 23. August 1835, S. 266. nach Sondershausen berufen. Dieses GremiumZu dessen formaler Stellung vgl. Eberhardt S. 37–42. bestand bis Mitte 1839 aus zwei langerfahrenen Verwaltungsbeamten, Günther von Ziegeler (1775–1853) aus Sondershausen und Wilhelm von Kauffberg (1773–1846) aus Arnstadt,Kurzbiographien in Schwarzburg-Sondershausen und die Welt S. 304 bzw. 252f. und dem Juristen Friedrich Chop (1801–1875), mit von Ziegeler als ‚Dirigent‘. Chop ging Ende 1839 an das Oberappellationsgericht in Zerbst; Busch trat an seine Stelle.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 9. November 1839, S. 355; Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 9. November 1839, S. 200. Neben diversen regierungsamtlichen Arbeiten hatte das Kollegium die Aufgabe, eine zeitgemäße Verfassung für das Fürstentum zu entwickeln. Unter Buschs Mitwirkung wurde dieses Ziel 1841 erreicht. Ende März ging von Ziegeler in den Ruhestand und von Kauffberg übernahm die Leitung; Mitte April trat der Jurist Karl Pietzker in das Gremium ein.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 20. März und 17. April 1841, S. 95 und 135. Das zum Geburtstag des Fürsten am 24. September 1841 veröffentlichte LandesgrundgesetzGesetzsammlung 1841 Nr. 262, zusammen mit einem ‚Patent‘, das die Trennung des Staatshaushalts vom fürstlichen Privatvermögen regeln sollte. ist dementsprechend von v. Kauffberg, Busch und Pietzker gegengezeichnet.Zeitgenössische Besprechung in Deutsches Staatsarchiv Bd. 3, 1842, S. 54–83. Vgl. auch Bruno Huschkes Lebensbilder in Der Deutsche 1902 Nr. 122–124 und Lengemann, Landtag S. 19–21.
Zusammenhängend mit dem Grundgesetz wurde die Einrichtung eines Landesjustizkollegiums in Arnstadt als oberste Justizbehörde des Landes zum 1. April 1842 bekannt gegeben.Gesetzsammlung 1841 Nr. 263. Dies war ein erster Schritt, um eine Trennung von Justiz und Verwaltung herbeizuführen.Vgl. Eberhardt S. 43f. Busch wurde als Präsident dieses Kollegiums eingesetzt.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 15. Januar 1842, S. 17.
Zum 1. Juli 1850 wurde Busch als Vizepräsident an das neue Appellationsgericht in Eisenach versetzt.Staatshandbuch S-W-E 1851 S. 79f.; Abschiedsgruß in Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 6. Juli 1850, S. 225. Bei zunehmender Kränklichkeit beantragte er nach dem Tod der Tochter Emilie die Versetzung in den Ruhestand, die ihm zum 1. November 1860 genehmigt wurde.Der Deutsche 1860 Nr. 127. Das Ehepaar Busch zog darauf nach Sondershausen in die Nähe des Sohns und der dort verheirateten Tochter Friederike Keyser.
Im Oktober 1864 wurde Busch zum Mitglied des Oberdisziplinarhofs für Disziplinaruntersuchungen gegen Lehrer, Superintendenten und Mitglieder des Konsistoriums berufen.Der Deutsche 1864 Nr. 118 (entsprechend den Gesetzen von 1860 Nr. 17 und 1863 Nr. 36).
Im Ruhestand ließ Buschs publizistische Aktivität nicht nach. Er hatte etwa seit 1827 eine größere Zahl juristischer Aufsätze und mehrere Bücher veröffentlicht. Nun in Sondershausen gründete er 1862 eine Zeitschrift (Archiv für Theorie und Praxis usw.), als deren Redakteur er fungierte.Archiv Bd. 1, 1863, S. I–IV. Spätestens Anfang der 1870er Jahre erhielt er dabei zunehmend Hilfe von seinem Sohn Hermann und seinem Schwiegersohn Günther Keyser (beide am Kreisgericht Sondershausen tätig); 1874 nahm er sie offiziell in die Redaktion auf.Archiv Bd. 29, 1874, S. If. G. Keyser starb schon ein Jahr später (Archiv Bd. 31, 1875, S. 81). Nach dem Tod des Vaters führte der Sohn die Zeitschrift bis zum Ende 1888 allein weiter.
Busch wurde 1853 Ritter der 1. Abteilung des Großherzoglichen Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken von Sachsen-Weimar-Eisenach.Staatshandbuch S-W-E 1855 S. 30. Anlässlich seiner Pensionierung wurde er Komthur desselben OrdensStaatshandbuch S-W-E 1864 S. 26. und erhielt das Schwarzburgische Ehrenkreuz I. Klasse.Der Deutsche 1860 Nr. 135. Etwa Ende 1867 verlieh ihm die juristische Fakultät der Universität Jena den Ehrendoktor der Rechte.Er führte den Titel ab 1868; vgl. Archiv 1867 mit 1868.
Bürgerliches Engagement In seinen Arnstädter Jahren war Busch aktiv im Leben der Bürgerschaft engagiert. Er war einer der zehn Bürger, die am 3. Mai 1825 eine Sparkasse gründeten, das erste Bankinstitut in Arnstadt. Ihr Ziel – in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und der Landesregierung erarbeitet – war sozialpolitischer Natur: den einfachen Bürgern der Stadt eine bequeme und sichere Möglichkeit zu geben, ein kleines Kapital aufzubauen. Die Gründer gehörten viele Jahre lang auch dem Vorstand der Sparkasse an.Eröffnungsschrift in Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 28. Mai 1825, Beilage. Der Vorsitz wechselte; Busch fungierte z. B. 1827/28 als ‚Dirigent‘.Peter Unger und Andrea Ziegenhardt: 175 Jahre Sparkasse in Arnstadt. 2000. ISBN 3-00-005924-5, S. 2, 13–15, 27.
Als Arnstadt 1830 eine neue städtische Verfassung erhielt, wurde Busch einer von 40 Stadtverordneten. Diese Tätigkeit endete, als im Januar 1832 wiederum eine (provisorische) neue Städteverordnung in Kraft trat.Hatham, Arnstadt […]. Ein Hand- und Addressbuch […]. , S. 100–102.
Als am 8. März 1836 nach langen Vorbereitungen der Gewerbeverein von Arnstadt gegründet wurde, stellte sich Busch für den Vorstand zur Verfügung.Chronik von Arnstadt. Zeittafel/Lexikon. Festschrift zur 1300-Jahrfeier der Stadt Arnstadt, hrsg. v. Andrea Kirchschlager, Ulrich Lappe und Peter Unger. 2003. ISBN 3-934277-07-1, S. 271.
Im revolutionären Frühjahr 1848 rief Busch zusammen mit anderen Honoratioren am 20. April in Arnstadt einen Verein für Bürgerversammlungen ins Leben, der als Forum der Meinungsbildung und Akteur gegenüber den Behörden dienen sollte.Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 8. und 15. April 1848, S. 124f. und 135, und vom 6. Mai, S. 165f. Das anfänglich rege Interesse der Bürger wandte sich jedoch schnell von diesem Verein ab.Martin Kunze: Schwarzburg-Sondershausen in der deutschen Revolution von 1848/49. Neustadt (Orla) 1932. S. 38.
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