Die Richard Neumayer GmbH (vormals: Richard Neumayer Gesellschaft für Umformtechnik) ist ein familiengeführtes deutsches Unternehmen der Massivumformung und Metallbearbeitung mit Sitz in Hausach im Schwarzwald. Das Unternehmen fertigt Präzisionsschmiedeteile aus Stahl und Edelstahl sowie mechanisch bearbeitete Komponenten und Baugruppen. Zu den Absatzmärkten gehören insbesondere die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen Umsatzerlöse von 118,85 Millionen Euro und beschäftigte im Jahresdurchschnitt 396 Arbeitnehmer.
Nach einer Restrukturierung lag die Beschäftigtenzahl im Oktober 2025 bei rund 340 Mitarbeitern. Die Geschäftsführung besteht aus Dirk A. Neumayer, Thomas Armbruster und Thorsten Zukschwerdt.
Geschichte Die Ursprünge des Unternehmens reichen in das Jahr 1867 zurück. Der Schmied Richard Neumayer trat im schweizerischen Roveredo als Gesellschafter in eine Schmiede ein und schloss dort am 1. Februar 1867 einen Gesellschaftervertrag mit Wilhelm Zoppi und Caspar Bosch. In den folgenden Jahren kehrte die Familie in das Kinzigtal zurück. 1880/81 folgte ein Umzug nach Gutach im Schwarzwald.
In der Nachkriegszeit kam es zur Verlegung des Unternehmens in den Nachbarort Hausach.
In Hausach wurde die Schmiedefertigung in den folgenden Jahrzehnten erweitert und zunehmend um mechanische Bearbeitungsverfahren ergänzt. Ab 1975 erfolgte eine Modernisierung des Betriebs unter Albert Neumayer. Um die Jahrtausendwende erfolgte die Umstellung von Hammerfertigung auf automatisierte Pressenlinien. Im Jahr 2000 erfolgte die Inbetriebnahme der ersten vollautomatischen Pressenlinie mit einer Presskraft von 31.500 kN.
2017 trat Dirk A. Neumayer als Vertreter der fünften Familiengeneration in die Geschäftsführung ein. Thomas Armbruster wurde 2021 zum Geschäftsführer bestellt. Im Oktober 2023 wurde die bisherige Firma Richard Neumayer Gesellschaft für Umformtechnik mbH in Richard Neumayer GmbH umbenannt. Seit Juni 2025 gehört Thorsten Zukschwerdt der Geschäftsführung an.
Produktion und Geschäftsfelder Schwerpunkt der Produktion ist die Warmmassivumformung von Stahl und Edelstahl. Die Fertigung umfasst neben dem Schmieden auch Wärmebehandlung, mechanische Bearbeitung und Montage. Der Geltungsbereich der IATF-16949-Zertifizierung umfasst die Herstellung von Präzisionsschmiedeteilen sowie die mechanische Bearbeitung und Montage.
Gefertigt werden unter anderem Präzisionsschmiedeteile sowie mechanisch bearbeitete Komponenten und Baugruppen. Der Industrieverband Massivumformung führt Neumayer als Hersteller von Bauteilen für Getriebe, Fahrwerk, Motor, Antriebsstrang und Lenkung, sowie Flansche auf. Weitere Veröffentlichungen nennen Zahnräder, Bremshebel und Kolben.
Zu den wichtigsten Kundenbranchen zählen traditionell die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie, Maschinenbau sowie die Mess- und Regeltechnik. Im Zuge der Elektrifizierung der Automobilindustrie werden auch geschmiedete Antriebskomponenten für elektrische Antriebe gefertigt.
Nach Unternehmensangaben werden Schmiedekomponenten darüber hinaus unter anderem für Robotik- und Off-Highway-Anwendungen gefertigt.
Die jährliche Produktionsmenge wird auf mehr als 29.000 Tonnen Bauteile beziffert. Etwa die Hälfte der gefertigten Teile wird im Unternehmen anschließend mechanisch bearbeitet.
Entwicklung Neben der Fertigung entwickelt Neumayer Umform- und Bearbeitungsprozesse für Schmiedebauteile. Dazu gehören die fertigungsgerechte Auslegung von Bauteilen und die Konstruktion von Schmiedegesenken.
Bei der Auslegung von Bauteilen, Prozessen und Werkzeugen werden Simulationsverfahren eingesetzt.
Nach Unternehmensangaben wird Neumayer bei einzelnen Projekten bereits während der Bauteilentwicklung einbezogen und übernimmt dabei Aufgaben wie Werkstoffauswahl und fertigungstechnische Auslegung. Für Entwicklungs- und Erprobungszwecke werden Prototypen und Vorserienteile gefertigt.
Beschäftigte und Tarifbindung Im September 2023 kam es zu einem Tarifkonflikt zwischen der Geschäftsführung und der IG Metall. Auslöser war die Streichung des Weihnachtszuschusses 2022. Nach Angaben der IG Metall stieg der Anteil ihrer Mitglieder im Unternehmen von Januar bis März 2023 von 12 % auf über 50 %. Etwa 300 der damals 420 Mitarbeiter beteiligten sich an den Arbeitskampfmaßnahmen. Nach mehreren Verhandlungsrunden und Warnstreiks verständigten sich beide Seiten schließlich auf den ersten Tarifvertrag des Unternehmens, der unter anderem Lohnerhöhungen vorsah.IG Metall: metall (Magazin), Jahrgang 76, 01/2024, Regionalausgabe Baden-Württemberg.Neumayer-Mitarbeiter streiken für mehr Lohn. Auf: baden-online.de vom
22. Juni 2023.Warum beim Hausacher Unternehmen weitere Streiks drohen. Auf: schwarzwaelder-bote.de vom 2. August 2023.
Ende 2024 kündigte das Unternehmen angesichts rückläufiger Aufträge aus der Automobilindustrie zunächst den Abbau von 81 der damals 413 Stellen an. Nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat wurde die Zahl der abzubauenden Stellen im Februar 2025 auf 42 reduziert. Bestandteil der Vereinbarung waren ein Interessenausgleich und ein Sozialplan.
Im Oktober 2025 beschäftigte das Unternehmen nach Abschluss des Stellenabbaus noch rund 340 Personen.
Energieversorgung und Emissionen Nach Unternehmensangaben sanken die Treibhausgasemissionen der Bereiche Scope 1 und Scope 2 zwischen 2018 und 2021 um 90 %. Seit Januar 2021 wird der gesamte Strombedarf mit Strom aus erneuerbaren Quellen gedeckt.
2022 wurden auf den verfügbaren Dachflächen am Standort Hausach Photovoltaikanlagen installiert. 2023 wurde ein Direktliefervertrag für Strom aus einer bayerischen Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 7 MWp abgeschlossen. Darüber hinaus besitzt die Firma Richard Neumayer eine eigene Windenergieanlage in Brandenburg, die seit Sommer 2023 ebenfalls erneuerbaren Strom liefert.
Bei geeigneten Bauteilen kann durch kontrollierte Abkühlung aus der Schmiedewärme eine zusätzliche Wärmebehandlung entfallen. Dadurch reduziert sich der Erdgasbedarf des Unternehmens um 95 %.
Weblinks www.r-neumayer.de
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