mini|Cis castaneus, 1,6 – 2,2 Millimeter mini|Orthocis alni, 1,8 – 2,9 Millimeter mini|Octotemnus glabriculus, 1,5 – 1,8 Millimeter mini|Sulcacis nitidus ehemals affinis, 1,5 – 2 Millimeter mini|Ennearthron cornutum, 1,4 – 2 Millimeter Die Schwammkäfer (Ciidae, früher Cisidae) bilden eine weltweit verbreitete Familie der Käfer, die zusammen mit 28 weiteren Käferfamilien zur Überfamilie der Tenebrionoidea gerechnet wird. Die Familie ist innerhalb Europas relativ artenarm und bezüglich Bau und Biologie ziemlich einheitlich. Weltweit sind derzeit etwa 600 Arten in 40 Gattungen beschrieben, es wird jedoch geschätzt, dass es noch Hunderte unbeschriebener Arten gibt, hauptsächlich aus Asien sowie aus Mittel- und Südamerika.
Bemerkungen zum Namen und Synonymen Die Schwammkäfer leben überwiegend in den Fruchtkörpern von Pilzen an Bäumen. Diese werden auch Baumschwämme genannt, die Ciidae auch Hartpilzkäfer oder Baumschwammfresser (nicht zu verwechseln mit den Baumschwammkäfern). Der wissenschaftliche Name der Familie ist vom Gattungsnamen Cis abgeleitet, die meisten Arten der Familie gehören zur Gattung Cis. Cis ist von abgeleitet. Auch zahlreiche Gattungsnamen innerhalb der Familie enthalten als Stamm die Silbe -cis-.
Als Familie werden die Ciidae als Cisidae bereits 1819 in einem englischen Buch von Samouelle nach Manuskripten von Leach eingestuft. Deswegen wird als Autor der Familie ausführlich Leach 1819 in Samouelle angeführt, allerdings meist in Verbindung mit dem Familiennamen in der Schreibweise Ciidae. Wollaston benutzt 1854 die Schreibweise Cissidae, Gistel 1856 die Schreibweise Cioidae. Die Schreibweise Ciidae wird erstmals 1857 von Marseul benutzt. Marseul vermerkt direkt hinter dem Namen Ciidae die Kürzel Mll Soc 49. 213. Nach dem von Marseul selbst erklärten Abkürzungssystem stehen die Kürzel für Mellié in Annales de la Société de France, Jahrgang 1849, S. 213. Aus dem Kontext geht hervor, dass es sich um den Jahrgang 1848 handelt. Im entsprechenden Artikel definiert Mellié verschiedene Gattungen der Familie, benennt die Familie selbst aber nicht und betont ausdrücklich, dass er sich zur Familienzugehörigkeit nicht äußern möchte. Er erklärt . Die Schreibweise des Familiennamens übernimmt Marseul also nicht von Mellié.
Inwieweit die Schreibweisen Cisidae, Cissidae, Ciidae und Cioidae auf Druckfehler, auf verschiedene Auffassungen über die sprachlich korrekte Ableitung des Familiennamens vom Gattungsnamen oder auf eine gewollte Änderung wegen einer neuen Abgrenzung der Zugehörigkeit zur Familie zurückzuführen ist, lässt sich auf Grund der hier aufgeführten Quellen nicht entscheiden. Wenn man den Familiennamen vom Wortstamm ki der Genitivform kios zum Wort kis ableitet, ist die Schreibweise Ciidae korrekt. Im deutschsprachigen Raum wird traditionell der Begriff Cisidae benutzt, wie es auch der Prioritätsregel entspricht. In älteren Schriften sind die drei Schreibweisen Cisidae, Cioidae und Ciidae ziemlich gleich häufig vertreten, in der Biodiversity Heritage Library liegen die Treffer für alle drei Namen zwischen 419 und 470. Aber mit der auch in Wikipedia benutzten Systematik der Käfer setzt sich in der neueren Literatur die Schreibweise Ciidae durch. Als weitere Synonyme werden Cissidae, Orophyidae und Octotemnidae genannt, sie sind jedoch nicht gebräuchlich.
Bemerkungen zur Geschichte von Abgrenzung und Einordnung der Familie Die erste Art, die zur Familie gerechnet wird, beschreibt 1763 der Österreicher Scopoli unter dem Namen Dermestes boleti. Der Gattungsname Cis taucht erstmals 1796 bei Latreille auf, der die neue Gattung von der Gattung Dermestes abspaltet.
Leach teilt 1819 alle Käfer in vier Sektionen (entsprechend der Anzahl der Tarsenglieder) und insgesamt 53 Familien auf. Er stellt die Schwammkäfer als 39. Familie zwischen die ebenfalls von ihm aufgestellten Familien Bostrichidae und Mycetophagidae. Bei Leach umfasst die Familie neben der Gattung Cis zwei weitere Gattungen, die heute in andere Familien gestellt werden.
Die erste tragende Revision der Familie wird 1848 eingeleitet durch die französische Arbeit von Mellié. Die Grundzüge dieser Monographie werden bereits 1847 in Form eines Briefes von Mellié in einer Sitzung der Entomologischen Gesellschaft von Frankreich verlesen und protokolliert. Die Monographie soll Mellié in seinem Bemühen helfen, Mitglied der Entomologischen Gesellschaft Frankreichs zu werden. In der Monographie sortiert Mellié Arten, die von verschiedenen Autoren zumindest zeitweise der Gattung Cis zugeordnet wurden, nach bisher nicht beachteten Merkmalen und trennt sie entsprechend in verschiedene Gattungen auf. Er beschreibt die Arten nach diesen Eigenschaften geordnet erneut und ausführlich, außerdem ergänzt er zahlreiche Erstbeschreibungen. Dabei verteilt er 93 Arten auf sieben Gattungen (Endekatomus, Xylographus, Rhopalodontus, Cis, Ennearthron mit der Untergattung Ceracis, Octotemnus und Orophius). Die Gattungen sind nahezu ausschließlich von ihm neu aufgestellt, lediglich den Namen Xylographus findet er (ohne Beschreibung) bereits in der Sammlung von Dejean und den Namen Orophius übernimmt er von Redtenbacher für einen Teil der von ihm 1847 unter dem Namen Octotemnus geplanten Gattung, die Redtenbacher inzwischen unter dem Namen Orophius publiziert hat. Zur Gattung Cis rechnet Mellié 62 Arten. Dreizehn Arten, die er nur aus Beschreibungen kennt, aber nicht selbst in den entsprechenden Sammlungen begutachten konnte, führt Mellié nur aufzählend als Anhang an.
1857 definiert Lacordaire die Familie Ciidae in der Schreibform Cissidae, in dem er alle Gattungen von Mellié übernimmt, die Untergattung Ceracis zur Gattung hochstuft und die Arten der Gattung Lyctus in die Familie eingliedert. Lyctus und Endecatomus (auch Hendecatomus geschrieben,) werden jedoch schon bald von Du Val als eigene Familie Lyctidae (heute Unterfamilie Lyctinae der Bohrkäfer) von den Ciidae abgetrennt.
Mit dieser Abgrenzung der Schwammkäfer veröffentlicht Abeille de Perrin 1874 eine Zusammenstellung der in Europa und um das Mittelmeer vorkommenden Ciidae. Da die Gattung Ceracis nicht in Europa vorkommt, und Orophius nur für eine Art aus Schweden benutzt wird, gehören die angeführten Arten zu den Gattungen Xylographus, Rhopalodontus, Cis, Ennearthron im engeren Sinn und Octotemnus. Perrin zerlegt die Art Cis alni von Mellié in fünf Arten (Cis alni, C. perrisi, C. coluber, C. lucasi und C. reflexicollis), fügt einige Arten anderer Autoren hinzu und beschreibt darüber hinaus sechs Arten neu, die im Gebiet vorkommen (Cis nitidicollis, C. libanicus, C. peyronis, Rhopalodopus baudueri, Ennearthron filum und E. reichei). In einer Ergänzung beschreibt Perrin eine siebte neue Art, Rhopalodopus camelus. So zählt Perrin für die Familie in Frankreich und ums Mittelmeer 52 Arten. Er stellt die Familie zwischen die Scolytidae und die Tomicidae. Beide Familien werden heute zu den Borkenkäfern gerechnet.
Der Katalog Europäischer Käfer zählt 1906 für die Ciidae 59 Arten in 7 Gattungen (ohne Endekatomos) auf. Weltweit führt Dalla Torre 1911 334 Arten in 20 Gattungen (ohne Endekatomos) an.
Dass damit die europäischen Arten der Familie annähernd vollständig bekannt sind, zeigen aktuellere Arbeiten. Rose findet 2012 für das kontinentale Frankreich und Korsika 53 Arten, darunter keine noch nicht beschriebene Art. Auch Reibnitz in seiner Arbeit über die Cisiden von Südwestdeutschland aus dem Jahr 1999 zählt nur 40 Arten auf, unter denen sich keine neuen Arten befinden. Im Unterschied zu Perrin und Mellié, die lediglich ausführlich die Imagines der Arten beschreiben, enthalten die Arbeiten von Rose und von Reibnitz eine Fülle von Daten zur Geschichte und Biologie der Familie und der Arten, beispielsweise die Wirtspilze. Reibnitz stützt sich auf ein engmaschiges Netz für die Funddaten, welches das Vorkommen in sechzehn Naturgroßräumen Südwestdeutschlands vergleichbar macht und die Funddaten unter neueren Gesichtspunkten auswertet, beispielsweise Bestandsdichten erfasst und Höhenverteilungen angibt.
Ein anderes Bild zeigen die Gattungen. Während Perrin seine 52 Arten in fünf Gattungen einteilt, ordnet Reibnitz den 40 Arten Südwestdeutschlands acht Gattungen zu, und Rose verteilt die 53 Arten Frankreichs auf dreizehn Gattungen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass insbesondere in neuerer Zeit die weltweite Erfassung der Ciiden einen Aufschwung genommen hat. Lawrence beschreibt 1971 für Nordamerika (außer Mexiko) 84 Arten in zwölf Gattungen. Auch im asiatischen Raum, insbesondere Japan, werden zahlreiche neue Arten beschrieben. Durch das reiche Material werden traditionelle Gattungen (insbesondere Cis) aufgespalten, Unterfamilien eingeführt und auch die Abgrenzung gegenüber anderen Familien wieder diskutiert. Die Gattungen Rhipidandrus, Pterogenius und Sphindocis werden von manchen Autoren zur Familie gerechnet, von anderen nicht. Für die Welt gibt Lawrence 1971 etwa 550 Arten in vierzig Gattungen an, 2008 werden bereits 640 Arten angegeben. Es wird geschätzt, dass es insbesondere in Asien, Mittel- und Südamerika noch mehrere Hundert unbeschriebene Arten gibt.
2017 beschreibt Lawrence 75 Arten aus Australien, davon sind 56 Arten neu. Lawrence nennt die Arbeit vorläufig, da er bereits etwa fünfzig weitere unbeschriebene Arten ankündigt.
Die Einordnung der Familie innerhalb der Käfer erfolgte ursprünglich nach dem äußeren Bau der Käfer. Nach diesem wurde die Familie an verschiedenen Stellen innerhalb der Bostrichoidea eingeordnet. Später wurde die Familie zeitweise zu den Überfamilien Cucujoidea und Cleroidea eingeordnet, weil man sich einseitig am Bau der Larven, der Hautflügel oder der Geschlechtsorgane orientierte. Unter Berücksichtigung aller Merkmale scheint heute die Zugehörigkeit zu den Tenebrionoidea am wahrscheinlichsten. Innerhalb dieser Überfamilie gehören die Schwammkäfer zu den primitiveren Familien.
Merkmale der Käfer Da die Gattung Sphindocis in mehreren Merkmalen von den übrigen Ciidae abweicht, deswegen nicht von allen Autoren zur Familie gerechnet wird, und auch nicht in Europa vertreten ist, sind die Merkmale der Gattung im Folgenden nicht berücksichtigt.
Die Käfer haben eine mehr oder weniger zylindrische Form, kurz zylindrisch (in Aufsicht oval) bis länglich zylindrisch. Dies erleichtert ihnen die Fortbewegung in den Gängen im Innern der Pilze. Sie sind gewöhnlich klein bis sehr klein, maximal sechs Millimeter, meist zwei bis drei Millimeter, sie können aber auch nur etwa einen halben Millimeter lang sein. Sie haben mit ganz wenigen Ausnahmen unauffällige Farben von hellbraun bis schwarz. Die Tiere sind kahl oder abstehend beschuppt bis behaart.
Der Kopf ist zumindest etwas geneigt und schließt dicht an den Halsschild an. Die Fühler sind weit voneinander entfernt eingelenkt. Sie sind acht- bis zehngliedrig und enden in einer zwei- bis dreigliedrigen Keule. Die Glieder der Keule tragen mindestens vier Erhöhungen mit Sinneshaaren (en sensillifers, fr ampoules à trichoides). Die Augen sind rundlich und vorstehend. Der Kopfschild ist durch eine Naht abgesetzt. Die Oberkiefer sind kurz, breit mit zweizähniger Spitze. Die Kiefertaster sind viergliedrig, die Lippentaster dreigliedrig, beide enden mit einem zylindrischen bis spindelförmigen Glied.
Der Halsschild ist etwa gleich lang wie breit bis wenig breiter, an der Basis etwa so breit wie die Basis der Flügeldecken. Bei manchen Arten sind beim Männchen am Vorderrand des Halsschilds und/oder am Kopfschild zahn- oder hornförmige Fortsätze ausgebildet.
Die Flügeldecken haben schmale Epipleuren, die fast bis an die Flügelspitze reichen. Die Flügeldecken sind punktiert. In aller Regel sind die Punkte nicht in Reihen angeordnet. Die Aderung der Hautflügel ist reduziert. Selten fehlen die Hautflügel.