Die Straßenbahn Luxemburg ist das Straßenbahnsystem der luxemburgischen Hauptstadt Luxemburg, das am 10. Dezember 2017 eröffnet wurde. Bereits von 1875 bis 1964 existierte in der Stadt ein Straßenbahnnetz.
Die Strecke führt in einer Länge von 16 Kilometern vom Flughafen Findel über Luxexpo, das Kirchberg-Plateau, die Rout Bréck und durch das Stadtzentrum bis zum Bahnhof Luxemburg und weiter zum Stadion. Die 24 Haltestellen liegen im Durchschnitt etwa 500 Meter auseinander.
Grund für die Schaffung einer neuen Straßenbahnlinie und weiterer Verkehrsinfrastrukturprojekte ist das wirtschaftliche und demografische Wachstum der Stadt Luxemburg. Es wird davon ausgegangen, dass 2030 täglich 60.000 Menschen auf das Kirchberg-Plateau pendeln werden, d. h. doppelt so viele wie 2017.Luxemburg drückt bei der Tram aufs Tempo. In: L’essentiel. 19. Februar 2016, abgerufen am 9. Dezember 2017. Bereits in den ersten zwei Betriebsmonaten zeigte sich, dass wochentags im Schnitt rund 17.000 Fahrgäste mit der Tram fahren – mehr als doppelt so viele im Vergleich zur ursprünglichen Prognose von etwa 8.400 Passagieren pro Tag.Diane Lecorsais: Wie die Tram das Stadtbild verändert. In: Luxemburger Wort, 23. Februar 2018.
Geschichte Am 7. März 1991 wurde TRAM A.s.b.l.Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburg (PDF; 1,3 MB) C – N° 120, S. 9, abgerufen am 9. Dezember 2017. gegründet und die Idee einer Straßenbahn zum ersten Mal wieder aufgeworfen, nachdem 1964 die letzte Straßenbahnlinie eingestellt worden war. 1994 erfolgte die Veröffentlichung der Luxtraffic-Studie und 1995 die Vorstellung des Projektes BTB (Bus-Straßenbahn-Zug) mit einem „Tram-Train“ (Straßenbahn-Zug),E modernen Tram fir Lëtzebuerg – eng Investitioun an d’Zukunft. Webseite: rail.lu, abgerufen am 9. Dezember 2017. das aber nicht umgesetzt werden konnte und 2005 endgültig aufgegeben wurde. Die Kosten für die Realisierung des Projekts BTB wurden auf etwa 760 Millionen Euro geschätzt. Webseite: Paperjam.lu de vom 24. März 2006, abgerufen am 9. Dezember 2017.
links|mini|Vor der Straßenbahn: Das starke Fahrgastaufkommen macht den Einsatz von Doppelgelenkbussen auf den Linien zum Kirchberg-Plateau erforderlich (2017) 2006 wurde schließlich der Vorschlag einer traditionellen Straßenbahnlinie angenommenDossier Luxtram: Ce que l’on sait, ce que l’on ne sait pas, Webseite :5minutes.lu vom 6. Februar 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017.La constitution du GIE «LuxTram», Pressemitteilung der Regierung vom 21. Juni 2007, abgerufen am 9. Dezember 2017. und am 20. Juni 2007 die wirtschaftliche Interessengemeinschaft GIE LuxTram (Groupement d'intérêt economique) gegründetAmtsblatt des Großherzogtums Luxemburg, C – N° 2458, S. 2 f, abgerufen am 9. Dezember 2017. Die GIE bestand zu gleichen Teilen aus Vertretern des Staates und der Stadt Luxemburg. und die Route grundsätzlich festgelegt. Aufgrund der Finanzkrise ab 2007 wurde das Projekt 2010 vorerst nicht weiter verfolgt.Patrick Théry, On a beau dire, le tram est bel et bien sur les rails, Webseite : L'essentiel vom 26. September 2010, abgerufen am 9. Dezember 2017. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Arbeiten an der Straßenbahn Anfang 2011 beginnen sollten, damit die Linie 2014 in Betrieb gehen kann.Le tram va redessiner les artères de Luxembourg, Webseite: L'essentiel vom 15. Juni 2009. 2012 und 2014 fordern die GegnerRéférendum sur le tram: il faudra attendre l'avis du gouvernement. In: Luxemburger Wort. 14. März 2012, abgerufen am 9. Dezember 2017.L'ADR veut un référendum sur le tram In: Luxemburger Wort. 25. Februar 2014, abgerufen am 9. Dezember 2017Umfrage: 70 Prozent der Bürger für die Tram. Befragt wurden 1034 Personen. In: Luxemburger Wort. 16. Mai 2014, abgerufen am 9. Dezember 2017. des Straßenbahnprojektes ein Referendum, welches jedoch abgelehnt wurde.City-tunnel vs tram: il n'y aura pas de référendum In: Luxemburger Wort. 25. März 2012, abgerufen am 9. Dezember 2017. Am 4. Juni 2014 stimmte das Parlament in Luxemburg mit 56 von 60 Stimmen für die Straßenbahn.Loi du 24 juillet 2014 portant sur la construction d'une ligne de tramway à Luxembourg entre la Gare Centrale et le Circuit de la Foire Internationale au Kirchberg, abgerufen am 9. Dezember 2017. Am 17. Oktober 2014 wurde der Name der Interessensgemeinschaft von GIE LuxTram in GIE Tramway Luxemburg geändertAmtsblatt des Großherzogtums Luxemburg, C – N° 3450, S. 47, abgerufen am 9. Dezember 2017. und am 21. Oktober 2014 entstand die heutige Betreibergesellschaft LuxTram S.A. als Aktiengesellschaft (Société Anonyme)Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburg, C – N° 3544, S. 8, abgerufen am 9. Dezember 2017. und die GIE Tramway Luxembourg ging am 15. Januar 2015 in der LuxTram S.A. auf.Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburg, C – N° 393, S. 20, abgerufen am 9. Dezember 2017.LuxTram S.A. ersetzt LuxTram G.I.E.: Die Tramgesellschaft ist geboren. Der Staat übernimmt zwei Drittel, die Stadt Luxemburg ein Drittel des Kapitals. In: Luxemburger Wort, 21. Oktober 2014, abgerufen am 9. Dezember 2017.
Im Januar 2015 begannen die Vorbereitungsarbeiten für die neue Straßenbahn, und am 18. September 2015 wurde der Grundstein des neuen Betriebsbahnhofes und Wartungszentrums Tramsschapp bei Luxexpo gelegt.Offizielle Bezeichnung: Centre de remisage et de maintenance (CRM).Auf Probefahrt mit der Tram In: Luxemburger Wort. 23. September 2017, zuletzt abgerufen am 9. Dezember 2017.Das Tramsschapp besteht aus drei Gebäuden, wobei die Haupthalle 192 Meter lang und 32 Meter breit ist und Platz für 32 Fahrzeuge bietet, somit den gesamten Fuhrpark dieser Linie im Endausbau 2021 (Die "Homebase" der Tram. In: Luxemburger Wort, 13. Oktober 2016, abgerufen am 9. Dezember 2017).
Im Juli 2016 begann die Verlegung der ersten Schienen, und am 8. Februar 2017 wurde das erste Straßenbahnfahrzeug geliefert.Jean-Claude Ernst und Alain Rischard in Die Tram ist da, Webseite: Volksfreund.de vom 10. Februar 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017. Beim Tag der offenen Tür am 23. und 24. September 2017 besuchten weit über 10.000 interessierte Bürger den Tramsschapp. Ab dem 2. November wurden die Tests mit der Straßenbahn im normalen Verkehrsbetrieb ohne Fahrgäste durchgeführt, und bei Übungen mit den Rettungsdiensten wurden simulierte Unfälle geprobt.Jörg Tschürtz in Les pompiers sont prêts pour un accident de tram, Webseite: L'essentiel vom 15. November 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017.Eeschtfall simuléiert: Wat maachen, wann den Tram entgleist, rtl.lu vom 1. Dezember 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017. Der erste reale Unfall mit der Straßenbahn ereignete sich am 1. Dezember 2017, wobei an der Straßenbahn nur geringer Sachschaden entstand.Kirchberg – Auto kollidiert mit Tram In: Luxemburger Wort, 2. Dezember 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017.
Am 10. Dezember 2017 um 13 Uhr wurde der öffentliche Betrieb aufgenommen. Im Zeitraum vom 10. Dezember 2017 bis 31. Januar 2018 konnte die Straßenbahn kostenlos benutzt werden.Keine gratis Fahrten mehr. In: Luxemburger Wort, 31. Januar 2018, abgerufen am 31. Januar 2018 und Gratis Tram fahren bis Ende Januar In: Luxemburger Wort, 1. Dezember 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017. Seit dem 27. Juli 2018 fährt die Bahn bis zur Place de l’Étoile.Luxtram fährt jetzt bis zum Stäreplaz/Etoile Wie die übrigen öffentlichen Verkehrsmittel im ganzen Staat Luxemburg kann die Straßenbahn seit dem 29. Februar 2020 kostenlos benutzt werden.
Den ersten größeren Unfall hatte die Tram am 19. Juli 2019. Der Wagen 104 kollidierte mit einem Bus, der ein Motorrad und einen Baum mitriss, und entgleiste. Von den 30 bis 50 Personen im Zug sowie einem Fahrgast und dem Fahrer im Bus wurden insgesamt fünf Personen verletzt, davon eine schwer. Accidentéierten Tram nees am Schapp, 5 Blesséierter bei rtl.lu, abgerufen am 19. Juli 2019
Am 13. Dezember 2020 ging der Abschnitt vom Stäreplaz bis zum Luxemburger Bahnhof planmäßig in Betrieb, am 11. September 2022 die Verlängerung vom Hauptbahnhof Luxemburg zum Lycée Bouneweg.
Am 7. Juli 2024 ging der Abschnitt D vom Lycée Bonneweg zum Stadion in Betrieb. Zwischen den Haltestellen Scillas und Howald Gare war die Strecke zunächst provisorisch eingleisig. Am 15. Januar 2026 ging das zweite Gleis in Betrieb.
Am 2. März 2025 ging der letzte Abschnitt der Linie 1 bis zum Flughafen in Betrieb.
Im Juli und August 2026 wurde erstmals eine Kletterweiche verwendet, um während der Errichtung des Abzweigs für den zweiten Streckenast auf dem Kirchberg an der Haltestelle Philharmonie – Mudam wenden zu können und so die Unterbrechung auf einen sehr kurzen Abschnitt zu beschränken.
Bis 2020 wollte Luxtram S.A. an die 250 Personen beschäftigen. Es waren aber nur 145.Luxemburg drückt bei der Tram aufs Tempo. In: L’essentiel. 19. Februar 2016, abgerufen am 9. Dezember 2017.
Infrastruktur
Das Straßenbahnnetz in Luxemburg ist durchgehend zweigleisig und für Zweirichtungsbetrieb ausgelegt, sodass keine Wendeschleifen benötigt werden. Für allfällige Fahrtrichtungswechsel sind in regelmäßigen Abständen Gleiswechsel vorhanden. Die Gleise sind in Normalspur (1435 mm) ausgeführt.
Die derzeit einzige Linie bedient 24 Haltestellen. Im Stadtzentrum existiert ein rund 3,5 Kilometer langer oberleitungsloser Abschnitt. Die Straßenbahn ist nahezu gänzlich auf eigenem Gleiskörper trassiert, vereinzelte Abschnitte und Haltestellen werden auch von Bussen mitgenutzt.
Streckenverlauf mini|Doppelte Gleisverbindung an der östlichen Endhaltestelle Luxexpo. Wegen des Zweirichtungsbetriebs sind keine Wendeschleifen erforderlich. Die Strecke beginnt beim Flughafen Luxemburg und führt danach in den Nordosten der Stadt auf das Kirchberg-Plateau, wo sich östlich des Luxexpo-Areals auch der Betriebshof der Straßenbahn befindet. In seitlicher Randlage entlang der Avenue John F. Kennedy verläuft die Strecke vom bisherigen Endpunkt Luxexpo stadteinwärts. Die Tram nutzt hierfür einen eigenen Gleiskörper, der nördlich der Straße liegt.
An der Haltestelle Pafendall – Rout Bréck, an der mittels Standseilbahn eine Verbindung zum Bahnhaltepunkt Pafendall–Kirchberg im Tal hergestellt wird, endet die Oberleitung der Straßenbahn. Für die Weiterfahrt ins Zentrum müssen die Fahrzeuge den Stromabnehmer senken. Um die historische Architektur in der Altstadt durch Fahrleitungen optisch nicht zu beeinträchtigen, durchqueren die CAF Urbos den Streckenabschnitt im Stadtzentrum per Batteriespeisung.
mini|Wagen 114 durchquert den Innenstadtabschnitt oberleitungslos mit Superkondensatoren