mini|hochkant|Firmenzentrale in New Brunswick, New Jersey
Johnson & Johnson ist ein weltweit tätiger US-amerikanischer Pharmazie- und Konsumgüterhersteller mit Hauptsitz in New Brunswick im US-Bundesstaat New Jersey. Das Unternehmen ist im Dow Jones Industrial Average gelistet (Symbol: JNJ).
Johnson & Johnson ist eines der größten Gesundheitsunternehmen der Welt. Die Pharmasparte firmiert in erster Linie unter Janssen Pharmaceutica und machte 2025 60,4 Milliarden US-Dollar Umsatz. Es gibt auch OTC- resp. Medizinprodukte-Sparten.
Durch die Firma Janssen Vaccines, die ebenfalls zu Johnson & Johnson gehört, wurde der Impfstoff Ad26.COV2.S gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 entwickelt.
Der Hauptsitz der deutschen Niederlassung befindet sich in Neuss, jener der österreichischen in Wien. Zudem befinden sich in Wuppertal, Duisburg und Norderstedt weitere wichtige Unternehmensstandorte.
Johnson & Johnson beschäftigt rund 138.000 Mitarbeiter in 64 Ländern weltweit, davon etwa 4.000 in Deutschland. Die Produkte der Geschäftsbereiche Pharma, Medizingeräte und Verbraucher werden in 175 Ländern vertrieben.
Geschichte Das Unternehmen Johnson & Johnson wurde im Jahr 1886 von den Brüdern Robert Wood Johnson I, James Wood Johnson und Edward Mead Johnson gegründet.
Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit lag in den 1880er-Jahren in der Herstellung der ersten chirurgischen Verbandstoffe. Im Jahr 1959 erwarb Johnson & Johnson die McNeil Laboratories. Seit 1964 gehört Codman & Shurtleff, der 1838 in Boston gegründete und damit wahrscheinlich älteste Medizinproduktehersteller der Welt, zu Johnson & Johnson.
Große öffentliche Bekanntheit erlangte Johnson & Johnson durch drei Katastrophen, die im Zeitraum von 1898 bis 1906 eintraten und bei deren Bewältigung die Produkte des Unternehmens zum Einsatz kamen. Während des Spanisch-Amerikanischen Krieges stützte sich das amerikanische Heer auf die medizinischen Produkte von Johnson & Johnson. Das Unternehmen stellte beinahe alles zur Verfügung, von Chirurgengewändern bis zu neuartigen, kompakten Tragen. Nach dem Galveston-Hurrikan im Jahr 1900 stellte Johnson & Johnson alle leicht beschädigten Güter den Pharmazeuten gratis zur Verfügung. Johnson & Johnson wurde vor allem durch die sofortige Hilfe nach dem San-Francisco-Erdbeben von 1906 berühmt. Johnson & Johnson stellte sowohl medizinische Produkte zur Soforthilfe zur Verfügung wie auch Lazarette. Alle Produkte mit einem Kaufpreis von unter 100 US-Dollar waren zu diesem Zeitpunkt gratis. Johnson & Johnson wurde damit zum größten „Einzelspender“ dieser Katastrophe.
1943, als sich das Unternehmen auf seinen Börsengang vorbereitete, schrieb Robert Wood Johnson ein später als „Unser Credo“ bezeichnetes Dokument, das im Laufe der Jahre als Leitfaden für die Entscheidungen des Unternehmens diente. Das Unternehmen schloss seinen Börsengang ab und wurde 1944 eine Aktiengesellschaft. Im Jahr 1961 wurde die Janssen Pharmaceutica zur Pharmasparte von Johnson & Johnson.
Im Jahr 1982 starben im Großraum Chicago mindestens sieben Menschen nach der Einnahme von Paracetamol-Schmerzmitteln der Marke Tylenol, welche durch unbekannte Täter mit Zyankali vergiftet worden waren. Im Zusammenhang dieser „Tylenol-Morde“ startete Johnson & Johnson eine großangelegte Rückrufaktion, die das Unternehmen geschätzte 100 bis 240 Millionen US-Dollar kostete, aber gleichzeitig positiv durch die Öffentlichkeit bewertet wurde. Retrospektiv wird das Vorgehen von Johnson & Johnson aber dennoch teilweise kritisch betrachtet, da der Konzern gezielt von der Möglichkeit abzulenken versuchte, dass die vergifteten Pillen bereits in der Produktion mit Zyankali versetzt worden sein könnten. Tatsächlich stammten die vergifteten Produkte aus zwei verschiedenen Fabriken, weshalb eine nachträgliche Gifteinbringung angenommen wird.
Im Januar 2017 machte Johnson & Johnson ein Übernahmeangebot für das Schweizer Pharmaunternehmen Actelion in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme wurde im Juni 2017 vollzogen. PM J&J vom 26. Januar 2017, s. Roadmap, abgerufen am 7. Februar 2017
Mitte August 2020 verkündete der Konzern Johnson & Johnson, dass sie das US-Biotechunternehmen Momenta übernehmen werden. Die Übernahme kostete Berichten zufolge 6,5 Milliarden US-Dollar.
Im November 2022 übernahm Johnson & Johnson den Hersteller von Herzpumpen und Anbieter von Technologien für Herzchirurgie Abiomed für 16,6 Milliarden US-Dollar.
Im August 2024 wurde die Consumer Healthcare-Sparte von Johnson & Johnson unter dem Namen Kenvue ausgegliedert und an der Börse gelistet.
Johnson & Johnson gab im Jahr 2024 mehrere Übernahmen bekannt: Ambrx Biopharma für 2 Milliarden US-Dollar (im Januar), Shockwave Medical für 13,1 Milliarden US-Dollar (im April), und Proteologix für 850 Millionen US-Dollar (im Mai). Im Januar 2025 gab Johnson & Johnson außerdem bekannt, dass es Intra-Cellular Therapies für 14,6 Milliarden US-Dollar übernehmen wird; das Unternehmen ist auf Medikamente zur Behandlung von Verhaltensstörungen wie Schizophrenie, Depressionen und bipolaren Störungen spezialisiert.
Zahlen +Geschäfts- und Mitarbeiterentwicklung (jeweiliges Geschäftsjahr)JahrUmsatzin Mrd. US-$Bilanzgewinnin Mrd. US-$Angestellte2005 50,514 10,060 115.6002006 53,324 11,053 122.2002007 61,095 10,576 119.2002008 63,747 12,949 118.7002009 61,897 12,266 115.5002010 61,587 13,334 114.0002011 65,030 9,672 117.9002012 67,224 10,853 127.6002013 71,312 13,831 128.1002014 74,331 16,323 126.5002015 70,074 15,409 127.1002016 71,890 16,540 126.4002017 76,450 1,300 134.0002018 81,581 15,297 135.1002019 82,059 15,119 132.2002020 82,584 14,714 134.5002021 93,775 20,878 144.300202294,94317,941155.800202385,15213,326131.900202488,81914,066139.800202594,17826,804140.080
Weltwirtschaftskrise Die Krise ging auch an Johnson & Johnson nicht spurlos vorbei. 2008 konnte der Jahresumsatz jedoch um 2,6 Milliarden US-Dollar gesteigert werden (2007 betrug der Anstieg des Umsatzes noch 7,8 Milliarden US-Dollar). Mit dem Einsetzen der Krise, massiv steigender Arbeitslosigkeit in den USA (damit in der Regel Verlust der Krankenversicherung), gingen die Umsätze seit Jahren erstmals zurück. Dieser Trend zeigte sich dann im Geschäftsjahr 2009, das mit einem um 1,8 Milliarden US-Dollar geringerem Umsatz abgeschlossen wurde. Der Gewinn sank 2009 von 12,9 (2008) auf 12,3 Milliarden US-Dollar.
Letztlich aber traf die Krise das Unternehmen weniger stark als weite Teile der Wirtschaft. Bereits 2011 konnte man weiter expandieren und eröffnete in Duisburg ein neues Logistikzentrum auf 42.000 Quadratmetern. Durch den Einsatz von Photovoltaik und Abwärme umliegender Industrieanlagen zur Beheizung gilt das Logistikzentrum als umweltverträglich.
Unternehmensstruktur in deutschsprachigen Ländern Johnson & Johnson wird in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich & Schweiz durch folgende Firmen vertreten. auf jnj.com Cilag AG (Schweiz) Cilag GmbH (International) Janssen Vaccines, mit Sitz in Bern (Schweiz), Zweigniederlassung der Cilag GmbH International Codman & Shurtleff Inc. Vision Care ACUVUE Norderstedt DePuy Synthes Johnson & Johnson Medical GmbH (ehemals Ethicon GmbH) Ethicon Endo-Surgery Inc. Janssen-Cilag AG (Schweiz) Janssen-Cilag International Janssen-Cilag GmbH (Deutschland) Johnson & Johnson GmbH (Deutschland) mit den Marken (seit der Ausgliederung gehören diese Marken jetzt der ehemaligen Tochter Kenvue): bebe und bebe ZARTPFLEGE Carefree Dolormin Hexoral Imodium akut KOMPENSAN LISTERINE Livocab direkt Microlax Neutrogena nicorette o.b. Olynth Penaten PIZ BUIN Reactine Regaine Tispol Visine Le Petit Marseillais Johnson & Johnson Austria Ges.m.b.H. LifeScan Inc. McNeil GmbH & Co. oHG. Ortho Biotech Products L.P. Ortho-Clinical Diagnostics GmbH (Deutschland) Surgical Process Institute Deutschland GmbH (Deutschland) Synthes
Kritik Asbest Im Juli 2018 wurde Johnson & Johnson (J&J) im US-Bundesstaat Missouri wegen des jahrzehntelangen Verkaufs von krebserregendem Babypuder zu einer Strafe von 4,69 Milliarden US-Dollar verurteilt. J&J habe seit den 1970er Jahren davon gewusst und die Verbraucher nicht gewarnt. Als Reaktion fielen die J&J-Aktien im nachbörslichen Handel um ein Prozent. Am 14. Dezember 2018 wurden im Rahmen eines Gerichtsprozesses angebliche Inhalte vertraulicher Unternehmenspapiere bekannt, aus denen hervorgeht, dass das Babypuder des Pharmakonzerns in der Zeit von 1971 bis Anfang der 2000er Jahre geringe Mengen Asbest enthielt. Dem Unternehmen sei dies bekannt gewesen und man habe die Ergebnisse eigener Studien manipuliert, ohne Aufsichtsbehörden über die Belastung zu unterrichten. Der Börsenkurs sank zeitweise um über 10 Prozent, was einem Gegenwert von etwa 45 Milliarden Dollar entspricht. Die Strafe wurde später auf 2,12 Milliarden US-Dollar gesenkt, mittlerweile ist die Strafe rechtskräftig.
Anfang April 2023 bot das Unternehmen zur Beilegung sämtlicher Klagen um Körperpflegeartikel, die das Magnesiumsilikat Talkum enthalten, einen Vergleich im Volumen von rund 8,9 Milliarden Dollar (umgerechnet 8,1 Milliarden Euro) an.
Johnson & Johnson gründete das Tochterunternehmen LTL, um die Klagekosten auszulagern (und damit eine Eigenart der texanischen Gesetzgebung auszunutzen). Anschließend meldete LTL Insolvenz an.https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/jj-krebs-babypuder-100.html
Ein Geschworenengericht in Los Angeles hat Johnson & Johnson im Oktober 2025 dazu verurteilt, 966 Millionen US-Dollar an die Familie einer Frau zu zahlen, die an Mesotheliom gestorben war. Die Jury sah es als erwiesen an, dass Talkumprodukte des Unternehmens Asbestfasern enthielten und so die Krankheit verursachten.
J&J sieht sich derzeit mit über 67.000 Klagen konfrontiert, vor allem wegen angeblicher Krebsrisiken durch Talkumprodukte. Mehrere frühere Versuche, die Verfahren über ein Konkursverfahren zu bündeln, wurden von US-Gerichten abgelehnt.
Mikroplastik Noch immer setzt Johnson & Johnson in einigen Produkten Mikroplastik ein, In: plusminus. 15. November 2017, abgerufen am 8. Januar 2018. welches Probleme in der Umwelt verursacht, insbesondere weil es schwer abbaubar ist. Zudem gilt Mikroplastik gesundheitlich als bedenklich.
Risperdal Im November 2013 einigte sich Johnson & Johnson auf einen Vergleich, wobei 2,2 Milliarden US-$ an die US-Regierung gezahlt wurden, da Johnson & Johnson Apotheker bestochen hatte, damit diese das Neuroleptikum Risperdal (Risperidon) an demente ältere Menschen, Kinder und Behinderte verkauften.Artikel, der sich mit der aggressiven und illegalen Vermarktung von Risperidon beschäftigt: tagesschau.de: , 4. November 2013. Im Dezember 2016 haben in den USA 13.000 Männer eine Sammelklage gegen Johnson & Johnson eingereicht. Sie erkrankten als Nebenwirkung durch das Medikament Risperdal an Gynäkomastie (Männerbrüste).
Opioidkrise Johnson & Johnson wird in vielen Fällen direkt mit der Opioid-Epidemie in den Vereinigten Staaten von Amerika in Zusammenhang gebracht, welche zu einer Krise des öffentlichen Gesundheitswesens in den USA führte. Im Mai 2019 begann im US-Bundesstaat Oklahoma ein historisches Opioid-Verfahren gegen Johnson & Johnson. Dem Konzern wird vorgeworfen, mit synthetischen Opiaten Milliardengewinne gemacht zu haben – dafür habe er Studien manipuliert, trügerisches Marketing betrieben und in der Werbung gelogen. Johnson & Johnson zielte explizit auf Männer unter 40 ab, die am stärksten von der Abhängigkeit betroffen sind. Als dann die Nachfrage stieg, habe der Konzern Schlafmohnanbauer in Australien aufgekauft, um von der gesamten Wertschöpfungskette zu profitieren.