mini|Die als Scarborough Barracks genutzte ehemalige Caprivi-Kaserne, heute Teil der Hochschule Osnabrück Die Osnabrück Garrison (deutsch: „Garnison Osnabrück“) war eine Garnison der British Forces Germany, die in Osnabrück und Münster stationiert war. Bis zu ihrer Auflösung war sie mit bis zu 14.000 Mann die größte Einheit der Army außerhalb der Britischen Inseln. Formiert wurde sie nach Ende des Zweiten Weltkrieges in ehemaligen Kasernen der Wehrmacht. Am 1. April 2009 wurden die Standorte aufgegeben und die Einheiten zurück in das Vereinigte Königreich beordert. Trotz des Abzuges der Briten hat sich vor allem in Osnabrück und den umliegenden Gemeinden eine starke britische Minderheit etabliert, welche teilweise in der Royal British Legion organisiert ist.

Geschichte Am 10. März 1980 wurde auf den Corporal Steven Sims im Naherholungsgebiet Heger Holz ein Attentat verübt. Urheber des Attentats war die IRA. Der Attentäter schoss mit einer 9-mm-Pistole fünfmal auf Sims. Steven Sims wurde verletzt, konnte jedoch den Attentätern entkommen und überlebte.

Freedom of the city Am 30. Mai 1980 wurde der Garrison Osnabrück die Auszeichnung Freedom of the City der Stadt Osnabrück verliehen. Sie wurde von Generalmajor M. B. Farndale entgegengenommen, der es als großen Tag der „deutsch-britischen Freundschaft“ bezeichnete. Bis zur Auflösung der Garnison wurde jährlich als Dank eine Parade abgehalten, mit Ausnahme von 2007, als sich ein Großteil der Soldaten in Afghanistan und dem Irak befand. Verleihung der „Freedom of the City“ Diese Auszeichnung gibt es in seiner Art kein weiteres Mal in ganz Deutschland.

1. Anschlag auf die Quebec Barracks Auf die Quebec Barracks verübte am 19. Juni 1989 um 1:28 Uhr die Provisional Irish Republican Army einen Bombenanschlag. Nur durch die Aufmerksamkeit des 63-jährigen Hilteraners Günter Kittelmann, der Grundwasserpumpen auf einer Baustelle in der Kasernenanlage bewachte, konnten menschliche Opfer vermieden werden.Explosion und Schuss: Der IRA-Terror erreichte Osnabrück 1989. In: NOZ, 12. Juni 2017. Während des Wachdienstes bemerkte er eine Person im Kampfschwimmeranzug und leuchtete mit seiner Taschenlampe in das Gesicht eines der Attentäter, worauf dieser versuchte, einen Schuss auf den Wachmann abzugeben. Der Schuss verfehlte ihn, so schlugen die Attentäter mit dem Gewehrkolben einer Ak-47 auf ihn ein.

Die Attentäter wurden in der weiteren Ausführung ihrer Tat so gestört, dass sie nur einen Sprengsatz schärfen konnten und vier weitere unscharf zurücklassen mussten. Durch die Zündung der geschärften Bombe kurze Zeit später wurden die Baubude des Wachmanns sowie Baracken der Kaserne erheblich beschädigt, zudem wurden im Umkreis von mehreren hundert Metern zahlreiche Fensterscheiben zerstört. Während dieser als „Herbstoffensive“ betitelten Attentatsserie wurden weitere Anschläge unter anderem in Hannover verübt.Ein Kolbenhieb für den Retter der Soldaten. In: NOZ, 18. August 2015.

Der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht zeichnete den Wachmann Günter Kittelmann mit der Niedersächsischen Rettungsmedaille aus. Im Jahr 1991 ehrten ihn die Briten mit der Verleihung der Tapferkeitsmedaille, wobei er auf dem Weg zum Empfang in der britischen Botschaft in Bonn einen Herzanfall erlitt.

Vier der Täter konnten später identifiziert werden und wurden 1995 aufgrund von Indizien zu Haftstrafen zwischen neun und zehn Jahren verurteilt. Wegen der langen U-Haft mussten sie sofort nach dem Urteil entlassen werden. Der fünfte Täter wurde am 17. August 2005 in Torremolinos an der Costa del Sol während einer Routinekontrolle festgenommen. Gegen den zum Haftzeitpunkt 44-jährigen Iren hatte schon seit 1989 ein deutscher Haftbefehl bestanden.

2. Anschlag auf die Quebec Barracks mini|IRA Barrack buster Mörser Ein zweiter Anschlag auf die Quebec Barracks wurde am 28. Juni 1996 um 18:50 Uhr ebenfalls durch die Provisional Irish Republican Army verübt. Im selben Jahr war es bereits zu Anschlägen in London (Canary Wharf, 9. Februar 1996) und am 15. Juni 1996 in Manchester gekommen.

In einem am Kasernenzaun abgestellten Lieferwagen waren drei selbstgebaute Mörser versteckt, mit deren Einsatz 80 kg schwere Granaten verschossen werden konnten. Während eine Granate explodierte und erheblichen Sachschaden anrichtete, konnten zwei Blindgänger später entschärft werden.

Verurteilung der Täter Eine erste Tatverdächtige entging 1998 einer Auslieferung an Deutschland, da sie schwanger war.

Ein weiterer Verdächtiger wurde 2002 in Prag festgenommen und 2003 vor dem Oberlandesgericht Celle zu einer Haftstrafe von 6 Jahren wegen „Versuchten Mordes“ und „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“ verurteilt. Zwar besteht seit dem Karfreitagsabkommen eigentlich eine Amnestie für Kämpfer des Nordirlandkonfliktes, jedoch können Taten, die in Deutschland begangen wurden, weiterhin vor deutschen Gerichten verhandelt werden.

Im Dezember 2016 wurde ein zu dem Zeitpunkt 47-jähriger Brite von Irland an Deutschland ausgeliefert. Der Mann gestand und wurde 2017 vom Landgericht Osnabrück zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Reststrafe nach Abzug der bereits verbüßten Untersuchungshaft wurde zur Bewährung ausgesetzt. Bei der Festsetzung des Strafmaßes spielte auch eine Rolle, dass die Bundesanwaltschaft schon seit 2005 den Aufenthaltsort des Mannes gekannt hatte, ihn aber erst 2016 festnehmen ließ.

Abzug Erste Gerüchte um den Abzug der Briten wurden am Handgiftentag am 2. Januar 2006 von Bürgermeister Hans-Jürgen Fip bestätigt, als er erklärte, dass er eine Veränderung in der Struktur bis ins Jahr 2015 erwarte, die auch eine Aufgabe des Standortes Osnabrück enthalte.Jeder Zehnte Osnabrücker war ein Engländer: Die britische Ära und der Konversionsprozess S. 91, Ende des Garnisonsstandortes Osnabrück. Die Gerüchte um die Garnison wurden am 24. Juli 2006 Gewissheit, als der Verteidigungsminister Des Browne den schrittweisen Abzug der britischen Truppen ankündigte. Alle 2.450 britischen Soldaten und 200 zivile Mitarbeiter sowie deren Familien, die im Umfeld der Kasernen wohnten, würden in das Heimatland zurückbeordert und der Standort spätestens 2009 geschlossen. Die 530 deutschen Zivilbeschäftigten sahen einer unklaren Zukunft entgegen.

Schon im Herbst 2007 wurde die 4. Panzerbrigade (Teil der 1st Armoured Division) in den Irak verlegt, von dort nach dem Ende der Dienstzeit jedoch nicht wieder nach Osnabrück, sondern nach Großbritannien, wo sie komplett neu aufgestellt wurde. Im Sommer 2008 begann die Abzugswelle mit der Übergabe der Quebec Barracks am 25. September durch Colonel Mark Cuthbert-Brown an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Im Verlauf des Winters 2008/2009 wurden auch die anderen Kasernenanlagen schrittweise geräumt einschließlich der NAAFI-Märkte.http://www.werkstatt-stadt.de/de/projekte/230/ Zeittafel zur Konversion (damaliger Text ist offline).

Beim letzten Freedom of the city im Jahr 2008 übergab der Kommandeur der vierten Brigade der Stadt ein Schwert als Zeichen der Freundschaft. Die endgültige Auflösung erfolgte am 1. April 2009.Ende eines langen Abschieds. In: NOZ, 31. März 2009.

Konversion Im Jahr 2007 nahm eine Projektgruppe die Arbeit auf, welche die Konversion leiten und begleiten sollte. 2008 wurden die Scharnhorstkaserne (Belfast Barracks), die Winkelhausenkaserne (Roberts Barracks) und die Quebec Barracks an der Landwehrstraße an die BImA zurückgegeben. Im selben Jahr wurde der „Perspektivplan Konversion“ unter Beteiligung der Öffentlichkeit ausgearbeitet.

Als nächste wurden 2009 die Von-Stein-Kaserne und die Kaserne am Limberg an die BImA übergeben. Die Von-Stein-Kaserne wurde an das Land Niedersachsen abgegeben. Gleichzeitig wurden im Bund-Länder-Programm Stadtumbau West die Standorte im Hafen und Westerberg eingegliedert. Auch 720 Offizierswohnungen außerhalb der Kasernen wurden veräußert.

Standorte Osnabrück Station Am Standort Osnabrück waren 2006 bei Bekanntgabe der Auflösung noch sechs Kasernenareale in Dienst: Belfast Barracks Imphal Barracks & Mercer Barracks Prestatyn Barracks Quebec Barracks Roberts Barracks Woolwich Barracks Die Scarborough Barracks wurden bereits 1987 aufgegeben.

Außerhalb der Kasernen gab es große Wohngebiete für die Angehörigen der Armee in Dodesheide, Sonnenhügel, Westerberg sowie in Lotte und Belm. Britische Schulen des British Families Education Service (BFES) existierten mit der Derby Middle School an der Lerchenstraße, Ecke Haster Weg,Derby School. BFES-SCE Association, abgerufen am 6. März 2025. und der Marlborough School (Primary School) im Dreieck Ellerstraße/Dodeshausweg/Kastanienstraße.Marlborough School. BFES-SCE Association, abgerufen am 6. März 2025. Nördlich des Fürstenauer Weges, gegenüber den Roberts Barracks, befanden sich auf einer Wiese britische Sportanlagen.Stadt Osnabrück: Begründung zum Bebauungsplan Nr. 195 – Fürstenauer Weg, Ost (PDF, 294 kB). Abgerufen am 6. März 2025. Der Standortübungsplatz der Osnabrück Station befand sich zwischen Bramsche-Achmer und Lotte-Halen in der Wersener Heide südlich des Flugplatz Achmer und steht heute als NSG Achmer Sand und NSG Haler Feld-Vogelpohl unter Naturschutz.

Belfast Barracks Benannt wurde die im Stadtteil Westerberg gelegene Kaserne nach der Stadt Belfast in Nordirland. Begrenzt wurde das Kasernengelände im Westen durch die Paracelsus-Klinik, nördlich durch die Sudetenstraße, östlich durch die Artilleriestraße und südlich durch die Sedanstraße. An der gegenüberliegenden Seite der Sedanstraße befanden sich die kleineren Prestatyn Barracks.

Sie wurde 1937 als Scharnhorstkaserne von der Wehrmacht errichtet und umfasst eine Fläche von 14,2 Hektar. Zunächst sollte das Infanterieregiment Nr. 37 die Kaserne belegen, jedoch wurden aufgrund der benachbarten Artillerieregimenter in den anderen Westerbergkasernen, nun die III. Abteilung des Artillerieregiments 6 aus Detmold und Minden nach Osnabrück verlegt.Die Uhr steht auf fünf nach neun; Scharnhorstkaserne: Ein Kapitel Militärgeschichte geht zu Ende – Pferdeställe und ein Symbol des Ungeistes. In: NOZ, 25. Februar 2011. Durch die Luftangriffe auf die Stadt waren Teile der Kaserne stark beschädigt, ein 1950 vom Staatshochbauamt angefertigter Plan wies die Kaserne als Abriss auf.Jeder Zehnte Osnabrücker war ein Engländer: Die britische Ära und der Konversionsprozess; Kasernengeschichte und Kasernengeschichten. S. 45. Die Kaserne wurde seit 1951 von den Briten als Infanteriekaserne übernommen, da sie für den zeitlichen Stand über eine noch kaum verbreitete Zentralheizung verfügte. Schon bald richteten sich die Briten das Kasernengelände her, die unzerstörten Pferdeställe wurden als Lagerhallen oder Werkstätten hergerichtet, auf den zerstörten Ställen wurden Fahrzeughallen gebaut. Die ehemaligen Unterstellhallen für die Kanonen wurde abgerissen und eine Panzerunterstellhalle neu gebaut. Die mehrfach angepassten Unterstellhallen wurden zuletzt in den 1990er Jahren für den Wechsel vom FV 432 auf den Warrior umfassend umgebaut und modernisiert. Als letzte Einheit war von 2006 bis 2008 das 1. Bataillon des Duke of Lancaster’s RegimentBelfast Barracks. In: baor-locations.org. Abgerufen am 30. September 2024. hier stationiert.

Am 8. Oktober 2008 wurden die Liegenschaften von den britischen Streitkräften an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zurückgegeben.Rückgabe der Flächen, Osnabrück.de.

Aus der Fläche erfolgten zwei Teilverkäufe: 1. Teilverkauf mit 8,8 Hektar im Juli 2010 an eine städtische Gesellschaft für den Bau eines Wissenschafts- und Innovationszentrums. Der zweite Teilverkauf erfolgte im Juli 2012 mit 4,5 ha an eine „Wohnpark Scharnhorst GmbH“ aus Hamburg, die hier ein Wohngebiet entwickelt hat. Im Jahr 2011 wurden die vorhandenen Gebäude abgerissen und das Gelände eingeebnet. Belfast Barracks,

Imphal Barracks und Mercer Barracks mini|NAAFI-Markt auf dem Gelände der Imphal und Mercer Barracks