Das Geld (Originaltitel: L’Argent) ist ein französischer Film aus dem Jahre 1983. Regie führte Robert Bresson. Die literarische Vorlage ist die Erzählung Der gefälschte Kupon von Leo Tolstoi.

Handlung Zusammenfassung Ein gefälschter 500-Franc-Schein gerät in Umlauf. Der Heizölfahrer Yvon gerät durch eine Lieferung an ein Photogeschäft in Besitz der gefälschten Banknote. Als er in einem Restaurant seine Rechnung mit der Fälschung bezahlt, gerät er nun selbst in Verdacht, das Geld gefälscht zu haben. Für Yvon tut sich eine Abwärtsspirale auf, er verliert seine Arbeit, kommt ins Gefängnis, sein Kind stirbt und seine Frau verlässt ihn. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch wird Yvon selbst zum Verbrecher. Beschreibung Bresson überträgt Elemente aus Tolstois Erzählung Der gefälschte Kupon in das Paris des Anfangs der 1980er Jahre, in eine Zeit, als der Wert von Dingen noch sehr viel stärker als in späteren Jahren durch Geldscheine repräsentiert wurde.

Norbert ist ein Gymnasiast aus großbürgerlichem Haus, der gerade Schulden bei einem Schulkameraden hat. Seine Eltern wollen ihm nicht aushelfen, aber sein Freund Martial weiß Rat. Martial ist im Besitz eines gefälschten 500-Franc-Scheins. Gemeinsam suchen sie einen kleinen Fotoladen auf und kaufen dort für einen geringen Betrag einen Bilderrahmen. Obwohl die Chefin des Ladens etwas skeptisch ist, akzeptiert sie schließlich den Schein und händigt den beiden Jugendlichen das Wechselgeld aus. Der Inhaber des Ladens erkennt, dass es sich um eine Fälschung handelt, nennt seine Frau «imbécile» – «dumm», «schwachsinnig», muss sich von ihr aber darauf hinweisen lassen, dass man ihm selbst doch vor ein paar Tagen auch bereits zwei gefälschte 500-Franc-Scheine angedreht habe.

Yvon ist der Fahrer eines Heizöltankers. Als er den Fotoladen beliefert hat, begleicht man seine Rechnung mit den drei gefälschten Banknoten. Nach dem Mittagessen in einem Café will Yvon mit einem dieser Scheine bezahlen, aber der Wirt erkennt sofort die Fälschung dieses und der beiden anderen Scheine. Polizei wird gerufen; Yvon kommt vor Gericht. Obwohl er von einem Angestellten des Fotoladens, Lucien,Neben Yvons Geschichte, die im Zentrum des Films steht und auf die sich die Handlungsbeschreibung konzentriert, verfolgt Bressons Film in zwischenmontierten Szenen auch die Wege von zwei anderen Figuren. Norbert wird von der Chefin des Fotoladens später vor seiner Schule wiedererkannt und von seinem Lehrer aufgefordert, sich zu seiner Tat zu bekennen, ehe seine Mutter, wiederum mit Geld, im Fotoladen dafür sorgt, dass Norberts Name aus der Sache herausgehalten wird. Was Lucien betrifft, so führt sein Weg über Täuschung eines Kunden, Entlassung, Diebstahl im Fotoladen und Manipulation von Geldautomaten in dasselbe Gefängnis, in dem auch Yvon einsitzt. belastet wird – nein, er habe diesen Mann nie im Laden gesehen –, wird Yvon freigesprochen, bekommt aber mit auf den Weg, er solle nie wieder unbescholtene Bürger beschuldigen.

Yvon hat seine Arbeitsstelle verloren. Ein Freund oder ein Bekannter zieht ihn in einen geplanten Banküberfall mit hinein. Yvon soll das Fluchtauto fahren. Aber die Sache geht schief, und schon steht Yvon wieder vor Gericht und wird diesmal zu drei Jahren Haft verurteilt.

Während der Haft, die nächsten Schicksalsschläge: Yvons Frau Elise teilt ihm in Briefen zunächst mit, dass ihre Tochter an Diphtherie gestorben ist, dann, dass sie sich endgültig von ihm trennen wird, um ein neues Leben zu beginnen. Mit einer großen Menge an Beruhigungstabletten versucht Yvon, sich das Leben zu nehmen. Aber er überlebt den Suizidversuch und wird irgendwann aus dem Gefängnis entlassen.

Bereits in der nächsten Szene, spätabends oder nachts, betritt Yvon die Rezeption eines kleinen Hotels. Er ermordet das Besitzerehepaar und raubt alles Geld, das er finden kann.

Der letzte Teil des Films führt in eine Szenerie, die sich von der des vorherigen Geschehens stark unterscheidet. – Noch in städtischer Umgebung bemerkt Yvon, der gerade vor dem Schaufenster eines kleinen Ladens steht, eine ältere Frau, die hinter ihm entlang geht. Nachdem sie an einem Schalter Geld entgegengenommen hat, folgt er ihr, und unmittelbar darauf befinden sich die beiden in vorstädtischer oder ländlicher Gegend. Die Frau betritt ein Haus, das von viel sattem Grün umgeben ist. Yvon zögert zunächst noch, ihr gleich zu folgen. Erst am Abend betritt er das Haus. Es gehören noch weitere Familienmitglieder zu den Hausbewohnern, aber mit Ausnahme des Vaters der Frau bleiben sie alle im Hintergrund. „Zwischen [Yvon und der Frau] besteht Einverständnis […] vor jeder Sprache und Vermittlung. […] Sie weiß, daß er Menschen getötet hat und gesucht wird.“Hartmut Bitomsky: Ohne Alibi sein. In: Kinowahrheit (s. Literatur), S. 163. Auch der Hund der Frau ist auf eine seltsame Weise in dies Einverständnis einbezogen, wenn er gern neben Yvon liegt und sich von ihm streicheln lässt. In einigen kurzen Szenen zeigt sich eine große Nähe zwischen Yvon und der Frau: Als sie ihm eine Kaffeeschale an sein Nachtlager im Stall bringt, als er ihr beim Wäscheaufhängen behilflich ist, als sie die Haselnüsse essen, die er vom Baum gepflückt hat. – Es ist wieder Nacht geworden. Mit einer Axt verschafft Yvon sich Zugang ins Haus. Er erschlägt alle Familienmitglieder; bevor er auch die Frau erschlägt, sind seine letzten Wort im Haus: „Où est l’argent?“ – „Wo ist das Geld?“

In einer Gaststätte des nahegelegenen Ortes stellt Yvon sich den schon vorher mehrfach ins Bild gekommenen und bereits in großer Zahl angerückten Polizisten.

Varia Der Vater der alten Frau wird dargestellt von dem Pianisten Michel Briguet; im Film spielt er Auszüge aus Johann Sebastian Bachs Komposition Chromatische Fantasie und Fuge. Eines der Plakate, mit denen der Film beworben wurde, wurde gestaltet von dem französischen Graphiker Savignac.Erste Abbildung in der „Galerie Photos“ auf mk2films.com (abgerufen am 29. Juni 2023).

Rezeption

Die Uraufführung des Films fand im Mai 1983 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes statt. Er stieß dort beim Publikum „auf gemischte Resonanz, es gab sowohl Buhrufe als auch Applaus.“Die kurze Beschreibung der damaligen Publikumsreaktion gemäß institutfrancais.com (abgerufen am 26. Juni 2023). Das Zitat im Original: „L’Argent reçut un accueil mitigé lors de sa présentation au Festival de Cannes de 1983, entre huées et applaudissements.“ – In der Folgezeit, sowohl nach Anlaufen des Films in den Kinos als auch in späteren Würdigungen des Werks von Bresson, war L’Argent Gegenstand zahlreicher filmanalytischer Studien.

Studien zur Stilistik Der französische Filmregisseur Eugène Green hat in einem Gespräch L’Argent als „das Konzentrat der Kunst Bressons“ bezeichnet. In diesem Gespräch, veröffentlicht als Bonus einer DVD des Films, beschreibt er, und er belegt es jeweils mit Ausschnitten aus L’Argent, einige Charakteristika der Bressonschen Filmsprache: „Nicht Repräsentation eines Geschehens wie im Theater, sondern Einfangen einer Realität“; die Laien, Bresson nennt sie „Modelle“, „die mit den Figuren identisch sind“; der häufige Einsatz von Ellipsen im Fortgang der Handlung; schließlich eine Kadrage, die die Dynamik zwischen Figuren und den Orten, in denen sie sich bewegen, betont, und die den Bildausschnitt immer so wählt, dass nur das Wesentliche im Bild ist.Robert Bresson: L'Argent. MK2 / Potemkine / Agnès B. Cinéma, 2018; darauf als Bonus: Entretien avec Eugène Green. – Die Zitate im Original: „c'est le concentré de l'art de Bresson“; „pas de représentation comme au théâtre, mais captation d’une réalité“; „les acteurs sont les personnages“.

Eine damit zusammenhängende Besonderheit ist die Fragmentierung der Körper, auf die verschiedene Filmkritiker hingewiesen haben. Frieda Grafe hat dazu geschrieben:

Einer von Bressons Leitsätzen aus seinen Notizen zum Kinematographen lautet: „Die Ursache möge der Wirkung folgen und nicht sie begleiten oder ihr vorausgehen.“ Jürgen Ebert beschrieb in der Filmkritik, Heft 3–4 aus 1984 (s. Literatur), am Beispiel einiger Szenen, wie Bresson diesen Leitsatz anwendet: Beim kurzen Gespräch zwischen Yvon und Elise im Besuchsraum des Gefängnisses steht sie plötzlich abrupt auf und geht davon, obwohl er ihr nachruft, sie solle doch bleiben. Den Grund – die Ursache für ihr Verhalten – teilt sie ihm später in einem Brief mit. Sie habe es nicht übers Herz gebracht, ihm den Tod ihrer Tochter mitzuteilen. Später sieht man Yvon wieder in seiner Zelle, das Gesicht ins Kissen gedrückt, auf dem Bett liegen. Elises Brief, der auf dem Fußboden liegt, hat er da schon gelesen. „Die Umstellung bewirkt eigentlich, daß weder Ursache noch Wirkung vorkommen, sie erzeugt den Effekt des Rätselhaften, einen paradoxen Suspense des vor unseren Augen durchsickernden Geheimnisses.“ (Jürgen Ebert)

Der Einsatz von Ellipsen im Übergang von einer Szene zur nächsten ist ein gängiges filmisches Mittel – dass also in einer Folgeszene ein in der Zwischenzeit stattgefundenes Ereignis aus dem Dialog oder aus einer neuen Situation geschlussfolgert werden kann. Bei Bresson findet dies elliptische Erzählen häufig innerhalb der einzelnen Szenen statt. Jürgen Ebert hat in seinem Filmkritik-Essay „Seltenheit des Augenblicks“ die Szene der Morde im Hotel analysiert. Von den Morden selbst sieht man nicht das Geringste, und bei einem ersten Sehen des Films wird man nur aus dem Blut, das Yvon sich von den Händen wäscht, schließen können, was überhaupt passiert ist. – Eine Zusammenfassung dieser Szene gibt Harry Tomicek:

Eine andere Sequenz, die des gescheiterten Banküberfalls, analysiert Hartmut Bitomsky in seinem Essay Ohne Alibi sein:Hartmut Bitomsky: Ohne Alibi sein. In: Kinowahrheit (s. Literatur), S. 157. Yvon sitzt am Steuerrad eines an einem Straßenrand parkenden Autos; er wirkt konzentriert, aber zunächst einmal gar nicht einbezogen in das Geschehen des Films in dieser Sequenz. Stattdessen „schwenkt die Kamera mit einem Passanten“, der, zeitunglesend, seines Weges geht. „Da kommen Polizeiwagen ins Bild, Männer in kniender Haltung, Revolver feste im Anschlag.“ Im Hintergrund: Der Eingang zu einer Bankfiliale, ein Mann mit einer Geisel. Es fallen Schüsse. Da gehen Yvon „die Nerven durch“, er will wegfahren, entkommen, und nur dadurch wird die Polizei überhaupt auf ihn aufmerksam. Bitomsky schreibt: „Yvon hatte sich als unbeteiligte Person getarnt; der Film macht diese Tarnung solange mit, wie Yvon sie nicht selbst preisgibt.“

Der österreichische Filmregisseur Michael Haneke hat in einem Text, der von dem Film Au hasard Balthazar (Zum Beispiel Balthasar) ausgeht,Michael Haneke: Schrecken und Utopie der Form; online verfügbar bei ray-magazin.at (abgerufen am 29. Juni 2023). die Wirkung all dieser Elemente der Bressonschen Stilistik auf den Zuschauer so zusammengefasst: „Reduktion und Auslassung werden die Zauberschlüssel zur Aktivierung des Betrachters.“

Eine Filmanalyse auf psychoanalytischer Grundlage Ralf Zwiebel, Lehranalytiker am Alexander-Mitscherlich-Institut und vormals Professor für Psychoanalytische Psychologie an der Universität Kassel legte 2013 unter dem Titel Geld und Gewalt eine ausführliche Filmanalyse auf psychoanalytischer Grundlage vor. Dabei handelt es sich um die überarbeitete Fassung eines Vortrags, den er 2011 auf der Jahrestagung der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) hielt, die sich unter dem Titel Die phantastische Macht des Geldes auch den psychoanalytischen Perspektiven von Geld in der Kunst widmete.