Ein börsengehandelter Fonds () ist ein Investmentfonds, der fortlaufend an einer Börse gehandelt wird. Es handelt sich somit um eine Variante der Exchange-traded Products. Er wird im Normalfall nicht über die emittierende Investmentgesellschaft, sondern über die Börse am Sekundärmarkt erworben und veräußert. Die meisten börsengehandelten Fonds sind passiv verwaltete Indexfonds, welche die Zusammensetzung und Entwicklung eines Wertpapierindexes nachbilden. Die Abkürzung „ETF“ wird daher auch synonym mit Indexfonds benutzt, obgleich es neben den verbreiteten passiven ETFs auch „aktive“ ETFs gibt.

ETFs sind für die meisten Anlageklassen verfügbar. Dazu zählen etwa Aktien, Rohstoffe oder Anleihen.

Geschichte Der erste ETF entstand 1989 durch Index Participation Shares und war ein S&P-500-ETF, der an der NYSE American und der Philadelphia Stock Exchange gehandelt wurde. Dieses Produkt wurde nur kurz verkauft, weil eine Klage der Chicago Mercantile Exchange den Vertrieb in den USA erfolgreich stoppte.

Im Jahr 1990 wurde ein ähnliches Produkt, Toronto Index Participation Shares, das den TSE-35- und später den TSE-100-Index abbildete, an der Toronto Stock Exchange gehandelt. Die Popularität dieser Produkte veranlasste die amerikanische Börse (NYSE) dazu, ein Produkt zu entwickeln, das den Vorschriften der United States Securities and Exchange Commission (SEC) entsprach.

Nathan Most und Steven Bloom entwarfen und entwickelten unter der Leitung von Ivers Riley den Standard & Poor’s Depositary Receipts, der im Januar 1993 eingeführt wurde. Der als SPDR oder „Spider“ bekannte Fonds wurde zum größten ETF der Welt. Im Mai 1995 stellte State Street Global Advisors den S&P 400 MidCap SPDR vor.

Barclays Global Investors trat 1996 in Zusammenarbeit mit MSCI und Funds Distributor Inc. mit den World Equity Benchmark Shares (WEBS) in den Markt ein, aus denen später die iShares MSCI ETFs wurden. WEBS bot Produkte auf 17 MSCI-Länderindizes an, die vom Indexanbieter des Fonds, Morgan Stanley, verwaltet wurden.

1998 führte State Street Global Advisors „Sector Spiders“ ein, separate ETFs für jeden Sektor des S&P 500 Index. Ebenfalls 1998 wurde der SPDR „Dow Diamonds“ ETF eingeführt, der den Dow Jones Industrial Average abbildet. 1999 wurden der einflussreichen SPDR „Cubes“ ETF mit dem Ziel eingeführt, die Preisbewegung des NASDAQ-100 nachzubilden.

Die iShares-Linie wurde Anfang 2000 eingeführt. Bis 2005 hatten sie einen Marktanteil von 44 % an den verwalteten ETF-Vermögenswerten. Barclays Global Investors wurde 2009 an BlackRock verkauft.

Im Jahr 2001 trat die Vanguard Group mit der Einführung des Vanguard Total Stock Market ETF in den Markt ein, der alle öffentlich gehandelten Aktien in den USA beinhaltet.

iShares hat im Juli 2002 den ersten Rentenfonds ausgegeben: iShares IBoxx $ Invest Grade Corp-ETF, der Unternehmensanleihen hält. Außerdem emittierte das Unternehmen einen ETF auf inflationsindexierte Anleihen.

2007 führte iShares einen ETF ein, der hochverzinsliche, hochrisikobehaftete Wertpapiere (Junk Bonds) hält, und einen ETF, der US-amerikanische Kommunalanleihen hält. State Street Global Advisors und The Vanguard Group emittierten in diesem Jahr ebenfalls erstmals Anleihen-ETFs.

Im Dezember 2005 lancierte Rydex (heute Invesco) den ersten Währungs-ETF, den Euro Currency Trust, der den Wert des Euro nachbildete. 2007 hat die DB X-Trackers der Deutschen Bank den EONIA Total Return Index ETF aufgelegt, der den EONIA nachbildet. 2008 wurden in London der Sterling Money Market ETF und der US-Dollar Money Market ETF aufgelegt.

Der erste gehebelte ETF, d. h. mit Leverage, wurde 2006 von ProShares ausgegeben.

Im Jahr 2008 genehmigte die SEC ETFs, die aktive Managementstrategien verwenden. Bear Stearns legte daraufhin den ersten aktiv-gemanagten ETF auf, den Current Yield ETF, der ab dem 25. März 2008 an der NYSE gehandelt wurde.

Im Dezember 2014 erreichte das von US-amerikanischen ETFs verwaltete Vermögen 2 Billionen US-Dollar, bis November 2019 4 Billionen US-Dollar. In Europa wurden im Dezember 2019 1 Billion Euro in ETFs verwaltet.

Eigenschaften mini|Überblick über die Eigenschaften von ETFs ETF-Anteile verbriefen ebenso wie normale Investmentfonds-Anteile einen anteiligen Besitz an einem Sondervermögen, das getrennt vom Vermögen der emittierenden Investmentgesellschaft geführt wird.

Die Anlagestrategie von börsengehandelten Fonds ist in aller Regel passiv, das Fondsmanagement investiert also das Fondsvermögen nicht auf der Basis eigener Meinungen, sondern bildet die Wertentwicklung einer vorab definierten Benchmark in Form eines Finanzindexes nach (siehe hierzu Index Investing). Es werden auch aktiv gemanagte ETFs angeboten, diese haben aber einen sehr geringen Marktanteil. Dabei ist auch die Abgrenzung zu Strategieindizes nicht scharf.Financial Times Deutschland vom 18. Oktober 2011: Die Grenzen verschwimmen. Sonderbeilage, Seite A1.

Zusätzliche von der Entwicklung der Benchmark unabhängige Erträge kann das Fondsmanagement erzielen, indem es die Wertpapiere des Sondervermögens an andere Kapitalmarktteilnehmer verleiht und damit Leihgebühren erwirtschaftet.

Börsengehandelte Fonds können jederzeit ähnlich wie Aktien an der Börse gehandelt werden. Von normalen Investmentfonds, die auch teilweise an der Börse gehandelt werden, unterscheiden sich ETF in den folgenden Punkten:

Anleger kaufen und verkaufen ETF im Normalfall nur an der Börse, ein Erwerb über die emittierende Investmentgesellschaft ist nicht vorgesehen. Die Zusammensetzung des Sondervermögens wird einmal täglich veröffentlicht. Während bei normalen Investmentfonds nur einmal täglich der Nettoinventarwert des Sondervermögens veröffentlicht wird, ermittelt und veröffentlicht der Emittent von ETF während des Handelstages fortlaufend einen indikativen Nettoinventarwert (iNAV). Für die Schaffung neuer und die Auflösung bestehender ETF-Anteile gibt es spezielle Prozesse, Creation bzw. Redemption (siehe unten).

Der Preis von börsengehandelten Fonds bildet sich an der Börse durch Angebot und Nachfrage, liegt aber aus Arbitragegründen normalerweise nahe beim Nettoinventarwert des Sondervermögens. Um einen liquiden Markt zu gewährleisten, werden börsengehandelte Fonds von Market Makern betreut, die laufend Ankaufs- und Verkaufskurse stellen.

Im Gegensatz dazu können nicht börsengehandelte Fondsanteile nur über die Fondsgesellschaft gekauft und verkauft werden. Die Fondsgesellschaft stellt nur einmal am Tag einen Preis fest.

ETFs tragen einen wesentlichen Teil zu der Demokratisierung der Anlageklassen bei, nachdem so auch Kleinanlegern Zugang zu Wertpapieren und anderen Vermögenswerten gewährt wird, die – vor der Entwicklung von ETFs – nur Großinvestoren oder vermögenden Privatkunden offen standen. So waren vor der ETF-Epoche Investments in Rohstoffe, Öl und alternative Energiequellen ausschließlich institutionellen Investoren bzw. Hochvermögenden zugänglich.

Von börsengehandelten Fonds zu unterscheiden sind die ähnlich bezeichneten Exchange-traded Notes und Exchange-traded Commodities. Bei diesen handelt es sich nicht um Anteile an einem Sondervermögen, sondern um spezielle Arten von Schuldverschreibungen, die Zertifikaten ähneln.

Kosten Investoren tragen bei börsengehandelten Fonds die folgenden Kosten:

Kosten, die in der Gesamtkostenquote zusammengefasst werden, wie Managementgebühren, Indexgebühren und sonstige Kosten, z. B. für Prospekte. Transaktionskosten des Fonds Diese anfallenden Kosten werden – wie bei Investmentfonds üblich – dem Sondervermögen entnommen. Die üblichen Gebühren für den Börsenhandel (Orderprovision, Maklercourtage, Abwicklungsentgelte, Geld-Brief-Spanne) werden hingegen direkt vom Investor beglichen.

Die jährlichen Managementkosten liegen typischerweise unter 1 %.Bohl, Henke, Kaczynska: Exchange Traded Funds, S. 340.Jens Kleine: Exchange Traded Funds – die unterschätzte Größe. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen. 68, Nr. 16, 2008, S. 779–781.

Bei ETFs, die eine passive Anlagestrategie verfolgen, fallen gegebenenfalls geringere Transaktionskosten an, und die Kosten für ein aktives Fondsmanagement entfallen.

Da ETFs nicht über die Investmentgesellschaft gekauft werden, entfällt der dabei oft zu entrichtende Ausgabeaufschlag.

Creation/Redemption-Prozess Die Emission neuer ETF-Anteile erfolgt über einen dieser Wertpapierart eigenen Vorgang, den sog. Creation-Prozess. Analog werden ETF-Anteile über den sog. Redemption-Prozess an die emittierende Investmentgesellschaft zurückgegeben.

Im Creation-Prozess werden ETF-Anteile in Blöcken von normalerweise 50.000 Stück geschaffen. Der Authorized Participant (AP) liefert Barmittel oder einen Wertpapierkorb im Wert der zu schaffenden ETF-Anteile an die Investmentgesellschaft. Diese liefert im Gegenzug die Anteile, die der Market Maker nun über die Börse an Investoren veräußern kann.

Eine Besonderheit ist dabei die Möglichkeit, einen Wertpapierkorb zu liefern. Dieser entspricht im einfachsten Fall in seiner Zusammensetzung der Strategie des betreffenden ETF. Beispielsweise kann der Market Maker im Falle eines ETFs, der den STOXX-Europe-50-Index nachbilden soll, ein Wertpapierportfolio liefern, das die im Index enthaltenen Aktien gemäß deren Indexgewichten enthält. Diese Vorgehensweise wird als (ungefähr: „Schaffung in derselben Art“) bezeichnet. Werden die neuen Wertpapiere mit Geld bezahlt, spricht man von einer (englisch, ungefähr: „Schaffung über Bargeld“).

Umgekehrt kann der Authorized Participant ETF-Anteile an die emittierende Investmentgesellschaft zurückgeben, z. B. wenn er eine entsprechende Anzahl am Sekundärmarkt zurückgekauft hat. Er erhält analog zum Creation-Prozess Barmittel oder einen Wertpapierkorb zurück. Analog zum Creation-Prozess spricht man von und .

Institutionelle Investoren, die große Volumina kaufen oder verkaufen möchten, können dies auch außerbörslich direkt bei der Investmentgesellschaft über den Creation- bzw. Redemption-Prozess tun. Liefert oder erhält der Investor beim Kauf bzw. Verkauf einen Wertpapierkorb, kann dies für ihn steuerliche Vorteile haben.

ETNs und ETCs sind Schuldverschreibungen, bei denen das Emittentenrisiko zu beachten ist, da Anleger im Insolvenzfall des Emittenten Verluste bis zum Totalverlust erleiden können. Im Gegensatz dazu sind ETF-Anteile durch das Sondervermögen weitgehend gegen eine Insolvenz des Fondsanbieters geschützt.Die wachsende Bedeutung von ExchangeTraded Funds an den Finanzmärkten, Deutsche Bundesbank, Oktober 2018.

Typisierung von ETF Börsengehandelte Fonds können nach verschiedenen Kriterien charakterisiert werden. Dazu gehören die Anlageklasse, der nachgebildete Index und die Art der Indexnachbildung.

Anlageklassen Börsengehandelte Fonds sind für zahlreiche Anlageklassen verfügbar, hauptsächlich Aktien, Anleihen, Geldmarkt, alternative Investments, Währungen, Rohstoffe und Immobilien.

Indizes Die ersten ETFs bezogen sich auf marktbreite Aktienindizes. Im Laufe der Zeit verbreiterte sich das Angebot, neben anderen Anlageklassen wurden ETFs auf mehr und dabei auch auf stärker spezialisierte Indizes angeboten. Die von börsengehandelten Fonds nachgebildeten Indizes können wie folgt klassifiziert werden:

Marktbreite Indizes (wie z. B. der STOXX Europe 50 oder der iBoxx). Branchenindizes (z. B. die branchenbezogenen Sub-Indizes der bekannten Aktienindizes). Regionenindizes, d. h. Indizes, die sich auf Wirtschaftsregionen beziehen (zum Beispiel Schwellenmärkte). Sogenannte Strategieindizes.

Mit „Strategieindex“ wird eine Vielzahl sehr spezialisierter und dabei sehr unterschiedlicher, meist aktienbezogener Indizes bezeichnet. Die Abgrenzung zu anderen Indextypen ist dabei nicht immer eindeutig. Darunter können fallen:

Indizes, die sich auf sehr spezialisierte Branchen beziehen (z. B. auf erneuerbare Energien wie der ÖkoDax),