mini|400px|Klosterkirche mit dem ehemaligen Konventsgebäude, heute Tourist-Info Die Kirche zur Unbefleckten Empfängnis in Eupen, Provinz Lüttich/Belgien, ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude und eine ehemalige Klosterkirche der Kapuziner. In einigen Quellen und in der Bevölkerung sowie in Reiseführern wird sie deshalb auch einfach nur Klosterkirche Eupen oder Kapuzinerkirche Eupen genannt. Unter ihrer französischen Bezeichnung: „Sainte Marie“ ist sie vor allem für die frankophonen Einwohner der Stadt das religiöse Zentrum. Das heutige Kirchengebäude wurde zwischen 1773 und 1776 nach Plänen des in Aachen lebenden Mailänder Architekten Joseph Moretti erbaut. Das sich südlich anschließende ehemalige Konventsgebäude wurde nach der Säkularisation und dem Abzug der Kapuziner im Jahr 1797 der Stadt übertragen und dient seit 1863 als Rathaus von Eupen.Objektbeschreibung Eupener Rathaus auf ostbelgienkulturerbe.be Seit den 1990er-Jahren gehört die Kirche zum Pfarrverband Eupen-Kettenis im Dekanat 05Dekanat 05 Eupen im Bistum Lüttich des Bistums Lüttich und steht seit 1983 zusammen mit dem ehemaligen Konventsgebäude unter Denkmalschutz.
Geschichte Um die im 17. Jahrhundert sich immer stärker ausbreitende Häresie und die Verbreitung des Protestantismus in Eupen und Umgebung zu bekämpfen, wurden ab 1661 wallonische Kapuziner nach Eupen entsendet, um sich für die Sicherung des katholischen Glaubens einzusetzen. Zu diesem Zweck übertrug im Mai 1664 Graf de Hoen de Cortils, Herr von Burg Stockem, den Kapuzinern ein Grundstück, auf dem diese mit Genehmigung Maximilian Heinrichs von Bayern, des Bischofs von Lüttich und vehementen Vertreters der Gegenreformation, ein Kloster mit Konventsgebäude und Klosterkirche erbauen durften. Im Jahr 1668 war der Bau der ersten einschiffigen Klosterkirche vollendet, ihre Konsekration auf das Glaubensgeheimnis der unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter fand jedoch erst am 14. Juli 1680 durch den Lütticher Weihbischof Johann Anton Blavier statt. Bereits 30 Jahre später wurde sie maßgeblich vergrößert.
Die Ordensbrüder ließen ihr Grundstück inklusive großem Garten- und Wiesenareal mit einer Mauer einfrieden und stellten an deren Süd-West-Ecke ein Gnadenbild der Gottesmutter unter einem Bretterdach auf, das zahlreiche Pilger anzog. Daraufhin wurde für die Statue bereits um 1670 ein kleines Kapellchen am gleichen Standort erbaut, das „Maria zu den Engeln“ getauft und im Volksmund als „het lieff Vreuken“ bzw. gemäß der Flurbenennung als „Kapelle auf’m Driesch“ bezeichnet wurde. Als auch diese auf Grund der zunehmenden Anzahl von Pilgern zu klein geworden war, ersetzten die Kapuziner sie im Jahr 1733 durch eine neue und größere achteckige Kapelle mit einer Laterne auf dem Dach und einem großen Rundbogenfenster. Im holzvertäfelten Innenraum fand auf einem Altar, der durch ein Eisengitter von dem übrigen Raum abgetrennt war, das Marienbild seinen neuen Platz. Der Kapelle wurde von zivilen Mitarbeitern verwaltet, die die zahlreichen Opfergaben gemäß geltender Verordnung zu je einem Drittel an die Klosterkirche, an die Pfarrkirche St. Nikolaus und an das Waisenhaus am Rotenberg verteilten. Später wurde dem Pilgerort auch eine Wunderheilung zugesprochen, nachdem um 1780 ein gehbehinderter junger Mann nach dem regelmäßigen Besuch der Kapelle wieder ohne Krücken gehen konnte.
In der Nacht zum 25. April 1771 zerstörte ein Feuer, das der Überlieferung nach womöglich durch Brandstiftung gelegt worden war, einen Großteil der Klosterkirche und des Konventsgebäudes, wobei die am Rande des Grundstücks liegende Kapelle aber verschont blieb. Daraufhin untersagte der zuständige Statthalter der Österreichischen Niederlande, Karl Alexander von Lothringen, den weiteren Verbleib der Kapuziner in Eupen, die jedoch auf Drängen der Eupener Bürger im Jahr 1772 wieder zurückkehren durften, wobei allerdings ihre Zahl auf zwölf Konventsmitglieder begrenzt wurde. Die Ordensbrüder begannen sofort mit dem Wiederaufbau des Klosters und ließen zwischen 1773 und 1776 durch den Architekten Joseph Moretti in Zusammenarbeit mit dem Eupener Maurermeister Clemens Jerusalem eine neue Klosterkirche errichten. Mit Hilfe zahlreicher Spenden der Bürger konnte zudem in den folgenden Jahren die Ausstattung erneuert und komplettiert werden.
Nachdem Eupen 1795 durch die französischen Truppen besetzt worden war, die auf dem Klostergelände ihre Gendarmerie, deren Pferde sowie den Kommandanten und einen Kapitän samt Familie einquartierten, waren die Kapuziner dazu gezwungen, ein Jahr später aufgrund des Gesetzes zur Säkularisierung der Klöster ihre Einrichtung zu schließen und die Anlage zu verlassen. Die Klosterkirche wurde 1797 den Katholiken für ihre Gottesdienste und das Konventsgebäude 1798 auf Initiative des Bürgers und späteren Kirchenverwalters Johann Egidius Beissel der zivilen Gemeindeverwaltung zur Miete überlassen. Dagegen wurde die Marienkapelle geschlossen und das Inventar verkauft, das jedoch wenige Jahre später wieder zurückerworben werden konnte. Infolge des Konkordats von 1801 wurde die ehemalige Klosterkirche im Jahr 1803 von dem nach der Sedisvakanz neu eingesetzten Lütticher Bischof Jean-Évangéliste Zaepffel als „chapelle auxiliaire“ (Hilfskirche) anerkannt und als Filialkirche der Eupener Hauptpfarre St. Nikolaus zugeteilt. Seitdem wird sie von dem Kirchenvorstand der Nikolauskirche mitverwaltet. Zur gleichen Zeit veranlasste die französische Verwaltung die Umfunktionierung des ehemaligen Konventsgebäudes in eine „Secundär-Schule“. Seit 1920 wird die Kirche bevorzugt von den französischsprachigen Katholiken Eupens, der Communauté Sainte-Marie, genutzt.
Da gemäß den Ordensregeln der Kapuziner keine Orgel vorgesehen war und demnach beim Neubau der Kirche auf eine Orgelempore verzichtet worden war, wurde es erst im Jahr 1813 durch eine beträchtliche Geldspende ermöglicht, nachträglich eine Orgelempore zu errichten und 1822 eine Orgel anzuschaffen. Der spätere Organist Robert Mommer gründete ergänzend für die Pflege des kirchlichen Gesangs an der Klosterkirche am 29. August 1905 den „Marienchor der Klosterkirche“, später bekannt als „Kgl. MGV Marienchor Eupen 1905“Klosterkirche – Pflege und Förderung des kirchlichen Gesangs, auf den Seiten des Marienchors Eupen
Mit Hilfe der Mutterkirche und zahlreicher Spenden konnten in den Jahren 1868 bis 1888 sowie 1960/1961 und 1987/1988 weitere umfangreiche Restaurierungen und Sanierungen durchgeführt werden. Gemeinsam mit der Nikolauskirche schloss sich die Klosterkirche in den 1990er Jahren dem neuen Pfarrverband Eupen-Kettenis an. Darüber hinaus wurde von der Stadt Eupen das ehemalige Konvents- und Schulgebäude für die Stadtverwaltung mehrfach umgebaut und verändert, so dass dieses heutzutage nur noch im Grundriss mit den Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts übereinstimmt.
Bereits 1827 wurde die Kapelle auf’m Driesch im Zuge der Trassierung der neu geplanten Durchgangsstraße von Aachen nach Verviers niedergerissen. Das Gnadenbild wurde daraufhin am 28. September 1827 mitsamt dem Altar, dem Eisengitter und der Holzvertäfelung in die ehemalige Klosterkirche transloziert. Am 25. November 1990 kam es zu einem Raubdelikt in der Kirche und die Marienfigur wurde entwendet. Ein Jahr später wurde der Kirche eine neue Figur gestiftet, die als Kopie des Originals in Südtirol angefertigt worden war.
Des Weiteren wurde für die Gemeinde ein neues Pfarrsiegel konzipiert, das das Gnadenbild als ovales Stempelbild mit einer rundum verlaufenden dreisprachigen Erläuterung sowie der Jahreszahl 1776 als Einweihungsjahr des neuen Kirchengebäudes darstellt.Pfarrsiegel
Baubeschreibung mini|Ansicht von Norden Die dreischiffige über fünf Joch gehende turmlose Hallenkirche mit einer abgeflachten rechteckigen Apsis wurde auf den Resten der alten Bruchsteinmauer des ausgebrannten Vorgängerbaus in Ziegelsteinbauweise hochgezogen, wie vor allem an den Seitenwänden noch deutlich zu erkennen ist. Türen und Fenster des Kirchengebäudes sind durch Blausteinrahmen optisch betont. Während die linke Seite durch das alte, um ein Joch zurückgesetzte und um zwei Joch Tiefe verlaufende Konventsgebäude gestützt wird, wird die rechte Seite mit einem dreifach abgetreppten Strebepfeiler zwischen jedem Joch stabilisiert. Dadurch ergeben sich auf der linken Seite drei und auf der rechten Seite fünf Rundbogenfenster zwischen den Strebepfeilern sowie jeweils zwei kleinere an den Seitenwänden der Apsis. An der Ostseite wurde 1987 ein alter zugemauerter Eingang sowie die an der Nordseite angebauten, aus den Jahren 1859–1861 stammenden Wohnungen für den Rektor freigelegt.
Die einfache, durchweg aus Ziegelsteinen errichtete Straßenfassade wird geprägt durch einen über zwei Geschosse gehenden Mittelrisalit in den Proportionen des Mittelschiffs, der ebenso wie die Gebäudeecken mit Eckquadern aus Blaustein in Zahnschnittfolge gerahmt ist. In ihm befindet sich das rundbogige Eingangsportal, dessen Oberlicht mit schmiedeeiserner Ornamentik aus dem 18. Jahrhundert, bestehend aus einem kleinen Kreuz und einem Medaillon mit Marienmonogramm, versehen ist. Oberhalb des Türsturzes ist eine große Nische mit aufgesetzten rundbogigen Segmentgiebel im Mauerwerk eingelassen, in der sich eine Sandstein-Statue der Gottesmutter befindet. Das im Nischenrahmen eingravierte Chronogramm: „O SVAVIS INTACTA O DVLCIS VIRGO MARIA“ ergibt das Jahr 1775 des Wiederaufbaus, das durch die Chronogramme im Segmentgiebel: „CVCCENSA DIE VIGESIMA QVINTA APRILIS“ für das Jahr 1771 der Zerstörung und „CHRISTI FIDELUIM RESTAVRATVR“ für den Wiederaufbau ergänzt wird. mini|hochkant|Kreuz links des Haupteinganges Darüber zeigt sich auf Höhe der Orgelempore zwischen zwei Gesimsen, die das leicht zurückgesetzte Obergeschoss markieren, ein großes Rundbogenfenster. Die darüber liegende Giebelfläche wurde lediglich mit einer kleinen Luke in Form eines vierblättrigen Kleeblatts bestückt. Beiderseits des Mittelrisalits sind die Wandflächen jeweils mit einer kleineren Nebeneingangstür und einem darüber liegenden großen Rundbogenfenster ausgestattet.
Links des Haupteinganges ist an der Fassade unter einem kleinen Wetterdach eine Christusfigur am Kreuz befestigt, das in einem steinernen Sockel am Boden mündet. Hierbei handelt es sich gemäß den Quellen um das um 1700 geschaffene Kreuz, das zunächst im Klostergarten aufgestellt war und im Rahmen des Straßenneubaus an der Eingangsseite der Kirche seinen derzeitigen Platz fand. Der gesamte Eingangsbereich ist gegenüber dem Straßenniveau erhöht und wird über seitliche Freitreppen erreicht, die zu einer vorgebauten podestartigen Terrasse führen.
Ein Satteldach mit Schieferdeckung und leichtem Aufschiebling deckt das Gebäude nach oben ab, auf dem ein kleiner achteckiger Dachreiter für den Glockenstuhl mit Schalldeckelfenster und einem aufgesetzten Kreuz auf dem oktogonalen Dachhelm errichtet ist.
Ausstattung mini|Innenansicht mit Hochaltar und Kanzel Der dreischiffige, im Mittelschiff überhöhte Kirchenbau ist im Inneren mit einem Tonnengewölbe abgedeckt, das durch vier breite Gurtbögen stabilisiert wird. Diese münden in den vier quadratischen Pfeilern mit einfachen Basen und Profilkapitellen sowie Pilastervorlagen rechts und links des Mittelganges, die zugleich als Stützen für die rundbogigen Arkaden dienen, die die Schiffe voneinander trennen. Im Mittelschiff verläuft am Übergang der Kapitelle zur Deckenkrümmung rundum ein farblich abgesetztes Gesims und die Außenwände der Kirche sind im unteren Bereich mit durch Schnitzdekor verzierter Holzvertäfelung verkleidet.
Die Breite der Apsis entspricht dem Mittelschiff und ihr flacheres Gewölbe unterteilt sich in zwei Joche mit Kämpferkonsolen. An der Hinterwand der Apsis befand sich ursprünglich der mittlerweile zugemauerte Durchgang zum Religionschor und an ihren Längsseiten liegen die Zugänge zu den ehemaligen Oratorien, die heute als Sakristei dienen. mini|Eingang zur Krypta