Vejprty-Grund (deutsch Weipert-Grund) ist eine Ortslage von Vejprty (Weipert) im mittleren Erzgebirge, Tschechien. Er liegt nördlich von Vejprty am Pöhlbach und an der Landesgrenze zu Deutschland gegenüber dem Bärensteiner Ortsteil Kühberg. Die einstige Siedlung war der älteste Teil der tschechischen Grenzstadt Vejprty (Weipert). Aufgrund der Lage an der Grenze zu Deutschland wurde der Ortsteil nach 1945 nahezu vollständig abgetragen.
Geografie mini|Blick nach Vejprty-Grund vom Berg Bärenstein (2017) mini|Vejprty-Grund, heutiger Wanderweg über die Grenze Lage Die Flur der Ortslage Vejprty-Grund befindet sich am Kamm des Mittleren Erzgebirges am Talhang der im Westen und Norden verlaufenden Grenze zu Deutschland (Freistaat Sachsen), die im Westen der Pöhlbach (tschech.: Polava) bildet. Im Süden schließt sich das Stadtgebiet von Vejprty an.
Die einstige Bebauung wies den Charakter einer Streusiedlung auf. Sie breitete sich nördlich des Weiperter Stadtgebiets im Grenzwinkel zwischen der seit dem 19. Jahrhundert existierenden Grenzbrücke der Bahnstrecke Vejprty–Annaberg-Buchholz unt Bf über den Pöhlbach im Westen und der Straße zum Weißen Hirsch im Südosten aus. Siedlungsschwerpunkte waren das Tal des Pöhlbachs, u. a. der Blechhammer im Norden, die alte Passstraße im Osten und ein Gebiet im Westen, wo die letzten heute noch existierenden Häuser des Ortsteils stehen (heutige Straßen „Údolní“, „Hasičská“, „Havířská“, „Máchova“, „U Mostu“, „Nouzov“ und „Pohraniční“).
Der einstige Grenzübergang am Blechhammer nach Kühberg wurde nach 1945 geschlossen. Heute existiert in dessen Nähe lediglich ein kleiner Übergang für Wanderer.
Nachbarorte
Geschichte Anfänge der Besiedlung von Weipert-Grund Die Geschichte des ältesten Weiperter Ortsteils Grund ist eng mit dem 1335 erstmals urkundlich erwähnten Preßnitzer Pass (Preßnitzer Straße) verbunden. Dieser führte ursprünglich von Halle (Saale) über Altenburg, Zwickau, Hartenstein, Grünhain, Zwönitz und Schlettau nach Kühberg in das Tal des Pöhlbachs, wo dieser in Höhe des späteren Blechhammers über die „Böhmische Brücke“ passiert wurde. Diese wurde vom Erzgebirgschronist Christian Lehmann als „Landbrücke“ bezeichnet. Die „Behmische Brucken“ erscheint u. a. im Lehnbrief vom 20. Mai 1546 für Ilgen Wegener, wo sie den tiefsten Punkt seines Grundstückes, die Ecke zwischen Pöhlbach („Bernsteiner Wasser“) und Passstraße („Bernsteiner Straßen“) bezeichnet. Von dort führte der Preßnitzer Pass weiter über Weipert (heute: Vejprty), Pleil (heute: Černý Potok), Preßnitz (tschech. „Přísečnice“, heute im Staubereich der Talsperre Preßnitz liegend) nach Reischdorf (heute: Rusová), in dessen Ortslage er sich in Richtung Kaaden (heute: Kadaň) und Kralupp (heute: Kralupy u Chomutova) verzweigte. Seitdem die böhmische Herrschaft Schlettau jenseits des Pöhlbachs im Jahr 1413 durch Fritz von Schönburg auf Hassenstein (heute: Hasištejn) an das Kloster Grünhain verkauft worden war, bildet der Pöhlbach im Bereich des späteren Ortsteils Grund die sächsisch-böhmische Grenze. Dass es im Waldgebiet zwischen Weipert, Pleil-Sorgenthal und Preßnitz mindestens seit dem 15. Jahrhundert Eisenerzbergbau gab, belegt die Erwähnung des Hammers Wyprecht bzw. des Grenzzeichens „by dem wyprechte“ in der Verkaufsurkunde der Herrschaft Schlettau vom 20. Januar 1413. Dass das Hammerwerk in der Folgezeit wüst gefallen ist, beweisen Lehensurkunden von 1526 und 1573, in denen die Rede vom „Wüsten Hammer Weyberth“ ist. In der Urkunde von 1526 wurde die im Jahr 1506 erfolgte Belehnung von Hans Schneider mit dem wüsten Hammer Weiperth bestätigt. Dieser lag in der Nähe der Grenzbrücke und ist nicht mit dem späteren Blechhammer zu verwechseln.
Zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) bildete der zum Hohlweg ausgeformte Passweg an der Grenze ein Schutzwall gegen die schwedischen Heere, weshalb er auch „Schwedenschanze“ genannt wurde. Er konnte mit Baumstämmen blockiert werden. 1641 tobte in der Pleiler Heide oberhalb von Weipert-Grund die Schlacht bei Preßnitz. 1644 quartierten sich die kaiserlichen Truppen im unteren Bereich des Weges im Blechhammer ein.
Der Blechhammer in Weipert-Grund mini|Vejprty-Grund, Kellergewölbe des Gasthofs am Blechhammer (2017) mini|Vejprty-Grund, Ruine am Blechhammer (2017) Die Passstraße hatte im Tal des Pöhlbachs auf sächsischer und böhmischer Seite enorme Steigungen zu überwinden, was bis heute an den Hohlwegen auf böhmischer Seite in Richtung Weißer Hirsch ersichtlich ist.Der Preßnitzer Pass auf einer privaten Webseite über Königswalde Direkt auf böhmischer Seite hinter der „Böhmischen Brücke“, wo die Passstraße den Pöhlbach und die Landesgrenze überquerte, befand sich daher ein Gasthof (Fuhrmannschenke), der den Reisenden als Ausspanne und Herberge diente. Die Böhmische Brücke befand sich wenige Meter bachaufwärts von der heutigen Straßenbrücke von Kühberg nach Jöhstadt.
Der Gasthof an der Böhmischen Brücke war talabwärts das unterste Haus von Weipert und befand sich unmittelbar rechts vom Pöhlbach an der Stelle, wo die Grenze den Pöhlbach verlässt. Er wurde bereits im Jahr 1661 erwähnt und gehörte damit zweifellos zu den ältesten Gebäuden Weiperts. Auf Erlass des Kaisers entstand im Jahr 1661 gegenüber dem Gasthof ein wasserbetriebenes Hammerwerk. Dieses stellte jährlich 700 m² verzinktes Blech her. Daher erhielt die Gegend um den Hammer im Volksmund den Namen „Ziehbusch“. Bereits im Baujahr des Hammerwerks wie auch in den Folgejahren kam es mit dem Annaberger Stadtrat und dem Nachbarort Bärenstein auf sächsischer Seite zu Streitigkeiten über die Wassernutzungsrechte. Hintergrund war, dass bei Trockenheit zu wenig Wasser für alle Nutzer zur Verfügung stand, jedoch Bärenstein und der Annaberger Floßgraben Vorrechte hatten. Im Zuge der Gegenreformation siedelten sich nach 1660 zahlreiche protestantische Arbeiter von Weipert-Grund ihres Glaubens wegen im benachbarten, sächsischen Bärenstein an, was die Taufregister der Bärensteiner Kirche belegen.
Im Jahre 1697 wurde die Herstellung von Blech eingestellt. Sie wurde erst im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts wieder aufgenommen. In späterer Zeit wurde im Hammerwerk eine Papiermühle betrieben, die nach ihrem Besitzer „Trinksmühle“ (Haus Nr. 8) genannt wurde. In ihr wurde neben Papier auch Pappe für Verpackungsmaterialien hergestellt.
Für den der Mühle gegenüber liegenden Gasthof hat sich im Laufe der Zeit der Name Blechhammer eingebürgert. Diese Schänke hieß ursprünglich „Plechtal“, später „Zur Weintraube“ und im Volksmund „Wildes Eck“. Dieses für die Weiperter Gegend beliebte Lokal wurde im Jahr 1749 an die Stadt verkauft. Nach einem Brand wurde sie im Jahr 1880 abgetragen. An ihrer Stelle entstanden moderne Fabrikhallen, in denen Trikotagen und Posamente hergestellt wurden. Zwischen 1839 und 1945 war die Familie Schmidl Mehrheitseigentümer des Industriekomplexes „Blechhammer“. 1851 erfolgte die Gründung der „Posamentenfabrik Julius Schmidl & Co.“. In den 1930er Jahren waren 150 Personen in dem Betrieb beschäftigt. Die Gaststätte war bis in diese Zeit weiterhin ein beliebtes Ausflugslokal.
Der Weiperter Ortsteil Grund bis 1938 mini|links|Weipert-Grund, historische Landkarte mini|Vejprty-Grund, historischer Standort des Dr.-Illner-Denkmals vor der Schule im Grund mini|Vejprty-Grund, Ehemalige Schule (2018) mini|Berg Bärenstein, Blick auf den noch bestehenden Teil von Vejprty-Grund Der Weiperter Ortsteil Grund entstand später als der Blechhammer. Einige Häuser der Streusiedlung, die sich nördlich des Weiperter Stadtgebiets ausbreitete, standen bereits im 17. Jahrhundert. Aufgrund der Lage im Tal des Grenzbachs Pöhlbach ist das Stadtgebiet von Weipert lang und schmal. Aufgrund seiner Entfernung vom Weiperter Stadtzentrum wurde der Grund „Balkan“ genannt und der noch weiter entfernte Blechhammer die „Herzegowina“. Im Jahr 1770 wurden in Weipert per Resolution der Erzherzogin von Österreich und Königin von Böhmen, Maria Theresia die bestehenden Häuser „vom Blechhammer beginnend“ durchnummeriert.Erwähnung des Blechhammers in Weipert-Grund auf www.weiperter-vorfahren.de
Der Ortsteil Grund hatte eine Ausdehnung vom Grenzwinkel zwischen der seit dem 19. Jahrhundert existierenden Eisenbahnbrücke über den Pöhlbach im Westen, entlang des Pöhlbachs zum Blechhammer im Norden und von dort im rechten Winkel entlang der alten Passstraße zum Weißen Hirsch im Südosten. Entlang des Grenzbachs und des Alten Passwegs entstanden mit der Zeit zahlreiche Wohnhäuser, Fabriken und Werkstätten. Am Alten Passweg, der aufgrund der ausgiebigen Nutzung aus mehreren parallelen Hohlwegen bestand, entstanden die Häuser Nr. 1 bis 6. Die Häuser Nr. 3 bis 5 an der Kreuzung des Alten Passwegs mit der Jöhstädter Straße waren zu früheren Zeiten Vorspannhäuser, wo an die Pferdegespanne für die Bergfahrt weitere gemietete Zugtiere angespannt wurden. Weitere Gebäude waren u. a. die Ehrenfeld-Fabrik (Nr. 880), in der Posamente hergestellt wurden sowie die Wohnhäuser und Villen von Fabrikbesitzern aus dem 19. und 20. Jahrhundert und Bauerngüter. Am oberen Ende der Passstraße lagen unweit des „Katharinafelsens“ die Häuser Nr. 1 und 2. Ab ca. 1900 befand sich in Haus Nummer 2 die bekannte Gaststätte „Wolfsschmiede“, deren ursprünglicher Name „Stadt Weipert“ war. Die eigentliche „Wolfsschmiede“, von der die Gastwirtschaft ihren Namen hatte, befand sich auf sächsischer Seite in der Nähe des Weißen Hirschs. Wann diese aufgegeben wurde, ist nicht bekannt. Rund 15 Meter hinter den beiden Gebäuden der böhmischen Wolfschmiede und des Nachbarhauses erreichte man die böhmisch-sächsische Grenze, von der die Passstraße weiter zum Weißen Hirsch führte. Dort befand sich auf böhmischer Seite ein Forsthaus und auf sächsischer Seite der heute als „Berghof“ bekannte Gasthof und ein Forsthaus.
Im Westen der Ortsflur von Grund befand sich zwischen der Grenze am Pöhlbach im Westen und der heute „Údolní“ genannten Straße ein weiterer Siedlungskern. In diesem Gebiet stand bis in die 1950er Jahre auf der linken Straßenseite der Grundmühlstraße (später: Anton-Günther-Straße bzw. Smetanova třída genannt) das Haus Nr. 650. Dieses war die architektonisch interessante Villa des Josef Pohl. Am Hang darunter folgte rechts der Pohlmühlstraße (später: Mlýnská ulice) der Prachtbau von Anton Pohl mit der Hausnummer