mini|270px|Transnistrien (schraffiert) und die Republik Moldau|alternativtext=Transnistrien

Der Transnistrien-Konflikt (; ) bezeichnet eine seit 1990 andauernde, kurzzeitig auch kriegerische Auseinandersetzung zwischen der ehemaligen Sowjetrepublik Moldau und dem inzwischen de facto unabhängigen Transnistrien, das sich im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion von der Republik Moldau abspaltete.

Nach einem kurzen Krieg von März bis August 1992 erreichte Transnistrien eine De-facto-Unabhängigkeit, während Moldau seine Souveränität über das Gebiet einbüßte. Die Kämpfe forderten über 500 Todesopfer und endeten mit dem militärischen Eingreifen der dort stationierten 14. Armee Russlands auf Seiten Transnistriens.Transnistrien erklärte sich 1992 unabhängig, ist aber wirtschaftlich und militärisch von Russland abhängig und wurde bislang von keinem Staat anerkannt. Das Gebiet gehört völkerrechtlich weiterhin zur Republik Moldau. Der unsichere politische Status Transnistriens behindert seitdem maßgeblich die Entwicklung beider Gesellschaften. Zahlreiche diplomatische Lösungsansätze, auch unter Einbezug anderer Staaten, führten jedoch zu keiner Beilegung des Konflikts. Inzwischen haben sich beide Parteien mit dem Status quo zumindest teilweise arrangiert. Es handelt sich also um einen „eingefrorenen Konflikt“.

Die Entstehung des Transnistrien-Konflikts ist ursächlich mit der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 verbunden. Sie hat ihre tieferen Ursachen in der wechselhaften Geschichte der Region, einer ethnisch-lingual heterogenen Bevölkerung, ungelösten Eigentumsfragen bei der Auflösung der Sowjetunion und in vom Rest Moldaus abweichenden demografischen Verhältnissen in Transnistrien.

mini|Kriegsmuseum im transnistrischen Bendery

Ursachen Bis 1792 gehörte der südliche Teil des heutigen Transnistriens zum Osmanischen Reich, das dieses Gebiet im Vertrag von Küçük Kaynarca an Russland abtreten musste. In diesem spärlich bevölkerten Raum lebten vor allem Tataren, aber auch Moldauer und Ukrainer. Der nördliche Teil gehörte bis 1793 zum Königreich Polen und war vor allem von Moldauern, Ukrainern, Juden und kleinen Gruppen von Polen bevölkert. Seit 1792 begann auch eine umfangreichere Besiedlung durch Russen, es kam zu zahlreichen russischen Stadtgründungen in Transnistrien, wie etwa Tiraspol.

Nach dem Ende des sechsten Russischen Türkenkrieges im Jahr 1812 musste das Osmanische Reich das heute als Bessarabien bezeichnete Gebiet (in etwa heutiges Moldau ohne Transnistrien, aber mit Budschak und Teilen der Oblast Tscherniwzi – Chotyn) an das Russische Reich abtreten. Damit begann der starke Zuzug von Russen und Ukrainern in ein Gebiet, das bis dahin mehrheitlich von Rumänen bewohnt war.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 wurde Bessarabien, also größtenteils das heutige Moldau, an Rumänien angegliedert. Transnistrien auf der östlichen Seite des Dnjester nahm jedoch eine andere Entwicklung. Das heutige Transnistrien gehörte zur dafür neugegründeten Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik, die wiederum eine autonome Republik innerhalb der Ukrainischen Sowjetrepublik der Sowjetunion war. Die Namensgebung „Moldauische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik“ wurde auch gewählt, um sowjetische Ansprüche auf das frühere russische Gouvernement Bessarabien zu untermauern. Im Gebiet des heutigen Transnistrien nahm der Anteil der russischsprachigen Bevölkerungsgruppen weiter zu, zudem wurde die Industrie dieser Region mit Hilfe der zentral gesteuerten Planwirtschaft stark ausgebaut.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Bessarabien 1940 zunächst von der Sowjetunion annektiert. Das mit Deutschland verbündete Rumänien besetzte 1941 nach dem Angriff auf die Sowjetunion Bessarabien erneut, musste es nach dem Krieg jedoch endgültig an die Sowjetunion abtreten.

Das westlich des Dnjester gelegene Bessarabien wurde durch die sowjetische Regierung schließlich mit Transnistrien in Form der Sowjetrepublik Moldau vereinigt. Unter der Herrschaft der Sowjets kam es zu weiteren Russifizierungsmaßnahmen, was dazu führte, dass der Anteil der Moldauer auf knapp 40 % im Jahr 1989 sank. Die Vorherrschaft des russischen Idioms in Staats-Karrieren war für die moldauischsprachige Bevölkerung ein Hindernis („Territorialisierter politischer Eliten-Konflikt“).Vladimir Chiveri: Die geopolitische Falle im Transnistrien-Konflikt, 2012, Seite 33, entspricht King, The Moldovans: Romania, Russia, and the Politics of Culture Seite 187 Russen (25,4 % im Jahr 1989) und Ukrainer (1989 etwa 29 %) bildeten zu diesem Zeitpunkt große Bevölkerungsminderheiten. Viele Moldauer und die meisten kleineren Minderheiten wie Bulgaren, Gagausen oder Tataren sprachen ebenso Russisch. In Transnistrien sprach eine Mehrheit Russisch, (PDF; 245 kB) Universität Mannheim, Februar 1998, S. 18. ist nicht mehr abrufbar; auf Seite 10 zitiert bei: http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/4372/ssoar-1998-hanne-der_transnistrien-konflikt.pdf während in anderen Regionen des Landes Moldauisch (Rumänisch) überwog. Zwar lebten weniger als 30 Prozent der Nicht-Moldauer in Transnistrien, die transnistrischen Städte bildeten jedoch Hochburgen der russischen und ukrainischen Bevölkerungskonzentration.Hanne, Gottfried; Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (Ed.)Der Transnistrien-Konflikt : Ursachen, Entwicklungsbedingungen und Perspektiven einer Regulierung Köln, 1998

Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte sich Moldau im Juni 1990 zu einer unabhängigen Republik und rief am 27. August 1991 die staatliche Souveränität aus.

Der seit der Perestroika immer offener zu Tage tretende Verteilungskonflikt um Hierarchie und Besitztum fand auf der Ebene der Eliten zwischen den aufstrebenden moldauischsprachigen nationalkommunistischen Kadern und der alten sowjetisch geprägten russophonen Nomenklatura statt. Die konkurrierenden politischen Eliten mobilisierten die Bevölkerung anhand ihrer sprachlichen Bruchlinien und machten sich damit ihre Heterogenität zunutze. Während in den meisten Teilen Moldaus die Bevölkerung eine Unabhängigkeit Moldaus befürwortete, waren in Transnistrien und Gagausien die pro-sowjetischen Kräfte in der Mehrheit. Die Spannungen nahmen immer weiter zu, insbesondere als die nationalistisch ausgerichtete moldauische Führung in Chișinău 1989 Russisch als zweite Amtssprache abschaffte. Dies führte zu Entrüstung der russischsprachigen Minderheiten im Land.

Die Führung in Transnistrien um Igor Smirnow und Grigori Marakuza rief schließlich 1990 den östlich des Dnjester gelegenen Landesteil zur eigenen Transnistrischen Sowjetrepublik innerhalb der Sowjetunion aus, was von der Zentralregierung in Moldau jedoch nicht akzeptiert wurde. Im August 1991 erklärte sich die ehemalige Moldauische Sowjetrepublik als Republik Moldau für unabhängig und trat aus der Sowjetunion aus. Die rumänische Sprache wurde die einzige Amtssprache des neuen Staates, das Russische erhielt keine offizielle Stellung mehr, obwohl es die Muttersprache eines großen Teils der Bevölkerung war. Es folgte eine Nationalisierung der administrativen Apparate und ökonomischen Strukturen im Land und kam zu minderheitenfeindlichen Demonstrationen. Die nationalistische Moldauische Volksfront und der damalige Premierminister Mircea Druk strebten zwischenzeitlich sogar eine Vereinigung Moldaus mit Rumänien an. Es kam in Moldau zu Konflikten mit den Minderheiten, die 1989 etwa 35 % der Bevölkerung bildeten. Die Minderheiten waren zudem meist auf einige Regionen konzentriert, insbesondere auf Transnistrien, Gagausien, die Hauptstadt Chișinău sowie die Umgebung von Bălți.

In Transnistrien sahen große Bevölkerungsteile durch die nationalistische Politik in Moldau ihre Rechte als bedroht an. Daraufhin erklärte man sich auch in Transnistrien für endgültig unabhängig und baute eigene staatliche Strukturen auf. Nicht zuletzt wegen der in Transnistrien angesiedelten Industrie und der Wirtschaftskraft dieser Region mit ihrer wichtigen Stahl-, Textil- und Schuhindustrie, Möbel- und Spirituosenherstellung und zahlreichen Kraftwerken war die Zentralregierung nicht bereit, die Abspaltung hinzunehmen.

Kampfhandlungen mini|GAZ-66 der transnistrischen Infanterie auf der Brücke zwischen Tiraspol und Bender mini|Moldauisches Denkmal „Eternitate“ in Chișinău Der von restaurativen Kräften initiierte Putschversuch in der Sowjetunion 1991 markierte den entscheidenden Eskalationsschritt im Hinblick auf den Transnistrien-Konflikt. Die nationalistisch ausgerichtete moldauische Führung um Mircea Snegur erklärte sich unmittelbar nach dem gescheiterten Staatsstreich am 27. August 1991, für unabhängig. Die ehemalige Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik benannte sich daraufhin in Republik Moldau um, verweigerte Befehle aus Moskau und forderte den Abzug aller sowjetischen Truppen von moldauischem Territorium. Besonders in Transnistrien stieß dies auf Widerstand, Befehle aus Chișinău wurden dort teils offen verweigert.

Schon im September 1990 war unter dem Vorsitz von Igor Smirnow und Grigori Marakuza in Transnistrien ein provisorischer Oberster Sowjet gegründet worden, der die Ziele der unionserhaltenden Kräfte in Moskau unterstützte. Mit dem Scheitern des Augustputschs war die Auflösung der Sowjetunion faktisch besiegelt. In Transnistrien rief man ebenfalls die Unabhängigkeit aus – sowohl von der Sowjetunion als auch von Moldau. Der Interessenkonflikt zwischen Moskau und Chișinău, der mit der Unabhängigkeitserklärung Moldaus zwar zu einem Ende gekommen schien, wurde jetzt durch den Interessenkonflikt mit Tiraspol erneuert.

Der Territorialisierung des Konflikts folgte bald darauf die militärische Eskalation durch den Einsatz der auf dem Territorium stationierten militärischen Ausrüstung, auf die die Machthaber Zugriff hatten. Der Konflikt mit der Regierung in Chișinău schaukelte sich so weit hoch, bis die Lage schließlich eskalierte und zum offenen Bürgerkrieg ausartete. Nach Bildung einer eigenen 10.000 Mann starken moldauischen Streitmacht, die dem Innenministerium unterstand und nach dem Modell der italienischen Carabinieri geformt war, kam es zu Zusammenstößen in Dubăsari und später zu heftigen Auseinandersetzungen in Bender. Die Kämpfe zwischen transnistrischen und moldauischen Einheiten dauerten vom 1. März 1992 bis zum 25. Juli 1992 und endeten mit dem militärischen Eingreifen Russlands. Die 14. Armee der Sowjetunion, die seit 1984 ihr Hauptquartier in Tiraspol hatte und zum größten Teil aus moldauischem/transnistrischem Personal bestand, wurde im April 1992 durch Befehl von Boris Jelzin dem Russischen Heer unterstellt. Unter dem neu eingesetzten Oberkommando von General Alexander Lebed wurde am 3. Juli um 03:00 Uhr ein massiver Artillerieangriff von Formationen der 14. Armee, die am linken Ufer des Dnjestr stationiert waren, auf die im Gerbovetskii-Wald in der Nähe von Bender konzentrierten moldauischen Streitkräfte ausgeführt und beendete de facto die militärische Phase des Konflikts. Auf beiden Seiten kämpften auch Freiwillige aus anderen Ländern, auf moldauischer Seite zumeist Rumänen, während Transnistrien durch Freiwillige aus Russland und der Ukraine unterstützt wurde. Moldau verlor im Laufe des Konflikts endgültig die Kontrolle über Transnistrien.

Von moldauischer Seite wird der Vorwurf erhoben, dass sich Russland mit seiner 14. Armee aktiv an den Kriegshandlungen beteiligt habe. Bei diesem Konflikt kamen die T-64 der 59. Motorisierten Garde-Schützendivision der 14. Armee unter dem Kommando von General Lebed zum Einsatz. Während der Kriegshandlungen wurden zehn T-64BW durch Panzerabwehrwaffen MT-12, 9K113 Konkurs sowie RPGs zerstört bzw. außer Gefecht gesetzt.