Fischbach (ehemals Fischbach am Reis1889: Ders., Das Fischbacher und Lorsbacher Thal, in: Nass. Ann. 21, WI, S. 4 m. Anm. 1.) ist einer von sechs Stadtteilen von Kelkheim (Taunus) im südhessischen Main-Taunus-Kreis und gehört landschaftlich zum Vordertaunus. Fischbach ist ein bürgerlich geprägter Wohnbezirk und hat rund 5900 Einwohner.
Geographie Geographische Lage mini|Häuser und Gärten am Hang des Fischbacher Kopfs
Der Ort liegt im Tal des gleichnamigen Fließgewässers im Vortaunus. Nachbarn sind die Kelkheimer Stadtteile Hornau im Osten, Kelkheim-Mitte im Südosten und Ruppertshain im Nordwesten sowie die Städte Hofheim und Eppstein im Westen.
Der namensgebende Bach entspringt unterhalb von Ruppertshain, fließt durch Fischbach und das enge Fischbachtal, bis er in Eppstein in den Schwarzbach mündet. Vorher fließen jedoch noch der Rettershofer Bach, der Kickelbach und der Pfuhlbach in den Fischbach. Fischbach steht außerdem am Fuße zweier Taunusberge: des Staufens und des Rosserts sowie dessen südlicher Nebenkuppe Fischbacher Kopf.
Trotz der idyllischen naturräumlichen Lage ist Fischbach vor allem ein Wohnvorort in der Stadtregion Frankfurt. Während die drei Kelkheimer Stadtteile Münster, Kelkheim und Hornau vollständig miteinander verwachsen sind, liegen zwischen Fischbach und Hornau bzw. Kelkheim noch rund 200 Meter unbebautes Gebiet, die im Flächennutzungsplan als sogenannter „Regionaler Grünzug“ ausgewiesen und vor Bebauung geschützt sind.
Verkehr Die Bundesstraße 455 führt von Königstein über Fischbach nach Eppstein und Wiesbaden. Die ehemalige Durchgangsstraße wurde Anfang der 80er Jahre durch eine Umgehungsstraße ersetzt, die Fischbach jedoch nicht umgeht, sondern auf einem in der (damit weitgehend zerstörten) Fischbachaue aufgeschütteten Damm durchzieht. Die Ortsmitte an der Langstraße wird durch eine Brücke überquert. Die Verbindung nach Kelkheim-Mitte und weiter zur Frankfurter Innenstadt ist eine Landesstraße. Drei Buslinien des Rhein-Main-Verkehrsverbunds verbinden Fischbach mit der Außenwelt, vor allem dem Bahnhof der Königsteiner Bahn in Kelkheim.
Gliederung des Ortes mini|Die Langstraße im Ortskern
Der alte Ortskern liegt am Schnittpunkt der beiden Hauptstraßen Kelkheim–Ruppertshain und Königstein–Eppstein. Die erstere bildet im Bereich des alten Dorfs die Hauptstraße des Ortes, die Langstraße, von der nach beiden Seiten kurze Gassen abzweigen. Durch einen Graben und eine daran verlaufende dichte Hecke, die Straße Haingraben erinnert daran, sowie den Lauf des Fischbachs war der Ort auf einfache Weise vor unliebsamen Besuchern geschützt. Es existierten auch zwei Wachtürme nebst Toren, welche im Jahre 1348 erstmals erwähnt wurden. Der untere Turm befand sich ungefähr dort, wo jetzt der Hanseklingerbrunnen steht (Langstraße, Ecke Kirchgasse). Der obere Turm stand unweit der Langstraße, Ecke Eppsteiner Straße. Der obere Turm wurde 1818 verkauft und noch im gleichen Jahr abgerissen.
Im 19. Jahrhundert wuchs Fischbach entlang der Landstraßen, vor allem an der Kelkheimer und der Eppsteiner Straße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Ort durch die Ansiedlung Heimatvertriebener, woran Straßennamen wie Egerländer Straße und Königsberger Straße erinnern. Ihre Wohngebiete entstanden, ähnlich wie die seit den 1960er Jahren folgenden großen Einfamilienhausgebiete, vor allem beiderseits der Kelkheimer Straße im Süden des Ortes, rund um Staufenstraße und Sodener Straße. Im Norden entstand nur ein Wohngebiet auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei, woran heute die Straße An der Ziegelei erinnert. Im Jahre 1905 entstand die Ziegelei aufgrund reger Bautätigkeit. 1920 wurde der Betrieb zum ersten Mal verkauft und wechselte bis zur Schließung Ende der 1950er Jahre oftmals den Besitzer.
Geschichte mini|Fischbach von Osten im Jahre 1803. Im Hintergrund ist der Rossert zu sehen. mini|Fischbach im Jahre 1819. Im Norden wird der Ort durch die heutige Eppsteiner Straße begrenzt, östlich durch den Haingraben, westlich vom Pfuhlbach und im Süden vom Fischbach. mini|Die Langstraße 1841. Im Vordergrund sind der Fischbach und ein schmaler Holzsteg zu erkennen. Heute befinden sich an dieser Stelle die Straßenbrücke über den Fischbach, eine Bushaltestelle und die Brücke der B455.
Vorgeschichte mini|Die administrative Zugehörigkeit Fischbachs als Zeitstrahl.
Am Hühnerberg wurden im Jahr 2022 durch eine Untersuchung mittels Magnetometer (archäologische Prospektion) mindestens fünf Langhäuser nachgewiesen, in denen ganze Sippen gelebt haben. Die Kombination mit Funden von Scherben und Klingen aus Feuerstein datiert die Siedlung in die Linear-Bandkeramik, etwa 5500 v. Chr.
Besiedelt war die Fischbacher Gemarkung nachweislich bereits seit dem 18.–13. Jahrhundert v. Chr. Darauf lassen die Hügelgräber in der Fischbacher Halbehl schließen.
Am Südosthang des Staufen wurde eine Potinmünze vom keltischen Stamm der Leuker aus dem ersten Jahrhundert vor Christus gefunden. Nach den Kelten lebten vermutlich in dieser Gegend die germanischen Mattiaker. Sie sollten später in den Rheinfranken aufgehen. Die Römer begannen nach der Varusschlacht zwischen 107 und 115 n. Chr. den obergermanischen Limes zu errichten. Fischbach liegt südlich des Limes und war somit in jener Zeit unter römischer Kontrolle als Teil der Civitas Mattiacorum bzw. Civitas Taunensium (je nachdem ob der Schwarzbach oder die Nidda als Grenze zwischen den beiden Gebieten betrachtet wird) in der römischen Provinz Germania superior. Selbst nach dem Einfall der Alamannen 260 n. Chr. blieb diese Verwaltungseinheit bestehen. Nach der Eroberung durch die Franken im 6.–7. Jahrhundert n. Chr. ging die Gegend in den Eigenbesitz der fränkischen Könige über. Im Zuge dieser fränkischen Landnahme konnten sich Dörfer und Ortschaften etablieren.
Mittelalter Fischbach ist, wie viele Orte der Umgebung, eine fränkische (karolingische) Gründung. Die Urkunde, die die erste bekannte Erwähnung Fischbachs enthält, wurde auf das Jahr 780 datiert. Eine fromme Frau schenkte ihre Güter und zugehörige Leute in Fischbach an das Kloster Fulda. Im 8. und 9. Jahrhundert erscheinen auch Reichsrechte. 813 war der Ort als königliches Lehen im Besitz des Grafen Liutfried. Ab 890 war Fischbach Teil der Grafschaft Uualahes, und es gehörte im Früh- und Hochmittelalter dem Niddagau an.
1348 erscheinen die Herren von Eppstein als Grundherren, die den Ort anscheinend vom Mainzer Domstift zu Lehen hatte. 1505 wurde Fischbach Teil der neu gebildeten Grafschaft Königstein. 1535 erbten die Grafen von Stolberg den eppsteinischen Besitz und 1581 übernahm Kurmainz wiederum das stolbergische Erbe. Die Grafschaft wurde zum Oberamt Königstein, Fischbach gehörte dabei zur Amtsvogtei Eppstein. 1781 kam das Oberamt Königstein zum Oberamt Höchst. 1803 kam der Ort zunächst an Nassau-Usingen und 1806 an das Herzogtum Nassau. 1811 ging Fischbach mit der aufgelösten Amtsvogtei Eppstein an das Amt Königstein.
Neuzeit Nassau wurde 1866 nach dem verlorenen preußisch-österreichischen Krieg von Preußen annektiert und zum Regierungsbezirk Wiesbaden der preußischen Provinz Hessen-Nassau degradiert, die 1944 in die Provinzen Kurhessen und Nassau geteilt wurde. Mit letzterer kam Fischbach 1945 zum heutigen Land Hessen. Seit der Eingliederung nach Preußen gehörte Fischbach bis 1918 zum Obertaunuskreis (Kreisstadt: Bad Homburg vor der Höhe) nachdem die Ämter Königstein, Usingen und Homburg vereint wurden.
Zwischen 1918 und 1928 war der Ort aufgrund der französischen Besetzung des Brückenkopfs Mainz Teil des Kreises Königstein. Im Jahr 1928 kam das Dorf zum neu eingerichteten Main-Taunus-Kreis (Verwaltungssitz: Frankfurt-Höchst, seit 1980: Hofheim am Taunus).
Zum 1. Januar 1977 wurde Fischbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit der damaligen Gemeinde Rossert (Ruppertshain, Eppenhain) und der Stadt Kelkheim zur erweiterten Stadt Kelkheim zusammengeschlossen. Ortsbezirke wurden nicht gebildet.
Wirtschafts- und Sozialgeschichte mini|Fischbach, 1893. Die Königsteiner Bahn existiert noch nicht, der im Norden liegende Rettershof heißt hier noch „Röders“.
Wie viele andere Ortschaften blieb auch Fischbach im Laufe seiner Geschichte nicht von Kriegen und Krankheiten verschont. Historisch belegt ist eine Pestepidemie im Jahre 1666. 1672 flohen die verbliebenen Einwohner im Zuge des Holländischen Krieges vor Kurbrandenburgischen Truppen nach Kronberg.
Die Wirtschaft des Ortes basierte jahrhundertelang auf der Landwirtschaft und dem Obstanbau (die für den Vordertaunus typischen Streuobstwiesen). Ab Anfang des 19. Jahrhunderts war es Standort zahlreicher Schreinereien. Anders als in Kelkheim konnte sich die früher bedeutende Möbelindustrie in Fischbach nicht bis heute erhalten. Der tonhaltige Boden ermöglichte außerdem die Ansiedlung von Ziegeleien.
Auch die Industrie, vor allem die früheren Farbwerke in Frankfurt-Höchst, heute der Industriepark Höchst, boten seit dem späten 19. Jahrhundert den Fischbachern eine Erwerbsquelle. Die Eröffnung der Königsteiner Bahn 1902 verbesserte die Verbindung nach Frankfurt-Höchst erheblich, zuvor liefen viele Fischbacher Arbeiter jeden Morgen zu Fuß bis zum Bahnhof in Soden.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs zählte Fischbach rund 1.000 Einwohner. Durch die Ansiedlung Vertriebener, vor allem aus dem Sudetenland, wurde diese Zahl nach Kriegsende fast verdoppelt. Einen noch größeren Wachstumsschub bedeutete die Suburbanisierung der 1960er und 1970er Jahre, als sich Fischbach von einem Taunusdorf in eine vorstädtische Frankfurter Wohngemeinde wandelte: die Einwohnerzahl stieg bis Anfang der 1980er Jahre auf fast 6.000 und verändert sich seitdem kaum noch.
Durch die starke Zuwanderung veränderte sich sowohl die Konfession (zuvor ganz überwiegend Katholiken) als auch die soziale Struktur der Einwohnerschaft: neben die alteingesessene Dorfbevölkerung, meist Handwerker neben einigen verbliebenen Landwirten, trat eine akademisch geprägte bürgerliche Mittelschicht, zu einem großen Teil Angestellte des nahen Industrieparks Höchst.
Fischbacher Soldaten in der Schlacht von Waterloo 1815
Folgende Fischbacher waren Teilnehmer bei der Schlacht von Waterloo:https://www.ahnenforschung-hessen.de/militaer/waterloo.html Andreas Fischer Heinrich Klarmann Matthias Ohlenschläger Andreas Thoma Martin Thoma, Korporal Peter Stark
Die Soldaten waren Teil der Herzoglich Nassauischen Armee. Es ist anzunehmen, dass sie Teil des 2. Herzoglich Nassauischen Infanterieregiments waren. Am 15. Juni stand das Regiment als Teil der Brigade des Prinzen von Sachsen-Weimar an der Straßenkreuzung von Quatre-Bras. Von hier aus sollte der französische Vorstoß aufgehalten werden. Gegen 14 Uhr am 16. Juni griffen die französischen Spitzen die Stellungen an. Über die folgenden Stunden verwickelte das Regiment die vorrückende französische Infanterie in Feuergefechte. Nur langsam konnten die Angreifer die Bataillone nach Norden abdrängen. Gegen 16:30 Uhr wendete sich die bedrohliche Lage langsam durch die britischen Verstärkungen zugunsten der Alliierten. Als die Briten zum Gegenangriff übergingen, wurden die französischen Truppen wieder in ihre Ausgangspositionen zurückgeworfen. Gegen 19 Uhr brachen die Franzosen den Kampf ab und zogen sich wieder auf Frasnes zurück. Die Verluste des 2. Regiments Nassau beliefen sich auf 14 Tote und 95 Verwundete.