Diese Liste der Stolpersteine in Veitshöchheim enthält die Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunstprojekts von Gunter Demnig in der Unterfränkischen Gemeinde Veitshöchheim verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Veitshöchheim lebten und wirkten. Neben 13 jüdischen Bürgern waren darunter auch der wegen Wehrkraftzersetzung hingerichtete Max Mährlein und der 1945 in Dachau ermordete Leopold Kaufmann.

Auf der Oberseite der Betonquader mit zehn Zentimetern Kantenlänge ist eine Messingtafel verankert, die Auskunft über Namen, Geburtsjahr und Schicksal der Personen gibt, derer gedacht werden soll. Die Steine sind in den Bürgersteig vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eingelassen. Die bislang 15 Stolpersteine wurden am 29. September 2009 verlegt. Den Beschluss dazu hatte zwei Jahre zuvor der Gemeinderat auf Antrag des Grünen-Ortsvereins gefasst. Die Finanzierung erfolgte ausschließlich durch Patenschaften zu 95 Euro pro Stolperstein.

Verlegte Stolpersteine In Veitshöchheim wurden fünfzehn Stolpersteine an zehn Standorten verlegt.

Stolperstein Inschrift Standort Name, Leben 120px HIER WOHNTELUDWIG BRÜCKJG. 1894DEPORTIERT 1944THERESIENSTADTAUSCHWITZ? ? ? Friedhofstraße 7() wurde am 3. Mai 1894 in Odenbach geboren. Seine Eltern waren Moses Brück (1862–1943) und Franziska (1867–1936). Seine Schwester Rosa, später verehelichte Frank, wurde am 3. Juli 1985 in Odenbach geboren. Er heiratete eine Christin, Anna, geboren am 23. November 1902 in Rehborn. Ludwig Brück verlor den Schutz der „privilegierten Mischehe“ und wurde am 17. Januar 1944 mit der letzten Deportation von Würzburg nach Theresienstadt deportiert. Es gibt unterschiedliche Darstellungen über seinen weiteren Lebensweg. Zwei Datenbanken verzeichnen seine Ermordung, die Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken e. V. hingegen stellt in den Raum, dass er die Shoah überlebte und erst 1969 starb.

Gesichert ist, dass sein Vater am 23. Januar 1943 in Theresienstadt ums Leben kam. Der Sohn von Ludwig und Anna Brück, Heinz, geboren um 1933, wurde 1942 im Zuge der Aktion T4 ermordet. 120px HIER WOHNTEFANNYFREUDENBERGERGEB. JAKOBJG. 1877DEPORTIERT 1942IZBICAERMORDETFÜR TOT ERKLÄRT Bahnhofstraße 23() wurde am 31. Oktober 1877 in Willmars geboren. Ihr Vater war Gustav (Gedalia) Jakob. Sie heiratete den Schneidermeister Julius Freudenberger. Das Ehepaar bekam die Kinder Rudolf (geboren 1910), Johanna, Rita (geboren 1914) und Siegfried. Der jüngste Sohn wurde im Zuge der Novemberpogrome 1938 verhaftet und war von Ende 1938 bis Februar 1939 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Das Ehepaar wurde 1942 verhaftet und nach Izbica deportiert. Beide wurden im Zuge der Shoah ermordet.Yad Vashem: FANNI FREUDENBERGER, abgerufen am 9. Juni 2021

Alle vier Kinder des Ehepaars konnten Deutschland rechtzeitig verlassen; sie überlebten in Israel, den USA bzw. in England. 120px HIER WOHNTEJULIUSFREUDENBERGERJG. 1880DEPORTIERT 1942IZBICAERMORDETFÜR TOT ERKLÄRT Bahnhofstraße 23() wurde am 15. September 1880 in Unterleinach als Sohn von Samuel Freudenberger und Hanna, geb. Engel, geboren. Er kam bereits als Kleinkind nach Veitshöchheim, wurde Schneidermeister und heiratete Fanny geb. Jakob. Das Ehepaar bekam die Kinder Rudolf (geboren 1910), Johanna, Rita (geboren 1914) und Siegfried. Das Ehepaar wurde 1942 verhaftet und nach Izbica deportiert. Beide wurden im Zuge der Shoah ermordet.Yad Vashem: JULIUS FREUDENBERGER, abgerufen am 9. Juni 2021

Die vier Kinder des Ehepaars Fanny und Julius Freudenberger konnten Deutschland rechtzeitig verlassen und überlebten. Rudolf Freudenberger ging 1936 mit seiner Frau Erna zunächst nach Palästina und zog später in die USA. Er starb 1972 im Bundesstaat Connecticut. Johanna floh 1938 in die Vereinigten Staaten. Rita ging, wie ihr älterer Bruder, nach Palästina. Siegfried Freudenberger wurde im Zuge der Novemberpogrome 1938 verhaftet und war von Ende 1938 bis Februar 1939 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Er kehrte für kurze Zeit nach Veitshöchheim zurück und floh noch 1939 nach England. Er lebte später in New York. 120px HIER WOHNTEELSE KAHNJG. 1893DEPORTIERT 1942IZBICAERMORDETFÜR TOT ERKLÄRT Thüngersheimer Straße 36() wurde am 9. September 1893 als Tochter von Aron Kahn und Therese geb. Heß in Veitshöchheim geboren. Sie hatte zwei Geschwister, Eugen Kahn (1890–1946) und Frieda, später verehelichte Rosenbusch (1892–1928). Else Kahn blieb unverheiratet, sie lebte bei ihrer Familie. Ab Dezember 1936 arbeitete sie als Dienstmädchen im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus in der Dürerstraße 20 in Würzburg. Am 25. April 1942 wurden Else Kahn und ihr Neffe Fred Rosenbusch von Würzburg nach Krasniczyn im besetzten Ostpolen deportiert. Wie alle anderen Menschen dieses Transports wurden beide noch im Herbst 1942 im Raum Lublin ermordet.

Ihr Bruder diente im Ersten Weltkrieg und gründete danach eine Großhandlung für Wollwaren und Trikotagen. Er war Funktionär der IKG Würzburg und Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. 1936 emigrierte er mit seiner Frau und den beiden Kindern in die Vereinigten Staaten. Er starb am 17. Januar 1946 in Danville, Virginia. 120px HIER WOHNTEERNST KAHNJG. 1882DEPORTIERT 1942IZBICAERMORDET Bahnhofstraße 25() wurde 1882 geboren. Er hatte zumindest eine Schwester, Rosa, geboren 1884, später verehelichte Trepp. Er war ein angesehener Gemischtwarenhändler, errang im Ersten Weltkrieg verschiedene Auszeichnungen und schloss sich der Bürgerlichen Partei Veitshöchheims an. Er war mit Eva verheiratet, das Paar hatte die Töchter Cerry und Emmi. 1931 starb seine Frau. Daraufhin zog seine Schwester mit ihren beiden Söhnen, Leopold und Samuel, bei ihm ein. Sie hatte ihren Ehemann bereits während des Ersten Weltkrieges verloren. Während der Zeit des Nationalsozialismus entschlossen sich alle vier Kinder des Geschwisterpaares zur Flucht. Die beiden Trepp-Söhne gingen in die USA, die beiden Kahn-Töchter emigrierten 1938 zunächst nach Palästina, später ebenfalls in die USA. Ernst Kahn war der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Veitshöchheim. Auch er und seine Schwester bemühten sich um die nötigen Papiere, erhielten aber keine Ausreisegenehmigung. Sie wurden am 28. April 1942 nach Izbica, südöstlich von Lublin gelegen, deportiert und in der Folge ermordet.Main-Post: Gedenken an zwei Veitshöchheimer, 28. Juli 2009 120px HIER WOHNTESALLY SALOMONKAHNJG. 1892VERHAFTET 1938BUCHENWALDERMORDET 11.2.1941 Bahnhofstraße 14() wurde am 7. Juli 1892 in Veitshöchheim geboren. Seine Eltern waren Isaak Kahn und Mathilde geb. Rosenfeld, die 1927 in Veitshöchheim verstarb. Er hatte sechs Geschwister, von denen zwei im Kindesalter starben. Von den beiden Schwestern Erna (1900) und Lina, die beide nach Barmen zogen, gab es noch Lebenszeichen aus den Jahren 1929 bzw. 1938. Sally Kahn und seine Brüder Max und Julius dienten im Ersten Weltkrieg. Julius fiel 1915, Max zog 1919 ebenfalls nach Barmen. Auf der Erinnerungstafel für die jüdischen Soldaten im Weltkrieg, die in der Veitshöchheimer Synagoge angebracht wurde, steht auch der Name Sali Kahn. Sein Beruf ist nicht bekannt. Das Haus der Eltern in der Bahnhofstraße 14 wurde bereits 1930 verkauft. Im April 1938 startete die erste Welle der Aktion „Arbeitsscheu Reich“, in deren Rahmen so genannte Asoziale verhaftet und zur Zwangsarbeit eingeteilt wurden. Es handelte sich in NS-Diktion um Landstreicher, Bettler, Prostituierte, Zigeuner und Trunksüchtige. Auch Personen mit unbehandelten Geschlechtskrankheiten wurden dazugerechnet. Auf Hitlers persönliche Anordnung wurden in der zweiten Welle, der sogenannten Juni-Aktion, auch „kriminelle“ Juden einbezogen – „zur Erledigung von wichtigen Erdbewegungsarbeiten im gesamten Reichsgebiet“. Sally Kahn wurde am 23. Juni 1938 in Bitterfeld verhaftet und noch am selben Tag in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Er wurde dort unter der Häftlingsnummer 3153 registriert. Im Juni 1938 wurden insgesamt 1256 jüdische Männer ins KZ Buchenwald eingeliefert. Sie waren dort brutalen Schikanen ausgesetzt. Sally Kahn kam dort am 11. Februar 1941 ums Leben.

Zu seinem Nachlass in der Effektenkammer heißt es: „Erbberechtigte Angehörige des S. Kahn (konnten) in Deutschland nicht ermittelt werden.“Gedenkbuch des Bundesarchivs: Kahn, Salomon Sally, abgerufen am 7. Juni 2021Gedenkbuch Halle: Name: Kahn | Vorname: Sally, abgerufen am 7. Juni 2021 120px HIER WOHNTELEOPOLDKAUFMANNJG. 1893VERHAFTETDACHAUERMORDET 15.4.1945 Herrnstraße 14() wurde 1893 geboren. Er wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Er kam dort am 19. April 1945 ums Leben. Anlässlich der Ausstellungseröffnung zur Seligsprechung von Georg Häfner im April 2011 erinnerte Bürgermeister Kinzkofer an die Zivilcourage von Leopold Kaufmann und Max Mährlein, die als Opfer im Schatten stünden. Es sei wichtig auf solche Vorbilder hinzuweisen, denn „wer vergisst, verletzt und tötet zum zweiten Mal“.VEITSHÖCHHEIM NEWS: "EINFACH, GLÄUBIG, KONSEQUENT", 13. April 2011 120px HIER WOHNTEMAX MÄHRLEINJG. 1896VERHAFTET 1943ZUCHTHAUS WÜRZBURG'WEHRKRAFTZERSETZUNG'HINGERICHTET 26.9.1944FRANKFURT-PREUNGESHEIM Hofweg 10a() , geboren 1896, war Arbeiter am Rangierbahnhof in Würzburg. Er wurde aufgrund kriegskritischer Äußerungen festgenommen und im Zuchthaus Würzburg inhaftiert. Ein weiterer Vorwurf lautete, er habe – obwohl Bahnbeamter – amerikanische Sender gehört, somit Feindsender. Auch habe er Züge verspätet abfahren lassen. Er wurde wegen Wehrkraftzersetzung und Landesverrat zum Tode verurteilt und am 26. September 1944 im Strafgefängnis Frankfurt-Preungesheim hingerichtet.

An seine Hinrichtung erinnert auch eine Tafel am Ehrenmal an der Vituskirche. 120px HIER WOHNTEEMANUEL METZGERJG. 1869DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTTOT 11.4.1943 Bahnhofstraße 24() wurde am 13. März 1869 in Veitshöchheim geboren. Er war Viehhändler und heiratete Jette geb. Neumann aus Hainsfarth. Das Paar hatte zumindest eine Tochter, Ella, geboren am 10. Februar 1907 in Veitshöchheim, die ab 1937 als Dienstmädchen im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus in Würzburg arbeitete. In Folge der Novemberpogrome 1938 musste das betagte Ehepaar Veitshöchheim verlassen. Sie fanden Unterkunft im Israelitischen Altersheim in der Dürerstraße 20 in Würzburg. 1939 emigrierte die Tochter mit dem Schiff Hamburg nach New York. Emanuel Metzger und seine Frau wurden am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Emanuel Metzger kam dort am 10. April 1943 ums Leben.