Diese Liste der Stolpersteine in Kronach enthält die Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunstprojekts von Gunter Demnig in der oberfränkischen Stadt Kronach und in deren Gemeindeteilen verlegt wurden. Mit ihnen soll jüdischen Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Kronach lebten und wirkten.

Auf der Oberseite der Betonquader mit zehn Zentimeter Kantenlänge ist eine Messingtafel verankert, die Auskunft über Namen, Geburtsjahr und Schicksal der Personen gibt, derer gedacht werden soll. Die Steine sind in der Regel in den Bürgersteig vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eingelassen. Die ersten 16 Stolpersteine wurden am 17. September 2017 verlegt, weitere neun Steine folgten am 18. Juli 2018. Der bislang letzte Stolperstein wurde am 16. Juli 2022 verlegt.

Adresse Name Leben Verlegedatum Inschrift Bild Adolf-Kolping-Straße 8() Der am 20. August 1901 in Kronach geborene Julius Strauß litt an Depressionen und wurde deshalb bereits mit 18 Jahren erstmals in ein Sanatorium eingewiesen. Auf Veranlassung seiner Verwandten kam er im Juni 1925 in die Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg. Wie bereits bei seinem Vater wurde bei Julius Strauß eine Bipolare Störung diagnostiziert, weshalb er wenige Monate nach seiner Entlassung im März 1927 erneut nach Kutzenberg gebracht wurde. Sein zweiter Aufenthalt dort dauerte annähernd zwölfeinhalb Jahre, bevor er am 14. September 1940 als einer von zehn jüdischen Menschen von Kutzenberg in die Anstalt Eglfing-Haar in Oberbayern verlegt wurde. Sechs Tage darauf wurde Julius Strauß in die Tötungsanstalt Hartheim in Oberösterreich gebracht, wo er im Rahmen der sogenannten Aktion T4 ermordet wurde. HIER WOHNTEJULIUS STRAUSSJG. 1901EINGEWIESEN 1927HEILANSTALT KUTZENBERG‘VERLEGT’ 20.9.1940SCHLOSS HARTHEIMERMORDET 20.9.1940'AKTION T4' 150px Adolf-Kolping-Straße 11() Emil Adler wurde am 3. Februar 1903 in Kronach geboren. Er war das einzige Kind des Kaufmanns Leopold Adler und dessen Ehefrau Rosa, geborene Krell. Emil Adler besuchte in Kronach die Realschule und absolvierte danach eine kaufmännische Ausbildung. Nach dem Tod des Vaters im Oktober 1930 führte er zunächst gemeinsam mit seiner Mutter Rosa das von ihr gegründete Textilgeschäft „Geschwister Krell“ in der Bahnhofstraße weiter, bevor er nach dem Tod der Mutter im August 1932 alleiniger Inhaber wurde. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten gehörte Adler vermutlich zu einer Reihe jüdischer Geschäftsleute, die bereits im März oder April 1933 in „Schutzhaft“ genommen wurden. Noch im selben Jahr musste er auf Druck des NS-Regimes sein Geschäft verkaufen. Er verließ Kronach und ging nach Berlin, wo er 1934 Charlotte Mayer heiratete. Zusammen mit seiner Ehefrau gelang ihm im Juli 1936 die Ausreise nach Argentinien. Emil Adler starb dort am 25. Juni 1976. HIER WOHNTEEMIL ADLERJG. 1903‘SCHUTZHAFT’ 1933GEFÄNGNIS KRONACHUNFREIWILLIG VERZOGEN1933 BERLINFLUCHT 1936ARGENTINIEN 150px Alte Ludwigsstädter Straße 5() Bernhard Böhm kam am 12. Dezember 1883 in Oberlangenstadt zur Welt. Im Jahr 1920 heiratete er die am 24. Dezember 1883 in Bad Brückenau geborene Hedwig Frank. Die Eheleute lebten bis 1929 in Oberlangenstadt und zogen dann mit der gemeinsamen Tochter Helene nach Kronach in die Johann-Nikolaus-Zitter-Straße, wo Bernhard Böhm ein Textilgeschäft eröffnete, und später in die Alte Ludwigsstädter Straße 5. Im Jahr 1937 zogen Hedwig und ihr Mann Bernhard zu Hedwigs Mutter in die Augustinerstraße 4 in Würzburg; Tochter Helene lebte bereits seit 1934 bei Verwandten in Würzburg. Am 27. November 1941 wurden die Eheleute in das Lager Jungfernhof bei Riga deportiert, wo beide entweder erfroren sind oder zusammen mit einem Großteil der Häftlinge im März 1942 bei der Aktion Dünamünde im Wald von Biķernieki erschossen wurden. HIER WOHNTEBERNHARD BÖHMJG. 1883UNFREIWILLIG VERZOGEN1937 WÜRZBURGDEPORTIERT 1942RIGAERMORDET 150px HIER WOHNTEHEDWIG BÖHMGEB. FRANKJG. 1883UNFREIWILLIG VERZOGEN1937 WÜRZBURGDEPORTIERT 1941RIGAERMORDET 150px Helene „Hella“ Böhm wurde am 17. August 1923 in Bamberg geboren. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr lebte sie mit ihren Eltern Bernhard und Hedwig Böhm in Kronach, bevor diese Helene 1934 zu Verwandten nach Würzburg schickten, wo sie auch zur Schule ging. Helene konnte im Juni 1939 im Alter von 15 Jahren nach England emigrieren, wo sie später heiratete und den Namen Axelrad annahm. Sie kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück. HIER WOHNTEHELENE BÖHMJG. 1923UNFREIWILLIG VERZOGEN1934 WÜRZBURGFLUCHT 1939ENGLAND 150px Bahnhofstraße 10() Josef Mosbacher wurde am 22. August 1872 in Kronach geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Zacharias Mosbacher und dessen Ehefrau Babette, geborene Schmitt. Am 19. Juni 1898 heiratete Josef Mosbacher die aus Bamberg stammende Sophie Koburger, die am 25. Juli 1875 als Tochter des Kaufmanns Abraham Koburger und dessen Frau Babette, geborene Gutherz, zur Welt gekommen war. Die Eheleute lebten mit dem gemeinsamen Sohn Ernst, der am 6. Februar 1900 geboren wurde, bei der Familie Mosbacher in der Bahnhofstraße 10. Sophie Mosbacher engagierte sich jahrelang in der Kronacher Ortsgruppe des Bayerischen Frauenvereins, ihr Ehemann Josef, der von Beruf Kaufmann war und zusammen mit seinem Bruder Ludwig einen Eisenwarenhandel führte, war privat unter anderem Mitglied der Kronacher Schützengesellschaft. Im Jahr 1934 zog das Ehepaar nach Nürnberg, von wo aus Josef und Sophie Mosbacher am 10. September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden. Laut offizieller Sterbeurkunden starb Sophie Mosbacher dort am 13. Februar 1943 an den Folgen einer Lungenentzündung, ihr Ehemann Josef am 26. Juli 1943 an einem Schlaganfall. HIER WOHNTEJOSEF MOSBACHERJG. 1872DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 26.7.1943 150px HIER WOHNTESOPHIE MOSBACHERGEB. KOBURGERJG. 1875DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 13.2.1943 150px Bahnhofstraße 13() Ludwig Mosbacher kam am 23. Januar 1874 als Sohn des Kaufmanns Zacharias Mosbacher und dessen Ehefrau Babette, geborene Schmitt, in Kronach zur Welt. Er heiratete 1898 die am 19. September 1876 in Ober Heiduk, heute Chorzów in Polen, geborene Luise Ernestine Kamm. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Emmy (geboren am 13. April 1899), Else (geboren am 19. Juli 1900) und Kurt (geboren am 20. Mai 1907). Gemeinsam mit seinem Bruder Josef betrieb Ludwig Mosbacher einen Eisenwarenhandel in der Bahnhofstraße 10. Ende April 1933 zogen die Eheleute nach Bamberg, wo zwei ihrer Kinder lebten. Dort wurde Ludwig Mosbacher am 10. November 1938 infolge des Novemberpogroms festgenommen und zeitweise im Landesgefängnis Bamberg inhaftiert. Ab 1939 wohnte das Ehepaar zwangsweise in einem „Judenhaus“, bevor es am 25. April 1945 in das Ghetto Krasnystaw deportiert wurde. Das weitere Schicksal von Luise und Ludwig Mosbacher und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt. HIER WOHNTELUDWIG MOSBACHERJG. 1874DEPORTIERT 1942KRASNYSTAWERMORDET 150px HIER WOHNTELUISE MOSBACHERGEB. KAMMJG. 1876DEPORTIERT 1942KRASNYSTAWERMORDET 150px Friesener Straße 21() Max Markus Tannenbaum kam am 3. November 1879 in Mansbach zur Welt und zog 1908 nach Kronach, wo er die am 9. März 1884 in Friesen geborene Selma Lamm heiratete. Während des Ersten Weltkriegs diente Tannenbaum als Soldat an der Front und wurde hierfür mit mehreren Verdienstorden ausgezeichnet. Der gelernte Metzger betrieb eine Metzgerei in der Lucas-Cranach-Straße und einen Viehhandel, bis ihm die Betätigung als Viehhändler von den Nationalsozialisten 1935 untersagt wurde. Die Metzgerei musste er spätestens Ende 1938 schließen, da Juden ab dem 1. Januar 1939 das Betreiben von Einzelhandelsgeschäften und das Anbieten von Waren und Dienstleistungen untersagt war. Die Eheleute Selma und Max Tannenbaum, die das Anwesen Friesener Straße 21 zusammen mit ihren drei Kindern Frieda, Leo und Hanna bewohnten, wurden am 24. April 1942 mit einem Sammeltransport nach Bamberg gebracht und einen Tag später nach Polen deportiert, wo sie entweder im Ghetto Krasnystaw oder im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurden. HIER WOHNTEMAX TANNENBAUMJG. 1879DEPORTIERT 1942KRASNYSTAWERMORDET 150px HIER WOHNTESELMA TANNENBAUMGEB. LAMMJG. 1884DEPORTIERT 1942KRASNYSTAWERMORDET 150px Frieda Tannenbaum wurde am 19. Mai 1909 in Kronach geboren. Sie verließ ihr Elternhaus im März 1930 und heiratete im folgenden Jahr den nichtjüdischen Schuhmacher Johann Weil, mit dem sie in Kronberg im Taunus lebte und einen gemeinsamen Sohn hatte. Im Zuge der Novemberpogrome wurde Frieda Weil zeitweise in „Schutzhaft“ genommen. Trotz ihres Lebens in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“ drohte ihr Ende Mai 1943 erneut die Verhaftung durch die Gestapo, weshalb sie einen Suizidversuch unternahm. Frieda Weil kam in ein Krankenhaus in Frankfurt am Main, wo sie verhaftet wurde. Nach mehreren Wochen im Gefängnis wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort am 10. Dezember 1943 ermordet. HIER WOHNTEFRIEDA TANNENBAUMVERH. WEILJG. 1909DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 10.12.1943 150px Leo Tannenbaum wurde am 13. Mai 1913 geboren. Er erlernte wohl bei seinem Vater Max Tannenbaum das Metzgerhandwerk und unterstützte diesen zunächst im väterlichen Geschäft. Später besuchte er das Hachschara-Lager Gut Winkel bei Spreenhagen in Brandenburg, um sich auf die Auswanderung nach Palästina vorzubereiten. Die Ausreise gelang ihm im Oktober 1939. HIER WOHNTELEO TANNENBAUMJG. 1913FLUCHT 1939USA 150px Der am 5. Dezember 1921 in Berlin geborene Ernst Babtschinsky und die am 21. November 1920 in Kronach geborene Hanna Tannenbaum lernten sich wohl in einem Hachschara-Lager kennen. Die beiden heirateten am 7. Januar 1941 in Spreenhagen, die erhoffte Ausreise nach Palästina gelang ihnen jedoch nicht. Die Eheleute wurden am 19. April 1943 zusammen in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie voneinander getrennt wurden.

Ernst Babtschinsky wurde in Auschwitz die Häftlingsnummer „116940“ tätowiert. Er wurde später in das KZ-Außenlager Golleschau verlegt und musste 1945 einen sogenannten Todesmarsch zum KZ Sachsenhausen antreten. Später wurde er zunächst in das KZ Mauthausen und von dort in das KZ Gusen II in Oberösterreich gebracht, wo er im Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Hanna Babtschinsky blieb fast zwei Jahre in Auschwitz. Anfang 1945 wurde sie nach Ravensbrück verlegt und überlebte ebenfalls.