mini|Defilee eines Bataillons von Édouard Detaille, 1885 mini|Aufmarsch französischer Infanterie während des „Großen Manövers“ von 1911 bei Vesoul mini|75-mm-Feldgeschütz während des Manövers 1913 Das französische Truppenaufgebot bei Kriegsbeginn 1914 zeigt die Organisation des französischen Heeres nach der Generalmobilmachung vom 2. August 1914.
Sie ähnelte stark der des zur gleichen Zeit mobilgemachten Deutschen Heeres, der Großteil der Truppen war an der Grenze zum Nachbarn stationiert. Als größte Einheiten bestanden fünf Armeen, die jeweils in mehrere Armeekorps untergliedert waren. Die Armeekorps waren wiederum in je zwei Divisionen aufgeteilt. Die nicht eingeteilten Einheiten standen als Reserve zur Disposition des Oberkommandierenden im Großen Hauptquartier (Grand Quartier Général) und des Kriegsministers. Dieses Schema wurde in den ersten Tagen des August 1914 geändert, als durch die Reservisten die Einheiten stark vergrößert wurden, dann durch die personelle Verstärkung der Armeekorps und die Aufstellung neuer Verbände.
Organisation Friedensstärke Die Stärke des französischen Heeres betrug im Frühjahr 882.907 Mann, davon 686.993 Mann im Mutterland, 62.598 Mann in Algerien und Tunesien, 81.750 Mann in Marokko sowie 51.566 Mann Hilfstruppen. Das Gebiet der Dritten Republik war in 21 Militärregionen aufgeteilt,Das Dekret vom 26. September 1913 ordnete die Aufstellung einer XXI. Militärregion an, dazu die der 9. und 10. Kavalleriedivision. von denen 20 im Mutterland und eine (die 20.) in Algerien disloziert waren. Dazu kam die nicht unbedeutende Einrichtung des Militärgouvernements von Paris. Jede Militärregion stellte zwei Infanteriedivisionen (ausgenommen die VI. Militärregion, die drei Divisionen stellte).
+ Territoriale Gliederung des französischen Heeres im Mai 1914Laparra, 2006, S. 47–49. Militärregion(Armeekorps) Wehrbereich Friedensgarnisonen der DivisionenGMP Paris 1. Kavalleriedivision (Paris), 7. Kavalleriedivision (Melun) und 1. Kolonial-Infanteriedivision (Paris) Ire Lille 1. Infanteriedivision (Lille) und 2. Infanteriedivision (Arras) IIe Amiens 3. Infanteriedivision (Amiens), 4. Infanteriedivision (Mézières) und 4. Kavalleriedivision (Sedan) IIIe Rouen 5. Infanteriedivision (Rouen) und 6. Infanteriedivision (Paris) IVe Le Mans 4. Infanteriedivision (Le Mans) und 7. Infanteriedivision (Paris) Ve Orléans 9. Infanteriedivision (Orléans) und 10. Infanteriedivision (Paris) VIe Châlons-sur-Marne 12. Infanteriedivision (Reims), 40. Infanteriedivision (Saint-Mihiel), 42. Infanteriedivision (Verdun), 3. Kavalleriedivision (Compiègne) und 5. Kavalleriedivision (Reims) VIIe Besançon 14. Infanteriedivision (Belfort), 41. Infanteriedivision (Remiremont) und 8. Kavalleriedivision (Dole) VIIIe Bourges 15. Infanteriedivision (Dijon) und 16. Infanteriedivision (Bourges) IXe Tours 17. Infanteriedivision (Châteauroux), 18. Infanteriedivision (Angers) und 9. Kavalleriedivision (Tours) Xe Rennes 19. Infanteriedivision (Rennes) und 20. Infanteriedivision (Saint-Servan) XIe Nantes 21. Infanteriedivision (Nantes), 22. Infanteriedivision (Vannes) und 3. Kolonial-Infanteriedivision (Brest (Finistère)) XIIe Limoges 23. Infanteriedivision (Angoulême) und 24. Infanteriedivision (Périgueux) XIIIe Clermont-Ferrand 25. Infanteriedivision (Saint-Étienne) und 26. Infanteriedivision (Clermont-Ferrand) XIVe Lyon 27. Infanteriedivision (Grenoble), 28. Infanteriedivision (Chambéry) und 6. Kavalleriedivision (Lyon) XVe Marseille 29. Infanteriedivision (Nizza), 30. Infanteriedivision (Avignon) und 2. Kolonial-Infanteriedivision (Toulon) XVIe Montpellier 31. Infanteriedivision (Montpellier) und 32. Infanteriedivision (Perpignan) XVIIe Toulouse 33. Infanteriedivision (Montauban), 34. Infanteriedivision (Toulouse) und 10. Kavalleriedivision (Montauban) XVIIIe Bordeaux 35. Infanteriedivision (Bordeaux) und 36. Infanteriedivision (Bayonne) XIXe Algier Divisionen „Algier“, „Oran“ und „Constantine“ XXe Nancy 11. Infanteriedivision (Nancy), 39. Infanteriedivision (Toul) und 2. Kavalleriedivision (Lunéville) XXIe Épinal 13. Infanteriedivision (Chaumont) und 43. Infanteriedivision (Saint-Dié) Die gesamte (aktive) Infanterie bestand aus 686 Bataillonen: 173 Regimenter im Mutterland zu je drei Bataillonen und neun Regimenter zu vier Bataillonen. Dazu kamen 31 Bataillone Jäger zu Fuß (Chasseurs à pied) und die zwölf Regimenter Kolonialinfanterie zu je drei Bataillonen. In den Kolonien befanden sich vier Regimenter Zuaven zu je sechs Bataillonen, neun Regimenter algerischer Schützen (Tirailleurs algériens) mit zusammen 40 Bataillonen, zwei Regimenter der Légion étrangère zu je sechs BataillonenVon den zwölf Bataillonen waren bei der Mobilmachung fünf in Marokko, vier in Algerien und drei in Indochina stationiert., fünf Bataillone leichte afrikanische Infanterie (Infanterie légère d’Afrique), sechs marokkanische Kolonial-MarschregimenterDiese Regimenter bestanden aus sechs Kolonial-Marschbataillonen und zwölf Bataillonen senegalesischer Schützen (Tirailleurs sénegalais). sowie fünf Bataillone marokkanischer Hilfstruppen.
Die Kavallerie verfügte am Tag der Mobilmachung über 378 Escadrons in 89 Regimentern. Sie bestand aus zwölf Kürassierregimentern, 32 Dragonerregimentern, 23 Regimentern Jäger zu Pferde (Chasseurs à cheval), 14 Husarenregimentern, sechs Regimentern „Chasseurs d’Afrique“ und vier Regimentern Spahis.Die Spahi-Regimenter bestanden vor der Mobilmachung aus insgesamt 25 Escadrons zu vier oder fünf je Regiment. Dazu kamen eine Escadron Spahis sénégalais und zwölf Escadrons marokkanische Hilfstruppen.
Die Artillerie verfügte über 855 Batterien, jede mit vier Geschützen. Aufgeteilt war sie in 62 Regimenter Feldartillerie, zwei Regimenter Gebirgsartillerie, elf Regimenter Fußartillerie, fünf Regimenter schwere Artillerie, zehn Gruppen afrikanischer Artillerie und drei Regimenter Kolonialartillerie. Zur Divisionsartillerie gehörten davon 378 Batterien (zu je drei Gruppen), zur Korpsartillerie 240 Batterien (zu je vier Gruppen) und zur reitenden Artillerie 327 Batterien.
Die Pioniertruppe bestand aus elf Regimentern mit 145 Spezialkompanien und 44 Détachements (z. B. Fernmeldeabteilungen).
Die Fliegertruppe setzte sich aus 26 Fliegerstaffeln und 10 Ballonstaffeln zusammen.
Kriegszustand Die Mobilmachung vom 2. August 1914 gemäß dem Plan XVII rief bis zum 18. August 2.829.000 Mann in die Depots, dazu kamen 71.000 Freiwillige. Die aktiven Einheiten mit ihrem Friedensstand von 680.000 Mann wurden durch Reservisten der drei letzten Jahrgänge verstärkt. Des Weiteren wurden neue Einheiten aus älteren Reservisten aufgestellt, die als Reserve- und TerritorialregimenterLetztere entsprachen der deutschen Landwehr. bezeichnet wurden. Die Anzahl der Bataillone wurde von 686 auf 1636, die der Kavallerieescadrons von 365 auf 600, die der Artilleriebatterien von 855 auf 1527 und die der Pioniereinheiten von 191 auf 628 erhöht.
Des Weiteren wurde von den 21 Militärregionen unverzüglich je ein Armeekorps mit der Nummer der Militärregion aufgestellt. Ausgenommen war die XIX. Militärregion in Algerien, die nur mit der 37. und 38. Infanteriedivision das Kolonial-Infanteriekorps verstärkte. Zusammen waren das 46 aktive Infanteriedivisionen mit 1.054.000 Mann – inklusive der 44. Infanteriedivision, die erst bei der Mobilmachung aufgestellt wurde, und 10 Kavalleriedivisionen mit 52.500 Mann.
Gleichzeitig wurden die Reserve-Infanterieregimenter – jedes zu zwei Bataillonen –, beginnend mit der Nummer 201, aufgestellt. Dies oblag den aktiven Regimentern, die jedes ein Reserveregiment aufzustellen hatten, das die Nummer des Stammtruppenteils – um die Zahl 200 erhöht – führte.Beispiel: Das Reserveregiment des „Infanterieregiments 77“ war das „Reserveregiment 277“. Weiter wurden 25 Reservedivisionen (Nr. 51 bis 75) mit 450.000 Mann aufgestellt.
Das Prinzip der Heeresverstärkung bei der Mobilmachung war das der Zusammenführung. Die aktiven und die Reserveregimenter wurden durch Personal des anderen Status ergänzt – d. h. in die aktiven Regimenter wurden Reservisten und in die Reserveregimenter aktive Soldaten eingegliedert. Der stellvertretende Kommandant eines aktiven Regiments übernahm das Kommando über ein Reserveregiment. Das Stammpersonal des aktiven Regiments wurde aufgeteilt, um in beiden Einheiten einen gleichwertigen Standard zu gewährleisten. Um das System überschaubar zu machen, wurden die Bataillone des aktiven Regiments mit 1., 2. und 3. Bataillon bezeichnet, auch die Kompanien waren fortlaufend von 1 bis 12 nummeriert. Das Reserveregiment führte das 5. und 6. Bataillon mit den Kompanienummern 17 bis 24. Die Kompanien mit den Nummern 13 bis 16 waren ausgespart für den Fall, dass ein viertes Bataillon aufgestellt würde.
Die älteren Jahrgänge (de facto die Landwehr) wurden in die Territorial-Infanterieregimenter eingestellt. Diese Regimenter hatten drei oder vier Bataillone. Ein Teil stand in den zwölf Territorial-Infanteriedivisionen (acht Felddivisionen und vier Festungsdivisionen – Nr. 81 bis 92), zusammen 184.000 Mann. Die jüngeren der Territorialkräfte wurden dann auch nach den ersten Kämpfen in die aktiven oder Reserveregimenter versetzt, um dort die Verluste auszugleichen.
+ Bei der Mobilisierung aufzustellende Divisionen Militärregionen Kommando in: Aktive Divisionen Reservedivisionen Territorialdivisionen Ire Lille – 51. Reservedivision (Arras) – IIe Amiens – 52. Reservedivision (Mézières) 81. Territorial-Felddivision (Amiens) IIIe Rouen – 53. Reservedivision (Rouen) 82. Territorial-Felddivision (Rouen) IVe Le Mans – 54. Reservedivision (Le Mans) 83. Territorial-Festungsdivision (Chartres) und 84. Territorial-Felddivision (Laval) Ve Orléans – 55. Reservedivision (Orléans) – VIe Châlons-en-Champagne – 56. (Châlons), 69. (Reims) und 72. Reservedivision (Verdun) – VIIe Besançon – 57. Reservedivision (Belfort) – VIIIe Bourges – 58. Reservedivision (Dijon) – IXe Tours – 59. Reservedivision (Angers) 85. (Châteauroux) und 81. Territorial-Festungsdivision (Angers) Xe Rennes – 60. Reservedivision (Rennes) 87. Territorial-Felddivision (Saint-Servan) XIe Nantes – 61. Reservedivision (Vannes) 88. Territorial-Felddivision (Nantes) XIIe Limoges – 62. Reservedivision (Angoulême) 89. Territorial-Festungsdivision (Angoulême) XIIIe Clermont-Ferrand – 63. Reservedivision (Clermont-Ferrand) – XIVe Lyon 44. Infanteriedivision (Lyon) 64. (Grenoble) und 74. Reservedivision (Chambéry) – XVe Marseille 65. (Nizza) und 75. Reservedivision (Avignon) – XVIe Montpellier – 66. Reservedivision (Montpellier) 90. Territorial-Felddivision (Perpignan) XVIIe Toulouse – 67. Reservedivision (Montauban) 91. Territorial-Felddivision (Toulouse) XVIIIe Bordeaux – 68. Reservedivision (Bordeaux) 92. Territorial-Felddivision (Bordeaux) XIXe Algier 37. (Philippeville) und 38. Infanteriedivision (Algier) – – XXe Nancy – 70. (Neufchâteau) und 73. Reservedivision (Toul) – XXIe Épinal – 71. Reservedivision (Épinal) –
Zu guter Letzt kamen am Ende der Mobilmachung noch die Verstärkungen der schweren Artillerie, der Eisenbahntruppen und der Fliegertruppe hinzu – 187.500 Mann. Dazu noch die Garnisonstruppen, Festungsbesatzungen und die Besatzungen der befestigten Lager Paris und Korsika, zusammen 821.400 Mann, und schließlich noch die Eisenbahn-Bewachungstruppen mit 210.000 Mann. Die Ausrüstung für 680.000 Reservisten wurde in den Depots vorgehalten. Die Stärke der Kampftruppen lag Mitte August bei 3.500.000 Mann – ohne die Kräfte in den Kolonien und die Etappendienste.
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