Gerhard Hartig (* 11. März 1922 in Berlin; † 25. Dezember 2007 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler.
Leben Gerhard Hartig war der Sohn des Möbel- und Kunsttischlers Willy Hartig und dessen Frau Gertrud, einer Hutmacherin, und wuchs in seiner Geburtsstadt auf. Bereits 1926 stand er erstmals in einer kleinen Rolle in dem Film Faust – eine deutsche Volkssage von Friedrich Wilhelm Murnau vor der Kamera, noch im Kindesalter folgten weitere kleine Rollen auf der Bühne, da die Tischlerei seines Vaters auch für Theater arbeitete. Hartig erlernte ebenfalls das Tischlerhandwerk, im Zweiten Weltkrieg diente er bei der Marine auf verschiedenen Kriegsschiffen.Website des Bühnenautors Wolfgang Binder, abgerufen am 25. November 2017
Nach Kriegsende siedelte die Familie von Berlin nach Hamburg über, wo Hartig zunächst in verschiedenen Berufen tätig war, zum Beispiel als Hausmeister, Kellner oder im Hafen. In späteren Jahren betätigte er sich auch als Gastwirt und führte zunächst in Berlin, dann in Hamburg jeweils eine Kneipe.
Hartig, der nie eine schauspielerische Ausbildung erhalten hatte, konnte schließlich wieder Kontakte zu Theatern knüpfen und gastierte ab den 1950er-Jahren sowohl in Hamburg als auch in Berlin an Boulevardtheatern. In Hamburg hatte Hartig Engagements am Deutschen Schauspielhaus und am Operettenhaus, wo er unter anderem in der Regie Gustaf Gründgens’ in Ralph Benatzkys Operette Im weißen Rößl spielte. Eine weitere Station in der Hansestadt war das Klecks Theater.
Ab Ende der 1950er-Jahre arbeitete Hartig auch umfangreich für Film und Fernsehen. Er stand in unzähligen Produktionen vor der Kamera, allerdings meist nur in Nebenrollen. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit Jürgen Roland, der Hartig wiederholt in seinen Serien Stahlnetz, Dem Täter auf der Spur und Großstadtrevier einsetzte, sowie in dem 1966 erschienenen Thriller 4 Schlüssel und der Tatort-Folge Tod eines Mädchens. In den 1960er-Jahren wirkte Hartig auch in mehreren Edgar-Wallace-Verfilmungen mit.
1973 zeichnete Hartig als Drehbuchautor und Produzent für den Film Wer einmal in das Posthorn stößt verantwortlich. Er selbst übernahm die Hauptrolle, weiter spielten unter anderem Helga Feddersen, Balduin Baas, Kurt A. Jung und Hansi Waldherr. Hartig produzierte einige weitere Streifen, deren Titel jedoch unbekannt sind.
Darüber hinaus ist Hartigs Stimme durch die Mitwirkung in einigen kommerziellen Hörspielproduktionen erhalten geblieben, so 1978 als Rex in der Reihe Burg Schreckenstein oder 1986 als Großvater in der Serie Heidi des Labels Europa.
Neben der Schauspielerei galt Hartigs Interesse Sportarten wie Fußball und Motorsport. Eine besondere Affinität hatte er zum Boxsport, den er in jungen Jahren selber ausgeübt hatte, später stieg er gelegentlich als Sparringspartner in den Ring, unter anderem mit Bubi Scholz. Lange Zeit förderte er den ehemaligen Hamburger Profiboxer Lukas Schulz, der von Hartig sagt, er sei für ihn „wie ein Großvater“ gewesen., abgerufen am 25. November 2017
Durch die Bekanntschaft seines Vaters mit dem Esoteriker und Schriftsteller Georges I. Gurdjieff wurde Hartig zu einem Anhänger dessen Lehren. Er war auch politisch interessiert und in den 1970er-Jahren Gründungsmitglied der Grünen, trat aber später aus der Partei wieder aus. Weiterhin engagierte er sich in der Jugend- und Sozialarbeit.
Gerhard Hartig war zweimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe gingen die Söhne Joachim und Ingolf hervor, letzterer starb 39-jährig an Leukämie. Hartig selbst litt unter Diabetes, 1986 musste ihm ein großer Zeh amputiert werden, weitere folgten im Laufe der Jahre, bis ihm schließlich beide Füße abgenommen werden mussten. Trotzdem arbeitete er weiter als Schauspieler. Zuletzt war Hartig mit der Regieassistentin Sigrid Baltrusch liiert und lebte im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel. Am 1. Weihnachtsfeiertag 2007 verstarb er im Hamburger Krankenhaus Heidberg. Nach einer Trauerfeier am 4. Januar 2008 wurde Hartig anonym auf dem Friedhof Ohlsdorf im Urnenhain bei Kapelle 13 beigesetzt.
Trivia Während des Zweiten Weltkrieges war Gerhard Hartig unter anderem auf einem zivilen Schiff unterwegs. An Bord waren mehrere schwangere Japanerinnen, die ihre Kinder dort zur Welt brachten. Da Hartig bei den Entbindungen mithalf, erhielten alle Kinder aus Dankbarkeit den Zweitnamen Gerhard, egal ob es sich um Jungen oder Mädchen handelte.
Filmografie (Auswahl) 1926: Faust – eine deutsche Volkssage 1959: Stahlnetz: Treffpunkt Bahnhof Zoo 1959: Stahlnetz: Das Alibi 1959: Stahlnetz: Aktenzeichen: Welcker u. a. wegen Mordes 1960: Stahlnetz: E ... 605 1960: Ich zähle täglich meine Sorgen 1960: Wir wollen niemals auseinandergehn 1960: Sabine und die 100 Männer 1960: Stahlnetz: Verbrannte Spuren 1960: Stahlnetz: Die Zeugin im grünen Rock 1961: Immer Ärger mit dem Bett 1961: Adieu, Lebewohl, Goodbye 1962: Das Geheimnis der schwarzen Koffer 1962: Das Testament des Dr. Mabuse 1963: Der Würger von Schloss Blackmoor 1963: Ein Windstoß 1964: Hafenpolizei – Schmerzensgeld 1964: Liebeshändel in Chioggia 1964: Herrenpartie 1964: Das Wirtshaus von Dartmoor 1964: Die Gruft mit dem Rätselschloss 1964: Das Kaffeehaus 1964: Jenny und der Herr im Frack 1965: Leider lauter Lügen 1965: Ein Tag – Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939 1965: Die Katze im Sack 1965: Stahlnetz: Nacht zum Ostersonntag 1965: John Klings Abenteuer – Blüten 1965: Unser Pauker – Der Ausflug 1966: 4 Schlüssel 1966: Intercontinental Express – Zwei im falschen Zug 1966: Ulrich und Ulrike – Das kalte Buffet 1966: Der Verrat von Ottawa 1966: Der Bucklige von Soho 1966: Der Glückstopf 1966: Cliff Dexter – Tiefschlag 1966–1968: Gertrud Stranitzki (4 Folgen als Arthur Prittwitz) 1966: Das Millionending (Fernseh-Zweiteiler) 1967: Die Trennung 1967: Ein Fall für Titus Bunge – Bobby ist los 1967: Dreizehn Briefe – Urlaub muss sein 1967: Dem Täter auf der Spur – 10 Kisten Whisky 1968: Polizeifunk ruft – Südfrüchte 1968: Cliff Dexter – Der letzte Erbe 1968: Hauptstraße Glück – Rote Zahlen 1968: Die Unverbesserlichen – … und ihre Sorgen 1968: Anker auf und Leinen los! – Trunkenheit am Ruder 1968: Das Berliner Zimmer 1969: Polizeifunk ruft – Die verschwundene Lady 1969: Ich bin ein Elefant, Madame 1969: Percy Stuart – Gazpacho Don Antonio 1969: Gnade für Timothy Evans 1969: Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht (Fernsehfilm) 1969: Hans Brinker 1970: Die Hand im Mund 1970: Tatort – Taxi nach Leipzig 1972: Fußballtrainer Wulff – Das Kuckucksei 1972: Einmal im Leben – Geschichte eines Eigenheims 1972: Der Stoff aus dem die Träume sind 1972: Sonderdezernat K1 – Vorsicht - Schutzengel 1972: Gewissensentscheidung 1972: Im Auftrag von Madame – Blüten von damals 1973: Tatort – Jagdrevier 1973: Lokaltermin – Der Pechvogel 1973: Wer einmal in das Posthorn stößt (auch als Regisseur und Produzent) 1974: Tatort – Kneipenbekanntschaft 1976: Verlorene Eier 1976: Abflug Bermudas 1976: Leos Leiden 1978: Die schöne Marianne – Die Leute aus dem Wald 1978: Happy Holidays 1979: Die Hamburger Krankheit 1980: Luftwaffenhelfer 1982: St. Pauli-Landungsbrücken (2 Folgen) 1982: Kreisbrandmeister Felix Martin – Schwarzer Montag 1982: Unheimliche Geschichten – Der lautlose Ruf 1982: Schwarz Rot Gold – Kaltes Fleisch 1983: Kiez 1983: Die Geschwister Oppermann 1984: Helga und die Nordlichter – Schneewalzer satt 1984: Das französische Frühstück 1984: Tatort – Gelegenheit macht Liebe 1985: Tegtmeier – Gift und Galle 1986: Detektivbüro Roth – Röntgentest 1986: Vertrauen gegen Vertrauen 1988: Brennende Betten 1989: Die Männer vom K3 – Tödlicher Export 1989: Zwei Münchner in Hamburg – Abschied von der Isar 1989–2001: Großstadtrevier (5 Folgen) 1991: Leonie Löwenherz – Was ist Freundschaft? 1991: Tatort – Tod eines Mädchens 1991: Lebewohl, Fremde 1991: Sisi und der Kaiserkuß 1992: Die Männer vom K3 – Auf Sand gebaut 1994: Asphaltflimmern 1995: Rennschwein Rudi Rüssel 1995: Eine fast perfekte Liebe 1997: Tatort – Undercover-Camping 1998: Der König von St. Pauli 1999: Drei mit Herz – Hochzeit mit Hindernissen 2001: Im Fadenkreuz – Das Chamäleon 2001: Jetzt oder nie – Zeit ist Geld 2001: Evelyn Hamanns Geschichten aus dem Leben – Die Finnen kommen
Hörspiele 1975: Der Bonze – Autor: Lars Björkman – Regie: Gerlach Fiedler 1976: Der Flug des Ikarus – Autor: Raymond Queneau – Regie: Otto Kurth 1995: Die Kamera, der Traum, dann die Stimmen – Autor: Gert Loschütz – Regie: Norbert Schaeffer
Weblinks
(als Gerd Hartwig) (als Gert Hartig) Gerhard Hartig Verzeichnis der Hörspiele bei hoerspielland.de
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Hörspielsprecher Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1922 Kategorie:Gestorben 2007 Kategorie:Mann