Der Himalajakuckuck (Cuculus saturatus), auch in der Schreibweise Himalayakuckuck, gehört zur Ordnung der Kuckucksvögel (Cuculiformes) und zur Familie der Kuckucke (Cuculidae). Wie zahlreiche Arten der Kuckucksvögel ist der Himalajakuckuck ein Brutschmarotzer. Er parasitiert vor allem Laubsänger und Pieper.
Ursprünglich im Jahre 1843 als eigenständige Art beschrieben, wurde der Cuculus saturatus zusammen mit den bis dato gleichfalls eigenständigen Arten Cuculus lepidus und Cuculus optatusF. Gil, D. Donsker (Hrsg.): IOC World Bird List. (v 10.1), 2020, doi:10.14344/IOC.ML.10.1. als Cuculus saturatus im weiteren Sinne (Sensu lato) zusammengefasst.C. G. Sibley, B. L. Monroe: Distribution and Taxonomy of Birds of the World. 1991, ISBN 0-300-04969-2.B. L. Monroe, C. G. Sibley: A world checklist of birds. 1993, ISBN 0-300-04969-2.R. B. Payne (Hrsg.): The Cuckoos. Oxford University Press, 1993, ISBN 0-19-850213-3. Die englische Bezeichnung war "Oriental cuckoo" und umfasste folgende Unterarten: Cuculus saturatus saturatus, Nominatform Cuculus saturatus optatus Cuculus saturatus lepidus
Im Jahre 2005 wurde dieser „Cuculus saturatus-Komplex“ wieder in drei eigenständige Arten aufgespalten:B. King: The taxonomic status of the three subspecies of Cuculus saturatus. In: Bulletin of the British Ornithologists Club. Band 125, S. 48–55, 2005, Biodiversity Library Cuculus (saturatus) saturatus wurde zum Himalajakuckuck (Cuculus saturatus), Cuculus (saturatus) optatus zum Hopfkuckuck (Cuculus optatus) und aus Cuculus (saturatus) lepidus wurde der Sundakuckuck (Cuculus lepidus).
In älterer Literatur ist nicht immer eindeutig, worauf genau sich die Bezeichnung „Cuculus saturatus“ bezieht.
Der Vogel brütet vom Himalaya östlich bis Südchina und Taiwan, überwintert in Südostasien und auf den Großen Sundainseln.
Das Verbreitungsgebiet zur Brutzeit umfasst den Wipfelbereich verschiedener Waldarten, Lärchen-Taiga, Gebüsch, subtropische Wälder in der Nähe von Bächen, offene baumbestandene Flächen und Obstgärten, häufig in hügeligem Gelände, auch Nadelwälder und Birkenwälder oberhalb der Baumgrenze in Kaschmir. Allerdings ist die Art meist nicht oberhalb von 1000 m. ü. M Höhe anzutreffen. Überwintert sind in Primärwald und Sekundärwald, Savannen, Gärten, Teakplantagen auf Neuguinea, auch Mangrovenwald. mini|Himalajakuckuck in Bhutan Der e Artzusatz kommt von .
Merkmale Die Art ist etwa 29–35 cm groß und wiegt etwa 70–140 g. Das Männchen ist dunkel aschgrau an der Oberseite, der Schwanz ist schwärzlich-braun, weiß gefleckt und mit weißer Spitze. Kinn und obere Brust sind aschgrau, die untere Brust und der Bauch sind weiß mit schwarzer Bänderung, der Steiß ist weiß bis creme/aprikosenfarben und etwas gebändert. Der Augenring ist gelb, die Iris gelb bis braun, der Schnabel schwarz mit orangegelber bis grünlich-gelber Basis, die Füße sind gelb bis orange. Weibchen sind an der Brust etwas rotbraun überhaucht. Es gibt auch eine rotbraune Morphe, bei der Bürzel und Oberschwanzdecken rotbraun mit dunkler Bänderung zu sehen sind, auch Kopf, Oberseite, Flügel und Schwanz sind dunkel rotbraun.
Jungvögel sind an der Oberseite schiefergrau mit weißen Federrändern, die schwarze Kehle ist weiß gebändert, die Unterseite schwarz und weiß gebändert, die Iris ist braun.
Vom sehr ähnlichen Kuckuck (Cuculus canorus), der meist in höheren Lagen vorkommt, unterscheidet sich die Art durch die breitere Bänderung an der Unterseite, den breiteren Schwanz mit weniger dunklen Binden, durch die dunklere und weniger strukturierte Fügelunterseite, der Flügelbug ist ungebändert. Die rotbrauen Morphe ist an Bürzel und Oberschwanzdecken dunkel gebändert, bei Kuckuck nicht.
Männchen Beim Männchen sind der Scheitel und der Nacken aschgrau mit einem leicht bläulichen Schimmer. Die Kopfseiten, Das Kinn, die Kehle und die Vorderbrust sind etwas heller. Der Mantel, der Rücken, der Bürzel sowie die Oberschwanzdecken sind dunkelgrau, wobei die Oberschwanzdecken weiß gesäumt sind. Die Flügel sind dunkelgrau. Die untere Brust, die Flanken und der Bauch sind weiß bis blass bräunlich, in Richtung Bürzel und Unterschwanzdecken geht dies in einen intensiveren Braunton über. Bürzel und Unterschwanzdecken weißen eine breite, gleichmäßige Querbänderung auf. Das dunkelgraue Schwanzgefieder ist gestuft, auf dem mittleren Steuerfederpaar befinden sich eine weiße Punkte. Die äußeren Steuerfedern sind die Spitzen der Außenfahnen weiß gesäumt, was vor allem auf der Unterseite deutlich sichtbar ist.
Weibchen Bei den Weibchen werden zwei Farbmorphen unterschieden. Die graue Farbmorphe ist von dem Männchen kaum zu unterscheiden. Auf der Körperunterseite ist die Brauntönung in der Regel etwas ausgedehnter als bei den Männchen. Die braune Farbmorphe hat ein überwiegend rostbraunes Gefieder und weist eine dunkle Querbänderung auf dem Scheitel, dem Nacken, der Körperoberseite und den Flügeln auf. Das Kinn, die Kehle und die Vorderbrust sind weißlich mit einer schmalen dunkelbraunen Querbänderung. Auf der übrigen Körperunterseite ist die Querbänderung breiter, die Grundfärbung des Gefieders dunkelt in Richtung Unterschwanzdecken zu einem hellbraun nach. Das Schwanzgefieder ist rostbräunlich mit V-förmigen dunklen Querbändern.
Geografische Variation Seit der Hopfkuckuck und der Sundakuckuck in Artstatus erhoben wurden, gilt der Himalajakuckuck als monotypisch.
Stimme Der Balzruf des Männchens ist ein schnelles bu-bu-bu, dem mehrere schnellere und dumpfere bu-bu-Rufe folgen. Jede Silbe ist von ähnlicher Tonhöhe, sie erinnern entfernt an die Rufe des Wiedehopfs. Verglichen mit dieser Art ist die Tonhöhe jedoch tiefer. Die Ruffolgen werden sechs bis acht Mal wiederholt.
Die Rufe der Männchen sind am häufigsten in den morgendlichen und abendlichen Dämmerstunden zu vernehmen. Rufende Männchen sitzen gewöhnlich hoch oben in den Bäumen; sie rufen allerdings auch während des Fluges, das Schwanzgefieder der Männchen ist dabei deutlich gespreizt. Die Körperhaltung, die männliche Himalajakuckucke während des Rufens auf ihren Singwarten einnehmen, weichen von der des Kuckucks ab: Der Schnabel ist bei ihnen geschlossen, der Kopf ist gesenkt, während sich die Kehle während des Rufends dehnt. Während des Rufens wird das Schwanzgefieder gesenkt und die Flügel leicht nach unten geöffnet. Sie wechseln häufig die Singwarte und fliegen dabei auffällig langsam. Häufig ist dann während des Fluges auch ein Rufen zu vernehmen. Das Weibchen ruft ein sprudelndes „quick-quick-quick“.
Lebensweise mini|Die Raupen von Hyblaea puera gehören zur Nahrung des Himalajakuckucks
Der Himalajakuckuck sucht seine Nahrung vor allem im Blattwerk von Bäumen und Sträuchern. Deutlich seltener kommt er während der Nahrungssuche auf den Waldboden oder Grasflächen herab. Die Nahrung besteht überwiegend aus Raupen, von denen die meisten stark behaart sind. Während der Nahrungssuche schlägt er häufig heftig mit den Flügeln, um seine Balance zu halten. Er sucht einzelgängerisch oder in kleinen Trupps nach Nahrung. Ist das Nahrungsgebiet jedoch in einem bestimmten Gebiet über längere Zeit sehr groß, dann kann es zur Ansammlung von zahlreichen Kuckucken kommen.
Fortpflanzung Der Himalajakuckuck ist ein obligatorischer Brutparasit, das heißt, er zieht seine Nachkommen nicht selber groß: Das Weibchen legt die Eier in die Nester bestimmter Wirtsarten, wobei eine Präferenz für Laubsänger und Pieper besteht. Die Eier sind lang spindelförmig und haben eine glatte Schale, die leicht glänzt. In ihrer Färbung gleichen sie nach jetzigem Erkenntnisstand dem der Wirtsvögel. Die Brutzeit entspricht der der jeweiligen Brutvogelarten. In Indien legt das Weibchen vor allem im Zeitraum Mai bis Juni ihre Eier ab, in Nepal erstreckt sich die Eiablagephase dagegen von März bis August.
Der frisch geschlüpfte Himalajakuckuck ist zunächst vollständig unbefiedert. Der Nesthocker hat einen rotorangen Rachen und gelblich-Weiße Schnabelwülste. In den ersten Tagen nach dem Schlupf wirft er ähnlich wie die Jungvögel des Kuckucks die Eier und kleinen Jungen der jeweilige Wirtsart aus dem Nest.
Gefährdungssituation Der Bestand gilt als nicht gefährdet (Least Concern).
Literatur E. Blyth: Cuculus saturatus. In: Journal of the Asiatic Society of Bengal. Band 12, Teil 2, Nummer 143, S. 942,1843, Biodiversity Library Bruce Beehler, Thane K. Pratt: Birds of New Guinea. Distribution, Taxonomy, and Systematics. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, 2016, ISBN 978-0-691-16424-3. N. B. Davies: Cuckoos, Cowbirds and Other Cheats. T & AD Poyser, London 2000, ISBN 0-85661-135-2. Q. Phillipps, K. Phillipps: Phillipps’ Field Guide to the Birds of Borneo: Sabah, Sarawak, Brunei, and Kalimantan. 3. Auflage, Princeton University Press, 2014, ISBN 978-0-691-16167-9, S. 158.
Weblinks
Macaulay Library
Einzelnachweise P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF Johannes Erhitzøe, Clive F. Mann, Frederik P. Brammer, Richard A. Fuller: Cuckoos of the World. Christopher Helm, London 2012, S. 470, ISBN 978-0-7136-6034-0. R. B. Payne und G. M. Kirwan: Oriental Cuckoo (Cuculus saturatus). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World Alive, 2015, Lynx Edicions R. B. Payne und G. M. Kirwan: Himalayan Cuckoo (Cuculus saturatus), version 1.0. In: S. M. Billerman, B. K. Keeney, P. G. Rodewald, T. S. Schulenberg (Hrsg.): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA, Cuculus saturatus J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3. AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025 IOC World Bird List 15.2 Turacos, bustards, cuckoos, mesites, sandgrouse
Kategorie:Kuckucksvögel