Erismena (auch L’Erismena) ist eine Oper in einem Prolog und drei Akten von Francesco Cavalli (Musik) mit einem Libretto von Aurelio Aureli. Sie wurde am 30. Dezember 1655 im Teatro Sant’Apollinare in Venedig uraufgeführt.

Handlung

Die Oper spielt in Tauris, der alten Residenz der Meder.

Vorgeschichte

Der medische Prinz Erimante verliebt sich bei einem Besuch in Armenien in Arminda, die Schwester des dortigen Königs Artamene. Sie erwarten ein Kind, doch im letzten Monat der Schwangerschaft stirbt Erimantes Vater, der König von Medien. Erimante wird in seine Heimat zurückberufen, um die Nachfolge anzutreten. Arminda stirbt kurz darauf bei der Geburt. Hofdame Ercinia nimmt das Mädchen, Erismena, zu sich und zieht es auf. Als Erimante vom Tod seiner Geliebten erfährt, schwört er, ihr bis in den Tod treu zu bleiben. Dennoch verliebt er sich später in seine Sklavin Aldimira – in Wirklichkeit die iberische Prinzessin Stella, die zusammen mit ihrer Amme von Piraten entführt und nach Medien verschleppt worden war.

Ercinia stirbt, ohne Erismena von ihrem Vater erzählt zu haben. Erismena verliebt sich in den iberischen Prinzen Idraspe, der auf der Suche nach Abenteuern nach Armenien gekommen war. Er verspricht ihr die Ehe – doch nach einiger Zeit gibt er seinem Drang nach Abenteuern nach und macht sich auf die Reise nach Medien, um die vielgerühmte Schönheit Aldimiras (seiner unerkannten Schwester) in Augenschein zu nehmen. Weil Medien und Iberien verfeindet sind, nimmt er den Namen Erineo an. Er kommt als Mundschenk am Königshof unter und verliebt sich sofort in Aldimira.

Zu dieser Zeit befindet sich der armenische König Artamene auf einem Kriegszug gegen Medien und belagert mit seinem Heer Erimantes Residenz Tauris. Erismena, die Idraspe seinen Verrat nicht verzeihen kann und nach Rache dürstet, erfährt von dessen Aufenthalt in Medien. Sie schließt sich als Mann verkleidet der armenischen Armee an. Prinz Orimeno von Kolchis, ein weiterer Verehrer Aldimiras, kommt Erimante mit seiner Armee zu Hilfe, bezwingt Artamene und tötet ihn im Verlauf der Schlacht.

Kurzfassung

Nach dem Sieg gegen die Armenier träumt König Erimante, dass ihm ein Ritter seine Krone raubt. Orimenos Diener Argippo findet in einem Zelt einen verwundeten armenischen Soldaten (die verkleidete Erismena) und bringt ihn zu seinem Herrn, der ihn wiederum seiner Geliebten Aldimira anvertraut. Diese verliebt sich auf der Stelle in ihn und gibt ihren bisherigen Verehrern Orimeno und Erineo den Laufpass. Erimante, der in dem Soldaten den Ritter aus seinem Traum erkennt, befiehlt Erineo, ihn zu vergiften. Außerdem befiehlt er die Freilassung seiner Sklavin Aldimira, die er heiraten will. Aldimira wünscht sich von ihm die Freilassung des Gefangenen, was Erimante ihr nur zum Schein verspricht.

Als Erineo Erismenas Gemächer betritt, um den Befehl des Königs auszuführen, erkennt diese in ihm ihren treulosen Verlobten Idraspe. Sie fällt in Ohnmacht, ohne das Gift getrunken zu haben. Erimante geht davon aus, dass sie tot ist und verspricht Aldimira zynisch, dass sie den Soldaten heiraten dürfe, wenn sie ihn wecken könne. Das gelingt problemlos, und Erismena stimmt zum Schein der Ehe mit Aldimira zu, da ihr diese im Gegenzug Erineo/Idraspe ausliefern will. Erimante weiß davon allerdings nichts, sondern verkündet kurz darauf, dass er selbst Aldimira heiraten werde. Als diese ihm stattdessen den armenischen Soldaten als Verlobten präsentiert, lässt er sie, den Soldaten und Erineo/Idraspe (der seinen Mordbefehl nicht ausgeführt hat) in den Kerker werfen.

Der König erfährt, dass Orimeno die Gefangenen wieder befreit hat, und befiehlt ihre Verfolgung. Erismena flieht gemeinsam mit Erineo/Idraspe, da sie auf eine Gelegenheit zur Rache an ihm hofft. Die beiden werden jedoch schnell wieder festgenommen. Orimeno wirbt weiterhin um Aldimira, die von ihm verlangt, den armenischen Soldaten erneut zu befreien. Erineos/Idraspes Vertrauter Clerio (ein Moor) befürchtet, dass sein Herr aus Liebeskummer sterben werde und verfasst ein Epitaph, in dem er dessen wahre Identität offenbart. Als er es Aldimira und deren Amme Alcesta vorträgt, erkennt letztere in Idraspe Aldimiras Bruder und enthüllt deren iberische Abstammung. Der König befiehlt unterdessen, dass sich Erineo/Idraspe und der armenische Soldat gegenseitig im Zweikampf töten sollen. Erismena legt ihre Rüstung ab und gibt sich Idraspe zu erkennen. Die beiden versöhnen sich wieder. An einem Medaillon an ihrem Hals erkennt Erimante, dass sie seine eigene Tochter ist. Erismena wird Idraspe heiraten, und Aldimira erhält Orimeno zum Gatten.

Zusätzlich zu diesem Haupthandlungsstrang gibt es einige Verwicklungen der Nebenfiguren. Sowohl Orimenos Diener Argippo als auch Erineos/Idraspes Vertrauter Clerio verlieben sich in die Serail-Dame Flerida, und die alte Amme Alcesta ist immer auf der Suche nach einem Geliebten.

Prolog (1655)

Blühender Garten

Die Allegorien der Redegewandtheit („La Facondia“) und der Absonderlichkeit („La Bizzaria“) wundern sich, dass die Launen („Capricci“) ohne ihre Unterstützung ein Schauspiel veranstalten. Beide halten sich selbst für unverzichtbar. Die Absonderlichkeit glaubt, ohne die Redegewandtheit auskommen zu können. Bevor sie ihren Streit beenden, ist das Schauspiel der Launen auch schon zu Ende.

Erster Akt

Lager der Meder mit Blick auf das besiegte armenische Heer

Szene 1. Am Tag nach der siegreichen Schlacht gegen die Armenier schreckt König Erimante aus dem Schlaf auf. Er hat geträumt, dass ihm ein Ritter seine Krone raube. Sein Hauptmann Diarte reißt ihn aus seinen Gedanken.

Szene 2. Unterdessen findet Argippo, ein Diener Orimenos, in einem Zelt einen verwundeten armenischen Soldaten. Es handelt sich um die verkleidete Erismena, die sich auf der Suche nach ihrem treulosen Geliebten Idraspe befindet.

Szene 3. Da er ihm dieser Soldat in der Schlacht durch seinen Mut aufgefallen war, beschließt Orimeno, ihn nach Medien zurückzubringen (Orimeno: „Faville d’amore“).

Hof des Serails

Szene 4. Die Sklavin Aldimira betrachtet die Porträts ihrer beiden Geliebten, des vermeintlichen Mundschenks Erineo und des Prinzen Orimeno (Aldimira: „O care effigie, o care“).

Szene 5. Ihre Dienerin Flerida erklärt, dass auch sie gerne mehrere Liebhaber hätte. Argippo meldet den beiden Frauen den Sieg Erimantes in der Schlacht und die baldige Freilassung Aldimiras, die der in sie verliebte König versprochen habe. Er nutzt die Gelegenheit, um Flerida den Hof zu machen.

Szene 6. Die alte Amme Alcesta kommt hinzu. Sie gibt ihrem Zorn über zwei junge Edelleute Ausdruck, die sie verspottet haben.

Szene 7. Orimeno versichert Aldimira seine Liebe und bittet sie, sich um den verwundeten Soldaten zu kümmern, da er zum König zurückkehren müsse.

Szene 8. Schon beim ersten Blick auf den Soldaten verliebt sich Aldimira in ihn und vergisst ihre anderen Verehrer. Alcesta und Flerida ermutigen sie in ihrer Flatterhaftigkeit.

Szene 9. Die Amme bedauert, dass sich aufgrund ihres Alters niemand mehr in sie verliebt (Alcesta: „Maledetto sia del tempo“).

Szene 10. Unterdessen teilt Erineo/Idraspe seinem Vertrauten, dem Mohren Clerio, mit, dass er wegen Aldimira seine Rückkehr nach Iberien aufschieben wolle. Clerio dagegen drängt zum Aufbruch. Er erinnert Idraspe an die Armenierin, deren Liebe er verschmäht habe.

Szene 11. Clerio bemitleidet die Frauen, die auf treulose Verführer hereinfallen.

Szene 12. Erismena dagegen hofft auf eine Wendung des Schicksals.

Szene 13. Sie vertraut Orimeno an, dass sie wegen eines unbeständigen Herzens leide. Der Prinz macht ihr Mut.

Serail

Szene 14.Fehlt in der Aufführung von Aix-en-provence. Erimante fordert Alcesta auf, Aldimira zu ihm zu führen. Alcesta kommentiert die offensichtlichen Gefühle des Königs für seine Sklavin.

Szene 15. Argippo meldet Erimante die Ankunft seines Generals Oriste.

Szene 16. Oriste erweist dem König seine Reverenz.

Szene 17. Orimeno führt den armenischen Gefangenen (Erismena) herein und bittet Erimante zugleich um Gnade für ihn.

Szene 18. Der König erschrickt, da er in dem Gefangenen den Ritter aus seinem Traum erkennt.

Szene 19. Erimante befiehlt dem entsetzten Erineo, den Gefangenen zu vergiften.

Szene 20. Als Aldimira mit Alcesta hereinkommt, befiehlt der König, sie freizulassen, damit er sie heiraten und zur Königin machen könne.

Szene 21. Erimante verspricht Aldimira, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Aldimira bittet um die Freilassung des mysteriösen Gefangenen. Erimante erkennt, dass sie diesen liebt. Dennoch schwört er, dass er ihn ihr übergeben werde. Aldimira jubelt – sie weiß nicht, dass Erimante ihr nur seine Leiche überlassen will.

Hier entfernen die Gefangenen die Ketten von ihren Füßen, verflechten dieselben und tanzen vor Freude über ihre wiedergewonnene Freiheit.

Zweiter Akt

Gemächer Erimantes

Szene 1. Erismenas Gefühle schwanken zwischen Verzweiflung und Hoffnung (Erismena: „O fiere tempeste“ – „Speranze, voi che siete avvezze a lusingar“).

Szene 2. Flerida erzählt dem gefangenen Soldaten (Erismena), dass Aldimira ihre anderen Verehrer aus Liebe zu ihm aufgegeben habe. Sie überreicht ihm die Bilder seiner beiden Rivalen, die Aldimira ihr zu diesem Zweck mitgegeben hat.

Szene 3. Erismena hat Mitleid mit der getäuschten Aldimira, deren Gefühle sie nicht erwidern kann (Erismena: „Sventurata Aldimira“). Dann fällt ihr Blick auf die Bilder. Sie erkennt auf einem davon ihren treulosen Verlobten Idraspe und lässt ihrem Zorn freien Lauf.

Szene 4. In diesem Moment tritt Erineo ein, um den Gefangenen zu vergiften. Erismena erkennt in ihm ihren treulosen Geliebten Idraspe und fällt in Ohnmacht, bevor sie das Gift trinken kann.

Szene 5. Erimante erscheint, glaubt, dass der Soldat tot ist, und beauftragt Erineo/Idraspe, Aldimira zu holen. Erineo erhält keine Gelegenheit, ihm die Situation zu erklären. Der König wundert sich über ein merkwürdiges Gefühl des Mitleids, das sich bei ihm einstellt.

Szene 6. Als Aldimira eintritt, gewinnt Erimante schnell die Fassung wieder. Er verspricht ihr zynisch, dass sie den unbekannten Soldaten heiraten dürfe, falls es ihr gelinge, ihn aufzuwecken. Dann verlässt er das Zimmer.

Szene 7. Aldimira weckt den Soldaten auf (Aldimira: „Vaghe stelle“). Bevor Erismena vollständig das Bewusstsein wiedererlangt, verflucht sie den grausamen Idraspe und nennt dabei auch ihren eigenen Namen. Als Aldimira sie nach ihrer Identität und den genannten Personen fragt, gibt sich Erismena als ihr eigener Bruder aus und behauptet, Idraspe zu verfolgen, der seine Schwester verführt und verlassen habe und hier unter dem Namen Erineo lebe. Aldimira verspricht, ihm diesen auszuliefern, falls er zustimme, sie zu heiraten. Erismena akzeptiert zum Schein, und die Szene endet mit einem Liebesduett.

Szene 8. Orimeno, der die Unterhaltung zusammen mit Argippo angehört hat, will Aldimira aufgeben. Doch er ist sich nicht sicher, ob seine Entschlusskraft dazu ausreicht.

Szene 9. Argippo kommentiert die Leiden der unglücklich Verliebten und die Unbeständigkeit der Frauen.

Szene 10. Flerida ist entschlossen, dem Werben Argippos nicht nachzugeben (Flerida: „Vaghi Adoni“). Doch als sie bemerkt, dass dieser zugehört hat, ändert sie ihre Meinung und gesteht ihm ihre Liebe.

Hof des Königspalasts

Szene 11. Erineo/Idraspe wirft Aldimira vor, dass sie ihn nicht mehr liebe, sondern sich einen anderen Verehrer zugelegt habe. Er droht mit Selbstmord, doch sie geht nicht darauf ein.

Szene 12. Clerio wirft Alcesta vor, unter seinen Leuten nach Liebhabern Ausschau zu halten. Alcesta prahlt mit den Vorzügen ihres hohen Alters (Alcesta: „Vecchiarella, che d’amore“). Clerio entgegnet, dass eine Frau mit weißen Haaren nicht mehr selbst spielen, sondern stattdessen anderen beim Spiel helfen solle.