Maria und Natalia Petschatnikov (* 1973 in Leningrad) sind bildende Künstlerinnen und Zwillingsschwestern, die gemeinsam als Künstlerduo arbeiten.

Leben Sie wuchsen als Töchter einer Kindertheaterdirektorin und eines Filmproduzenten in Leningrad auf. Die Sommerferien verbrachten sie meist im litauischen Pobaltis. Zeichnen und Malen lernten sie von 1978 bis 1984 in der Museumskunstschule für Kinder der Eremitage. Von 1990 bis 1991 besuchten sie Zeichenklassen an der dortigen Russischen Kunstakademie.

1991 verbrachten sie im Rahmen eines Studentenaustauschprogramms zwei Wochen am Rhode Island College (RIC) in Providence, an das sie 1992 von Russland zum Studium der Malerei wechselten. Durch das Nationale Studentenaustauschprogramm des RIC, das bis zu einem akademischen Studienjahr an einem College oder einer Universität in einem anderen Teil der USA ermöglicht, verbrachten sie ein Jahr in New York und studierten am Hunter College of The City University of New York. Im Jahr 1996 erhielten sie ihren Bachelor-of-Fine-Arts-Abschluss (BA) vom RIC. Ihr Graduiertenstudium der Malerei absolvierten sie von 1996 bis 1999 ebenfalls am Hunter College mit dem Abschluss Master of Fine Arts (MFA). Als Doktorandinnen nahmen sie während dieser Zeit 1998 an einem Austauschprogramm an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris teil, und absolvierten ein Praktikum am Metropolitan Museum of Art in New York.

1999 ließen sie sich in Hamburg nieder. Seit 2009/2010 leben und arbeiten sie in Berlin, haben aber bedingt durch ihre Teilnahme an zahlreichen Artist-in-Residence-Programmen zeitweise in weiteren europäischen Ländern gelebt, wie 2000/2001 in Frankreich, 2002 und 2005 in Spanien, 2004 in Irland, 2004 und 2008 in Norwegen, 2006 in Finnland und 2008 in Schottland.

2009 wurden sie mit dem Alexander Reznikov Award der Alexander Reznikov Collection ausgezeichnet.

Werk Zahlreiche ihrer Arbeiten entstanden nach Reisen oder bereits während der Aufenthalte im In- und Ausland im Zuge der Residence-Programme. Diese Reiseerfahrungen betrachten die Schwestern Petschatnikov für die Entwicklung ihrer Arbeit als grundlegend, da sie mit dem Blick von außen Besonderheiten der neuen Umgebung erfassen: „Unsere Kunst nimmt den Standpunkt eines Reisenden oder Außenseiters ein. Wenn wir die Perspektive eines Außenstehenden einnehmen, bemerken wir jene Dinge in der Umgebung, die für Insider oder Einheimische nicht mehr sichtbar sind“. Die Perspektive eines Fremden in fremden Ländern wurde ein wiederkehrendes Thema in ihren Kunstwerken.

Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Malerei, Plastik und Rauminstallation. Sie führen alle künstlerischen Projekte von der Planung bis zur Ausführung gemeinsam durch. Zuerst fertigen sie Fotografien an, die sie später als Skulptur oder Gemälde umsetzen. „In der Tradition des Realismus des 19. Jahrhunderts malen und zeichnen sie alltägliche Dinge und Situationen und bilden aus den verschiedensten Materialien dreidimensionale Objekte, die sie zu einer Gesamtinstallation verbinden, die die Unterscheidung von Malerei und Objekt durch zahlreiche Trompe l‘œil-Effekte verwischt“. „Einzelne Malereien können jedoch auch in die Gesamtinstallation integriert werden und verweisen so auf die Malerei als künstlerischen Ansatzpunkt. Dieser Bezug auf die Malerei unterscheidet sie von den meisten Installationen anderer Künstler“.

Wiederkehrendes Thema ihrer Werke sind die Reproduzierbarkeit, Kommunikation und die Urbanität, das heißt der städtische Raum mit seinen Facetten von Kultur, Freizeit und Arbeit. So finden sich Orte und Gegenstände wie U-Bahnen, Museen, Flohmärkte, Computer und Kontore verfremdet oder in neuem Zusammenhang in ihren Installationen wieder.

Ausstellungen (Auswahl) 2022: Wyschywanka. Installation mit Arbeiten von 19 ukrainischen Künstlerinnen, Parlament der Bäume und Stiftung Berliner Mauer, Berlin 2019: Pobaltis. Animierter Dokumentarfilm und Installation, Litauisches Museum für Theater, Musik und Film, Vilnius 2019: Aufbrechen. Gruppenausstellung, Barlach Halle K, Hamburg 2017: 1000 Krähen. Ortsspezifische Installation aus 1000 Krähen auf dem abgeernteten Roggenfeld an der Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße, Stiftung Berliner Mauer, Berlin 2017: Das geheime Leben der Dinge. Museum Villa Rot, Burgrieden-Rot, Gruppenausstellung 2017: Gruppendynamik. Ortsspezifische Installationen, Bilder, Objekte, Stern-Wywiol Galerie, Hamburg, Einzelausstellung 2017: Creatures. Ortsspezifische Installation, Ruine der Klosterkirche, Berlin 2016: Collecting the City. Installation, Tempelhof-Museum, Alt-Mariendorf, Berlin, Einzelausstellung 2016: Collecting the City. Bode-Museum, Berlin 2015: Berlin & Berlin. Installation, Goethe-Institut St. Petersburg, Einzelausstellung 2015: A Guide to Berlin. Goethe-Institut Straßburg, Einzelausstellung 2015: 200 Ölbilder für den Kunstautomat. Jüdisches Museum Berlin 2014: 200 Spatzenreliefs für den Kunstautomat. Jüdisches Museum Berlin 2014: A Guide to Berlin. Installation, Universität Straßburg, Einzelausstellung 2014: Dogs. Installation in der Galerie Weisser Elefant, Berlin, im Rahmen der Reihe HEIM_SPIEL des Frauenmuseums Berlin. Die Hunde wurden auf Berliner Straßen fotografiert, anschließend gemalt und dann im Maßstab 1:1 zu Plastiken modelliert. Gruppenausstellung 2014: Fliegende Gärten. Künstlerhaus Sootbörn, Hamburg, Gruppenausstellung 2014: Birds. Die lebensgroßen Vögel repräsentieren die drei in den Städten am häufigsten vorkommenden Arten Krähen, Tauben und Spatzen. Flughafen Berlin-Tempelhof, Berlin, Kunst im öffentlichen Raum 2011: Dreißig Silberlinge. Sammlung Haupt, Halle am Wasser, Berlin, Gruppenausstellung 2009: Get connected. Alexander Reznikov Award Gewinner Ausstellung, Künstlerhaus Wien 2008: km 500. Kunsthalle Mainz, Gruppenausstellung 2007: Wellness. Installation, Künstlerhaus Schloss Balmoral, Bad Ems, Einzelausstellung 2006: Mice and More. Installation, Kulturbahnhof Hamburg-Harburg, Hamburg 2005: Public (Private) Property. Installation, Künstlerhaus Sootbörn, Hamburg, Einzelausstellung 2004: Formal Garden. Process Room des Irish Museum of Modern Art, Dublin, Einzelausstellung 2003: Abbruch/Aufbruch Speicherstadt, Hamburg, Ausstellung zum Architektursommer, Gruppenausstellung 2002: Sinnspiel-Spielsinn. KX. Kunst auf Kampnagel, Hamburg 2000: Growing Painting. Ortsspezifische Installation, Zeisehallen, Hamburg 1999: Zabriskie Gallery, New York, Gruppenausstellung 1998: Paris Paintings. Mikhailovsky Palace, Russisches Museum, St. Petersburg 1997: Paintings and Prints. Metropolitan Museum of Art, New York, Gruppenausstellung

Stipendien (Auswahl) 2017: Produktionsstipendium der Stiftung Zurückgeben, Berlin (Stiftung, die Projekte von Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen jüdischer Herkunft oder jüdischen Glaubens, die in Deutschland leben, fördert), für ihren animierten Dokumentarfilm Pobaltis, der unter Verwendung alter Familienaufnahmen und animierter Aquarelle eine Reise an den Ferienort der Künstlerinnen in ihrer Kindheit im litauischen Pobaltis dokumentiert. 2012: Stiftung Kunstfonds, Bonn, Arbeitsstipendium 2009: Berufsverband Bildender Künstler*innen Berlin, Studiostipendium des Berliner Senats, achtjähriges Atelierstipendium 2008: Nordic Artists' Centre, Dale, Norwegen, Artist-in-Residence-Programm 2008: Scottish Sculpture Workshop, Lumsden, Schottland, Artist in Residence-Programm 2007: Künstlerhaus Schloss Balmoral, Bad Ems, Artist in Residence-Programm 2006: Atelje Stundars, Vaasa, Finnland, Artist in Residence-Programm 2005: Can Serrat International Art Center, Barcelona, Spanien, Internationales Residenzprogramm 2004: Nordic Artists' Centre, Dale, Norwegen, Artist in Residence-Programm 2004: Irish Museum of Modern Art, Dublin, Irland, Artist in Residence-Programm 2003: Atelierstipendium des Vereins Künstler zu Gast in Harburg, Hamburg 2002: Fundaciòn Valparaiso, Mojacar, Spanien, Artist in Residence-Programm 2002: Hamburgische Kulturstiftung, Robert Bosch Stiftung, Hamburg, Sinnspiel-Spielsinn Ausstellung 2002: Interkulturelle Projekte, Behörde für Kultur und Medien, Hamburg, Die Brücke, Public Art Project 2001: Hamburgische Kulturstiftung, Hamburg, Interkulturelles Festival Eigenarten 2000/2001: Ateliers d'Artistes de la Ville de Marseille, Frankreich, Artist in Residence-Stipendium 1998: Hunter College of the City University of New York, New York, Studienaustauschprogramm 1998: Memorial Foundation for Preservation of Jewish Culture, New York, Fellowship Grant. Projekt: Family Portraits

Weblinks Website der Künstlerinnen

Einzelnachweise Gita Brown: . In: Rhode Island College Alumni Magazine, Winter 2013/2014, S. 28–29. Abgerufen am 25. November 2017 C15 Sammlung Ulla und Heinz Lohmann: Maria und Natalia Petschatnikov. Abgerufen am 24. November 2017 Gunda Bartels: Stadt als Puzzle. In: Der Tagesspiegel vom 30. Juni 2016. Abgerufen am 24. November 2017 Stiftung Zurückgeben: Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst & Wissenschaft. Abgerufen am 24. November 2017 Online-Magazin für Frauen Aviva: Die Stiftung ZURÜCKGEBEN fördert Jüdisches Leben in Deutschland – im Jahr 2017 erhalten fünf jüdische Frauen aus Kunst und Wissenschaft ein Stipendium vom 5. Juli 2017. Abgerufen am 24. November 2017 Corinna Danielst: Doppelt hält gut - Maria und Natalia Petschatnikov. In: Die Welt vom 14. Juli 2006. Abgerufen am 25. November 2017 Ruine der Franziskaner Klosterkirche, Amt für Weiterbildung und Kultur Fachbereich Kunst und Kultur: . Faltblatt zur Ausstellung. Abgerufen am 24. November 2017 artmagazine: Die PreisträgerInnen des Alexander Reznikov Award 2008. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: 4 Euro. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Spatzen. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Berliner Krähen. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Gruppendynamik. Abgerufen am 25. November 2017 Prof. Heinz Lohmann: Das Undenkbare denken. Einführende Gedanken zur Ausstellung „Gruppendynamik“ in der STERNWYWIOL GALERIE in Hamburg. In: Website Maria und Natalia Petschatnikov. Abgerufen am 25. November 2017 Dr. Kathrin Reeckmann und Christina Dickel M.A.: Pressetext zur Ausstellung in der Stern Wywiol Galerie, Hamburg. In: Website Maria und Natalia Petschatnikov. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Creatures. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Collecting the City. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: A Guide to Berlin. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Birds. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Mice & More. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Dogs. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Private Property. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Bode Museum. Abgerufen am 25. November 2017 Website Maria und Natalia Petschatnikov: Berlin & Berlin. Abgerufen am 25. November 2017

Kategorie:Installationskünstler (Deutschland) Kategorie:Künstlerduo (Bildende Kunst)