mini|hochkant|Bischofswappen von Daniele Libanori Daniele Libanori SJ (* 27. Mai 1953 in Ostellato, Provinz Ferrara) ist ein italienischer römisch-katholischer Ordensgeistlicher, Titularbischof von Buruni und Kurienbischof. Von 2018 bis 2024 war er Weihbischof im Bistum Rom, seit 2019 zuständig für den Sektor Zentrum sowie für Klerus und Priesterseminare; seit dem 6. April 2024 ist er Assessor des Papstes für das geweihte Leben. Als kirchlicher Untersuchungsbeauftragter und Kommissar leitete er die kommissarische Verwaltung mehrerer Ordensgemeinschaften. Internationale Aufmerksamkeit erhielt er im Dezember 2022, als er die Missbrauchsvorwürfe gegen den slowenischen Jesuiten Marko Ivan Rupnik für glaubwürdig erklärte; der damit offen ausgebrochene Gegensatz zum Kardinalvikar Angelo De Donatis gilt in der Berichterstattung als Hintergrund der Umbesetzung der Bistumsleitung von Rom im April 2024.

Leben Herkunft, Ausbildung und Jahre als Diözesanpriester Daniele Libanori wurde 1953 in Ostellato in der Provinz Ferrara geboren, das zum Erzbistum Ferrara-Comacchio gehört, und trat 1964 in das Erzbischöfliche Seminar von Ferrara ein. Am 11. Juni 1977 empfing er das Sakrament der Priesterweihe für das Erzbistum Ferrara-Comacchio.

Als Diözesanpriester war Libanori von 1977 bis 1983 Kaplan der Pfarrei Vigarano Mainarda und anschließend bis 1991 Pfarrer der Pfarrei Madonna dei Boschi sowie Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars von Ferrara.Die Datierung der Ferrareser Jahre weicht in den offiziellen Quellen voneinander ab. Das Bulletin des Presseamts des Heiligen Stuhls vom 23. November 2017 nennt 1977 bis 1983 als Kaplan in Vigarano Mainarda und 1983 bis 1991 als Pfarrer von Madonna dei Boschi und Regens des Seminars; die Biografie auf den Seiten des Bistums Rom nennt 1977 bis 1979 als Kaplan, 1979 bis 1983 als Pfarrer und 1982 bis 1991 als Regens. Hier folgt die Darstellung dem Bulletin. Er erwarb das Lizenziat in Theologie der Evangelisierung am Theologischen Studium Bologna und wurde an der Päpstlichen Theologischen Fakultät Süditaliens, Sektion San Luigi, in Neapel im Fach Theologie des christlichen Lebens promoviert.

Jesuit und Rektor römischer Kirchen Am 26. Dezember 1991 wurde Libanori in den Jesuitenorden aufgenommen. Von 1993 bis 1997 war er in der Hochschulseelsorge in L’Aquila am Collegio Universitario d’Abruzzo und an der Universitätskapelle tätig, anschließend ein Jahr in der Ordenskommunität von Posillipo in Neapel. Von 1998 bis 2003 wirkte er in der Seelsorge an der Universitätskapelle der Universität La Sapienza in Rom. Am 18. Oktober 2002 legte er die letzten Gelübde der Gesellschaft Jesu ab.

Von 2003 bis 2008 war Libanori Vizerektor und von 2008 bis 2016 Rektor der römischen Jesuitenkirche Il Gesù. Anschließend leitete er die nationale Direktion des Gebetsapostolats. Im September 2017 wurde er Rektor der Kirche San Giuseppe dei Falegnami am Forum Romanum und Mitarbeiter des diözesanen Büros für die Fortbildung des Klerus. Bei seiner Ernennung zum Bischof wies die Zeitschrift Formiche darauf hin, dass Libanori in Rom als Exorzist bekannt sei.

Am 30. August 2018 stürzte die vergoldete Kassettendecke von San Giuseppe dei Falegnami ein. Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt geschlossen; Personen kamen nicht zu Schaden. Das Technische Büro des Vikariats von Rom bezeichnete den Einsturz als plötzlich und ohne vorausgehende Anzeichen. Die Staatsanwaltschaft Rom ermittelte wegen fahrlässig verursachten Einsturzes (crollo colposo) gegen den Inhaber und den Bauleiter des Unternehmens, das 2015 Restaurierungsarbeiten am Dach ausgeführt hatte.

Weihbischof in Rom Am 23. November 2017 ernannte ihn Papst Franziskus zum Titularbischof von Buruni und zum Weihbischof in Rom. Der Generalvikar des Bistums Rom, Erzbischof Angelo De Donatis, spendete ihm und dem gleichzeitig ernannten Weihbischof Paolo Ricciardi am 13. Januar 2018 in der Lateranbasilika die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren Gianrico Ruzza, Weihbischof in Rom, und Andrea Turazzi, Bischof von San Marino-Montefeltro.

Am 14. April 2018 ernannte ihn Papst Franziskus zum Mitglied der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Am 24. Mai 2019 übernahm Libanori als Nachfolger von Gianrico Ruzza die Leitung des Sektors Zentrum des Bistums Rom und zugleich die diözesane Zuständigkeit für den Klerus und die Priesterseminare.

Am 12. März 2020 ordnete Kardinalvikar De Donatis wegen der COVID-19-Pandemie die Schließung aller römischen Kirchen an und nahm die Anordnung einen Tag später auf Wunsch von Papst Franziskus weitgehend zurück. Libanori wandte sich am 19. März 2020 mit einem Brief an die Priester seines Sektors, den die Zeitschrift La Civiltà Cattolica unter dem Titel La fede al tempo di Covid-19 veröffentlichte. Darin rief er zu einer Beurteilung ohne emotionale Reaktionen auf und hielt fest, es stehe nicht der Kirche, sondern dem Staat zu, in Fragen der öffentlichen Gesundheit Regelungen zu treffen; in einer Notlage müssten Glaube und Frömmigkeit neue Wege finden.

Kommissarische Aufgaben in Ordensgemeinschaften Fraternità Sacerdotale Familia Christi Nach einer kanonischen Visitation vom 20. bis 22. Februar 2018 bestellte der Präsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, Kardinal Luis Ladaria, Libanori am 1. Dezember 2018 zum bevollmächtigten Kommissar der Fraternità Sacerdotale Familia Christi. Die Gemeinschaft im Erzbistum Ferrara-Comacchio war 2014 von Erzbischof Luigi Negri als Vereinigung von Gläubigen errichtet und 2016 zur Gesellschaft apostolischen Lebens erhoben worden; Anlass der Untersuchung waren Spannungen mit dem Erzbistum, ihre Bindung an die überlieferte Form der Messe und Fragen der Priesterausbildung.

Am 20. Juni 2019 verfügte Libanori als Kommissar die Schließung von Studienhaus und Noviziat der Gemeinschaft mit Wirkung zum 1. Juli 2019. Ein Dekret der Kongregation für die Glaubenslehre vom 13. Dezember 2019, das Papst Franziskus am 6. Februar 2020 in forma specifica bestätigte, hob die Fraternität auf.

Loyola-Gemeinschaft Seit 2020 war Libanori außerordentlicher Kommissar der slowenischen Loyola-Gemeinschaft, einer Frauengemeinschaft, die Marko Ivan Rupnik mitbegründet hatte. Anlass der Untersuchung waren zunächst Beschwerden über Machtmissbrauch innerhalb der Gemeinschaft. Im Verlauf der Einzelgespräche mit den Schwestern kamen Vorwürfe sexuellen und geistlichen Missbrauchs gegen Rupnik zur Sprache; mindestens neun Frauen erstatteten Anzeige, und Libanori leitete die Aussagen, die er als glaubwürdig bewertete, an den Vatikan weiter.

Die Ergebnisse übermittelte Libanori im September 2022 an das zuständige Ordensdikasterium. Mit Dekret vom 20. Oktober 2023 ordnete das Dikasterium für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens die Auflösung der Loyola-Gemeinschaft binnen eines Jahres an und begründete dies mit schweren Problemen in der Ausübung der Autorität und im gemeinsamen Leben.

Pro Deo et fratribus – Familie Mariens Mit Dekret des Dikasteriums für den Klerus vom 5. Juni 2022, das Papst Franziskus in forma specifica billigte, wurde die Leitung der Vereinigung Pro Deo et fratribus – Familie Mariens und des Werkes Jesu des Hohepriesters einem päpstlichen Kommissar in der Person Libanoris übertragen. Kokommissarin wurde Schwester Katarína Krištofová. Aufgabe des Kommissars war es, die Leitung der Gemeinschaft wahrzunehmen, bis die Voraussetzungen für die Wiederherstellung der ordentlichen Leitung geschaffen seien.

Fall Rupnik und Konflikt im Vikariat von Rom Im Dezember 2022 wurde öffentlich bekannt, dass Rupnik 2020 vorübergehend exkommuniziert worden war. Wenige Tage darauf schrieb Libanori einen Brief an Priester, der der Associated Press vorlag und in dem er erklärte, die Schilderungen der betroffenen Frauen seien wahr; diese hätten „ihr Leben durch das erlittene Übel und durch das mitschuldige Schweigen“ zerstört gesehen. Im Februar 2023 forderte er in einem Interview mit der Tageszeitung La Croix, die Betroffenen müssten von den kirchlichen Autoritäten gehört werden.

Damit stellte sich Libanori gegen die Linie der Leitung des Vikariats von Rom. Kardinalvikar De Donatis hatte zuvor erklärt, das Vikariat habe erst kurz zuvor von den Vorwürfen erfahren, und das von Rupnik mitgeprägte Centro Aletti in Schutz genommen. Nach Darstellung der Katholischen Nachrichten-Agentur verteidigte Libanori die Betroffenen und protestierte gegen seinen Vorgesetzten; der Vorgang legte die Spannungen in der Bistumsleitung offen. Italienische Medien datierten die Spannungen zwischen Libanori und De Donatis bis in die Zeit der Pandemie zurück.

Assessor des Papstes für das geweihte Leben Am 6. April 2024 ernannte Papst Franziskus Libanori zu seinem Assessor für das geweihte Leben; gleichzeitig wurde De Donatis zum Kardinalgroßpönitentiar der Apostolischen Pönitentiarie ernannt. Mit der Ernennung endete seine Tätigkeit als Weihbischof im Bistum Rom. Die zeitgleiche Umbesetzung wurde in der kirchlichen und säkularen Presse überwiegend als Reaktion auf den Konflikt an der Spitze des Vikariats gedeutet; die Katholische Nachrichten-Agentur bezeichnete den neu geschaffenen Posten als Stelle mit unklarem Aufgabenbereich und hielt es für möglich, dass der durchsetzungsstarke Libanori dem Papst „zu viel des Aufhebens um einen Fall“ gemacht habe. Mehrere italienische Medien beschrieben den Vorgang mit der Formel promoveatur ut amoveatur („er möge befördert werden, um entfernt zu werden“).

Ein Nachfolger für den Sektor Zentrum wurde nicht ernannt; das Vikariat bestellte Francesco Pesce zum Koordinator des Sektors. Mit dem Motu proprio La vera bellezza vom 1. Oktober 2024 hob Papst Franziskus den Sektor Zentrum auf und gliederte das Bistum Rom in vier Sektoren.

Weblinks

Padre Libanori vescovo ausiliare per Roma centro. Biografische Angaben der euro-mediterranen Provinz der Jesuiten (italienisch)

Anmerkungen

Einzelnachweise

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