mini|Gravelbike Urban Gravel X20 mini|Gravelbike von Cannondale mit Alurahmen und Carbongabel einmal mit Grundausstattung und das identische Rad mit Vollausstattung; die Geometrie mit dem flachen und breiten Oberrohr ist von einem Cyclocross-Rad des Herstellers übernommen. mini|Gravelbike mit typischer Bikepacking-Ausrüstung wie Rahmentasche, Lenkerrolle und Satteltasche Ein Gravelbike (deutsch etwa „Schotter-Rad“) ist ein geländegängiges Fahrrad. Es stammt von den weniger alltagstauglichen Cyclocross-Rädern ab und wird auch Querfeldeinrad oder Crossrad genannt. Inzwischen werden etwas breitere Reifen (28 Zoll, Breite ca. 35–47 Millimeter) benutzt, früher waren die größeren Schlauchreifen mit 27 Zoll und Breiten bis 35 Millimeter üblich.

Üblicherweise werden die Räder ohne Straßenverkehrszulassung, insbesondere ohne Licht sowie Schutzbleche und auch ohne Gepäckträger verkauft; diese Komponenten sind aber in der Regel nachrüstbar.

Geschichte Ab ca. 2015 brachten verschiedene Hersteller Räder unter der Bezeichnung „Gravelbike“ auf den Markt. Unter dem Namen Querfeldeinrad oder Crossrad sind solche Fahrräder seit den frühen 1960er Jahren in Europa verbreitet. Der Internationale Radsportverband UCI trug ab 2022 die erste Gravel-Weltmeisterschaft aus.

Konzept Gravelbikes wurden in den USA und dem Vereinigten Königreich teilweise unter dem Namen „Adventure Bikes“ („Abenteuerfahrräder“) beworben. Ziel der Entwicklung war es, ein Fahrrad zu bauen, mit dem neben normalen Straßen auch unbefestigte Wege befahren werden können. Ein Gravelbike im engeren Sinne ist ein Fahrrad für komfortables wie auch schnelles Fahren auf Kies und Schotter.

Inzwischen wird der Begriff üblicherweise nur für Fahrräder verwendet, die von Renn- und Cyclocross-Rädern abstammen und im Vergleich zu Mountainbikes nur leicht abfallende Oberrohre haben. Die Schaltgruppen entsprechen denen von Rennrädern bzw. basieren auf ihnen und haben entsprechend nur ein oder zwei Kettenblätter, jedoch bis zu 13-fache Übersetzung hinten – während bei Trekkingrädern noch immer drei Kettenblätter vorne und zehn oder weniger Zahnkränze hinten gängig sind.

Die Rahmen sind üblicherweise aus Aluminium und in höheren Preisregionen aus dem leichteren und flexibleren Carbon gefertigt, seltener aus Stahl oder Titan. Die Gabeln sowie die Sattelstützen sind meistens ungefedert, um Gewicht zu sparen, und aus Aluminium oder Carbon.

Einige weitere Merkmale für ein Gravelbike führt die Online-Publikation Rennrad News auf (hier um einige Punkte erweitert): Scheibenbremsen (hydraulisch/teilhydraulisch betätigt) mit 160 mm Durchmesser 28-Zoll-Räder. Meist für Reifen bis zu 47 mm ohne Schutzbleche Oft kommen schlauchlose Radkonstruktionen (tubeless) zum Einsatz Eine eher aufrechte Sitzposition (kleiner 90° Oberarme zum Oberkörper), um auf langen Strecken die Hände zu entlasten Ein tiefer sitzendes Tretlager Längerer Radstand als Cyclocross-Räder Mehr Nachlauf an der Gabel als bei Rennrädern, damit besserer Geradeauslauf Ösen an Rahmen und Gabel, um Schutzbleche, Taschen und bei einigen Modellen auch Gepäckträger anbringen zu können.

Schaltung Um dem neuen Marktsegment gerecht zu werden, brachte der Hersteller Shimano eine eigens für Gravelbikes entwickelte Gruppe auf den Markt, die Shimano GRX, ebenso Campagnolo die 1 × 13-Gruppe EKAR, sowie der Hersteller SRAM die Gruppe XPLR mit zugehöriger 30 mm Federgabel.

Die 12- und 13-fach-Gruppen sind, anders als die 11-fachen, überwiegend für den Betrieb ohne Umwerfer konzipiert. Speziell bei den bei allen drei großen Herstellern erhältlichen 12-fach-Gruppen klafft eine Lücke zwischen den für 2 × 12 konzipierten Rennradkassetten bis 11-36 und den extrem gespreizten MTB- und Gravelübersetzungen, die bei Shimano mit 10-45 beginnen und mit 10-51 enden, bei SRAM 10-44 bis 10-52. Die 13-fach-Gravel-Gruppe Campagnolo Ekar bietet mit 9-36, 9-42 und 10-44 ebenfalls nur Spreizungen ab 400 % an, deren längster Gang mit bei 2-fach üblichen großen Kettenblättern (46 oder 48 Zähne) extrem lang wäre.

Bei 10- und 11-fachen Schaltwerken sind demgegenüber auch Randonneur-Übersetzungen mit zwei Kettenblättern und z. B. 11-42 möglich, die jedoch serienmäßig nicht angeboten werden.

Obgleich oft die „Alltagstauglichkeit“ von Gravelbikes hervorgehoben wird, werden die meisten Bikes quasi „nackt“, wie auch Rennräder, verkauft und beworben. Räder mit Vollausstattung mit Gepäckträger, Schutzblechen und z. B. Nabendynamo bilden nur einen kleineren Marktanteil durch Bikes von den großen Markt ansteuernden Herstellern wie Stevens oder Diamant/Trek.

Geometrie Der für den Geradeauslauf sehr entscheidende Nachlauf ist im Vergleich zum Rennrad allein deshalb größer, weil breitere und damit auch höhere Reifen aufgezogen werden, was den Raddurchmesser (und damit den Radumfang) erhöht. Die wichtigsten Kenngrößen einer Bikegeometrie, die (in der Regel) nicht mit der Rahmengröße variieren, sind Kettenstrebenlänge (Pedalachse bis Hinterradachse) sowie Lenk- und Sitzwinkel.Endlich GRAVEL BIKE GEOMETRIE verstehen, Interview mit dem Fahrradentwickler und -konstrukteur (Titan, Stahl, Karbon) Andreas Kirschner auf „Felix testet Bikes“, Youtube Von denen der Lenkwinkel auch den Nachlauf beeinflusst.

Ein „reinrassiges“ Rennrad hat üblicherweise eine Kettenstrebenlänge von etwa 408 mm, ein Endurance-Rennrad von um 415 mm, ein Cyclocrossrad von etwa 422 mm und ein „allgemeines“ Gravelbike von z. B. 430 oder 435 mm.Diese Werte sind exemplarisch vom Hersteller Cannondale für den Racer CAAD13 (408), das Einsteigerrennrad CAAD Optimo und das Endurancerad Synapse Carbon (415), die Crosser SuperSix/SuperX und CAADX (422) und das Gravelbike Top Stone (435). Die entsprechenden Werte der Hersteller Stevens und Rose sind sehr ähnlich. Bei manchen Herstellern gibt es auch zwei verschiedene Kettenstrebenlängen für entweder größere oder aber kleinere Rahmen oder sogar noch mehr Längen je nach Größe.Beim Hersteller Canyon variieren die Kettenstrebenlängen je nach Größe beim Racer Ultimate und beim Endurancerad CF zwischen 405 und 415 mm, beim Gravelrad Grizl haben kleinere Rahmen 420 und größere 435, beim Gravelrad Grail haben kleinere Rahmen 425 und größere 440. Dies bedingt die maximal mögliche Reifenbreite von z. B. 28 bis 30 mm beim reinen Racer, 32 bis 35 mm beim Endurance, 37 bis 40 mm beim Cyclocrosser und 45 bis 47 mm beim komfortableren Gravelbike.

Lenk- und Sitzwinkel liegen bei Rennrädern in der Regel beide um 73°, beim Crosser und beim Gravelbike wird der Lenkwinkel oft um z. B. 1–2° flacher, um die entsprechende Reifengröße auch vorne zu ermöglichen, was noch einmal den Nachlauf verlängert. Es gibt auch Extremfälle wie ein „Trail-Gravelbike“ mit sogar im Vergleich zum Rennrad steilerem (75°) Sitzwinkel bei noch flacherem (69°) Lenkwinkel.Diese Daten entsprechen z. B. dem Rennstahl 853 Trail Gravel Dadurch werden noch breitere Reifen möglich, ohne die Kettenstrebe noch weiter zu verlängern.

Noch einmal breitere Reifen, zum Teil bis in den Mountainbike-Bereich, können oftmals aufgezogen werden, wählt man im selben Rahmen Felgen der Größe 650B („27,5 Zoll“; Felgendurchmesser 584 mm gegenüber den „28-Zöllern“/700C mit 622 mm), sodass der Raddurchmesser sinkt und die Reifenbreite dort anfällt, wo Gabel und Kettenstrebe noch nicht so weit verengt sind. Die Bodenfreiheit wird dadurch etwas verringert.

Sparten und Segmente Das bereits in den 1970ern bekannte Cyclocrossrad ist eine Urform des Gravelbikes und wird heute als Teilsparte des Gravelsegments angesehen. Der Hersteller Rose Bikes bot teils auch auf derselben Rahmenplattform ein nominelles Gravel- und ein nominelles Cyclocrossrad anUnterschiede zwischen Cyclocross und Gravel, radsport-rennrad.de (2022 wird das Cyclocross-Segment nominell nicht mehr bedient). Der Rennradspezialist Cannondale hält wiederum die beiden Sparten nominell strikt getrennt, sortiert andererseits aber auch alltagstauglichere Räder als Cyclocross ein und überdies eine breitreifige Version des tatsächlichen Cyclocrossers SuperSix als Gravelbike.Die Road-Sparte bei Cannondale (US-Version), aufgeteilt in Race, Gravel, Endurance und Cyclocross; cannondale.com Im Vergleich zum Allround-Gravelbike ist das Cyclocrossrad in der Regel agiler konzipiert mit kürzerem Steuerrohr und kürzerer Kettenstrebe, die Reifenbreite ist bei Wettbewerbsrädern per Reglement auf 33 mm beschränkt. Trotz der schmaleren Reifen sind diese Räder jedoch geländetauglicher und weniger für den Asphaltgebrauch geeignet, da die Reifen deutlich für den Offroadbereich profiliert sind.Cyclo-Cross vs. Gravel: Same Bike, Different Name?, Global Cycling Network, Vergleich auf einem Cyclocross-Rundkurs, Video auf YouTube Die Übersetzungen decken zumeist einen kleineren Bereich ab, da die Cyclocross-Kurse ohnehin Schikanen enthalten, die das Absteigen, Tragen und Aufspringen erfordern. Bei Zweifachschaltungen betragen die Sprünge zwischen den beiden Kettenblättern oft nur zehn Zähne („normales“ Gravelbike: 16 Zähne), um im Rennen schnellere Schaltvorgänge zu ermöglichen. Ganz allgemein sind Cyclocrossräder für maximal einstündige Rennen mit sehr deutlichen Leistungsspitzen konzipiert;Cyclocross Fahrrad & Gravelbike – ganzjährig durchs Gelände flitzen, radonline.de eine nachträgliche Montage von Schutzblechen und Gepäckträgern ist meistens nicht vorgesehen.Gravel vs. Cyclocross – wo liegen die Unterschiede?, bergfreunde.de

Das allgemeine Gravelbike ist demgegenüber komfortabler ausgestattet mit längerem Radstand und Nachlauf und aufrechterer Sitzposition sowie um 40 mm breiten, in der Regel gleichermaßen straßen- wie trailkompatiblen Reifen. Anschraubpunkte ermöglichen zumeist die Montage von Schutzblechen und Gepäckträgern. Bei Zweifachantrieben setzt sich gegenüber der älteren Kombination 48/32 mehr und mehr die Kombination 46/30 bei den Kettenblättern durch, die Kassetten der 10- bis 12-fach-Schaltungen decken Bereiche von 11-32 bis 11-36 ab, wodurch das Gravelbike nach oben hin nur minimal kürzer übersetzt ist als das Rennrad (48:11 entspricht unter Berücksichtigung der Radgröße in etwa der Kompaktkurbel mit 50 und 34 Zähnen beim Rennrad),Ein Rennrad mit 25er Reifen hat üblicherweise um 667 mm Raddurchmesser, ein Gravelbike mit 40ern um 694 mm, also rund 4 % mehr während in den kurzen Gängen die 1:1-Übersetzung eines Einrads, in der sich Kurbel und Hinterrad exakt gleich schnell drehen, bzw. knappe Untersetzungen (30:34 = 88 %) erreicht werden. Inzwischen sind Einfach-Übersetzungen mit Kettenblättern von 36 bis 42 Zähnen ähnlich verbreitet wie zweifache; in dem Falle liegt die maximale Übersetzung bei 42:11, die kürzeste kann ebenfalls eine knappe Untersetzung sein (38:42 = 90 %).

Das Speed-Gravelbike hat im Vergleich hierzu meist etwas schmalere und nur leicht profilierte Reifen und ist dazu gebaut, auf Asphalt annähernd Rennradgeschwindigkeiten zu fahren. Für dieses Segment hat auch die Kompaktkurbel eine längste Übersetzung von 50:11. Um bei gleicher Gangzahl engere Schaltsprünge zu ermöglichen, fehlen – je nach Kassettenwahl – kurze Übersetzungen in der Nähe von 1:1. Die Geometrie entspricht der von Endurancerädern bis Crossern. Besonders ab 2022 werden Hybride zwischen Rennrad und Gravelbike auch unter der Bezeichnung All Road vermarktet. Das wird auch dadurch begünstigt, dass (eingeschränkt) graveltaugliche Reifen inzwischen auch in Breiten von 28 bis 35 mm erhältlich sind und sich entsprechend ein Endurancerennrad umwidmen lässt – während früher in diesen Breiten die reinen Cyclocrossreifen dominierten – die nur eingeschränkt asphalttauglich sind.