mini|Logo mini|Protest in New York City, 2018#MeToo (auch #MeToo-Bewegung) ist eine soziale Bewegung, die auf ein Hashtag (#) zurückgeht, das seit Mitte Oktober 2017 im Zuge des Weinstein-Skandals Verbreitung in den sozialen Netzwerken erfährt. Die Phrase „Me too“ (Englisch für „ich auch“) geht auf die Aktivistin Tarana Burke zurück und wurde als Hashtag durch die Schauspielerin Alyssa Milano populär, die betroffene Frauen ermutigte, mit Tweets auf das Ausmaß sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe aufmerksam zu machen. Seitdem wurde das Hashtag millionenfach genutzt und weltweit eine breite gesellschaftliche Debatte angestoßen.
Hintergrund Herkunft mini|Tarana Burke (2018) Die Phrase „Me too“ wurde 2006 von der Aktivistin Tarana Burke in dem sozialen Netzwerk Myspace verwendet, und zwar im Rahmen einer Kampagne, deren Ziel es war, Bestärkung durch Empathie unter afroamerikanischen Frauen zu fördern, die Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht hatten. Burke, die 2017 an einem Dokumentarfilm mit dem Titel Me Too arbeitete, sagte, dass sie durch die Geschichte eines 13-jährigen Mädchens angeregt worden sei, die Phrase zu verwenden. Das Mädchen habe schon in diesem Alter Erfahrungen mit Missbrauch gemacht.
Aufruf mini|Nach den Enthüllungen des Weinstein-Skandals im Jahr 2017 ermutigte Alyssa Milano betroffene Frauen, sich zu Wort zu melden
Im Oktober 2017 wurde der Weinstein-Skandal publik, bei dem mehrere Frauen den Filmproduzenten Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung, Nötigung oder der Vergewaltigung beschuldigten; unter ihnen auch Rose McGowan. Alyssa Milano ist eine Freundin sowohl von McGowan als auch von Harvey Weinsteins damaliger Ehefrau Georgina Chapman. McGowan kritisierte öffentlich Milanos Freundschaft zu Chapman.
Mehrere Jahre arbeiteten Milano und Chapman zusammen als Jurymitglieder der Castingshow Project Runway All Stars, eines Ablegers von Project Runway, koproduziert von The Weinstein Company. In der Berichterstattung zum Weinstein-Skandal wurde Project Runway als „Pipeline zu Harvey Weinstein, um an Models ranzukommen“ bezeichnet.
Milano ist mit Dave Bugliari verheiratet, der als Künstleragent bei der Creative Artists Agency arbeitet. Recherchen der New York Times ergaben, dass mindestens acht Agenten der Creative Artists Agency über Weinstein Bescheid gewusst haben, aber Teil von „Weinsteins Schweigekartell“ gewesen seien.
In Reaktion auf den Weinstein-Skandal rief Milano am 15. Oktober 2017 Frauen auf, mit der Phrase „Me too“ auf das Ausmaß des Problems aufmerksam zu machen, und schrieb hierzu auf dem Mikrobloggingdienst Twitter: „Wenn du sexuell belästigt oder angegriffen wurdest, schreibe „Me too“ als Antwort auf diesen Tweet“.zitiert nach: Der Vorschlag zu dem Aufruf kam von Charles Clymer, einem Freund Milanos. Dieser hatte ihr einen Screenshot zugeschickt, den Milano in ihrem Tweet verwendete.
In den Antworten trendete #MeToo als Hashtag und verbreitete sich in den sozialen Netzwerken viral. Milano informierte mit einem weiteren Tweet darüber, dass sie gerade auf Burkes frühere Verwendung der Phrase aufmerksam geworden sei, und bezeichnete die Hintergrundgeschichte von Tarana Burke als „in gleichem Maße herzzerreißend wie inspirierend“.zitiert nach:
Reichweite An dem Tag, als Milano mit ihrem Tweet den Aufruf startete, wurde das Hashtag mehr als 200.000 Mal auf Twitter verwendet; am Folgetag waren es bereits über eine halbe Million Tweets. Auf Facebook verwendeten innerhalb der ersten 24 Stunden 4,7 Millionen Benutzer in über zwölf Millionen Postings dieses Hashtag. Die Plattform berichtete, dass 45 Prozent ihrer Benutzer in den Vereinigten Staaten Freunde hätten, die dieses Hashtag verwendet haben. Mehr als zehntausend Personen antworteten auf Milanos Ursprungs-Tweet, darunter auch einige Prominente aus der Unterhaltungsbranche.
Einige männliche Kollegen der Unterhaltungsbranche, darunter die Schauspieler Terry Crews und James Van Der Beek, schilderten unter dem Hashtag eigene Erfahrungen mit Belästigung und Missbrauch, während andere ihr früheres Verhalten gegenüber Frauen unter dem Hashtag #HowIWillChange () bestätigten. Elizabeth Blank prägte später das Hashtag #HimThough (Englisch für „er jedoch“).
#MeToo war gemäß einer Auswertung des Mikrobloggingdienstes Twitter das zweitmeistgenutzte Debattenhashtag des Jahres 2018.#WirSindMehr war der populärste Debatten-Hashtag. In: Spiegel Online. 5. Dezember 2018.
#MeToo trendete in mindestens 85 Ländern, darunter in Indien, Pakistan und im Vereinigten Königreich. In manchen nicht-englischsprachigen Staaten wurden alternative Varianten des Hashtags verwendet, wie in Frankreich, Italien, Israel, Spanien, Vietnam, dem französischsprachigen Teil Kanadas und in der Volksrepublik China.
Alternativ verwendete Hashtags Arabisch: أنا_كمان# („ich auch“) : #NiEre („ich auch“) , französischsprachige Regionen: #MoiAussi („ich auch“) : #JoTambé („ich auch“) : #我也是 („ich auch“) : #memyös („uns auch“) : #balanceTonPorc („verpfeif’ dein Schwein“) : #EuTamén („ich auch“) : #QuellaVoltaChe („jene Zeit damals“) : #من_هم_همینطور („ich auch“) : גםאנחנו# („uns auch“) : #私も und #WatashiMo („ich auch“) : #СегаКажувам („ich spreche es jetzt aus“) : #stilleforopptak („Ruhe Bitte! Aufnahme!“) : #Ятоже („ich auch“) : #나도 („ich auch“) : #YoTambién („ich auch“), seit Ende April 2018 auch #CuéntaLo („erzähl es“)bento.de vom 30. April 2018: : #EnaZeda : #TôiCũngVậy („ich auch“) Englisch: #SpeakingOut
Weitere Anschuldigungen und Diskussionen Nachdem die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein bekannt geworden waren, nutzten zahlreiche Personen mit und ohne Hashtag #MeToo die Gelegenheit, um ihre Erfahrungen mit unangemessenem Verhalten sexueller Natur – Belästigung und Gewalt einbezogen – sowie Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zu teilen. Dabei wurden Beschuldigungen von acht Frauen bekannt, dass George H. W. Bush, ehemaliger US-Präsident, sie bei Treffen begrapscht habe. Michael Fallon, Mitglied des britischen Parlaments und Verteidigungsminister des Vereinigten Königreiches trat im November 2017 zurück, weil durch Dritte bekannt wurde, dass er 2002 einer Journalistin am Rande eines Parteitages wiederholt seine Hand auf ihr Knie gelegt hatte. Fallon bestätigte den Vorwurf und erklärte, sich direkt nach dem Vorfall entschuldigt zu haben.Michael Fallon 'apologised for touching journalist's knee'. BBC News, 31. Oktober 2017. Die betroffene Journalistin selbst bestritt, dass es ein sexueller Missbrauch oder ein Machtmissbrauch gewesen sei, nannte die ganze Aufregung eine „Hexenjagd in Westminster“ und äußerte die Vermutung, Fallon sei in Wirklichkeit aus anderen Gründen zurückgetreten. Zwei Tage später wurde bekannt, dass sich Fallons Kabinettskollegin Andrea Leadsom kurz vor seinem Rücktritt bei Premierministerin Theresa May über ihn beschwert hatte, nachdem er Leadsom gegenüber anzügliche Bemerkungen gemacht hatte.Robert Mendick, Jack Maidment: "Michael Fallon resigned after allegedly telling Andrea Leadsom: ‘Cold hands? I know where you can put them’" The Telegraph vom 3. November 2017.
Der walisische Minister Carl Sargeant beging wenige Tage nach der Suspendierung wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs am 7. November 2017 Suizid.Welsh Labour minister Carl Sargeant takes own life days after being suspended over allegations of sexual misconduct. The Daily Telegraph, 7. November 2017, abgerufen am 1. Januar 2018 (englisch). Im Oktober 2017 warfen 310 Frauen dem US-amerikanischen Drehbuchautor und Filmregisseur James Toback sexuelle Belästigung vor. Er soll vor jungen Frauen masturbiert oder sie vergewaltigt haben. Toback bestritt die Vorwürfe und äußerte sich unflätig über diese Frauen bei Breitbart News Network.Der Hollywood-Regisseur James Toback soll mit immer der gleichen widerlichen Masche Frauen sexuell belästigt haben. Rolling Stone vom 24. Oktober 2017.Director James Toback Blasts His 300 Accusers as ‘Lying Co**suckers and C**ts’ breitbart am 28. Oktober 2017.
Der Schauspieler Anthony Rapp sagte Ende Oktober 2017, er sei 1986 im Alter von 14 Jahren auf einer Party von dem damals 26-jährigen alkoholisierten Kevin Spacey sexuell belästigt worden. Kurz darauf gaben acht weitere Männer an, von Spacey sexuell belästigt worden zu sein.Weitere Männer erheben Vorwürfe gegen Kevin Spacey bei spiegel.de, 1. November 2017, abgerufen am 1. November. Am 3. November kündigte Netflix die Zusammenarbeit mit Kevin Spacey auf, nachdem einige Kollegen der Serie House of Cards die Vorwürfe der sexuellen Belästigung bestätigt hatten. Zudem war publik geworden, dass Scotland Yard gegen Spacey in einem Fall von 2008 in London wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung ermittelte. Von den Vorwürfen wurde er sowohl im Oktober 2022 in New York als auch im Juli 2023 in London in allen Punkten freigesprochen.
Auch Danny Masterson wurde von verschiedenen Frauen des Missbrauchs bzw. der Vergewaltigung beschuldigt. Masterson bestritt die Vorwürfe. Netflix kündigte im Dezember 2017 die Zusammenarbeit mit ihm für die Serie The Ranch auf. United Talent Agency beendete die Zusammenarbeit mit ihm. Ende Mai 2023 wurde er vor einem Geschworenengericht in Los Angeles schuldig gesprochen.
Am 9. November 2017 veröffentlichte die New York Times einen Bericht, demzufolge fünf Frauen Louis C.K. vorwarfen, sie im Laufe der Jahre sexuell belästigt zu haben.Louis C.K. is Accused of Sexual Misconduct by Five Women, The New York Times, 9. November 2017. Die Premierenfeier zu C.K.s Film I love you, Daddy sowie mehrere Fernsehauftritte des Komikers wurden daraufhin abgesagt.Louis C.K. and Abuse of Power, Politico, 10. November 2017. Am 10. November 2017 räumte er gegenüber der Huffington Post in einer schriftlichen Stellungnahme ein, dass die Anschuldigungen gegen ihn den Tatsachen entsprächen, drückte sein Bedauern aus und kündigte an, sich bis auf Weiteres aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.Louis C.K. Finally Responds to Longstanding Stories of Sexual Misconduct, Huffington Post, 10. November 2017. Netflix und die Sender HBO und FX gaben zudem das Ende der Zusammenarbeit mit Louis C.K. bekannt. auf cnn.com, abgerufen am 11. November 2017
John Lasseter musste nach Vorwürfen für zunächst sechs Monate seine Funktion als künstlerischer Leiter bei den Walt Disney Animation Studios und den Pixar Animation Studios ruhen lassen. Im Juni 2018 teilte der Disney-Konzern die Trennung von Lasseter mit. Er werde das Unternehmen zum Jahresende verlassen, bis dahin aber noch in beratender Funktion tätig sein.Hollywood Reporter: John Lasseter's Pattern of Alleged Misconduct Detailed by Disney/Pixar Insiders 21. November 2017 (aufgerufen am 26. Dezember 2017)Washington Post: Disney animation guru John Lasseter takes leave after sexual misconduct allegations 21. November 2017 (aufgerufen am 26. Dezember 2017)
Neben den Vorkommnissen in Hollywood entlockte das Hashtag #MeToo auch Diskussionen um sexuelle Belästigung und Missbrauch in der Musikindustrie, in den Wissenschaften und in der Politik.
In der Musikbranche benutzte die Band Veruca Salt das Hashtag, um Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung gegenüber James Toback öffentlich zu machen;Director James Toback accused of sexual harassment by 38 women Travis M. Andrews, The Washington Post, 23. Oktober 2017 Alice Glass nutzte MeToo, um mehrere Vorwürfe von sexueller Gewalt und anderen Missbrauch durch das ehemalige Crystal-Castles-Mitglied Ethan Kath zu erheben. Am 12. November 2017 nahmen hunderte Männer, Frauen und Kinder an den Take-Back-the-Workplace- und MeToo-Survivors-Märschen teil, um gegen sexuellen Missbrauch zu protestieren.