Die UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 (englisch United Nations Framework Convention on Climate Change, 24th Conference of the Parties, kurz COP24) fand als 24. UN-Klimakonferenz, gleichzeitig als 14. Treffen zum Kyoto-Protokoll (englisch 14th Meeting of the Parties to the 1997 Kyoto Protocol, kurz CMP 14) sowie als 3. Treffen der Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Paris Agreement (CMA) vom 2. bis 15. Dezember 2018 in Katowice in Polen statt.
Die COP24 war die Folgekonferenz der im November 2017 in Bonn unter Leitung des Inselstaats Fidschi stattgefundenen COP23 und soll die Umsetzung des in Bonn mit ca. 200 Seiten vereinbarten „Regelbuchs“ zur Umsetzung des im Jahr 2015 auf der COP21 verabschiedeten Übereinkommens von Paris („Weltklimaabkommen“) einleiten; das Folgetreffen war die COP25 in der ersten Dezemberhälfte 2019 in der spanischen Hauptstadt Madrid.
Vorfeld und Vorbereitung Laut dem Anfang Oktober zur Vorbereitung der COP24 veröffentlichten Sonderbericht des IPCC liegt die weltweite Durchschnittstemperatur 2018 rund ein Grad über dem Niveau der vor-industriellen Zeit. Die aktuell global praktizierte Klimapolitik würde zu einer Erderwärmung um etwa drei Grad führen. Die UN-Klimakonferenz in Paris 2015 (COP21) hatte das Übereinkommen von Paris („Weltklimavertrag“) mit einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf möglichst maximal 1,5 °Celsius beschlossen (s. a. Zwei-Grad-Ziel). Eine in Folge des Sonderberichts 1,5 °C globale Erwärmung erstellte Studie des Berliner Forschungsinstituts Climate analytics konstatierte, dass Deutschland zur Erreichung des 1,5-°C-Ziels seine Kohleverstromung bis 2030 aufgeben müsse.
Zum Abschluss des COP-24-Vorbereitungstreffens in Bangkok demonstrierten am 8. September weltweit in 94 Ländern zusammen mehrere zehntausend Teilnehmende unter dem Motto Rise for Climate („Aufstehen fürs Klima“) für eine weltweite konsequente, wirkungsvolle und ernsthafte Klimaschutzpolitik; auf der Konferenz war (wieder einmal) die Klimafinanzierung Hauptkonfliktthema (→ Green Climate Fund, Loss and Damage), vor allem für den nach dem in Paris auf der COP23 verabschiedeten Weltklimavertrag noch nicht behandelten Zeitraum nach 2026. Daneben ist die weitere Unterscheidung zwischen „Industrie“- und „Entwicklungsländern“ umstritten: Während eine Gruppe von Entwicklungsländern um China, Indien, Iran und Saudi-Arabien (die „Gleichgesinnten“) darauf beharrt, lehnen es andere Entwicklungsländergruppen wie die Inselstaaten, die „fortschrittlichen“, lateinamerikanischen Staaten oder die ärmsten Länder ab, denn die Konfliktlinien bestünden nicht mehr zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten, sondern zwischen denjenigen, die für eine robuste Umsetzung des Pariser Abkommen einträten, und denen, die es abschwächen wollten.
Am 8. Oktober verkündete die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften die Träger des Wirtschafts-Nobelpreises 2018, William Nordhaus und Paul Romer – für ihre Forschungen zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum im Zusammenhang mit dem Klimawandel bzw. technischem Fortschritt.
Ebenfalls am 8. Oktober veröffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) ihren jährlichen Bericht zur Entwicklung der erneuerbaren Energien: danach steigt deren Anteil an der weltweiten Energieerzeugung immer schneller.
Direkt nach der Veröffentlichung des Sonderberichts des IPCC zur COP24 trafen sich am 9. Oktober in Luxemburg die EU-Umweltminister, um neue CO2-Emissions-Grenzwerte für Neuwagen zu verhandeln und zu beschließen: während die EU-Kommission und beispielsweise Deutschland für eine Reduzierung des zuletzt ab 2021 festgelegten Werts von durchschnittlich maximal 95 Gramm CO2 Ausstoß pro gefahrenen Kilometer um nochmals 30 % bis 2030 eintrat, setzten sich mehrere andere nord- und westeuropäische Staaten wie das EU-Parlament für eine Verschärfung dieses Grenzwerts um 40 % ein. Die österreichische Ratspräsidentschaft hatte den Kompromiss 35 % vorgeschlagen, auf den man sich schließlich nach fast 14-stündigen Verhandlungen einigen konnte und mit dem die Minister in die nun anschließenden Detail-Verhandlungen zwischen der EU-Kommission und dem EU-Parlament eintreten.
Der aktualisierte, Ende Oktober veröffentlichte Ressourcenbericht 2060 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sagt sowohl eine Verdopplung des weltweiten Rohstoffverbrauchs bis 2060 wie der globalen CO2-Emissionen vorher (unter bei weitem nicht so stark wachsender Weltbevölkerung) und empfiehlt Maßnahmen z. B. bei der Mobilität und beim Konsum – das in Paris avisierte 1,5°-Ziel wäre auf dem bisherigen Weg nicht zu erreichen. Eine Gegenstrategie wäre die weitergehende Etablierung einer Kreislaufwirtschaft mit einer Verbesserung des Recyclings und der Ressourceneffizienz.
Die EU-Kommission forderte Ende November die Verwirklichung einer „klimaneutralen“ EU-Volkswirtschaft bis 2050.
Nach einer Ende November in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Science Advances veröffentlichten Studie könnten sich bei anhaltender Erwärmung und Versauerung der Ozeane die Überlebensmöglichkeiten des wichtigsten menschlichen Speisefischs Atlantischer Kabeljau sowie des für viele arktische Tiere als die Nahrungsquelle dienenden Polardorschs um bis zu 50 % verringern.
9. Emissions Gap Report des UNEP Nach dem vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) am 23. November 2018 in Paris veröffentlichte 9. Emissions Gap Report („Jährlicher Treibhausgasreport“) ist es zwar noch möglich, die weltweite menschengemachte Erwärmung auf durchschnittlich bis 2100 auf maximal zwei Grad zu begrenzen, um jedoch die mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarten Ziele zu erreichen, müssten die Länder weltweit ihre bisherigen Anstrengungen mindestens verdreifachen. Sollte man so weitermachen wie bislang, würde sich die Erdtemperatur um etwa 3,2 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen und anschließend weiter steigen.
2017 ist hiernach der weltweite CO2-Ausstoß nach drei relativ stabilen Jahren mit 53,5 Gigatonnen auf einen neuen Höchststand gestiegen, vor allem, weil die Wirtschaft weltweit wachse und gleichzeitig der Energieverbrauch nur langsam sinke, speziell aus der Energieerzeugung aus dem fossilen Energieträger Kohle. Die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre sei mit 405,5 ppm (Parts per Million) nun so hoch wie vor drei bis fünf Mio. Jahren und es gebe keine Anzeichen für eine Umkehrung der Trends zu langfristiger globaler Erwärmung, Meeresspiegelanstieg, Versauerung der Meere und der Häufung extremer Wetterlagen.
Besondere Sorge bereite die Verlangsamung des Rückgangs der Konzentration des im Rahmen des internationalen Ozonabkommens („Montreal-Protokoll“) verbotenen „Ozonkillers“ Trichlorfluormethan (CFC-11), ein Kühlmittel. Dies deute auf neue, illegale Produktion des Stoffs hin: die Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) nennt hier die Schaumstoffindustrie Chinas als Verursacherin.
14. Weltnaturschutzkonferenz Die 14. Weltnaturschutzkonferenz mit 196 teilnehmenden Staaten fand 25 Jahre nach der Verabschiedung der UN-Biodiversitätskonvention vom 17. bis 29. November im ägyptischen Scharm asch-Schaich statt.
G20-Gipfel in Buenos Aires Am 30. November und 1. Dezember am Wochenende vor der Klimakonferenz fand in Buenos Aires in Argentinien der 13. G20-Gipfel der „Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer“ statt (→ G20-Gipfel in Buenos Aires 2018): hier war das Klima weltweit neben Handel und Migration eines der Hauptthemen; die USA trugen hier die in der Abschlusserklärung verabschiedete Verpflichtung auf das in Paris verabschiedete Weltklimaabkommen erneut als einziger Teilnehmer nicht mit.
Gesundheitliche Folgen der globalen Erwärmung Ein Ende Oktober des Jahres in den Environmental Health Perspectives veröffentlichter Bericht summiert jährlich weltweit 9 bis 33 Mio. Asthma-Notfälle infolge Einatmens von Feinstaub, Ozon oder Stickstoffdioxid.
Anfang November des Jahres wies die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf hin, dass in Afrika mittlerweile mindestens 23 % der Todesfälle umweltbedingt seien; die afrikanischen Inselstaaten äußerten den Bedarf nach mehr Hilfe, um mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit fertig zu werden, z. B. der Verschlechterung der Ernährungssituation oder dem Wiederaufleben durch Mücken übertragener Krankheiten.
Nach einem Ende November veröffentlichten Bericht des Projekts des medizinischen Fachjournals „The Lancet“ mit den Vereinten Nationen und 27 führenden Forschungseinrichtungen weltweit zu den gesundheitlichen Folgen des Klimawandel für die Menschen wird der globale Temperaturanstieg immer mehr zu einer Gesundheitsgefahr: Nachdem 2017 157 Mio. mehr Personen weltweit von extremen Hitzewellen betroffen gewesen seien als um 2000, zählt der Bericht für 2017 153 Mrd. aufgrund Hitze ausgefallener Arbeitsstunden und wirtschaftliche Verluste im Volumen von 326 Mrd. US-Dollar auf. Feinstaub und schlechte Luft zeitigten 2,9 Mio. vorzeitige Todesfälle, 90 % der in Städten lebenden Menschen hielten sich in Gebieten mit schlechter Luftqualität auf, was Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems zur Folge habe.
Globales Wetter und Klima Nach ersten Analysen der Weltwetterorganisation (WMO) von Anfang Dezember waren die Jahre 2015 bis 2018 die vier wärmsten seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. So habe 2016 die globale Durchschnittstemperatur einen Rekord von plus 1,3 Grad über dem langjährigen Mittel erreicht, gefolgt von 2017 als achtwärmsten Jahr seit Beginn des 20. Jahrhunderts und 2015; 2018 sei auf dem Weg, das viertwärmste seit Messbeginn zu werden. Darüber hinaus fänden sich die 20 wärmsten Jahre in den vergangenen 22 Jahren. Für 2019 wurde die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens des Wetterphänomens El Niño mit 75 bis 80 % angegeben, womit 2019 wiederum wärmer als 2018 ausfallen dürfte.
Nach einem am 10. Oktober veröffentlichten Bericht des UNO-Büros für Katastrophenvorsorge Genf (UNISDR) stieg die Zahl der klimabedingten Katastrophen wie Überschwemmungen, Stürme, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände zwischen 1997 und 2017 weltweit überdurchschnittlich von 165 auf 329 pro Jahr.
Mit dem zeitweise Kategorie-5-Hurrikan „Florence“ bzw. dem „Super-Taifun“ „Mangkhut“ im September 2018 wurde erneut über den Einfluss der Erderwärmung auf das Wettergeschehen diskutiert; bei „Florence“ konnte erstmals bereits während des Geschehens hochgerechnet werden, in welchem Maß die menschengemachte globale Erwärmung ihn z. B. im Zuge der Erwärmung der Weltmeere beeinflusst habe (→ Florence / Verbindung zum Klimawandel).Gefährlicher als Hurrikan „Florence“: Taifun „Mangkhut“ bedroht Philippinen. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 13. September 2018. Abgerufen am 14. September 2018. Am 10. Oktober traf der Hurrikan „Michael“ in der Stärke der Kategorie 4 in Florida auf die US-Südküste, erneut einige Negativ-Rekorde brechend. Ende Oktober entwickelte sich der Hurrikan Willa vor der Westküste Mexikos innerhalb zweier Tage von einem tropischen Sturm zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie 5.
Langer und verbreiteter Regenmangel über mehrere Monate seit April bis in den Dezember des Jahres hinein führten zu anhaltender und ausgeprägter Dürre in weiten Teilen Europas, auch in Deutschland; im Zusammenhang mit dieser Dürre und Hitze wird von der internationalen Klimaforschung eine durch die Folgen der globalen Erwärmung in der Arktis bedingte Abschwächung des globalen Jetstreams diskutiert, quasi eine „Resonanz“- und damit ein Verstärkungseffekt der menschengemachten Klimakrise einhergehend mit einer Veränderung der Rossby-Wellen. Und manchmal geht dann auch die Tür des arktischen Kühlschranks in den USA auf.Extremwetter und Klimawandel. Über den Wolken aus der Puste. In: Der Tagesspiegel. 9. August 2018. Abgerufen am 10. August 2018.