mini|Grenzschild am Highway 52 West Virginia (engl. Aussprache ) ist ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten in den Appalachen, im Volksmund The Mountain State (der Bergstaat) genannt. Begrenzt wird er von Virginia im Südosten, Kentucky im Südwesten, Ohio im Nordwesten, Pennsylvania im Norden sowie Maryland im Nordosten. West Virginia, das sich im Sezessionskrieg von Virginia abtrennte, ist auch als Bergbauland sowie für seine Arbeitskämpfe und relative Armut bekannt.
Geographie Geographische Lage West Virginia liegt im Osten der USA zwischen Virginia im Südosten und Süden, Kentucky im Südwesten, Ohio im Nordwesten sowie Pennsylvania und Maryland im Nordosten. Der nördlichste Teil des Staates bildet einen schmalen Streifen zwischen Ohio und Pennsylvania und wird daher als „Panhandle“ (Pfannenstiel) bezeichnet. Die Grenze zu Ohio wird durch den Oberlauf des Ohio River gebildet, die Grenze zu Maryland durch den North Branch des Potomac River.
Der Staat liegt zur Gänze in den Appalachen, weshalb er den Spitznamen „mountain state“ (Gebirgsstaat) trägt. Von Nordwesten nach Südosten gliedert er sich in das Allegheny-Plateau (ein Teil des Appalachen-Plateaus), die Allegheny Mountains und die Valley and Ridge-Zone. Höchste Erhebung ist mit 1482 m der Spruce Knob, durchschnittlich liegt West Virginia 455 m über dem Meer, was der höchste Wert für einen Staat östlich des Mississippi ist.
Flüsse und Seen Die Östliche Nordamerikanische Wasserscheide durchschneidet West Virginia. Der östlichste Teil des Staates gehört zum Einzugsgebiet des Potomac River, der direkt zum Atlantik entwässert, der größere westliche Teil entwässert über den Ohio River und den Mississippi River in den Golf von Mexiko.
Wichtige Nebenflüsse des Ohio in West Virginia sind Wheeling Creek, Little Kanawha River mit dem Stausee Burnsville Lake, Kanawha River mit dem Nebenfluss Elk River sowie der Big Sandy River mit seinem Nebenfluss Tug Fork. Big Sandy River und Tug Fork bilden die Grenze zwischen West Virginia und Kentucky, der Tug Fork bildet einen kleinen Teil der Grenze zwischen West Virginia und Virginia.
Geschichte West Virginias Entstehung ist einzigartig in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Bis zum Sezessionskrieg war es ein Teil Virginias. Schon seit der Besiedlung dieses Landesteils gab es jedoch politische Differenzen zwischen den eher armen Kleinbauern dieser Gebirgsregion und den Plantagenbesitzern in den Ebenen, die in der Politik des Staates dominant waren. Nach dem Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs und der Loslösung Virginias von der Union trennten sich ihrerseits die westlichen Counties am 27. April 1861 von ihrem Mutterstaat. Vertreter dieser Verwaltungsbezirke bildeten eine eigene Regierung, die ihren Sitz in Alexandria, Virginia, nahm. Durch eine Note Abraham Lincolns vom 31. Dezember 1862 waren sie dazu ermächtigt worden.
Virginia hatte zu diesem Zeitpunkt somit zwei Parlamente, eines, das den Anschluss an die Konföderation beschlossen hatte, und ein Gegenparlament, das der Union und damit den Nordstaaten treu war. Nach der Verfassung der Vereinigten Staaten ist es nicht erlaubt, einen Teil eines Staatsgebiets in die Union aufzunehmen, ohne dass jener Staat dazu seine Zustimmung gibt. Eine solche Zustimmung erteilte Virginias Gegenparlament am 13. Mai 1862, so dass der Verfassung formal Genüge getan war. Da das Gegenparlament fast nur aus Delegierten aus dem Westteil Virginias bestand, kamen auch bei Lincoln starke Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Aufnahme West Virginias in die Union auf; sie wurden aber aus strategischen Gründen während des Krieges ignoriert. Im Bürgerkrieg war West Virginia Schauplatz zahlreicher Schlachten und Gefechte, wie z. B. des Gefechts bei Philippi,Ronald V. Hardway: On Our Own Soil. William Lowther Jackson and the Civil War in West Virginia's Mountains. Quarrier Press, 2003, S. 39–40 (englisch). der Schlacht am Cheat Mountain, der Schlacht am Rich Mountain oder der Kampfhandlungen im Kanawha-Tal.James Carter Linger: Confederate Military Units from West Virginia, 2002 ed., S. 20 (englisch).
mini|Grau: Counties von West Virginia, die im Februar 1863 noch von den Konföderierten gehalten wurden
1870, nachdem Virginia wieder mit allen Rechten in die Union aufgenommen worden war, setzte der Supreme Court die Rechtmäßigkeit der Abspaltung West Virginias in einem Gerichtsurteil über die Zugehörigkeit der zwei Countys Berkeley und Jefferson zu West Virginia voraus.Text des Gerichtsurteils im Fall Virginia gegen West Virginia (englisch).
Über Generationen hinweg flossen die Gewinne aus den reichen Holz- und Kohlevorkommen in die Tresore monopolistischer Trusts. Als schließlich zum Ende des 19. Jahrhunderts auch hier die Eisenbahn vom Osten her bis in die Bergregionen vorgedrungen war, nutzte man diesen Transportvorteil zur großflächigen Rodung der Wälder.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich bei den großen Kohlenbergbau-Unternehmen im Süden des Staates das Prinzip der Company Town. Dort erhielten die Arbeiter zwar einen Lohn, mussten aber in Ortschaften, in denen den Kohleunternehmen das meiste gehörte, einen großen Teil für Essen und Unterkunft abführen. Zusätzlich senkten die Unternehmer den Lohn allmählich immer weiter ab, so dass die Ausbeutung und Verschuldung der Arbeiter mit der Zeit immer drückender wurde. Das Resultat waren schwere Arbeitskämpfe, die sogenannten Mine Wars (Bergwerkskriege). Bei diesen Konflikten wurden die Gewerkschaften mit militärischer Hilfe bekämpft und kleingehalten.
1967 wurde West Virginia durch den Obersten Gerichtshof dazu gezwungen, als einer der letzten Staaten der USA das Verbot der Mischehen aufzuheben.
Politik + Ergebnisse der PräsidentschaftswahlenJahrRepublikanerDemokraten 202469,87 % 533.556 28,06 % 214.309 202068,63 % 545.382 29,70 % 235.984 201667,86 % 483.436 26,16 % 186.397 201262,14 % 417.655 35,45 % 238.269 200855,58 % 397.466 42,49 % 303.857 200456,06 % 423.778 43,20 % 326.541 200051,92 % 336.475 45,59 % 295.497 1996 36,76 % 233.94651,51 % 327.812 1992 35,39 % 241.97448,41 % 331.001 1988 47,46 % 310.06552,20 % 341.016 198455,11 % 405.483 44,60 % 328.125 1980 45,30 % 334.20649,81 % 367.462 1976 41,93 % 314.76058,07 % 435.914 197263,61 % 484.964 36,39 % 277.435 1968 40,78 % 307.55549,60 % 374.091 1964 32,06 % 253.95367,94 % 538.087 1960 47,27 % 395.99552,73 % 441.786
Gliederung West Virginia ist in 55 Countys unterteilt. Es gibt insgesamt 232 Gemeinden (incorporated municipalities). Die größte Stadt ist die Hauptstadt Charleston mit 47.215 Einwohnern.
Politisches System
Die Gesetzgebung in West Virginia findet durch ein Zweikammersystem statt: durch ein Repräsentantenhaus (West Virginia House of Delegates) und einen Senat. Beide zusammen bilden die West Virginia Legislature. Der Gouverneur ist mit der Leitung der Regierungsgeschäfte betraut, verfügt über das Begnadigungsrecht und hat darüber hinaus repräsentative Aufgaben. Er wird alle vier Jahre parallel zu den Präsidentschaftswahlen gewählt. Erlaubt sind zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten, nach einer Unterbrechung ist eine weitere Wiederwahl zulässig. Gouverneur ist seit Januar 2025 der Republikaner Patrick Morrisey. Lieutenant Governor ist als Präsident des Senats Randy Edward Smith (Republikaner). Der direkt gewählte Secretary of State von West Virginia ist Mac Warner (Republikaner). Als Oberster Gerichtshof fungiert der Supreme Court of Appeals of West Virginia.
Politische Orientierung
West Virginia ist einer der ärmsten Staaten in den USA. Durch seine stark gewerkschaftlich geprägte politische Tradition war es traditionell der Demokratischen Partei verbunden, weshalb es zumeist durch demokratische Senatoren, Gouverneure und Repräsentanten vertreten wurde, so etwa den im Juni 2010 verstorbenen Robert Byrd, den Doyen der demokratischen Senatsfraktion und Senator mit der bisher längsten Amtszeit. Vertreter im Senat der Vereinigten Staaten bis 2015 waren Jay Rockefeller und der ehemalige Gouverneur Joe Manchin. Bei den Midterm Elections im November 2014 fiel der Senatssitz von Rockefeller an die Republikanerin Shelley Moore Capito. Damit wird West Virginia erstmals von einer Frau und nach 55 Jahren wieder von einem republikanischen Senator vertreten. Der Demokrat Manchin wurde 2018 wiedergewählt. Zu seinem Nachfolger ab Januar 2025 wurde Jim Justice gewählt, der bisherige Gouverneur des Staates.
Bei Präsidentschaftswahlen galt West Virginia bis zum Jahr 2000 als eher dem demokratischen Lager zugehörig; so war es einer von nur sechs Staaten, die sich 1980 für Jimmy Carter und gegen Ronald Reagan entschieden. Allerdings hat der Staat, dessen Bewohner neben der wirtschaftspolitisch linken zum großen Teil auch eine konservative Position in gesellschaftspolitischen Dingen vertreten und evangelikalen Freikirchen nahestehen, seit 2000 bei Präsidentschaftswahlen stets für den Kandidaten der Republikanischen Partei gestimmt und kann damit mittlerweile zu den sicheren Red States gezählt werden.A blue state's road to red in Washington Post, 26. Oktober 2013, aufgerufen am 6. Juli 2014 (englisch).
Bei der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 stimmten in West Virginia 67,9 % der Wähler für den republikanischen Kandidaten Donald Trump. Dies war der landesweit höchste Anteil. Dieser Anteil erhöhte sich 2020 auf 68,63 % (der zweithöchste Wert hinter Wyoming) und 2024 sogar auf 69,87 %. Damit verstärkte sich die seit der Jahrtausendwende abzeichnende Hinwendung des einst eher zu den Demokraten neigenden Staates zu den Republikanern zusätzlich, da in West Virginia der prozentuale Anteil an Modernisierungsverlierern, die Trump für sich und seine Partei neu hinzu gewann, höher als in anderen Bundesstaaten ist.www.deutschlandfunkkultur.de
Vertretung im Kongress Wie jeder Staat der USA ist West Virginia im US-Senat mit zwei Senatoren vertreten. Aktuell sind dies Shelley Moore Capito (Republikanerin, seit 2015) und ab dem 14. Januar 2025 der bisherige Gouverneur Jim Justice (Republikaner, seit 2025). Die früheren Amtsinhaber finden sich in der Liste der US-Senatoren aus West Virginia.
Im Repräsentantenhaus war West Virginia gemäß der jeweils vorherigen Volkszählung von 1863 bis 1883 mit drei Abgeordneten vertreten, von 1883 bis 1903 mit vier, von 1903 mit fünf und von 1913 bis 1963 mit sechs Abgeordneten. Seitdem nimmt der Anteil West Virginias an der Bevölkerung der USA ab, von 1963 bis 1973 waren es wieder fünf Abgeordnete, von 1973 bis 1993 vier, von 1993 bis 2023 drei. Seit 2023 stellt West Virginia nur noch zwei Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Aktuell sind dies Carol Miller (Republikanerin, seit 2019) und Riley Moore (Republikaner, seit 2025). Die früheren Amtsinhaber finden sich in der Liste der Mitglieder des US-Repräsentantenhauses aus West Virginia.
Bevölkerung
mini|links|Bevölkerungsdichte West Virginia hat 1.775.156 Einwohner (Stand: 2022), davon sind 92,8 % Weiße, 3,7 % Afroamerikaner, 0,9 % Asiaten, 0,3 % Indianer, 2,1 % Hispanics und Latinos jedweder Ethnie, und 2,2 % gehörten zwei oder mehreren Ethnien an.
Lediglich 1,1 % der Einwohner des Bundesstaates sind außerhalb der Vereinigten Staaten geboren worden. Damit liegt West Virginia in der US-Statistik auf einem der letzten Plätze. Außerdem hat der Staat mit 2,7 % den geringsten Einwohneranteil aller US-Bundesstaaten, die zu Hause eine andere Sprache als Englisch sprechen.
Die fünf größten Gruppierungen, deren Vorfahren eine bestimmte Nationalität aufwiesen, sind: Amerikaner (23,2 %), Deutsche (17,2 %), Iren (13,5 %), Engländer (12 %) und Italiener (4,8 %). Größere deutschstämmige Bevölkerungsteile haben sich im Nordosten West Virginias angesiedelt.
5,0 % der Bevölkerung West Virginias sind unter 5 Jahre alt, 19,8 % unter 18, und 21,2 % sind 65 Jahre oder älter. Der Anteil von Frauen an der Gesamtbevölkerung beträgt 50,1 %.