mini|Maria Anna Wilhelmine von Beverförde-Werries im Kreis ihrer Familie, Maler Johann Christoph Rincklake, 1811 Gräfin Anna Maria Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg (Wilhelmine war der Rufname) (* 24. Juli 1773Martin Blindow, Die Beziehungen zwischen den Hofkapellen Bonn und Münster am Ende des 18. Jahrhunderts, in: Bonner Beethoven-Studien, Band 9, S. 53–88, hier S. 81 (gibt als Geburtsdatum 1773 ohne genaue Tagesangabe an) bzw. 1774Alexander Wheelock Thayer, Ludwig van Beethovens Leben, 3. Aufl., Leipzig 1916, Band 1, S. 284 (gibt als Geburtsdatum 1774 mit genauer Tagesangabe an) bzw. 1775aus Liber status animarum (lat. wörtlich: Buch vom Zustand/Bestand der Lebenden) Ostbevern Pfarrer Spithöver 1608 ff Pfarrarchiv Ostbevern. auf Schloss Berge; † 3. November 1852 in Münsteraus Liber status animarum (lat. wörtlich: Buch vom Zustand/Bestand der Lebenden) Ostbevern Pfarrer Spithöver 1608 ff Pfarrarchiv Ostbevern. siehe Bild auf der Diskussionsseite) war eine Jugendliebe von Beethoven und die spätere Freiin Wilhelmine von Beverförde-Werries und gilt daher mit ihrem Mann Friedrich Clemens von Elverfeldt zu Dahlhausen und Steinhausen als Begründerin des Hauses von Elverfeld genannt von Beverförde zu Werries.
Familie Maria Anna Wilhelmine von Westerholt-Gysenberg war die Tochter von Wilhelmine Friderike Franziska Anna Freiin von und zu Westerholt und Gysenberg (1757–1820) und ihrem Gatten Ludolf Friedrich Adolf von Boenen zu Berge (* 1747 in Buer; † 1828 in Münster), der 1769 bei Eheschließung den Adelsnamen seiner Frau annahm. Ihre Familie wurde 1790 durch den Kurfürsten Karl-Theodor von Pfalz-Bayern in den Grafenstand erhoben. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Der Sohn Friedrich Otto war später Fideikommissar auf Westerholt. Wilhelms älterer Bruder Maximilian Friedrich (Erbfolger) war von 1806 bis 1808 als Oberstallmeister in Diensten von Joachim Murat, der als Schwager Napoleons Großherzog von Berg geworden war. Wilhelm Ludwig war Landrat des Kreises Recklinghausen von 1816 bis 1829 und Maria Anna Wilhelmine.
Beziehung zu Beethoven Der Musikunterricht Im Sommer 1790 begleitete Beethoven die Familie von Westerholt nach Westfalen. Im Schloss Westerholt und dem Stadtschloss der Familie dem sogenannten Westerholtschen Hof in Münster. Dort gab er Anna Unterricht am Klavier. Im Winter 1790/91 weilte die Familie für einige Zeit in Bonn. Besonders Maria Anna Wilhelmine, zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt, fand Gefallen an dem zwanzigjährigen Musiker. Die Familie war sehr musikliebend: der Graf spielte Fagott, sein Sohn Flöte und seine Tochter Maria Anna Wilhelmine Klavier. Für die drei komponierte Ludwig van Beethoven eigens Kammermusik wie etwa das Trio für Klavier, Flöte und Fagott in G-Dur Werk ohne Opuszahl 37. Anna führte mit Beethovens Hilfe viele Benefizkonzerte in Bonn und Münster durch und machte sich damit einen gewissen Namen.Siegfried Schmieder: Ostbevern – Beiträge zur Geschichte und Kultur, Geschichte der Loburg, Warendorf 1988, S. 570 Christian Gottlob Neefe hörte in Münster, wie sie eine schwere Sonate von Giuseppe Sardi (Neefe warnt ausdrücklich vor einer Verwechselung mit Giuseppe Sarti) mit einer bewundernswerten Geschwindigkeit und einer mühelosen Leichtigkeit spielte.Alexander Wheelock Thayer, Ludwig van Beethovens Leben, 3. Aufl., Leipzig 1916, Band 1, S. 284
Die unveröffentlichte verschollene Sonate Beim Unterricht und dem gemeinsamen Musizieren sollen sich die beiden näher gekommen sein, als es die Standesetikette erlaubte. Doch die geborene Gräfin habe den nicht standesgemäßen unbekannten Musiker mit den Worten „Ich bin nun einmal die Tochter meiner Eltern“ abgewiesen. Beethoven soll ihr eine Klaviersonate als Zeichen seiner Zuneigung gewidmet haben. Für die Vermutung, dass der junge Beethoven diesen am selben Tag noch zerriss, gibt es keinen Beleg, obgleich die Sonate nie aufgefunden worden ist. Nach Zeugenaussagen befand sich die noch unveröffentlichte Komposition in Ostbevern auf Schloss Loburg und soll beim Schlossbrand am 22. Juli 1899, obwohl sie in einem Tresor lagerte, verloren gegangen sein.Siegfried Schmieder: Ostbevern – Beiträge zur Geschichte und Kultur, Geschichte der Loburg, Warendorf 1988, S. 575 In Beethovens hinterlassenen Schriften fand man den Entwurf eines Schreibens an einen unbekannten Adressaten.
Gustav Nottebohm vermutet Graf Anton Georg Apponyi als Adressaten und meint es sei das Klavierquintett op. 16, was dieser wohl 1796 in Berlin entworfen habe, weil sich der Text auf einem Notenpapier befindet, welches Beethoven im Mai oder Juni 1796 in Berlin erworben hat. Dieser Briefentwurf jedenfalls, bei dem auch das genaue Datum unbekannt bleiben – es kann allerdings nicht vor 1796 abgefasst worden sein – zeigt jedoch, dass Beethoven durchaus kleine Kompositionen als ein intimes Geschenk verehrten Personen zukommen ließ.
Schwärmerische Romanze oder tragische Liebe? Bis heute wird über die angebliche Liebe zwischen Beethoven und Anna von Westerholt spekuliert, dennoch gehört sie nicht zu den Kandidatinnen für seine Unsterbliche Geliebte. Da kaum schriftliche Quellen erhalten geblieben sind, wird die Frage, ob es sich um echte Liebe oder lediglich eine jugendliche Romanze handelte, wohl unbeantwortet bleiben. Beethoven kannte die junge Comtesse ab 1786, als sie zwölf und er fünfzehn war, bis zu deren Heirat 1792. Er selbst spricht sie in seinem Brief als „ma très chere amie“Faksimile des Briefes in Robert Bory: Ludwig van Beethoven, Sein Leben und sein Werk in Bildern. Zürich 1960, S. 48. (zu dt. meine sehr liebe Freundin) an, was eher für eine innige Freundschaft denn für echte Liebe spricht. Sein Jugendfreund Franz Gerhard Wegeler schrieb dagegen einige Jahre später über Beethovens erste Liebe von einem Fräulein v. W. – wobei er es im Ungewissen belässt, welche Person er damit meinte:
Dass Bernhard Romberg davon berichtet, ist nicht erstaunlich, denn schließlich liegt der Romberger Hof, das Domizil der musikliebenden Familie Romberg unmittelbar neben dem Westerholtschen Hof in Münster, auf dem Gelände des heutigen Theaters Münster, wo Beethoven sich im Sommer 1790 mit der Familie Westerholt aufgehalten hat. Auch erinnert Wegeler selbst Beethoven fast 30 Jahre später in einem Brief an seine Jugendjahre und stellt die Westerholt der Johanna von Honrath gleich:
Ostbevern Am 24. April 1792 heiratete Anna in Telgte den Freiherrn Friedrich Clemens von Elverfeldt zu Dahlhausen und Steinhausen, dem sie im Verlauf der Ehe vier Söhne und eine Tochter schenkte: Carl, Friedrich, Max, Wilhelm und Wilhelmina. Sie blieb bis zu ihrem Tod auf Schloss Loburg in Ostbevern und wurde in der nach ihr benannten Anna-Kapelle an der Seite ihres Ehemannes bestattet. Ein Gemälde von ihr im Kreis ihrer Familie, das von Johann Christoph Rincklake gefertigt wurde, ist noch heute im Besitz der Familie von Beverförde in Ostbevern.
Literatur Robert Bory: Ludwig van Beethoven. Sein Leben und sein Werk in Bildern. Zürich 1960. Lewis Lockwood: Beethoven. Seine Musik – sein Leben. Stuttgart 2009. ISBN 3-476-02231-5. Malte Korff: Ludwig van Beethoven. Berlin 2010. ISBN 3-518-18246-3.
Weblinks
lokalkompass Bilder von Anna von Westerholt im Beethovenhaus Faksimile im Beethovenhaus Originaltext auf den Seiten des Beethoven-Hauses Bonn (PDF-Datei; 61 kB) Klangbeispiele für WoO 37 auf YouTube: 1. Satz, 2. Satz, 3. Satz
Einzelnachweise
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