mini|Der Weinort Rödelsee am Fuß des Schwanbergs mini|Rödelsees Rathaus mit den beiden Kirchen. Der zum Rathausbrunnen gehörende bronzene Schwan wurde im Juli 2012 gestohlen.

Rödelsee ist eine vom Weinbau geprägte Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen. Die frühere Nachbargemeinde Fröhstockheim ist mittlerweile ein Gemeindeteil von Rödelsee.

Geografie Geografische Lage Rödelsee liegt am Fuß des Schwanbergs auf einer Höhe von . Trotz der Zugehörigkeit der Gemeinde zur Verwaltungsgemeinschaft Iphofen ist Rödelsee politisch selbständig.

Gemeindegliederung Es gibt drei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Rödelsee (Pfarrdorf) Fröhstockheim (Pfarrdorf) Schwanberg (Schloss)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Fröhstockheim und Rödelsee. Die Gemarkung Rödelsee hat eine Fläche von 7,661 km². Sie ist in 1409 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 5437,53 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Schwanberg.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Großlangheim, Wiesenbronn, Iphofen, Mainbernheim und Kitzingen.

Naturräumliche Gliederung Rödelsee und seine Gemeindeteile haben Anteil an drei unterschiedlichen Naturräumen, von denen zwei dem Steigerwaldvorland zugerechnet werden. Fröhstockheim liegt in der Mainbernheimer Ebene mit ihren flachwelligen Bachtälern und den Lettenkeuperböden. Rödelsee selbst befindet sich am Fuße des namensgebenden Berges im höhergelegenen Schwanbergvorland. Der Schwanberg ist Namensgeber für eine Untereinheit im nördlichen Teil des Steigerwaldes.

Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert In der Karte des Claudios Ptolemaios (die Geographike Hyphegesis) die um 150 n. Chr. entstand, wurde der Schwanberg als Bergium erwähnt.

Vermutlich unter der Führung von Rodilo oder Rotel dürfte in Rödelsee bereits zur Zeit der fränkischen Landnahme eine Siedlung entstanden sein. Ausgehend von dessen Namen entwickelte sich die Ortsbezeichnung.

Zum ersten Mal wurde der Ort im Jahr 1040 erwähnt. Kaiser Heinrich III. schenkte dem Kloster Kitzingen das Dorf Rotiense. Graf Hermann II. zu Castell tauschte 1271 „einen Weinberg in Rödelsee am Swaneboum gegen einen Weinberg des Klosters Ebrach am Blozenbuhel. Sein Sohn Friedrich genehmigte 1293 eine Schenkung von Weinbergen … an das Deutschordenshaus zu Würzburg.“ Als Lehensempfänger der Herren von Hohenlohe und Bewohner der Wasserburg am Dorfsee wurde 1280 der Ortsadelige Konrad Fuchs von Rödelsee genannt, im 14. Jahrhundert waren es die Ritter von Wenkheim. Über die Berlichingen und Heßberg kamen 1573 Besitzungen an die Crailsheim. Der Wut aufständischer Bauern fielen die Burgen von Rödelsee, im nahegelegenen Fröhstockheim und auf dem Schwanberg 1525 zum Opfer. Alle wurden aber wieder aufgebaut. Um 1600 gab es vier Dorfherren: das Hochstift Würzburg (in Würzburg befand sich der Domherrenhof Rödelsee am heutigen ParadeplatzThomas Tippach: Würzburg – Aspekte der Zentralität. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 369–393 und 1296–1298, hier: S. 380, Abb. 124.), die Abtei Ebrach, die Grafen zu Castell-Rüdenhausen und die späteren Freiherren von Crailsheim. Jede Dorfherrschaft stellte einen eigenen Vertreter, den Schultheiß. Er besaß einen Schlüssel zur Gemeindetruhe mit den wichtigen Unterlagen. Nur gemeinsam, d. h. mit vier Schlüsseln, konnten sie diese öffnen. Den Vorsitz hatte der Schultheiß des Hochstifts Würzburg. In ihren Residenzen überdauerten die Dorfherren die Zeit bis heute: 1614 errichtete Friedrich von Crailsheim einen „würdigen Wohnsitz“ in Rödelsee, das bis heute erhaltene Schloss Crailsheim. Um 1616 wurde der Ebracher Hof als Zehnthaus errichtet. 1648 wurde der Amtshof der Grafen zu Castell errichtet, das jetzige Gasthaus zum Goldenen Löwen.

Nach Einführung der Reformation durch die Markgrafen von Ansbach waren alle Bewohner bis 1624 evangelisch. Ab 1627 begannen das Hochstift Würzburg und das Kloster Ebrach mit der Durchsetzung der Gegenreformation. „1641 war kaum mehr ein Einwohner im Ort zu finden. … Es gab nur noch Ruinen und mannshohes Unkraut. Eine Bestandsaufnahme von 1648 lautet: alles öde, kein Feld gebaut, nichts zu genießen!“ Am Ende des Dreißigjährigen Krieges kehrten die Dorfbewohner, welche an sichere Orte geflohen waren, zurück. Sie einigten sich 1651 auf ein Simultaneum. Als der Turm der Simultankirche 1770 einstürzte, beschloss jede der beiden Konfessionen ihr eigenes Gotteshaus zu bauen.

Schließlich kam der Ort nach den wechselnden Herrschaften Bayerns, Preußens und Frankreichs 1810 zum Großherzogtum Würzburg und 1814 im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses zum Königreich Bayern. Seit 1862 gehört Rödelsee zum Landkreis Kitzingen.

Verwaltungsgemeinschaft Die Verwaltungsgemeinschaft Iphofen, zu der neben Iphofen und Rödelsee auch Markt Einersheim und der Markt Willanzheim gehören, entstand im Zuge der Gebietsreform in Bayern im Jahr 1978.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Fröhstockheim eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1339 auf 1786 um 447 Einwohner bzw. um 33,4 % – der höchste prozentuale Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum. Quelle: BayLfStat

Politik Bürgermeister Burkhard Klein (CSU) ist seit 10. Juni 2002 Erster Bürgermeister; dieser wurde am 8. März 2026 mit 64,1 % der Stimmen für weitere sechs Jahre gewählt.

Gemeinderat Der Gemeinderat hat aufgrund der Einwohnerzahl zwölf Mitglieder zuzüglich des Ersten Bürgermeister. In der Amtszeit 2026 bis 2032 setzt er sich wie folgt zusammen:Gemeinderat Rödelsee, abgerufen am 20. Juli 2026 CSU: 6 Sitze Fröhstockheimer Liste: 4 Sitze Freie Wähler Rödelsee-Fröhstockheim: 2 Sitze

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Heimatmuseum Im Elfleins-Häusla sind eine vollständig erhaltene Schmiede, die zugehörige Wohnung und Stallungen aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts zu besichtigen.

Amtshöfe Der Löwenhof ist heute ein Restaurant und prägte als ehemaliges Castellsches Amtshaus das Erscheinungsbild des Ortes entscheidend mit und ist ein geschütztes Baudenkmal. Der Ebracher Hof entstammt dem 17. Jahrhundert und wurde im Jahr 1712 umfassend erneuert.

Jüdische Gemeinde Bereits 1585 gab es in Rödelsee eine jüdische Gemeinde mit 18 Familien. Das Fürstlich Castell’schen Archiv besitzt Unterlagen über Streitigkeiten der Dorfherrschaften mit den Freiherrn von Crailsheim um die Aufnahme von Juden. Es entstand eine Synagoge mit Judenschule und angestelltem Lehrer. Diese Einrichtung brachte durch ihren guten Ruf auch Studenten aus der weiteren Umgebung wie Frankfurt in den kleinen Ort. Weitere Einrichtungen der jüdischen Gemeinde in Rödelsee waren das rituelle Bad und der Zentralfriedhof.

Nach 1870/80 nahm die Zahl der jüdischen Einwohner ab, da viele nach Kitzingen und in andere Städte abwanderten. Die 1851 erneuerte Synagoge konnte von den wenigen Verbliebenen nur notdürftig erhalten werden. Schließlich wurde die jüdische Gemeinde 1907/1908 aufgelöst. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, das Mobiliar herausgeholt und außerhalb des Gebäudes verbrannt. Als die Überreste des Gebäudes sehr baufällig waren, entstand nach dem Abbruch auf dem Grundstück der Alten Iphöfer Straße 8 ein Wohnhaus.

Begräbnisstätten Jüdischer Friedhof

mini|Der jüdische Friedhof von Rödelsee Von den Einrichtungen der jüdischen Gemeinde gehört der jüdische Friedhof von Rödelsee heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Er wurde bereits im 15. Jahrhundert angelegt und ist einer der größten jüdischen Friedhöfe in Bayern mit über 2500 Grabsteinen.

Friedhof Rödelsee Der alte Friedhof um die evangelische Kirche wurde bis 1730 simultan genutzt. Bereits 1680 war jedoch schon der neue Friedhof angelegt worden. 1826, 1951 und 1980 wurde er erweitert. In letztgenannten Jahr wurde das moderne Leichenhaus errichtet.

Schwanberg Mausoleum im Park Friedhof der Communität Casteller Ring FriedWald der bayerischen Landeskirche

Schlösser mini|Crailsheim’sches Schloss Fröhstockheim Der kleine Dorfsee in der Nähe des Rathauses ist von der Wasserburg in Rödelsee übrig geblieben. Zunächst von Konrad Fuchs von Rödelsee, dann von den Rittern von Wenkheim genutzt, blieb die Burg im Besitz derer von Heßberg bis um das Jahr 1614. Diese Wehranlage wurde im Bauernkrieg 1525 geplündert und abgebrannt. Schließlich verfielen die Gebäude, nur im Turm wohnte noch 1671 der Jud Polack. Ein Teil des Wassergrabens wurde zugeschüttet und die Insel verschwand. Der Wohnsitz einer zweiten Linie der Adelsfamilie von Crailsheim in Rödelsee befand sich in so schlechtem Zustand, dass Friedrich von Crailsheim sich 1614 einen repräsentativen Wohnsitz errichten ließ. 1954 ging er in den Besitz der Winzergenossenschaft über. Im Crailsheimer Schloss in Rödelsee befindet sich heute eine WeinGalerie.

Auf dem nahegelegenen, geologisch interessanten, 474 Meter hohen Schwanberg des Steigerwaldes befindet sich ein Schloss mit einem sehenswerten Park.

Das große Wasserschloss im Gemeindeteil Fröhstockheim befindet sich in Privatbesitz.

Kirchen Bereits 1190 existierte in „Rotelse in episcopatu Wirzburgensis“Herausgeber: Evang. Luth. Pfarramt Rödelsee, Kath. Pfarramt Rödelsee, Communität Casteller Ring, Orte der Einkehr am Schwanberg, Die erste Rödelseer Kirche und ihre Geschichte eine Kirche. Sie war dem Heiligen Bartholomäus geweiht. Er gilt als Schutzheiliger der Winzer. Diese Vorgängerkirche weihte der Eichstätter Bischof Otto von Hirschberg. In den konfessionellen Streitigkeiten der wechselnden Dorfherren zerfiel die simultan genutzte Kirche und musste nach dem Einsturz des Turms, der den Altar zerstörte, 1770 abgerissen werden. Die Gläubigen beschlossen zwei Kirchen zu errichten.Herausgeber: Evang. Luth Pfarramt Rödelsee, Kath. Pfarramt Rödelsee, Communität Casteller Ring, Orte der Einkehr am Schwanberg

Evangelische St.-Bartholomäus-Kirche

mini|hochkant|Evangelische Kirche St. Bartholomäus Auf dem Gelände der alten Kirche errichteten die evangelischen Bewohner 1780 ihr Gotteshaus als typisch evangelische Kirche im Markgrafenstil.RPZ Heilsbronn, Kirchen – Ausdrucksformen des Glaubens. In: Hefte zur regionalen Kirchengeschichte IV, 1996, S. 5 mit 8. Ihre übereinander gestaffelten Bestandteile Altar, Kanzel Orgel sind für diesen Baustil charakteristisch.

Katholische St.-Bartholomäus-Kirche

mini|Katholische Kirche St. Bartholomäus Die katholische Kirche Rödelsees entstand einige Jahre nach der evangelischen im Jahr 1783. Ein dreigeschossiger Fassadenturm gliedert das Gotteshaus. Der Patron Bartholomäus steht in einer Nische des Turmes. Das Innere weist einen Altar und mehrere Heiligenfiguren auf.

Bau- und Bodendenkmäler

Passionsbildstock (Rödelsee)

Sagen Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf häufig von durchziehenden schwedischen Truppen heimgesucht. Einmal war eine Schar Soldaten auf dem Weg zum Schwanberg, als sie an einem alten Kruzifix vorbeikamen. Einer der Schweden hieb unter dem Gelächter der anderen der Christusfigur den Kopf ab. Am Fuße des Berges stürzte der Schwede so unglücklich, dass er sich das Genick brach und starb. Immer am Jahrestag seiner Untat ist er als kopfloser Reiter vor dem Bildstock zu sehen. Er legt seinen Kopf dem Christusbild zu Füßen.Klarmann, Johann Ludwig (u. a.): Sagen und Skizzen aus dem Steigerwald. S. 252.

Regelmäßige Veranstaltungen Rödelseer Frühling, letztes Wochenende im April Schwandertag, besonderer Wandertag am 1. Mai