Die Royal Air Force Station Fairford , kurz RAF Fairford, ist eine britische Luftwaffenbasis der Royal Air Force (RAF) in Gloucestershire (England), die von der United States Air Forces in Europe (USAFE) genutzt wird. Die Basis liegt etwa 90 Meilen westlich von London.
Geschichte Zweiter Weltkrieg
RAF Fairford wurde 1943 als provisorischer Stützpunkt für die US Army Air Force während des Zweiten Weltkrieges in Betrieb genommen. Dort wurde ein Kriegslazarett für verwundete amerikanische Soldaten und Piloten eingerichtet. Anfang 1944 wurde der Flugplatz ausgebaut, um die Invasion in der Normandie zu unterstützen.
RAF Fairford 1945–1964
Im Jahr 1948 zog die USAF von der Basis ab, da sie den Anforderungen neuer Flugzeugtypen nicht mehr gerecht wurde. Im Jahr 1950 kehrte sie jedoch auf den Stützpunkt zurück und begann mit einer grundlegenden Modernisierung. In den folgenden Jahren wurden jeweils kleine Bombergruppen in Fairford stationiert, die jedoch meist nur für wenige Monate blieben. Im Jahr 1954 begannen die USA mit der Stationierung von Atomwaffen in Europa und wählten Fairford als einen ihrer primären Bomberstützpunkte. Mehrere Staffeln mit B-47 Bombern wurden daraufhin in Fairford stationiert. Zusätzlich erhielt die Basis bis 1963 KC-97 Tankflugzeuge. Im Jahr 1964 wurden dann jedoch überraschend sämtliche Einheiten aus Fairford abgezogen, da das Pentagon sich für RAF Mildenhall als zentralen Stützpunkt entschieden hatte. Am 1. Juni 1964 wurde die Basis offiziell an die Royal Air Force (RAF) übergeben.
RAF Fairford 1964–1989
Auch nach der Übernahme durch die Royal Air Force (RAF) war für die Station keine gesicherte Zukunft in Sicht. Die RAF nutzte den Stützpunkt anfangs zu Trainingszwecken für Kampfpiloten, von 1965 bis 1966 dann als Basis der Kunstflugstaffel Red Arrows. Von 1966 bis 1969 diente Fairford als Stützpunkt für verschiedene Arten von Transportflugzeugen, darunter die ersten C-130 Hercules, die jedoch bald nach Lyneham abgezogen wurden. In das Blickfeld der Öffentlichkeit kam Fairford erst im Frühjahr 1969. Die Basis war als Testzentrum für den Prototyp der Concorde ausgewählt worden. Am 9. April absolvierte die Concorde ihren ersten Flug von Filton bei Bristol nach Fairford, wo umfangreiche Test durchgeführt wurden, darunter der erste Überschallflug. Die Basis wurde noch bis 1978 von der Concorde als Testzentrum genutzt. 1973 waren für einige Monate mehrere Vulcan-Bomber in Fairford stationiert.
1978 zeigte die USAF erneut Interesse an der Basis. RAF und USAF schlossen daraufhin einen Nutzungsvertrag, der bis heute Bestand hat. Die Basis blieb demzufolge unter britischer Kontrolle, durfte jedoch uneingeschränkt von den USA genutzt werden. Noch im selben Jahr wurden die ersten KC-135 Tankflugzeuge in Fairford stationiert. Dies sollte nun bis zum Ende des Kalten Krieges die neue Aufgabe des Stützpunktes werden. Zusätzlich waren nun auch strategische Bomber wie die B-52 regelmäßig auf dem Stützpunkt zu Gast. Gemeinsam mit den britischen Tankflugzeugen aus RAF Brize Norton war Fairford bis 1989 für die Luftbetankung amerikanischer Flugzeuge über Europa zuständig.
RAF Fairford seit 1990
Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die gewaltigen Tankerkapazitäten nicht mehr benötigt. Die wenigen noch benötigten Tankflugzeuge wurden nach Brize Norton verlegt. Bereits 1991 kristallisierte sich die neue Aufgabe für Fairford heraus. Während des Zweiten Golfkrieges flogen B-52-Bomber Dutzende Einsätze gegen den Irak. Seitdem dient die Air Base als Stützpunkt für amerikanische Langstreckenbomber in Europa. Von 2000 bis 2002 fand eine weitreichende Modernisierung der Basis statt, die größtenteils von der NATO finanziert wurde. Nahezu alle Arten von Flugzeugen der USAF nutzen die Basis heute, vorwiegend zu Trainingszwecken. Nach dem derzeitigen US-Stationierungskonzept ist der Stützpunkt eine Forward Operating Site. Die Basis ist außerdem ein Ausweichflughafen für den Luftwaffenstützpunkt RAF Brize Norton.
2009 gab das US-Militär bekannt, bis September 2010 sämtliche Einheiten aus Fairford abzuziehen und die Basis wieder in die alleinige Zuständigkeit der Royal Air Force zu übergeben. Die USAF hat ihr gesamtes militärisches Personal aus Fairford abgezogen.Hansard 11 Feb 2011: Column WA93 Der Stützpunkt wird nun nur noch von ein paar Dutzend Zivilangestellten instand gehalten, um im Bedarfsfall innerhalb von 48 Stunden wieder in Betrieb genommen werden zu können. Ab 2023 sollte Fairford nach Schließung von RAF Mildenhall vorgeschobene Operationsbasis der 95th Reconnaissance Squadron und 488th Intelligence Squadron des 55. Geschwaders in Offutt werden.Spy plane squadrons to move to RAF Fairford with hundreds of US Air Force families, Swindon Advertiser, 21. November 2018
Im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 starteten B-52H-Bomber zu Übungsflügen von Fairford über verschiedene NATO-Mitgliedstaaten und die Ostflanke des Bündnisses.
Im Zusammenhang mit dem Irankrieg verlegte das US-amerikanische Militär im März 2026 strategische Bomber der Typen B-1 Lancer und B-52 auf die RAF Basis. Zunächst hatte die britische Regierung das Gesuch von US-Präsident Donald Trump um Nutzung des Stützpunkts durch die USA abgelehnt, ehe Premierminister Keir Starmer Anfang März die Genehmigung erteilte.
Möglicher Anschlagsversuch September 2026 Am 27. September 2026 wurden der Polizei kurz nach Mitternacht drei verdächtige Fahrzeuge und acht bis zehn verdächtige Personen gemeldet. Ein Anruf bei den Sicherheitskräften des Luftwaffenstützpunkts blieb unbeantwortet. Ein 999-Anruf bei der Polizei führte dagegen innerhalb von 10–15 Minuten zur Ankunft von bewaffneten Polizeikräften. In der Folge fand im nahe gelegenen Whelford eine von der BBC als Antiterroreinsatz beschriebene Razzia statt, im Zuge derer fünf 23–25-jährige britische Staatsangehörige aus dem Raum London wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz und wegen Terrorverdacht festgenommen wurden. Bewohner des nahegelegenen Dorfes wurden in ein örtliches Freizeitzentrum evakuiert, während der Kampfmittelräumdienst der britischen Armee mehrere verdächtige Fahrzeuge untersuchte und die Polizei von Gloucestershire das Gebiet absperrte. Die fünf Festgenommenen wurden einen Tag darauf auf Kaution unter Auflagen freigelassen.Five UK nationals arrested near RAF Fairford released on bail. In: The Guardian, 29. September 2026. Nach Angaben der Polizei wurde bei der Durchsuchung der Fahrzeuge eine unbezifferte Menge an Benzin, jedoch kein Sprengstoff gefunden. Laut BBC rief einer der Verdächtigen am 27. September 2026 selber die Polizei an.One of the five men arrested near RAF Fairford called 999 himself. In: BBC, 30. September 2026.
Ausstattung
Fairford verfügt über eine 3046 m lange und 46 mEGVA AD 2.12 - RUNWAY PHYSICAL CHARACTERISTICS. In: aidu.mod.uk, Stand 6. August 2026, abgerufen am 30. September 2026, S. 3 (PDF). breite Start- und Landebahn in Ost-West-Richtung. Zwei weitere Bahnen mit 1750 m und 1150 m Länge, die jeweils in einem Winkel von 45° zur Hauptbahn angeordnet sind, werden nur noch als Rollbahnen genutzt. Südlich der Hauptbahn befinden sich der Tower und Abstellplätze für mehrere Dutzend Flugzeuge, die mehrheitlich von B-52 und B-1 Bombern genutzt wurden sowie die der U-2. Nördlich befinden sich Hangaranlagen sowie Unterkünfte für Soldaten.
Da Fairford in erster Linie als Krisenreaktionszentrum dient, sind in Friedenszeiten nur etwa 450 Personen auf der Basis stationiert. Im Fall eines Krieges sind es dann jedoch bis zu 3000. Während der Betriebszeit des Space Shuttle war zusätzlich zum militärischen Personal der RAF und USAF ständig ein Notfallteam der NASA vor Ort, das speziell für die Notlandung eines Spaceshuttles ausgebildet ist, weil der Flugplatz ein möglicher Notlandeplatz im Falle einer außerplanmäßigen Landung war. Diese Einheit war auch auf Notlandungen von zivilen und militärischen Flugzeugen vorbereitet und dementsprechend ausgestattet.
Royal International Air Tattoo (RIAT)
mini|Red Arrows, RIAT 2016 Auf der RAF Station Fairford findet seit 1985 die weltgrößte militärische Flugschau statt, das International Air Tattoo – zunächst alle zwei Jahre, seit 1995 jährlich. 1996 wurde die Flugschau von der Queen geadelt und in Royal International Air Tattoo umbenannt.
Im Mittelpunkt stehen militärische Flugzeuge und Hubschrauber aus der ganzen Welt. Am stärksten vertreten sind traditionell Großbritannien und die USA, die etwa die Hälfte der bis zu 400 Flugzeuge stellen. Im Jahr 2004 besuchten 168.000 Zuschauer die zweitägige Veranstaltung. Im Gegensatz zu der Luftfahrtschau in Farnborough oder der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin ist das RIAT nicht kommerziell ausgelegt. Dennoch werden auch hier neben Klassikern wie der Spitfire oder aktuellen Flugzeugen wie dem Harrier-Prototyp und Zukunftsprojekte vorgestellt. Das Highlight bilden etliche Flugvorführungen u. a. von Kunstflugstaffeln wie den Red Arrows. Hierbei gelten hohe Sicherheitsstandards, insbesondere hinsichtlich der Mindestflughöhe während der Vorführungen.
Weblinks
Website des Royal International Air Tattoo (RIAT)
Einzelnachweise
Kategorie:Militärflugplatz im Vereinigten Königreich Kategorie:Flugplatz in England Kategorie:Verkehrsbauwerk in Gloucestershire Kategorie:Luftwaffenbasis der United States Air Force (Europa) Kategorie:Space-Shuttle-Landeplatz Kategorie:Luftwaffenbasis der Royal Air Force Kategorie:Bauwerk im Cotswold District Kategorie:Erbaut 1943 Kategorie:Flugplatz in Europa