mini|National Mall in Washington, D.C., 1963: Menschenmenge bei der Abschlusskundgebung des Marsches auf Washington Die Bürgerrechtsbewegung () ist eine antirassistische soziale Bewegung in den Vereinigten Staaten. Ihre historische Hochphase erreichte sie zwischen den späten 1950er Jahren und dem Ende der 1960er Jahre. Der Schwerpunkt der damaligen Bewegung lag im Engagement für die Durchsetzung der Bürgerrechte der Afroamerikaner gegen die zu dieser Zeit in Form der „Rassentrennung“ (englisch Racial Segregation) gesetzlich festgeschriebenen Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den Südstaaten der USA. Dort erstritt sie maßgebliche Reformen zur Gleichberechtigung und Gleichstellung mit bis in das amerikanische Verfassungsrecht auswirkender Bedeutung.

Das Civil Rights Movement erlangte vor allem durch dessen populären Protagonisten Martin Luther King und den von ihm propagierten gewaltfreien Widerstand im zivilen Ungehorsam (englisch Civil Disobedience) weltweite Aufmerksamkeit. Mit der 1964 erfolgten Verleihung des Friedensnobelpreises an King wurde über seine Person hinaus auch die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung auf internationaler Ebene gewürdigt.

Geschichte

Das Civil Rights Movement setzt sich bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner und die Überwindung des Rassismus in den Vereinigten Staaten ein. Seit dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs 1865 war die Sklaverei in den USA zwar abgeschafft, dennoch blieben die Afroamerikaner vor allem in den Südstaaten weiterhin unterdrückt.

Zunächst wurden den ehemaligen Sklaven mit dem 14. Zusatzartikel zur Verfassung das Bürger- und mit dem 15. Zusatzartikel das Wahlrecht gewährt und schwarze Politiker in die Parlamente gewählt. Doch die Situation der Schwarzen verbesserte sich nur so lange, wie die Truppen der Union die Südstaaten besetzt hielten. Nach ihrem Abzug und dem Ende der Reconstruction kehrte sich der Trend um: Die sogenannten Jim-Crow-Gesetze, die als Alternative für die nun abgeschafften Black Codes dienten, hielten die Beschäftigung der Schwarzen hauptsächlich als schlecht bezahlte Farmarbeiter aufrecht und umgingen das Wahlrecht durch Einschränkungen wie einen Alphabetismus-Test, von denen teils solche, deren Großväter schon gewählt hatten, wiederum ausgenommen wurden (Großvater-Klausel). Zusammen mit der gewalttätigen Einschüchterung schwarzer Wähler durch den 1865/66 gegründeten Ku-Klux-Klan führte das zum Erliegen der politischen Repräsentation der Schwarzen.

Gesetze und Klagen bis Mitte der 1950er Jahre mini|hochkant|Booker T. Washington (1903) mini|hochkant|W. E. B. Du Bois (1918) Weiterhin wurde durch die Jim-Crow-Gesetze genannten Gesetze die Rassentrennung (Racial Segregation) festgeschrieben, die alle öffentlichen Einrichtungen betraf, darunter Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, öffentliche Verkehrsmittel und Gebäude, Gaststätten, Theater, Kinos, Schwimmbäder und Parks. Die Segregation wurde 1896 im Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Plessy v. Ferguson bestätigt und legitimiert. Es erklärte getrennte Einrichtungen für verfassungsgemäß, solange sie von gleicher Qualität waren („getrennt, aber gleichwertig“). Diese Gleichheit wurde aber nie überprüft, so dass Einrichtungen für Schwarze stets schlechter ausgestattet waren.

Die Entwicklungen dieser Zeit bildeten im weltweiten Vergleich, insbesondere bezüglich der politisch vorherrschenden Nationalstaaten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts keine Ausnahme. Zunächst hatte sich in Europa der Rassismus im Zuge des spätneuzeitlichen Kolonialismus und der Aufteilung Afrikas sowie der Verbreitung diverser pseudowissenschaftlicher Rassentheorien ausgebreitet, denen zufolge eine „weiße Rasse“ anderen überlegen sei. Auch die Vereinigten Staaten begannen nun, imperialistische Ziele zu verfolgen. Das nationale Denken zu der Zeit war nicht nur gegenüber Afroamerikanern, sondern gegenüber allen nicht-„Weißen“ (im Sinn von nicht-europäischstämmigen Bevölkerungsgruppen) von rassistischen Klischees und Vorurteilen geprägt, USA-spezifisch verbunden mit einem Sendungsbewusstsein im Sinne der Manifest Destiny zunächst bis zum Pazifik, schließlich auch darüber hinaus.

Es stellte sich für die Afroamerikaner die Frage, wie sie mit der erschwerten Situation umgehen sollten. Booker T. Washington vertrat um die Jahrhundertwende die Ansicht der Akkommodation (im Sinn einer Form der „Anpassung“). Seiner Meinung nach sollten die Schwarzen die bestehenden Unterschiede für den Moment hinnehmen – im Glauben an kommenden wirtschaftlichen Aufschwung hoffte er, eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erreichen zu können. Durch eine bessere Bildung und das Erlernen besonders technischer Berufe sollten die Schwarzen mit der Zeit zu Gleichberechtigung und friedlicher Koexistenz mit den Weißen gelangen. Wie er war auch der Separatist Marcus Garvey auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Schwarzen bedacht (Black Business Power). Er und die 1914 von ihm gegründete Universal Negro Improvement Association förderten darüber hinaus die politische Unabhängigkeit von den „weißen“ USA, z. B. durch die kollektive Auswanderung nach Afrika. Seine Philosophie des schwarzen Stolzes (Black Pride) gab vielen Schwarzen mehr Selbstachtung und Identifikation mit sich selbst. Garveys Bewegung erfreute sich besonders in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg besonderer Beliebtheit. mini|hochkant|Thurgood Marshall (1957); ab den 1930er Jahren bedeutender Rechtsanwalt der NAACP, später (1967–1991) der erste afroamerikanische Richter am Obersten Gerichtshof der USA Die dritte und zur damaligen Zeit am weitesten gehende organisierte Bewegung propagierte die Integration und damit die vollständige auch gesetzliche Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung. Vertreten wurde diese Bewegung durch W. E. B. Du Bois und die 1909 gegründete National Association for the Advancement of Colored People (NAACP). Ihr Ziel war die schnellstmögliche Gleichstellung der Schwarzen gegenüber den Weißen. Vor Gericht versuchte die NAACP, die Rechte Schwarzer zu wahren. 1915 erreichte sie die Abschaffung von Großvater-Klauseln in den Verfassungen von Maryland und Oklahoma, was 1939 auf den gesamten Süden ausgedehnt wurde. Auch die National Urban League (NUL), die als Reaktion auf die vermehrte Abwanderung von Schwarzen in die Städte des Nordens deren dortige Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern wollte, zählt zu den Integrationisten.

Während der 1940er und 1950er Jahre gewann die NAACP mit Thurgood Marshall mehrere Verfahren, in denen er nachweisen konnte, dass die Bildungseinrichtungen seiner schwarzen Mandanten im Vergleich zu denen der Weißen nicht gleichwertig waren. Anfang der 1950er Jahre plante die NAACP jedoch, sich nicht mehr auf die Doktrin „getrennt, aber gleichwertig“ zu berufen, sondern sie anzugreifen. Nach einem mehrjährigen Prozess fällte der Oberste Gerichtshof 1954 ein historisches Urteil im Fall Brown v. Board of Education, das die Rassentrennung an Schulen als in sich nicht gleichwertig und somit für generell verfassungswidrig erklärte und ihre Aufhebung anordnete. Es gab zwar keinen festgelegten Zeitraum für die Umsetzung des Urteils, das im Übrigen keine anderen öffentlichen Einrichtungen als nur Schulen betraf. Doch das Urteil löste unter den Schwarzen Amerikas Begeisterung aus, während es unter Weißen – insbesondere im Süden – auf Widerstand stieß.

Busboykott von Montgomery (1955/56) Der Busboykott von Montgomery von 1955/56 wird als Geburtsstunde der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung angesehen. Infolge der Festnahme von Rosa Parks, die sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz in einem Bus in Montgomery, Alabama für einen Weißen zu räumen, boykottierte die afroamerikanische Bevölkerung der Stadt 13 Monate lang das Busunternehmen. Zusätzlich reichte eine Gruppe Betroffener Klage ein (Gayle v. Browder), mit der Begründung, die Regeln der Rassentrennung des Busunternehmens verstießen gegen den 14. Zusatzartikel zur Verfassung. Dieser Klage wurde mit Verweis auf die Grundsatzentscheidung Brown v. Board of Education stattgegeben, was der Oberste Gerichtshof am 13. November 1956 bestätigte. Die Schwarzen hatten durch diesen Vorfall nationale Aufmerksamkeit gewonnen, insbesondere der Anführer des Boykotts, der Baptistenpfarrer Martin Luther King, jr., Mitbegründer der Southern Christian Leadership Conference (SCLC), wurde zum populärsten Anführer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

Little Rock und Schulintegration (1957) mini|Gesetzliche Regelung der Rassentrennung in der Schulbildung in den Vereinigten Staaten vor 1954 1957 verwehrte eine aufgebrachte Menge in Little Rock, Arkansas neun schwarzen Schülern den Zugang zur bis dahin ausschließlich von Weißen belegten Little Rock Central High School. Der Gouverneur von Arkansas weigerte sich, den Schülern Zugang zur Schule zu verschaffen, ebenso sie zu schützen. Durch die erstmalige Live-Berichterstattung durch das Fernsehen sah sich Präsident Eisenhower gezwungen, die Nationalgarde von Arkansas dem Befehl des Gouverneurs zu entziehen und den Schülern selbst Schutz und Zugang zu ihrer Schule zu verschaffen.

Strategie des zivilen Ungehorsams Mit den Mitteln des zivilen Ungehorsams, zu dem der gewaltlose Widerstand mit unterschiedlichen Formen des friedlichen Protests gehörte, konnte die Bürgerrechtsbewegung die Aufhebung der institutionellen Segregationspolitik in den US-Südstaaten durchsetzen. In seinen Methoden und seiner Strategie orientierten sich King und seine Anhänger auch an den Methoden Mahatma Gandhis im gewaltfreien Kampf um die Unabhängigkeit Indiens von der britischen Kolonialmacht. Studenten in North Carolina begannen 1960 als erste mit dem gewaltlosen Widerstand. Mit ihren Sit-ins in Restaurants für Weiße setzten sie eine nationale Bewegung zur Aufhebung der Rassentrennung in allen öffentlichen Einrichtungen ein. Aus dieser Bewegung ging 1960 das Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) hervor.

1961 begannen die so genannten Freedom Rides (Freiheitsfahrten), Busfahrten über Grenzen von US-Bundesstaaten hinweg in Staaten, in denen die Rassentrennung lediglich formaljuristisch aufgehoben war. Den Freiheitsfahrern gelang es, der Öffentlichkeit aufzuzeigen, dass die Segregation auf diesen Busfahrten und den dazugehörigen Bahnhöfen faktisch weiter bestand. Die Schwarzen wurden an den Bahnhöfen von weißen Rassisten durch körperliche Gewalt misshandelt, was durch die Berichterstattung der Medien nationale Empörung auslöste. Der Druck auf die US-Regierung wuchs; ab 1962 wurde das bestehende Gerichtsurteil, das die Rassentrennung auf zwischenstaatlichen Busfahrten verbot, durchgesetzt.

Kampf um Aufhebung der Rassentrennung in Birmingham und Bürgerrechtsgesetz (1963/64) mini|Martin Luther King bei seiner berühmt gewordenen Rede I Have a Dream (1963) mini|2. Juli 1964: US-Präsident Lyndon B. Johnson bei der Unterzeichnung des Civil Rights Act of 1964, umgeben von Vertretern aus Politik und Gesellschaft. Direkt links hinter Johnson: Martin Luther King

Die Bürgerrechtsbewegung hatte durch die Freedom Rides ihre Methode des gewaltlosen Widerstands vervollständigt. Sie offenbarte die Gewalt weißer Rassisten und stellte sie mit Hilfe der Berichterstattung der Medien als wirkungslos und falsch dar, wie es Martin Luther King formulierte. Durch die Bilder wuchs der moralische Druck auf die rassistischen Gewalttäter; die Offenlegung der Krise zwang die Behörden, sich mit dem Thema zu befassen und es zu lösen.