Obernburg ist ein Ortsteil der Gemeinde Vöhl im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.
Geographie Der Ort liegt im nördlichen Teil des Naturparks Kellerwald-Edersee am Rande des Kuhbachtals auf einem Hügel.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste erhaltene Urkunde, die Obernburg erwähnt, datiert auf 1278 und findet sich im Klosterarchiv des Klosters Haina. Der Name leitet sich vermutlich von der ehemaligen Burg auf dem Weißenstein ab, die die „Obere Burg“ genannt wurde und die bereits 1058 die erste der drei Itterburgen war.
Obernburg gehörte zunächst zur Landgrafschaft Hessen, seit 1806 zum Großherzogtum Hessen. Dort lag es in dessen Provinz Oberhessen. Nach Auflösung der Ämter im Großherzogtum 1821 gehörte es zum Landratsbezirk Vöhl und zum Bezirk des Landgerichts Vöhl. Die Gemeinde gehörte zu den Landesteilen, die das Großherzogtum nach dem verlorenen Krieg von 1866 mit dem Friedensvertrag vom 3. September 1866 an Preußen abtreten musste. Dort wurde es dem Landkreis Frankenberg und dem Amtsgericht Vöhl zugeordnet.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Am 1. Januar 1974 wurden die Gemeinden Hessenstein, Ittertal, Marienhagen, Obernburg und Vöhl kraft Landesgesetz zur Großgemeinde Vöhl zusammengeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Vöhl wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Obernburg angehört(e):
vor 1356: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Itter 1356–1590: Heiliges Römisches Reich, Landesherrschaft strittig zwischen Landgrafschaft Hessen, Kurmainz und Grafschaft Waldeck, Herrschaft Itter ab 1585: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Herrschaft Itter 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg)Die Zugehörigkeit der Herrschaft Itter anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Herrschaft Itter ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Herrschaft Itter ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Herrschaft Itter ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Herrschaft Itter ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk VöhlTrennung von Justiz (Landgericht Vöhl) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Vöhl ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Frankenberg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Gemeinde Vöhl
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Obernburg 417 Einwohner. Darunter waren 6 (1,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 66 Einwohner unter 18 Jahren, 189 waren zwischen 18 und 49, 90 zwischen 50 und 84 und 72 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 174 Haushalten. Davon waren 45 Singlehaushalte, 51 Paare ohne Kinder und 60 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 24 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 123 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1585: 6 Hausgesesse 1629: 7 Haushaltungen 1742: 6 Haushaltungen 1791: 109 Einwohner 1800: 101 Einwohner 1806: 128 Einwohner, 20 Häuser 1829: 156 Einwohner, 24 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit Im Jahr 1885 waren von den 203 Einwohnern 201 evangelisch was (99,0 % entspricht) und zwei Einwohner bekannten sich zum katholisch Glauben (0,1 %). 1961 wurden 301 evangelische (80,9 %) und 65 katholische (17,5 %) Christen gezählt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirche Die im romanischen Stil erbaute Kirche wurde bereits vor 1200 errichtet. An ihrer Empore sind sehenswerte Bilder und Schnitzereien zu bewundern. Die Eingangstür und das wertvolle Kruzifix stammen von dem Waldecker Barockbildhauer Josias Wolrat Brützel. Die künstlerische Verglasung wurde 1972 von dem Glasmaler Erhardt Jakobus Klonk entworfen.
Drachenhöhle Am Dorfrand liegt die „Drachenhöhle“, von der, wie eine örtliche Legende erzählt, Siegfried den Drachen Fafnir erschlagen haben soll. Daher ist die Höhle bei der Bevölkerung auch als „Siegfriedshöhle“ bekannt. Von der Höhle führt ein versteckter Gang bis unter die Kanzel der Kirche. Dieser Gang diente in alten Zeiten als Fluchtweg.
Hof Lauterbach Etwas östlich des Orts befindet sich der Gutshof Lauterbach, errichtet als Landsitz durch Landgraf Georg III. von Hessen-Darmstadt.
Persönlichkeiten Karl Frank (1790–1875), 1831 bis 1875 Pfarrer in Obernburg
Literatur Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 150. Wagner, Wüstungen, S. 403.
Weblinks Ortsteil Obernburg. In: Webauftritt der Gemeinde Vöhl.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Ortsbezirk von Vöhl Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974 Kategorie:Ersterwähnung 1278