Manfred Mann’s Earth Band (kurz MMEB) ist eine britische Rockband um den südafrikanischen Keyboarder Manfred Mann.mini|Manfred Mann’s Earth Band, Zelt-Musik-Festival 2017 Freiburg

Geschichte 1971–1975 Nach großen Erfolgen mit seiner Band Manfred Mann in den 1960er Jahren hatte Manfred Mann ab Oktober 1969 mit Mike Hugg die am Jazzrock orientierte Formation Manfred Mann Chapter Three betrieben, die kommerziell erfolglos blieb. Nach einem Konzert am 3. Dezember 1970 in Warrington, bei dem Mann den Auftritt vorzeitig abbrach und die Bühne verließ, bestand die Gruppe nicht weiter. Ein bereits abgeliefertes drittes Album erschien nicht. Mann führte das Scheitern rückblickend auf die selbst auferlegten Regeln der Gruppe zurück, keine Gitarre einzusetzen und ausschließlich eigene Kompositionen zu spielen. Am Ende seien die Regeln zur Zwangsjacke geworden. Noch im Dezember 1970 holte er den Gitarristen Mick Rogers aus Australien zurück nach London und sprach anschließend Schlagzeuger Chris Slade an, der bereits an fast allen Aufnahmen für das unveröffentlichte dritte Album von Chapter Three beteiligt gewesen war.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 116. Anfang Januar 1971 vervollständigte Bassist Colin Pattenden auf Slades Empfehlung die Besetzung.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 119 und 122. 1971 gründete Manfred Mann mit ihnen seine Earth Band.

Zunächst trat die Gruppe weiterhin unter dem Namen Manfred Mann auf; unter diesem Namen fanden im Februar 1971 auch die ersten Aufnahmesitzungen in den Londoner I.B.C. Studios statt.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 122. Das daraus entstandene erste Album war im August 1971 fertiggestellt und sollte am 3. September 1971 unter dem Titel Stepping Sideways erscheinen. Andy Taylor zufolge war der Titel als Antwort auf den Vorwurf gedacht, Mann habe sich mit der vorab veröffentlichten Popsingle Living Without You verkauft. Mann zog das Album jedoch zurück, weil es die musikalische Richtung der Band, die sich auf ihren Tourneen weiterentwickelt hatte, nicht mehr wiedergab.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 125, 127 und 129.Andy Taylor: Begleittext im Beiheft der CD-Box Odds & Sods – Mis-takes & Out-takes, Cohesion MMBOOK1, 2005. Einige Titel daraus erschienen erst 2005 auf der CD-Box Odds & Sods – Mis-takes & Out-takes.

Mit dem wachsenden Konzerterfolg suchte die Band einen unterscheidbareren Namen. Da sich Mann und band im Englischen beinahe reimen, sollte ein Wort dazwischentreten, das die Musik der Gruppe kennzeichnete. Verworfen wurden unter anderem arm band, elastic band und head band. Nach einem Konzert in Dublin schlug Chris Slade am 11. September 1971 während der Rückreise mit Blick auf die aufkommende Ökologiebewegung Earth Band vor.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 130. Mann selbst erklärte später, head band und ähnliche Vorschläge hätten ihm zu sehr nach Hippies geklungen. Earth Band dagegen habe zur damaligen Ökologiebewegung gepasst und etwas Zeitloses gehabt.

Öffentlich verwendet wurde der neue Name erstmals am 7. Oktober 1971, als John Peel die Gruppe in einer BBC-Session als Manfred Mann’s Earth Band ankündigte. Zehn Tage später kündigte die Band bei einem Auftritt im Londoner Roundhouse an, den Namen ab dem 1. Dezember 1971 zu führen; im Druck vorgestellt wurde er bereits am 6. November 1971 in einer Anzeige im Melody Maker. Der erste Auftritt außerhalb der BBC unter dem neuen Namen fand am 4. Dezember 1971 in Watford statt.

Das schließlich veröffentlichte erste Album, das in veränderter Zusammenstellung schlicht unter dem Titel Manfred Mann’s Earth Band erschien, zeigt noch deutliche Einflüsse aus Manns R&B-Zeit in den 1960er Jahren und aus seiner Zeit mit Manfred Mann Chapter Three. Der Stil ist am ehesten als Bluesrock zu beschreiben, daneben finden sich deutliche Anleihen beim Jazz Rock und beim Rhythm & Blues. Die Songs sind zum Teil selbst geschrieben, zum Teil gecovert.

Mit Please Mrs Henry findet sich auf dem Album auch das erste Bob-Dylan-Cover der Earth Band. Captain Bobby Stout blieb als einziger Titel des Albums dauerhaft im Konzertrepertoire: Er gehörte bereits im Dezember 1971 zum Bühnenprogramm und wurde noch 2024 live gespielt. Auf den beiden offiziellen Livemitschnitt-Boxen Bootleg Archives Volumes 1–5 und Bootleg Archives Volumes 6–10, die zehn Konzerte zwischen 1981 und 2014 dokumentieren, ist er das einzige vertretene Stück des Debütalbums.Bootleg Archives Volumes 1–5. Cohesion MMARCHIVE1, 2009 (); Bootleg Archives Volumes 6–10. Creature Music MMARCHIVE2, 2017 (). Geschrieben hatte den Titel Lane Tietgen, von dem 1978 mit Martha’s Madman ein weiterer, jahrzehntelang gespielter Konzert-Klassiker stammte.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 127, 156 und 159.

1972 folgt mit Glorified Magnified das zweite Album, auf dem der Earth-Band-Sound bereits ausgeprägter ist als auf dem Debüt.Walter Sehrer u. a.: Rock – Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check. Teil 1, 2013, S. 158. Erstmals treten hier Merkmale hervor, die für die Earth Band später markant wurden: von Keyboard und Gitarre unisono gespielte Riffs, polyrhythmische Moog-Improvisationen und Überblendungen zwischen den Instrumentengruppen.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 132 und 133. Die Basis bilden überwiegend selbstgeschriebene Songs von Manfred Mann, Mick Rogers und Chris Slade. Produziert wurde das Album von Mann zusammen mit dem Toningenieur Dave Hadfield. Außerdem findet sich auf dem Album eine Coverversion eines Dylan-Klassikers, der auf der US-Ausgabe verkürzt nur It’s All Over Baby Blue benannt ist.

Im Juni 1973 erschien mit Messin’ das dritte Album, das Manfred Mann allein produzierte.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 136 und 137. Den namensgebenden, fast zehnminütigen Titelsong hatte Mike Hugg noch für das unveröffentlicht gebliebene dritte Album von Manfred Mann Chapter Three geschrieben. In der Fassung der Earth Band verbindet er eine ökologische Botschaft mit eingespielten Maschinen- und Tiergeräuschen. Für den nordamerikanischen Markt erschien das Album unter dem Titel Get Your Rocks Off und mit anderem Covermotiv. Der Titel Black And Blue wurde dort durch eine Coverversion von John Prines Pretty Good ersetzt.

Ebenfalls 1973 erschien mit Solar Fire das vierte Album, der Beginn einer Phase, in der die Band sich stark am Progressive Rock orientierte.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 140 und 141.Walter Sehrer u. a.: Rock – Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check. Teil 1, 2013, S. 150. Mick Rogers nannte später Pink Floyd als Vorbild: Man habe ein ähnliches Konzeptalbum machen wollen, allerdings etwas rockiger und mit Jazz-Elementen. Signifikant waren nun lange, von Orgel, Mellotron, Minimoog und E-Gitarre bestimmte Instrumentalteile. Das Album war von Gustav Holsts Orchestersuite Die Planeten beeinflusst. Ursprünglich hatte Mann erwogen, das Werk vollständig einzuspielen, wovon jedoch nur wenig aufgenommen und nichts veröffentlicht wurde.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 137 bis 139. Die dem Album vorangegangene Single Joybringer war eine Bearbeitung des Satzes Jupiter, the Bringer of Jollity. Die Genehmigung dafür erteilte Holsts Tochter Imogen Holst als Nachlassverwalterin, nachdem die Aufnahme bereits fertiggestellt war. Joybringer erreichte im Herbst 1973 Platz 9 der britischen Charts, Manfred Manns erste Top-ten-Single seit 1969. Auf dem Album selbst greift der Titel Saturn, Lord of the Ring / Mercury, the Winged Messenger zwei weitere Sätze der Holst-Suite auf. Als Eröffnungsstück diente ein aufwendiges Arrangement des nur rund eineinhalbminütigen Dylan-Stücks Father of Night vom Album New Morning, das die Earth Band unter dem Titel Father of Day, Father of Night auf knapp zehn Minuten ausdehnte. Das Stück gehört seitdem dauerhaft zum Konzertrepertoire der Band, so etwa 1986 auf der Criminal Tango-Tournee, 1991 nach der Neuformierung und noch 2024.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 181 und 189.

Solar Fire war das erste Album, das im Studio The Workhouse entstand, das Mann nach dem Ausstieg Mike Huggs aus den Maximum Sound Studios umbenannt hatte. Das Studio in der Old Kent Road war ursprünglich ein Vierspurstudio unter der Leitung von Dave Hadfield gewesen. Mann hatte sich um 1967 daran beteiligt. Außer den Alben von Chapter Three entstanden dort die meisten Alben der Earth Band. Das Gebäude wurde 2004 abgerissen. In den Vereinigten Staaten erreichte das Album Platz 96, in Großbritannien Goldstatus ohne Chartnotierung. Mit Joybringer endete der Vertrag mit Phonogram. Im September 1973 wechselte die Band zu Bronze Records, dessen Chef Gerry Bron in den 1960er Jahren Manns Manager und Produzent gewesen war. Ab Solar Fire und über die gesamte Zeit bei Bronze war die Band in Deutschland besonders erfolgreich und erreichte dort regelmäßig die Top 10 der Albumcharts sowie Gold- und Platinauszeichnungen. Mann vermutete 2026, dies könne damit zusammenhängen, dass die Deutschen „ziemlich ernsthafte Menschen“ seien, „vielleicht ein bisschen zu ernst“. Gerade eher eigenartige Alben wie Solar Fire oder The Roaring Silence seien dort besonders gut angekommen.Steffen Rüth: Manfred Mann’s Earth Band: „Würde ich aufhören, würde etwas in mir sterben“. Interview mit Manfred Mann. In: Classic Rock, Oktober 2026, S. 49.

Das folgende Album The Good Earth erschien im Oktober 1974 und war die erste Veröffentlichung der Band bei ihrem neuen US-Label Warner Brothers.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 142 und 143.Walter Sehrer u. a.: Rock – Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check. Teil 1, 2013, S. 154. Mit I’ll Be Gone und Launching Place Part II coverte die Earth Band A- und B-Seite einer Single der australischen Band Spectrum, die in deren Heimatland ein Top-ten-Hit gewesen war. Als Verkaufsanreiz konnte jeder Käufer mit einem beiliegenden Coupon Anspruch auf einen Quadratfuß Land auf einem Berg in Wales anmelden. In Großbritannien war der Coupon in die Innenhülle gedruckt, in den Vereinigten Staaten musste dafür die Ecke des Albumcovers ausgeschnitten werden. Auf der Urkunde heißt es: „The owner of this album is entitled to rights over one square foot of the earth situated at Llanerchyrfa in the County of Breron, Wales in Great Britain, subject to registration on or before 31st December, 1975.“ Die Rückseite des Albums enthält einen Abdruck der entsprechenden Urkunde sowie ein Foto des Hügels. Die Verkaufszahlen blieben deutlich hinter Solar Fire zurück, in den Vereinigten Staaten reichte es nur für Platz 157.

Das sechste Album der Band, Nightingales & Bombers, erschien im August 1975 und enthielt mit Spirits in the Night die erste Bruce-Springsteen-Coverversion der Earth Band.Greg Russo: Mannerisms. 4. Auflage, 2022, S. 145 und 146.Walter Sehrer u. a.: Rock – Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check. Teil 1, 2013, S. 152. Der Albumtitel geht auf eine Tonbandaufnahme zurück, die ein Ornithologe während des Zweiten Weltkriegs in Surrey anfertigte, um Nachtigallen aufzunehmen. Zufällig wurden dabei auch überfliegende Bomber mit aufgezeichnet. Die Aufnahme ist am Ende des Stücks As Above, So Below eingearbeitet.Robert M. Corich, Andy Taylor: Begleitheft der CD-Wiederveröffentlichung Nightingales & Bombers. Cohesion MANN 008, 1999. Solistisch dominierte Manfred Manns Moog-Synthesizer, dessen Klang auf diesem Album durch den Einsatz von Resonanzfiltern die für ihn typische Färbung erhielt.Walter Sehrer u. a.: Rock – Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check. Teil 1, 2013, S. 148. Vom Moog geprägt sind vor allem die Instrumentalstücke Countdown, Crossfade und As Above, So Below.

1976–1988