Eingeimpft ist ein deutscher Dokumentarfilm von David Sieveking aus dem Jahr 2017, in dem der Filmemacher die langwierige Entscheidungsfindung über die Impfung seiner neugeborenen Tochter aufzeigt. Seine Weltpremiere hatte der Film am 1. November 2017 beim 60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Deutscher Kinostart war am 13. September 2018.

Der Film wurde von Flare Film GmbH (ehemals Lichtblick Media) und Lichtblick Film in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg in Kooperation mit Arte produziert. Gefördert wurde er vom Medienboard Berlin-Brandenburg, der Film- und Medienstiftung NRW, der Hessischen Filmförderung und dem Deutschen Filmförderfonds/FFA.

Der Film fiel ganz überwiegend bei Kritikern durch und wurde dabei für den Umgang mit wissenschaftlichen Fakten kritisiert.

Inhalt Nach der Geburt ihrer Tochter Zaria werden David und Jessica mit dem von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfohlenen umfangreichen Impfkalender für Neugeborene konfrontiert. Nach diesem soll Zaria schon im Alter von zwei Monaten gegen sechs Krankheiten geimpft werden.

Die Eltern sind sich in der Impffrage nicht einig. Für David gehört das Impfen einfach dazu, Jessica lehnt Impfungen aus einem Bauchgefühl ab. Auch einzelne Ärzte raten von zu frühen Impfungen ab. Die Entscheidung fällt beiden schwer.

David beschließt, zu dem Thema zu recherchieren und die Pro- und Kontra-Argumente zu untersuchen, seine Kinder schon in einem frühen Alter gegen viele Krankheiten impfen zu lassen. Er spricht mit Ärzten, Wissenschaftlern, anderen Eltern. Jessica wird erneut schwanger. Als in der Nachbarschaft die Masern ausbrechen, muss das Paar sich endgültig entscheiden.

David lernt auf einem Kongress den dänischen Anthropologen Peter Aaby kennen, der ihn nach Westafrika einlädt. Aaby gründete 1978 in Guinea-Bissau das Bandim Health Project, ein Gesundheits- und demografisches Überwachungssystem, das schwerpunktmäßig Informationen über Impfungen und Krankheiten von Kindern sammelt. In Auswertung dieser Daten stellte Aaby unspezifische Wirkungen von Impfstoffen (heterologe Effekte) fest, d. h. über die spezifischen Schutzwirkungen gegen die Zielerkrankungen der Impfstoffe hinausgehende Wirkungen, die bei Lebend- und Totimpfstoffen auftreten. Diese heterologe Effekte können positiv ausfallen, wie z. B. die reduzierte Gesamtsterblichkeit bei Bacillus Calmette-Guérin (BCG)-Impfungen gegen Tuberkulose oder bei Masernimpfungen. Auf der anderen Seite wird behauptet, dass durch den Totimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten eine Schwächung des Immunsystems auftreten soll, obwohl hierfür immunologisch plausible Erklärungen weitgehend fehlen. Dies wird von der WHO und Impfexperten aufgrund methodischer Schwächen (zu wenige randomisierte, kontrollierte Studien; Datenlage auf Basis regionaler Studien nur in Subsahara-Afrika) angezweifelt.

Nach den Eindrücken aus Westafrika gelingt es David und Jessica, ihre ganz eigene, private Entscheidung zu fällen: Sie lassen ihre Kinder impfen.

Auszeichnungen Beim Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2017 war der Film für folgende Preise nominiert: ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness; Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts; Gedanken-Aufschluss; DEFA-Förderpreis.DOK-Filmarchiv: Eingeimpft; abgerufen am 27. Februar 2018.

Eingeimpft wurde in die Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis in der Kategorie „Dokumentarfilm“ gewählt.Deutscher Filmpreis: ; abgerufen am 27. Februar 2018.

Zudem wurde der Film von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat besonders wertvoll ausgezeichnet.Deutsche Film- und Medienbewertung: Eingeimpft. Filminfo und Jurybegründung

Rezeption Kritik mit positivem Tenor Die Zeitschrift Filmdienst ist der Meinung, der Film liefere „wissenschaftlich-unterhaltsame Aufklärung in einer komplizierten Streitfrage“ und sei eine „humoristische Radiografie von Sievekings Beziehung“:

epd Film schreibt, der Film „[kämpfe] sich angenehm unvoreingenommen und eng am eigenen Beispiel bleibend durch die Pro-und-Kontra-Debatte rund um den Impfschutz“:

Zum Schweizer Kinostart am 20. September schreibt die Neue Zürcher Zeitung:„Auch wenn der Film kein flammendes Plädoyer für das Impfen ist, so lässt die elterliche Tat doch nur eine Interpretation zu: Der Nutzen von zugelassenen Impfungen überwiegt klar deren Risiken. Weil zudem der Einzelne nicht wissen kann, ob er oder sein Kind Opfer einer seltenen Nebenwirkung wird, ist Impfen die vernünftigere Option als Nichtimpfen. Ist das zu impfkritisch? Nein, so sieht moderne Aufklärung für ein mündiges Publikum aus.“

Kritik mit negativem Tenor Natalie Grams veröffentlichte in der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft eine Kritik des Films, in der sie befürchtet, der Film könne „eine neue Welle der Impfverweigerung auslösen“.

Für die Zeitschrift „Skeptiker“ schrieb sie eine Kritik des zum Film erschienenen Buchs, in der sie das Fazit zog:

In einem Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur kritisierte Grams, Sieveking stelle sich gegen das beste über das Impfen verfügbare Wissen, wie es von der STIKO erarbeitet wird, „und die Begründung, mit der er das tut, ist nicht ausreichend gut.“Natalie Grams im Deutschlandfunk Kultur, 10. September 2018: Ärztin kritisiert Laiensicht auf das Thema Impfung, abgerufen am 10. September 2018

Bei Zeit Online wurde kritisiert, der Film würde, anstatt zu helfen, „unnötige Zweifel“ säen.Zeit Online: So beantworte ich keine Fragen, so arbeiten Verschwörungstheoretiker. Abgerufen am 20. August 2018. In einer Rezension des zum Film erscheinenden Buchs kritisierte Zeit Online den Autor David Sieveking:

Der Tagesspiegel kritisierte, der Film würde sich an einem „vermeintlich ‚ausgewogenen‘ Pro-und-Contra-Schema“ versuchen:

Die Süddeutsche Zeitung konstatiert, der Film liefere „keine Aufklärung“ sondern „schlecht verpackte Nahrung für Impfgegner“:

Nach dem Start des Films kritisiert die Süddeutsche Zeitung den Umgang des Filmemachers mit der geäußerten Kritik:

Der Spiegel kritisiert, der Film schüre „irrationale Ängste vor dem Impfen“:

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ist der Meinung, „Eingeimpft“ sei ein „Film mit Nebenwirkungen“:

SWR2 urteilt, „der Film nährt Verschwörungstheorien“:

Das Deutsche Ärzteblatt kritisiert eine „fehlende Einordnung von Fakten“:

Im Magazin Zapp des NDR Fernsehen wird geurteilt, der Film verunsichere mit Halbwahrheiten:

Die Wissenschaftssendung Nano des Fernsehsenders 3sat meint, der Film „versucht anderen Eltern eine Entscheidungshilfe zu sein und birgt dabei eine große Gefahr“:

Die Badische Zeitung hält „Eingeimpft“ für den „falsche[n] Film zur falschen Zeit“:

Die Stuttgarter Zeitung unterzog sechs strittige Thesen des Films einem Faktencheck und diskutierte dies mit dem Kinderarzt und Infektiologen Markus Rose (Klinikum Stuttgart). Hierbei wurden verschiedene Schlüsselszenen untersucht, beispielsweise ob ein Kind nicht von allein, auf natürliche Art und Weise ein gesundes Immunsystem entwickeln könne oder ob Aluminiumsalze dem menschlichen Nervensystem schaden können. Der Impfexperte widerlegte diesen Behauptungen und führte an, dass Eltern den sogenannte Nestschutz der Kinder überschätzen oder es für die schädlichen Wirkungen der Aluminiumsalze keine Anhaltspunkt gäbe.

Der Film wurde durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften und den Deutschen Konsumentenbund als „eine verpasste Chance zur fairen Impfaufklärung“ kritisiert. Die beiden Organisationen veröffentlichten am 20. August 2018 vor dem Start des Films eine Website, auf der sie ihre Kritik darstellten.Website Eingeimpft.de. Abgerufen am 20. August 2018.

Einzelnachweise

Literatur David Sieveking: Eingeimpft. Familie mit Nebenwirkungen. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2018, ISBN 978-3-451-32974-6.

Weblinks Offizielle Website zum Film Webseiten des Informationsnetzwerks Impfen, GWUP

Kategorie:Filmtitel 2017 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Medizin im Film