Der KasselerKunstVerein ist ein Kunstverein in Kassel. Der Verein war der Nachfolger des Kunstvereins für Kurhessen und ist eine der frühesten Gründungen eines Kunstvereins in Deutschland.

Gründungsgeschichte mini|Aktie des Kunstvereins für Kurhessen vom 1. Mai 1837 Die Gründung des Kunstvereins für Kurhessen ging von dem Professor Friedrich Müller der Kunstakademie Kassel aus, der ein öffentliches Forum für Kunst schaffen wollte. Am 4. Januar 1835 gründeten die Akademiker Friedrich Müller, Ludwig Hummel, Johann Christian Ruhl, Ludwig Sigismund Ruhl, Julius Eugen Ruhl, Johann Bromeis, Justus Heinrich Zusch, Karl Christian Aubel, Werner Henschel, Ludwig Emil Grimm, Johannes Konrad Wolff, Ernst Friedrich Ferdinand Robert und Oberbaurat Justus KühnertManfred Marx; Heiner Georgsdorf: 150 Jahre Kunstverein – Kasseler Kunst Verein. Kassel 1985, S. 12–14. den Kunstverein für Kurhessen in Kassel als Verlosungsgesellschaft. Der Verein musste beim Ministerium des Inneren genehmigt werden und hatte seine Veröffentlichungen bei der Kurfürstlichen Polizeydirection Cassel vorzulegen. Der Verein hatte das Ziel, „den Sinn für bildende Kunst zu befördern“.

Die Gründungsmitglieder billigten zunächst in der Vorgründungsphase jedem „Actionär“, ungeachtet seiner Aktienanzahl, eine Stimme zu. Das Protektorat sollte Kurfürst Wilhelm II. übertragen werden; der jedoch lehnte diese demokratischen Aspekte der Vereinssatzung ab. Am 1. März 1835 wurde der entsprechende Satzungsparagraph geändert. In der Generalversammlung wurde nun nach der Anzahl der Aktien abgestimmt. Wilhelm II. nahm am 22. April 1835 das Protektorat des Vereins an und Johann Bromeis wurde erster Präsident. Wilhelm II. selbst zeichnete 50 Aktien, 20 Aktien seine Mutter Karoline und ebenfalls 20 seine Ehefrau Auguste von Preußen. Bis zum 27. Juli 1835 traten dem Kunstverein für Kurhessen 498 Aktionäre (Vereinsmitglieder) bei, u. a. der Komponist Louis Spohr, Handwerksmeister, Generäle, Kaufleute, Gastwirte und Beamte.

Kunst wurde durch den Kunstverein erstmals öffentlich in Kassel. Das Comité des Vereins organisierte die Ausstellungen, zu denen die Aktionäre kostenlosen Eintritt hatten. Die Aktionäre enthielten sich jeglicher Tätigkeit im Verein. Für die jährlich stattfindende Verlosung von Kunstwerken galt die Aktie als Los.

Gründungsausstellung Am 1. September 1835 eröffnete im „Mentelschen Haus“ (Königsstraße 120) die erste Jahresausstellung. Zur Verlosung standen Werke u. a. von Albrecht Adam, den Brüdern Quaglio, Carl Rottmann, Heinrich Bürkel, Philipp Veit, Carl Wilhelm Tischbein, August von der Embde und Carl Glinzer. Zudem wurden in einer gesonderten Abteilung Handzeichnungen von Michelangelo und Bellini gezeigt.

Jahresausstellungen Am 30. September 1835 wurde die erste Verlosung durchgeführt. Für die Einladungskarte wurde Rembrandts Jakobssegen von Ludwig Emil Grimm in Stein übertragen und bei Léon Woel in Paris gedruckt. Eine unabhängige Kommission wählte 15 Gemälde im Wert von 1607 Talern aus. Oberbürgermeister Karl Schomburg stellte den Stadtbausaal für die öffentliche Verlosung zur Verfügung.

Die zweite Jahresausstellung fand im September 1836 im Lyceum mit 194 Gemälden statt. Dem Vorstand war die Ausstellung nicht angemessen groß genug und man schloss sich 1836 dem „Cyklus“ bis zu dessen Auflösung 1907 an. Der „Cyklus“ war ein Zusammenschluss von weiteren Kunstvereinen, die die von einer Auswahlkommission zusammengestellten Kunstwerke in einer Wanderausstellung kursieren ließen. Die Ausstellung durchlief Hannover, Halle, Halberstadt, Braunschweig, Kassel und Münster.

1838 steuerte der Cyclus 268 Gemälde bei. 1839 wurde in Kassel eine Verbandsausstellung mit 128 Werken gezeigt. Höhepunkt der Ausstellung war Carl Friedrich Lessings Ölgemälde Leonore, das der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. lieh. 1839 zog der Kunstverein für Kurhessen in die zweite Etage des Kleidermachers Hanisch am Ständeplatz. Es kam zu einem Mitgliederschwund, da Konkurrenzvereine wie der „Verein zur Beförderung der bildenden Kunst“ in Kurhessen gegründet wurden. Auf der Jahresausstellung 1840 wurden 603 Gemälde gezeigt. Am 23. November 1840 kündigte Wilhelm II. das Protektorat, da er die Auswahl reglementieren wollte. Am 23. Juni 1841 nahm Wilhelm II. zur Erleichterung des Comités das Protektorat wieder an. 1866 fiel wegen der Annexion Kurhessens die Jahresausstellung aus. 1868 hatte der Kunstverein für Kurhessen nur noch 324 Actionäre. Der Anreiz der Verlosungen ließ nach, da viele Mitglieder nie etwas gewonnen hatten und der Großaktionär Wilhelm II. auffallend oft gewann. 1869 wurde Kronprinz Friedrich Protektor des Kunstvereins für Kurhessen.

Gebäude mini|Ehemaliges Kunstvereinshaus Der Verein veranlasste im Jahr 1868 zusammen mit zwei weiteren in Kassel ansässigen Kunstvereinen den Bau eines Hauses für Gemäldeausstellungen und für gesellige künstlerische Zwecke – das Kunstvereinshaus oder Kulturhaus, Ständeplatz 16. Eine Kommission veranschlagte das erforderliche Kapital. Die Kunsthaus-Gesellschaft rief zur Zeichnung von 50-Taler-Aktien auf. Die erfolgreiche Zeichnung ermöglichte den Baubeginn. Die Stadt stellte das Baugrundstück unentgeltlich zur Verfügung und führte einen Architekturwettbewerb durch, von den sieben eingereichten Entwürfen wählte ein Komitee den des Architekten Adolf Scholtz zur Ausführung aus, der ab 1874 als Lehrer an der Berliner Bauakademie wirkte.Im Inhaltsverzeichnis des Jahrgangs 1876 der Zeitschrift für Bauwesen wird „Baumeister A. Scholtz, Lehrer an der Königlichen Bau-Akademie“ als Architekt benannt.Adolf Scholtz im catalogus professorum der Technischen Universität Berlin Der Bau dauerte von 1869 bis 1871, die reinen Baukosten ohne den künstlerischen Bauschmuck betrugen rund 93.000 Mark. Die Fassaden wurden mit Figurengruppen geschmückt: auf der Attika die Allegorien für Musik, Poesie und Historie, Karyatiden am Haupteingang und neun Medaillon-Porträts direkt an der Fassade. Die Skulpturen und Medaillons teils aus Sandstein, teils aus Keramik, stammten aus der Werkstatt des Bildhauers Karl Hassenpflug und vom Künstler O. Müller aus Berlin. Am 27. Dezember 1871 wurde das Kunsthaus seiner Bestimmung übergeben. Aus ökonomischer Sicht war das Kunsthaus ein Misserfolg. Die Mieteinnahmen waren zu gering, und der Kunsthaus-Gesellschaft fiel es schwer, die am Bau mitwirkenden Künstler zu bezahlen und Dividenden auszuzahlen. Die Aktionäre der Kunsthaus-Gesellschaft, die nach Anzahl ihrer Aktien anteilig für die Schulden hafteten, beschlossen am 19. Mai 1876, das Gebäude der Stadt Kassel zum Kauf anzubieten. 1877 erwarb die Stadt das Kunsthaus und übernahm die aufgelaufenen Schulden. Der Kunstverein für Kurhessen blieb Mieter. 1877/1878 wurde das Gebäude aufgestockt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde es von 1953 bis 1955 wiederaufgebaut. Es beherbergt heute das Stadtmuseum Kassel. mini|Fridericianum mit Zwehrenturm Der Kasseler Kunstverein zog 1993 mit seinen Ausstellungen in das Fredricianum. In der documenta-freien Zeit nutzt der Verein seit 1993 im Erdgeschoss eine 500 m² große Ausstellungsfläche. Hier werden vorwiegend junge Künstler der Gegenwart präsentiert. Während der Ausbreitung und zur Verfügungstellung der Räume für die Zeiten der Kunstausstellung wurden in den Jahren 2007 und 2012 externe Räume als KasselerKunstVereinsheim angemietet und als Vermittlungsort für verschiedene Projekte angeboten.

Die Permanente Ausstellung Die Fertigstellung des Kunsthauses war so erfolgreich, dass in den Jahren 1871 bis 1873 die Anzahl der Aktionäre von 467 auf 570 anstieg. Eine jährliche Subvention wurde von der Stadt Kassel in Höhe von 50 Talern gezahlt. Eine ständige Ausstellung kam jedoch vorerst nicht zustande, zu der man zusätzlich zur großen Herbstausstellung durch die Statuten verpflichtet war.Manfred Marx, Heiner Georgsdorf: 150 Jahre Kasseler Kunstverein – Eine Chronik. Kasseler Kunstverein, Kassel 1985, S. 47. Der preußische Kronprinz und Protektor des Vereins Friedrich III. stellte Schlachtenbilder von Wilhelm Camphausen, Marinebilder von Franz Johann Wilhelm Hünten und Bilder von Otto Heyden zur Verfügung. Die „Verbindung für Historische Kunst“ beschickte die permanente Ausstellung mit der Trauung Luthers des Malers Paul Thumann und aus Privatbesitz kamen Das Gastmahl des Platon von Anselm Feuerbach und zwei Abundantiabilder von Hans Makart. mini|Das Gastmahl des Platon, 1874 Die in ungeraden Jahren stattfindende große Herbstausstellung wurde im Messhaus gezeigt. 1888 starb der Protektor Kaiser Friedrich III. und Kaiser Wilhelm II. übernahm nach der Cabinetsordre vom 5. Dezember 1888 das Protektorat.

In der permanenten Ausstellung von 1888/89 wurden 462 Werke gezeigt, so von Hans Makart Der Frühling und Bacchus und Ariadne, von Hugo Knorr 15 Kartons zum Ring des Nibelungen und von Ferdinand Keller das Historienbild Wilhelm, der Siegreiche, Gründer des deutschen Reiches. 1892 zeigte der Kunstverein erstmals Sonderausstellungen zu einzelnen Künstlern, wie Max Klinger. Einzelne Aktionäre des Kunstvereins stellten Sammlungen zu Ausstellungszwecken öffentlich aus. Edward Habich stellte 410 Reproduktionen von den bedeutendsten Stichen alter Meister und der Geheime Kommerzienrat Oscar Henschel farbige Nachbildungen älterer Ölgemälde zur Verfügung. Durch das Engagement der Aktionäre kam auch eine Ausstellung von Handzeichnungen von Johann August Nahls zustande.

In den Ausstellungsjahren 1896 und 1897 wurden insgesamt 1100 Kunstwerke zur ständigen Ausstellung geschickt. Die Reihe der Sonderausstellungen eröffnete Hans Meyer-Kassel, es folgten Seestücke von Willy Hamacher, Darstellungen südlichen Lebens von Felix Possart und Radierungen von Ludwig Emil Grimm. 1898 und 1899 wurden 1422 Werke eingesandt. 19 Kollektiv- und Sonderausstellungen hatte der Kunstverein durchgeführt und dabei Arbeiten der Künstlerkolonie Worpswede und eine Wanderausstellung des Ausstellerverbands Münchener Künstler gezeigt.

Die Zahl der eingesandten Kunstwerke stieg 1900/01 auf 1530 Werke, eine Sonderausstellung des „Photographischen Vereins zu Cassel“ eröffnete im Februar 1900 das Ausstellungsprogramm. Höhepunkt war der ausgestellte Nachlass Wilhelm von Kaulbachs. Jedoch wurde zunehmend Kritik an der Qualität der ausgestellten Bilder geübt. Auf Anregung des „Künstlerbunds Hessen-Nassau“ bildete man eine Jury für die Aufnahme von Kunstwerken in die ständige Ausstellung. Die Zahl der Aktionäre sowie der verkauften Kunstwerke ging stetig zurück. Die Jubiläumsausstellung 1903 zur fünfzigsten Jahresausstellung wurde in den von der Stadt Kassel unentgeltlich zur Verfügung gestellten Räumen des Messhauses mit 805 Werken durchgeführt. 1907 löste sich der „Verband der Kunstvereine westlich der Elbe“ auf und der Kunstverein kam in eine schwierige Lage.

Neuorganisation und Hundertjahrfeier