mini| mini|Wolfspopulationen in Europa und geschätzte Bestandszahlen (nach unvollständigen Monitoringdaten) Das Wolfsmanagement ist ein Teil des Wildtiermanagements. Die Wolfsmanagementpläne für die Wiederansiedlung und den Schutz der Wölfe in Nordamerika und Europa stammen von den wissenschaftlichen Arbeitsgruppen um Luigi Boitani und L. David Mech.Large Carnivore Initiative for Europe: Guidelines for Population Level Management Plans for Large CarnivoresLarge Carnivore Initiative for Europe: Luigi Boitani: Action Plan for the conservation of the wolves (Canis lupus) in EuropeL. David Mech, Luigi Boitani: Wolves: Behavior, Ecology, and ConservationJulia Koch: Fears As Predator Returns To Europe Spiegel online 2015 Boitani, Präsident der Initiative für Großraubtiere in Europa (LCIE), und sein Team haben für die Abteilung Großraubtiere der Europäischen Kommission maßgebliche beratende Funktion. Boitanis Konzept des Wolfsmanagements wurde weitgehend übernommen und in den Wolfsmanagementplänen der einzelnen Staaten, Bundesstaaten und Bundesländer in ihren Kernaussagen wiedergegeben, in den Staaten der Europäischen Union entsprechend den Vorgaben der FFH-Richtlinie, in den Staaten außerhalb der EU, die ebenfalls der Berner Konvention beigetreten sind, gelten die Empfehlungen des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention.European Commission: Large carnivores in the EU – the Commission's activity on large carnivoresEttore Randi: Mammal Review 2011, Volume 41, No. 2Deutscher Bundestag: Wolfsmanagementpläne der BundesländerStändiger Ausschuss der Berner Konvention: Empfehlung Nr. 17 (1989) des Ständigen Ausschusses zum Schutz des Wolfs (Canis lupus) in Europa Aus dem unterschiedlichen Schutzstatus des Wolfs in den verschiedenen europäischen Ländern ergeben sich verschiedene Formen des Managements.Luigi Boitani et al.: Key actions for Large Carnivore populations in Europe Rom – Brüssel 2015 Kapitel 1.3 Seite 48.
Seit 1992 begann die Entstehung des Europäischen Wolf Netzwerks (European Wolf Network), eines Organisationskomitees als Untergruppe der IUCN Wolf Specialist Group.European Wolf Newsletter, März 1995
Im Wolfsmanagement werden die Unterarten der Spezies Canis lupus berücksichtigt, von denen einige selten also gefährdet sind, während andere aus stabilen oder wachsenden nicht gefährdeten Populationen bestehen (siehe günstiger Erhaltungszustand).IUCN: [ The IUCN Red List: Canis lupus – Stand 2008]European Commission: Promoting population level management of large carnivores
Aufgabenbereiche Bestandteile des Wolfsmanagements sind das Wolfsmonitoring, aktive Maßnahmen zur Erhaltung und Regeneration gesunder Wolfspopulationen, Empfehlungen und Vorschriften für den Herdenschutz sowie für Schutzmaßnahmen für Haustiere in Freilandhaltung/Offenstallhaltung und nicht in Herden lebende Haustiere wie Hunde, Hauskatzen, Kleintiere in Vorgärten, außerdem Verhaltensempfehlungen für Menschen, die sich in der Natur aufhalten, der Umgang mit Schäden durch Wolfsangriffe auf Haustiere, Erstellung von Schadensstatistiken,Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW): Bundesweite SchadensstatistikNiedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): NutztierschädenWildtiermanagement Niedersachsen: die Regelung von AusgleichszahlungenAndré Klingenberger: Sara Orlos, Jonas Mueller-Töwe: Wolfsschäden nehmen rasant zu und ggf. aus Gründen des Artenschutzes notwendige die Entnahme von Wolf-Haushund-Hybriden aus der freien Wildbahn. Ein Aspekt der Biodiversität als Naturschutzziel ist die Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen unter den Huftieren.Henryk Okarma, Sven Herzog: Handbuch Wolf. Kosmos Verlag, Stuttgart 2019, Seite 211. mini|Die jährliche Wachstumsrate von Wolfspopulationen beträgt circa 33 %. Daraus ergibt sich eine Verdopplungszeit von rund 3 Jahren (Populationsentwicklung Phase 1). Ein Wolfsmanagement berücksichtigt die zu erwartenden Bestandsentwicklungen.Hans-Dieter Pfannenstiel: Der Wolf (Canis lupus L. 1758) – Stellungnahme zum Umgang mit dieser Tierart in der Kulturlandschaft Deutschlands „In von Menschen dominierten Landschaften muss es für die Wolfspopulationen ein kontinuierliches Management geben, um ihre Populationsdichten akzeptabel zu halten.“ (Luigi Boitani 2009)Luigi Boitani, Paolo Ciucci: Seite 36
In gesättigten Wolfspopulationen sind Kämpfe innerhalb der Tierart wie Auseinandersetzungen zwischen den Rudeln die Haupttodesursache.Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen – Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland BfN-Skripten 201, Dokument Seite 20, PDF Seite 21 Bei Untersuchungen der Populationsdynamik in Nordamerika wurde die intraspezifische Konkurrenz innerhalb von Wolfspopulationen als Faktor einbezogen. Es zeigte sich, dass die Entnahme ausgewählter Rudel die Konkurrenz unter den Wolfsrudeln um Territorium und Nahrung eher vermindern kann, als wenn über den gesamten Bestand verteilt einzelne Tiere geschossen werden.Hochard J., Finnhoff D.: Gray wolf population projection with intraspecific competition
Valerius Geist und Leonid Baskin erklären die Entstehung von Gebieten mit hohen Beutegreiferdichten und sehr geringen Populationsdichten wildlebender Huftiere in von Menschen unbewohnten Landschaften Sibiriens damit, dass Wölfe und Bären dort kaum mit den Interessen der Menschen in Konflikt geraten und sie daher keine natürlichen Feinde haben. Im späten Pleistozän hingegen seien die Wolfsbestände in Sibirien von in der Nahrungspyramide über ihnen stehenden Spitzenprädatoren wie Höhlenlöwen, Tigern, Krummsäbelkatzen, Leoparden gering gehalten worden, in Nordamerika von Löwen, Säbelzahnkatzen und Krummsäbelkatzen, Jaguaren, räuberischen Kurznasenbären, Dire-Wölfen und auf beiden Kontinenten dann auch von den Steinzeitmenschen. Die post-pleistozäne Tierwelt und Artenvielfalt in Nordamerika und Sibirien können nach ihrem Verständnis nur durch sachkundiges Management der Fleischfresser gedeihen. Protektionismus würde langfristig zu verminderter Artenvielfalt führen, wie sie heute in unbewohnten Landschaften Sibiriens und in den großen Nationalparks in Nordamerika zu beobachten ist, wo Wölfe und Grizzlybären keinerlei Bestandskontrolle unterliegen.Valerius Geist, Leonid Baskin: Predator pits or biological deserts in Siberia and North America
In Nordamerika wurde der Wolf in den Bundesstaaten Minnesota, Wisconsin, Michigan, Montana, Idaho und im Ostteil von Oregon von der Liste der gefährdeten Arten genommen. Dennoch sind die Wolfspopulationen stabil geblieben oder gewachsen. In diesen Bundesstaaten gibt es Regelungen beim Wolfsmanagement, die als livestock-depredation control bezeichnet werden. Die meisten dieser Bundesstaaten erlauben auch eine kontrollierte Bejagung zur Bestandsregulierung.L. David Mech: Where can wolves live and how can we live with them?
Der Wolfsexperte L. David Mech ist der Ansicht, dass jährlich ein gewisser Prozentsatz einer Wolfspopulation von Menschen getötet werden muss (zusätzlich zur natürlichen Sterblichkeit), um eine Wolfspopulation stabil zu halten.L. David Mech: Managing Minnesota's recovered wolfes Die Fachliteratur zur Bejagung von Wölfen enthält viele Schätzungen des Anteils einer Wolfspopulation, der pro Jahr getötet werden muss, um die Zahl der Wölfe zu reduzieren. Diese Studien kommen oft zu dem Schluss, dass eine Entnahme von 28 % bis 50 % des Bestands erforderlich ist, um einen Populationsrückgang herbeizuführen.Todd K. Fuller, L. David Mech, Jean Fitts Cochrane: Wolf Population DynamicsScott Creel, Jay J. Rotella: Meta-analysis of relationships between human offtake, total mortality and population dynamics of gray wolves (Canis lupus). In: PLOS ONE. Band 5, Nummer 9, September 2010, , PMID 20927363, .
Vom Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof wurde eine Lizenzjagd in Finnland nach Artikel 16 der EU-Habitatsdirektive für rechtmäßig befunden.InfoCuria – Rechtsprechung des Gerichtshofs
mini|Wölfe in Schleswig-Holstein:Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein Nachweise anhand von Sichtungen, Wildtierrissen oder Nutztierrissen: ein auffälliges Tier, die übrigen unauffällig. Die Fähe GW 931 f (Grauwolf weiblich) wurde auf der A 23 überfahren.NDR: Wolf auf Autobahn 23 bei Tornesch überfahren Für die noch lebenden Fähen GW 930 f und GW 1120 f stehen nach einer Entnahme von GW 924 m noch mehrere Rüden zur Verfügung, um den Wolfsbestand zu erhalten.NDR Schleswig-Holstein: Wolfsnachweise in Schleswig-Holstein, Stand Februar 2019 In einigen europäischen Ländern werden im Rahmen des Wolfsmanagements zur Bestandskontrolle Schutzjagden durchgeführt, bei denen eine von Mitarbeitern des Monitorings berechnete, begrenzte Anzahl von Tieren legal entnommen wird, so dass stets eine lebensfähige Wolfspopulation erhalten bleibt (siehe Erhaltungszustand) sowie ggf. die Einrichtung wolfsfreier Zonen (Zonierungssystem). In den Ländern ohne partielle Bejagung zählt der Umgang mit den selten vorkommenden Wölfen mit unerwünschtem Verhalten in geschützten Populationen zu den Aufgaben des Wolfsmanagements.Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen – Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland, BfN-Skripten 201, 2007, Bundesamt für Naturschutz, (PDF-Datei; 3,3 MB) Dokument Seite 109–116, PDF Seite 110–117.Luigi Boitani: Action Plan for the conservation of the wolves in Europe Kapitel 4.7.3 Wolf damage to livestock: Problem wolves in protected populations. Identifizierung von Individuen durch Monitoring und Gen-Analysen spielt hierbei eine wichtige Rolle. Identifizierte Tiere erhalten eine Codenummer für das weitere Monitoring.Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen: Wolf in Nordrhein-Westfalen Nutztierrisse
Das Bundesumweltministerium informierte 2015 über Anwesenheit von Wölfen in Jagdbezirken und gab Empfehlungen.Bericht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zur Lebensweise, zum Status und zum Management des Wolfes (Canis lupus) in Deutschland Seite 62–63 (PDF S. 63–64) Dementsprechend gibt der Deutsche Jagdverband Praxistipps für die Hundearbeit in Wolfsgebieten, da Unfälle mit von Wölfen verletzten und getöteten Jagdhunden nicht ausgeschlossen werden können.DJV: mini|