mini|400px|Dorfkirche Jesendorf (2008). Die evangelische Dorfkirche Jesendorf ist eine gotische Backsteinkirche in Jesendorf im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Sie gehört zur Kirchengemeinde Warin-Bibow-Jesendorf in der Region Sternberg der Propstei Wismar der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).
Geschichte Jesendorf wurde am 25. Januar 1235 bei Gelegenheit von Memorien, die Bischof Brunward für sich und seinen Vorgänger Berno stiftete, zum ersten Mal urkundlich erwähnt.MUB, I. (1863) Nr. 430. 1366 wurden Heyne und Henneke Wulf de Yesendorp genannt. Weitere Informationen aus dem Frühen Mittelalter liegen zu Jesendorf nicht vor.
Erstmals 1444 wurde dann ein Johann von Bassewitz erwähnt, der zusammen mit den Gütern des Gottschalk von Preen auch Anteile in Jesendorf hatte. 1474 waren Hans und Heinrich von Preen in Jesendorf. 1507 tauchen Klaus von der Lühe und Jürgen von Fineke mit dem Rittersitz in Gresse auf und Jesendorf wurde als Pertinenz von der Lühescher Besitz. 1576 ist das Gut und das Dorf im Besitz derer von Fineke, darauf waren bis 1638 die von Vieregge in Jesendorf und danach ging es an den Landrat Kurt von Behr über. Die Besitzer wechselten weiter recht häufig. 1748 hatte Johann Friedrich Seitz Jesendorf in seinem Besitz, danach kam 1783 Drost David Ulrich von Müller, dessen Vorfahren wurden stufenweise von 1735 bis 1795 geadelt.Marcelli Janecki (Red. zug.): Handbuch des Preußischen Adels. Band 1, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 405–410. Insb. S. 409.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1909. Dritter Jahrgang Justus Perthes, Gotha 1908, S. 533–537. 1796 Johann Christoph Alexander von Könemann, 1798 Peter Christoph Lübcke, 1802 Hofrat Johann Philipp Wilken, 1813 David Erdmann und ab 1840 Georg König in den nächsten Jahren.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Jesendorf. Leipzig/Schwerin 1899, S. 474.
Baugeschichte Mit dem Bau der Jesendorfer Kirche soll vor 1330 begonnen worden sein, doch weitere Untersuchungen datieren den Baubeginn nicht vor 1338.Siehe Literatur: Bernhard Awe: Die Geschichte des Ortes Jesendorf. 1935, S. 8. Vorher hatte schon eine kleine Holzkapelle gestanden. Das Bauende der Kirche ist nicht bekannt. Über den Kirchenbau erzählt eine Sage. Ein Kriegsheld, sein Name ist unbekannt, soll die drei Kirchen in Jesendorf, Hohen-Viecheln und in Bibow erbaut haben. Begonnen hatte er in Jesendorf, sie bekam auch einen Turm. Aufgehört hatte er in Bibow, sie wurde kleiner und bekam keinen Turm mehr. Vermutet wird als Erbauer wird der Ritter von Stralendorf, denn das Wappen ist mehrfach in der Kirche vorhanden.Bernhard Awe: Die Geschichte des Ortes Jesendorf. 1935, S. 9.
Die Bautätigkeiten müssen damals mehrfach unterbrochen und zeitweise eingestellt worden sein. Die abgetreppten Strebepfeiler an den äußeren Längswänden und am Chor lassen eindeutig auf eine Einwölbung der inneren Kirche schließen. An den Wänden ist durch die vorstehenden Joche deutlich zu erkennen, dass die Gewölbe nicht weiter ausgeführt wurden. Und die komplette Ausmalung der Wände nicht mehr vorgenommen.
Während der Amtszeit von Pastor Peter Johann Pobertus fiel am 10. August 1627 dänisches Kriegsvolk in die Kirche ein und raubte auch Brief und Urkunde über eine Schenkung von 1000 Gulden, die Ulrich von Barner auf Schimm 1614 dem Predigerstuhl zu Jesendorf gestiftet hatte.Gustav Willgeroth: Jesendorf. 1925, S. 1261. Nach 1686 wurde der jetzige Kirchturm auf Feldsteinfundamenten erbaut. Der erste Turm könnte aus Holz gewesen sein, denn er soll bei einem Sturm umgesackt und in den Köstersoll gefallen sein.Bernhard Awe: Die Geschichte des Dorfes Jesendorf. 1935, S. 10. Durch einen schweren Sturm wurde am 8. Januar 1703 das Kirchendach stark beschädigt. Der Patron hat danach die Kirchenuhr und die neue Kanzel der Gemeinde geschenkt. In diesen Jahren hatte man viele Veränderungen an und in der Kirche vorgenommen. Dabei wurden fast alle spitzbogigen Fensteröffnungen durch barocke Kastenfenster ersetzt.
Das erste alte Pfarrhaus von 1720 wurde 1792 abgerissen und ein neues erbaut. 1840 hatte man das Kirchendach neu eingedeckt und im Inneren die Wandmalereien übertüncht. Während der Amtszeit des Pastors Christoph Propp war im Frühjahr 1871 das Pfarrhaus durch „Blitzstrahl eingeäschert worden“, dabei verbrannte auch das älteste 1686 begonnene Kirchenbuch. Die Pfarre wurde danach vorerst nicht wieder besetzt, denn sie gehörte wohl zu den am schlechtesten besoldeten des Landes. Von 1879 bis 1954 wurde Jesendorf von Zurow aus betreut.
Zur Rettung der Jesendorfer Kirche gründete sich am 30. Juni 1992 auf Initiative von Frau Lotte-Marie Pötter mit Unterstützung Christoph von Barner von der ehemaligen Patronatsfamilie der Verein zur Rettung der Kirche Jesendorf e. V. Der erste Erfolg war 1993 der Beginn der Turmsanierung am 10. Juli 1993 und der Abschluss der Sanierungsarbeiten 1995. Am 25. Februar 1995 begann mit dem Gerüstbau die äußere Fassadensanierung und dem Anbau einer Sakristei. 1997 wurde eine neue Holzbalkendecke eingebaut. Im März 2004 wurden die Innenwände durch den Kirchenbauverein und die Feuerwehr neu ausgeweißt. Dabei wurde ein Teil der Originalausmalung übertüncht. Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten in der Kirche erfolgte am Pfingstmontag 2004 die Wiedereinweihung mit Landesbischof Hermann Beste.
Zu den Besonderheiten der letzten äußeren Kirchensanierung gehören: Bei der Dachsanierung wurde aufgrund von Forderungen des Landesamtes für Denkmalpflege auf den Einbau von Aufschieblingen an der Traufe zur Herstellung des vorgefundenen Bestandes verzichtet. Deshalb wurden Dachrinnen angebaut; diese Ausführung ist allerdings sehr untypisch für Dorfkirchen.Verena Zeitler: Jesendorf. 2006, S. 38. Die barocken Kastenfenster wurden durch gotische Spitzbogenfenster ersetzt. Die Ausführung erfolgte nicht nach dem an der Nordfassade im Original noch vorhandenem und zugemauerten Fenster mit den erhaltenen Formziegel von Mittelpfosten, Laibungen und Maßwerk. Äußeres Die Kirche in Jesendorf wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als flachgedeckte Saalkirche mit dreiseitigem Ortsschluss im Stil der Backsteingotik erbaut.Georg Dehio-Nachfolge (Hrsg.): Jesendorf, Lkr. Nordwestmecklenburg. Berlin/München 2016, S. 279. Der querrechteckige Westturm wurde um Mitte des 15. Jahrhunderts angefügt. Die Feldsteinmauerung im Sockelbereich verläuft oberhalb einige Schichten weiter und wirkt wie ein Schmuckband. Das mit einem Wetterhahn versehene Satteldach hatte eine Mönch-Nonnen-Ziegeleindeckung. Nach der Turmsanierung 1995 erhielt das Dach eine Biber-Kronen-Ziegeleindeckung. Beide Giebel des Turmes haben einen Bretterverschlag erhalten. Das vierfach gestufte Westportal ist schlicht gehalten. Das Satteldach vom Kirchenschiff erhielt auch eine Biber-Kronen-Ziegeldachdeckung.
Nach den von 1686 bis 1715 erfolgten umfassenden Veränderungen der mittelalterlichen Fassung an der Kirche wurden auch die Mauerkrone, das Dach und die Fenster erneuert. Die Nord- und Südfassade und der Chor erhielten abgetreppte Strebepfeiler.
Inneres Das Innere der Kirche ist ein flachgedeckter Backsteinsaal mit teils unverputzten, teils geschlämmten und einem weißen Farbanstrich versehenen Wänden. Unter dem von 1840 stammenden Weißanstrich sind stellenweise barocke Wandmalereien an der Südwand zu erkennen, so der auch der Apostel Paulus. Die Innenwände wurden für eine gewölbte Decke vorbereitet, was an den hervorstehenden Jochen gut erkennbar ist. Warum keine Einwölbung der Kirche erfolgte, ist bisher nicht bekannt. Die heutige Holzbalkendecke hat einen Dielenbelag und die Holzbalken werden als Spannbalken der Dachkonstruktion mit genutzt. Unterhalb der Fensterzone wurden flachbogige Nischen ausgespart.
Der größte Teil der Innenausstattung stammt noch aus der Barockzeit.
Altar Der hölzerne architektonisch aufgebaute Altaraufsatz wurde nach der Inschrift auf der Rückseite 1716 im Auftrag des Patron Cuno Ulrich von Stralendorff und auf Fürsprache des Pastors August Joachim Fersen durch den Bildhauer Heinrich Johann Bülle und den Maler Christian Busch aus Schwerin geschaffen.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Jesendorf. 1899, S. 475. Das unterste Gemälde zeigt die Einsetzung des heiligen Abendmahls, darüber befindet sich das Bild der Kreuzigung, dann folgt die Grablegung Christi und obenauf steht die Plastik vom triumphierenden Christus. Der Altaraufsatz wird links und rechts mit jeweils zwei Evangelistenfiguren flankiert: Matthäus mit dem geflügelten Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler.
Auf dem Altar liegt ein eichenes, mit einer Rose als Blumen-Intarsien geschmücktes Lesepult aus der nachreformatorischen Zeit mit der Angabe J. S. 1580. D. W. Das Altarkreuz wird auf die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert.
Die geschnitzten Altarschranken wurden von Marius Kiser auf Neperstorf und seiner Ehefrau 1646 gestiftet.
Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten konnte der Altar am 4. Oktober 2003 wieder geweiht werden.
Taufengel Zum seltsamen Taufengel, der 1715 mit der Kanzel entstand, sind folgende Details bekannt: 1929 fand der Küster Karl Müller im Kirchturm eine schwer zu bestimmende Figur, dazu zwei Flügel und ein Schwert. Zu Hause besserte er die Figur aus, schnitzte zwei neue Arme und Hände, bemalte die Figur und hängte diese in die Mitte der Kirche. In die rechte Hand bekam er noch einen russischen Dragonersäbel aus den Napoleonischen Kriegen. Hier ist es ein grün gestrichenes Langschwert aus Holz. In der linken Hand hält er einen Lorbeerkranz, in dem nach Herablassen des Engels zur Taufe eine alte Messingschale gelegt wird.Katja Haescher: Schwebend im Dienst der Liturgie. Taufengel waren im Barock als protestantisches Taufgerät verbreitet - in einigen Kirchen sind sie noch heute in Funktion. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 5. März 2021. Der Engel wurde so vom Taufengel zu einem Racheengel. Seit Weihnachten 1930 hängt dieser neue Taufengel über dem Altarplatz.Bernhard Awe: Die Geschichte des Ortes Jesendorf. 1935, S. 19. Nach einer kostenlosen Restaurierung durch Wilhelm Clamor aus Bad Oeynhausen trägt der Engel wieder einen Palmenzweig. Am 5. Mai 2000 wurde er angebracht und wird zu Taufen genutzt.
Kanzel Die barocke Kanzel wurde nach der Inschrift am Schalldeckel im Jahr 1615 vom Patron Ulrich von Stralendorff gesetzt. 100 Jahre später hat sie der Patron Cuno Ulrich von Stralendorff der Kirche geschenkt. Eine Besonderheit dieser Kanzel sind ihre zahlreichen Schnitzereien mit Akanthusornamentik und der mit biblischen Szenen bemalte Kanzelkorb. 1886 erfolgte eine weitere Renovierung. Am Schalldeckel ist folgende Inschrift zu lesen: „Ano 1615 hat damaliger Patronus Herr Ulrich v Stralendorff die vorige Cantzel zu Ehre Gottes und der Kirchen Zierde hierher setzen lassen und Anno 1615 also grade 100 Jahre hernach hat jetziger Patronus Herr Cuno Ulrich v Stralendorff in gleicher Absicht diese Cantzel der Kirche geschenkt. Renov. im Jahre 1886 Wilh. Reppien Maler a Wismar Fritz Langberg Maler a Buckow.“Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Jesendorf. Leipzig/Schwerin 1899, S. 476.
Beichtstuhl Der Beichtstuhl wird auf das Jahr 1649 datiert. Die Inschrift lautet: „Hans Janek diesen Beichtstuhl vorehret Anno 1649.“ Im oberen Bereich erhielt er eine Kreuzigungsgruppe aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Ursprünglich stand er auf der nördlichen Chorseite und umschloss den dort in die Wand gemauerten Eucharistie-Schrank aus vorreformatorischer Zeit, eines der ältesten noch erhaltenen Inventarstücke der Jesendorfer Kirche. Seit der Innenrenovierung 1904 steht der Beichtstuhl nun auf der südlichen Chorseite und dient heute als Sakristei.
Mondsichelmadonna und Schnitzrelief