Die Republik ist ein deutschsprachiges Schweizer Onlinemagazin für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, das seit dem 14. Januar 2018 herausgegeben wird. Gegründet wurde es von sechs Personen, darunter die Journalisten Constantin Seibt (früher WOZ Die Wochenzeitung und Tages-Anzeiger) und Christof Moser (früher Facts, Weltwoche, SonntagsBlick und Schweiz am Sonntag). Täglich werden ein bis drei Beiträge publiziert.
Die Publikation ist nicht von herkömmlichen Verlagen abhängig, sondern von den Abonnenten, die in Form einer Genossenschaft den Verlag bilden. Die Republik hat nach eigenen Angaben über 30'000 Abonnenten.Magazin. Website der Republik. Sie ist ausschliesslich leserfinanziert und erzielt keine Werbeeinnahmen.
Vorbild für das Medienprojekt war das 2013 ebenfalls mit Crowdfunding gegründete niederländische Onlinemagazin De Correspondent.
2019 wurde die Republik für den Grimme-Online-Award nominiert. 2020 überschritt das Projekt nach eigenen Angaben erstmals die Schwelle zum selbsttragenden Unternehmen. Ein Jahr darauf schloss das Magazin das erste volle Geschäftsjahr mit Gewinn ab. Das jährliche Budget (2021/22) beträgt 6,3 Millionen Schweizer Franken. 2021 wurde das Magazin in einer repräsentativen Studie des Forschungsinstituts Publicom vor dem Beobachter und Radio SRF2 zur «kompetentesten Medienmarke der Schweiz» gewählt.
Entstehung Ende der 2000er-Jahre entwickelte Christof Moser mit einer Gruppe um Journalistin Yvonne Kunz, Designer Tobias Peier und Produzent Marco Di Nardo als «konzeptionelles Feuerwerk» und unter dem Titel Republik die Nullnummer für ein Magazin für eine neue Zeit, das allerdings an der Finanzierung scheiterte.
2014 nahm Moser u. a. zusammen mit Constantin Seibt die Idee eines Magazins wieder auf. Daraus entwickelte sich ein Projektteam aus Start-up-, Kommunikations-, Organisations- und IT-Spezialisten, darunter Laurent Burst, Nadja Schnetzler und Clara Vuillemin, um die Pläne erneut voranzutreiben. Im Sommer 2016 luden die Initianten regelmässig zu «konspirativen Treffen» in einen Zürcher Garten, wo gemeinsam mit interessierten Medienschaffenden und Sympathisanten des Projekts am Konzept des späteren Magazins geschliffen wurde.Domo, Ringier-Mitarbeitermagazin, S. 21: «Wie ich täglich die Demokratie retten soll».
Im Oktober 2016 gaben Seibt und Moser bekannt, ihre bisherigen Arbeitgeber zu verlassen, um «eine kleine Rebellion» im Schweizer Journalismus anzuzetteln und unter dem Arbeitstitel Project R ein eigenes Medien-Start-up zu gründen. Die Notwendigkeit dafür sahen die beiden Journalisten unter anderem in der abnehmenden Medienvielfalt und darin, dass die Schweizer Verlage den Journalismus vernachlässigten und zu Handelshäusern umgebaut würden, wodurch auch die Trennung zwischen Werbung und redaktionellem Angebot immer stärker unter Druck gerate.
Am 10. Januar 2017 präsentierte sich das Gründungs- und Aufbauteam erstmals der Öffentlichkeit und gab bekannt, dass der Sitz des Unternehmens im inzwischen ehemaligen Hotel Rothaus im Zürcher Langstrassenquartier sein werde.Stefan Winterbauer: . In: Meedia. 1. Juni 2017. Am 12. April 2017, dem Jahrestag der Gründung der Helvetischen Republik am 12. April 1798, teilten die Initianten mit, dass die geplante Publikation Republik heissen solle. Dazu veröffentlichten sie ein Manifest («Ohne Journalismus keine Demokratie»), mit welchem die Lancierung des Projekts beworben wurde.
Konzeption In der von regelmässigen Newslettern begleiteten, öffentlich vielbeachteten Aufbauphase kündigten die Initianten an, inhaltlich solle die Republik «Journalismus ohne Bullshit» bieten, «der die Köpfe klarer, das Handeln mutiger, die Entscheidungen klüger macht. Und der das Gemeinsame stärkt: die Freiheit, den Rechtsstaat, die Demokratie.» Der Job der Redaktion «als Expeditionsteam in die Wirklichkeit» seien die grossen Themen, Debatten und Fragen – «alles, was lärmig, verwickelt oder unklar ist».
Zum grundlegenden Konzept zählen gemäss Eigendarstellung der Republik-Macher die Unabhängigkeit (von Verlagen und Werbeindustrie), Transparenz (über Finanzen, Löhne, Besitzverhältnisse, Arbeitsweisen, Fehler), Datenschutz (kein Tracking der Leser), Dialog (direkter Austausch der Redaktion mit der Leserschaft und Einbezug des Publikums in die Weiterentwicklung des Projekts) sowie kompromisslose journalistische und visuelle Qualität.
Als weiteres zentrales Element des Konzepts wurden zudem die Eigenentwicklung der Crowdfunding- und Publikationsplattform, des Redaktionssystems und der Mitglieder-Administration genannt sowie die Positionierung des IT-Teams als Teil der Redaktion, damit sich Journalismus und Technologie aus einem Guss entwickeln können.
Damit die Republik in der öffentlichen Debatte präsent sein kann, verzichteten die Initianten auf eine harte Paywall. Die Publikation ist zwar grundsätzlich nur mit einem Login zugänglich, die Direktlinks zu den Beiträgen sind aber frei teilbar. Somit ersteht man mit einem Abonnement der Republik gewissermassen nicht die Beiträge selbst, sondern deren Index.
Kurz vor dem Start teilten die Initianten mit, dass die Republik auf den drei publizistischen Bereichen «Editorial» (die Redaktion schaut in und auf die Welt), «Meta» (die Redaktion erklärt Handwerk und Irrtümer) und «Social» (die Redaktion steht im Dialog mit dem Publikum) aufbaue. Das Ziel der Republik sei es, die latente Aktualität entweder als Panorama (lange Hintergrundbeiträge) oder als Konzentrat (schnelle Kurzstoffe) aufzugreifen, aufgeteilt in die vier Produktelinien investigative Recherchen, Erklärartikel, Lagerfeuer (persönliche Essays) und Datenjournalismus.
Publikation Die Republik startete am 14. Januar 2018, einen Tag früher als angekündigt.
Das Magazin liefert täglich ein bis drei Beiträge, verfügbar über die Website, einen täglichen Newsletter oder eine App. Die Publikation unterteilt sich in eine visuell starke Magazinfront, einen chronologischen Feed, einen Leserdialog und seit September 2022 in ein mehrmals täglich aktualisiertes Journal mit schnellen und kurzen Formaten.
Zu den regelmässigen Rubriken zählen seit dem Start das Justizbriefing «Am Gericht» am Mittwoch, die Politik-Rubrik «Briefing aus Bern» am Donnerstag und die Nachrichtenübersicht «Was diese Woche wichtig war» am Freitag. Dazu kamen Kolumnen, u. a. «Nerds retten die Welt» von Schriftstellerin Sibylle Berg, die Tonbildschau «Unterwegs mit Nahr» des Schweizer Kriegsfotografen Dominic Nahr sowie jeden Samstag ein Wochenkommentar von Daniel Binswanger.
Aufmacher der ersten Ausgabe war die Recherche «Zuckerbergs Monster», die sich mit Facebook als demokratiegefährdender Manipulationsmaschine befasste.
Eine viel diskutierte Reportage in der Startphase des Magazins war die USA-Serie Race, Class, Guns and God. Zu den nennenswerten Recherchen gehören Das Kartell über das Bündner Baukartell und den Whistleblower Adam Quadroni, Der Fall ETH über die Entlassung von Marcella Carollo an der ETH Zürich, Am Limit über den Fall «Carlos», Das System Globegarden über die grösste Kita-Kette der Schweiz sowie die Zürcher Herzkrise über die mediale Skandalisierung eines Arbeitskonflikts am Universitätsspital Zürich. Auch Tech-Recherchen erscheinen in der Republik, u. a. über die E-Voting-Pläne der Schweizerischen Post, das Corona-Krisenmanagement des Bundesamts für Gesundheit oder schwerwiegende Datenschutzprobleme beim elektronischen Schweizer Impfausweis. Weiter erschienen in der Republik Reportagen über Korruptionsvorwürfe gegen die Schweizer Grossbank UBS in Malaysia und ein Gespräch mit Nils Melzer, dem UNO-Sonderberichterstatter für Folter, über den Fall Julian Assange.
Weiterentwicklung Im Mai 2018 startete das Video-Gesprächsformat An der Bar mit Roger de Weck als Moderator, das sich in der weiteren Entwicklung zum Podcast Im Gespräch wandelte. Im Herbst 2018 lancierte die Republik zusätzlich zum bisherigen Angebot ein Feuilleton, zunächst mit einem eigenständigen Auftritt auf der Website, der im Herbst 2019 vollständig ins Magazin integriert wurde. Zugleich wurde erstmals die Navigation überarbeitet und wurden alle Briefings, Kolumnen und Serien kompakt auf der Frontseite des Magazins gruppiert, um die Übersichtlichkeit zu verbessern.
Zu Beginn der weltweiten Corona-Lockdowns im März 2020 lancierte die Republik den täglichen, für alle kostenlosen Covid-19-Uhr-Newsletter, der auf dem Höhepunkt der Pandemie über 50'000 Abonnenten zählte und in mehreren Staffeln bis März 2022 weitergeführt wurde. Im Winter 2020 und erneut im Winter 2021 bot das Magazin seinen Abonnenten jeden Freitagabend einen Dokumentarfilm zum Streamen an, um lange, einsame Pandemieabende zu überstehen.
Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 versuchte die Redaktion, an den Erfolg des Covid-Newsletters anzuknüpfen, und stellte seine Ukraine-Berichterstattung für alle kostenlos zur Verfügung. Der Erfolg dieses Angebots blieb allerdings, wie die Macher einräumen mussten, weit hinter den Erwartungen zurück.
Anfang September 2022 kündigte die Republik die Lancierung eines tagesaktuellen Journals mit schnellen und kurzen Formaten an.Oliver Fuchs: . Website der Republik, 14. September 2022 (eine neue Art, die Republik zu lesen). Zudem wurde die Navigation überarbeitet und weiter vereinfacht. Ausgebaut werden soll gemäss der Ankündigung ausserdem das Audioangebot des Magazins, das seit dem Start einzelne Geschichten von Sprechern vorgelesen anbietet und seit Frühling 2022 mittels einer synthetischen Stimme alle Beiträge. Als weiteres Entwicklungsprojekt wurde die Lancierung eines Klimalabors bekannt gegeben, mit dem in Zusammenarbeit mit den Lesern ein brauchbares publizistisches Produkt zur Klimakrise entwickelt werden soll.
Finanzierung Die initiale Finanzierung der Republik erfolgte durch ein Crowdfunding, von dessen Erfolg weitere Investorengelder abhingen. Die Investoren, unter ihnen die 2015 als Unterstützer einer Schweizer Erbschaftssteuer bekannt gewordenen Brüder Daniel, Marcel und Martin Meili, brachten zusammen mit den Initianten 3,5 Mio. CHF auf, die an die Bedingung geknüpft waren, dass vor der Lancierung des Magazins mindestens 3000 Abonnenten gewonnen werden können.
Das Crowdfunding startete am 26. April 2017 und erreichte die geforderte Abonnentenzahl schon am ersten Tag. Bis zum Ende der Aktion am 31. Mai 2017 wurden die Erwartungen mit 3,4 Mio. CHF von 13'845 Abonnenten weit übertroffen. Die gesammelte Summe gilt als erfolgreichstes Crowdfunding der Schweiz und als Rekord für ein Medien-Crowdfunding weltweit.
Als Unterstützer des Crowdfundings bekannt wurden unter anderen Jacqueline Badran (SP), Balthasar Glättli (GPS), Kathy Riklin (CVP), Ulrich E. Gut (früher persönlicher Berater des SVP-Bundesrats Leon Schlumpf, Zürcher Kantonsrat und früherer Verleger/Chefredaktor der Zürichsee-Zeitung), Felix Gutzwiller (FDP.Die Liberalen), Veit Dengler (ehemaliger CEO der NZZ),Pascal Ritter: Nach Crowdfunding-Erfolg: Wie links wird die «Republik»? In: Aargauer Zeitung. 29. April 2017. der Satiriker Viktor Giacobbo und Christian Dorer (Chefredaktor der Blick-Gruppe).
Insgesamt standen für das Medienprojekt nach dem Crowdfunding zusammen mit den Investorengeldern sowie Spenden insgesamt 7,7 Mio. CHF als Startkapital zur Verfügung. Im November 2023 wurde bekannt, dass eine erhebliche Überschuldung besteht; die Benachrichtigung des Konkursrichters konnte aufgrund von Rangrücktritten von Gläubigern entfallen.Lukas Hässig: Grün-urbane «Republik» ist mit 2,2 Millionen überschuldet. In: Inside Paradeplatz. 11. November 2023.
Die Liste der Investoren und damit Aktionäre der Republik werden vom Unternehmen transparent ausgewiesen.
Geschäftsmodell