mini|Domkran, Aufnahme von Theodor Creifelds, 1868, kurz vor dem Abbau mini|Bau der Domtürme, Aufnahme J. H. & Th. Schönscheidt, 1865 Der Kölner Domkran war ein hölzerner Drehkran, der seit dem 14. Jahrhundert auf dem im Bau befindlichen Südturm des Kölner Domes stand. Der mehr als 25 Meter hohe Kran war nur etwa 50 Jahre lang im Einsatz, aber er prägte als Wahrzeichen das Kölner Stadtbild über einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren. Er wurde erst 1868 abgebaut.
Zeit der Errichtung mini|Kölner Malerschule: Legende der heiligen Ursula, um 1455–1460 In der Vergangenheit wurde für den Bau des Domkrans die Zeit um 1400 oder sogar um 1500 angenommen. Ein solch später Zeitpunkt ist nicht mit den Ergebnissen jüngerer Forschungen zur Baugeschichte des Kölner Domes vereinbar. Der Ausgrabungsfund einer Goldmünze aus dem Jahr 1357 legt nahe, dass die Fundamente der Außenmauern des Südturms zu dieser Zeit fertig waren. Der ehemalige Kölner Dombaumeister Arnold Wolff geht davon aus, dass der Kran nur wenig später errichtet wurde. Mit dem Bauzustand bei der Einstellung der Arbeiten am Südturm um 1410 hätte am damaligen Standort kaum noch die Möglichkeit einer längeren Nutzung des Krans bestanden, da er wegen seiner Abmessungen nur wenig über das zweite Geschoss des Turms hinaus eingesetzt werden konnte. Es wäre allerdings möglich gewesen, die Position des Krans geringfügig zu ändern und ihn auch für den Bau der beiden oberen Geschosse des Turms einzusetzen.
Technik mini|Aufmaßzeichnung, 8. März 1868 mini|Grundriss des Südturms mit den Auflagepunkten des Domkrans Frühe Kräne des Mittelalters konnten durch ihre Bauart bedingt die Lasten nur vertikal bewegen. Der horizontale Transport zum Einsatzort erforderte weitere Hebe- und Transportmittel. Der Kölner Domkran konnte nicht nur einen Punkt bedienen, sondern mit der Last eine Kreisbahn beschreiben. Darüber hinaus betrug die Seillänge von der Auslegerspitze bis zum Ablageort für die Last etwa zwanzig Meter. Das ermöglichte es, die Last mit dünnen Seilen um mehrere Meter aus der Vertikalen herauszuziehen. Der Aktionsraum des Krans war also ein Kreisring. Er konnte, mit Ausnahme der Stellen, an denen er selbst auflag, alle Bereiche des Mauerwerks am Südturm erreichen. Dadurch wurden nicht nur Transporte an der Baustelle vermieden. Auch die Gerüste konnten deutlich leichter gebaut werden, da sie nur noch die Arbeiter und keine schweren Werkstücke tragen mussten.
Konstruktion und Maße Der von der Basis bis zur Spitze des Auslegers 25,10 Meter hohe Domkran bestand aus einem mit Schiefer verkleideten Tragegerüst aus etwa 30 mal 30 Zentimeter starken Eichenholzbalken. Das Gerüst bildete einen 12,80 Meter hohen Pyramidenstumpf mit quadratischer Grundfläche. An der Basis hatte das Krangerüst eine Seitenlänge von 9,73 Metern, die sich nach oben bis auf 4,70 Meter verringerte. Unten waren im rechten Winkel zu den Balken des Rahmens zwei Eichenbalken mit normalen Abmessungen und – diese kreuzend – ein 62 mal 62 Zentimeter starker Unterzug auf den Rahmen aufgelegt.
Im Zentrum des Gerüsts befand sich ein aufrecht stehender, 15,20 Meter langer, runder als „Kaiserstiel“ bezeichneter Eichenholzbalken. Er hatte am oberen Ende fast einen Meter Durchmesser und verjüngte sich nach unten bis auf etwa 33 Zentimeter. Er überragte den Pyramidenstumpf des Tragegerüsts um 5,40 Meter und war dort mit einer achteckigen und mit dem Untergestell nicht verbundenen Haube verkleidet. Der „Kaiserstiel“ wurde unten in einem Korb aus vier schmiedeeisernen Bändern von jeweils 1,65 Meter Länge von einem birnenförmigen Dorn mit 15 Zentimetern Durchmesser gehalten. Der Dorn ruhte wiederum in einer eisernen Lagerschale auf dem Unterzug, sodass der „Kaiserstiel“ leicht drehbar war. Neben den Erfordernissen des Baubetriebs genügte die Drehbarkeit auch der Forderung nach geringerer Anfälligkeit bei Stürmen, da sich der Kranausleger mit dem Wind drehen konnte und so weniger Angriffsfläche bot.
Das Gerüst des Domkrans wurde auf einem quadratischen Rahmen aus Eichenbalken errichtet. Bis zum zweiten Geschoss hat der Südturm des Domes an jeder Seite zwei Fenster, die durch Mauerwerk voneinander getrennt sind. Der Domkran ruhte mit den Ecken des Rahmens auf diesen vier Wandstücken, sodass die Eckpfeiler des Turms erreichbar blieben. Die Figur des in ein Quadrat eingesetzten, um 45 Grad gedrehten Quadrats ergibt bei der Breite der Turmwände von 13,60 Metern eine Kantenlänge des innenliegenden Quadrats von etwa 9,61 Metern. Der Domkran hatte an seiner Basis eine Seitenlänge von 9,73 Metern.
Am oberen Ende, das über das verkleidete Krangerüst hinausragte, waren am „Kaiserstiel“ drei Eichenholzbalken montiert, die aus der Haube herausgeführt wurden und mit weiteren Balken als Verstrebungen den Kranausleger bildeten. Der Ausleger hatte eine Länge von 13,15 Metern. Er überragte die Haube in der Senkrechten um 7,20 Meter und trat waagerecht 10,55 Meter aus dem „Kaiserstiel“ heraus. Zum Zeitpunkt der Einstellung der Arbeiten am Südturm befand sich die Spitze des Auslegers in etwa 70 Metern Höhe über dem Erdboden.
Transport mini|hochkant|Sebastian Furck: Kupferstich aus Johann Wilhelms Architectura civilis, 1668 Arnold Wolff vermutet, dass der Kran bereits auf Fundamenthöhe gebaut wurde und im Verlauf der Errichtung des Südturms mit nach oben gewandert ist. Dazu wurde zunächst eine Ecke des Krans mit Keilen ein Stück weit hochgetrieben und mit Klötzen unterfüttert. Anschließend folgten die drei anderen Ecken, bis nach einigen Wiederholungen mit 35 bis 55 Zentimetern die Höhe einer neuen Steinlage erreicht war und der Kran abgesetzt werden konnte. Bei einer Höhe von zuletzt 45 Metern über dem Erdboden und einer geschätzten Bauzeit von 50 Jahren musste der Domkran nur etwa halbjährlich angehoben werden.
Antrieb Für den Antrieb des Domkrans existiert keine zuverlässige Überlieferung. Eine Zeichnung von Jan van Eyck aus dem Jahr 1437 zeigt als Hintergrundmotiv einen Turm mit aufgesetztem Baukran. Hinter den Fenstern des Turms ist ein Mann in einem Tretrad zu erkennen, das dem Antrieb des Krans dient. Es ist jedoch nicht sicher, dass die Darstellung den Südturm des Kölner Domes zeigt.
1926 wurde in einer Zeitung eine Abbildung veröffentlicht, die das Innere des Domkrans zeigen sollte. Darauf waren zwei dort angebrachte Treträder zu sehen. Es ist nicht bekannt, worauf sich diese Darstellung stützte. Eine beim Abbau des Krans von einem Mitarbeiter der Dombauhütte angefertigte Bauzeichnung des Krans enthält keinen Hinweis auf solche Einbauten. Auch im Dombauarchiv der Kölner Dombauverwaltung finden sich keine Unterlagen dazu.
Von anderen Baukränen des Mittelalters sind zahlreiche Bilddarstellungen überliefert, und einige Treträder sind bis heute erhalten. Es sind sowohl Kräne mit innenliegenden oder außen angebrachten Treträdern belegt als auch solche, deren Antrieb durch weiter entfernt aufgestellte Treträder erfolgte. Für den Kölner Domkran wird der Antrieb mit einem oder zwei Treträdern am wahrscheinlichsten gehalten, die sich entweder im Krangehäuse oder nur wenig unterhalb des Krans befanden.
Zur einmaligen Inbetriebnahme während der Feier der Grundsteinlegung für den Weiterbau des Domes am 4. September 1842 musste eine handbetriebene Winde installiert werden, da der alte Antrieb nicht mehr vorhanden war.
Leistung mini|links|hochkant|Steinzange, 14. Jahrhundert mini|Großer Wolf, neuzeitlich, am Bamberger Dom mini|Spreizwolf, neuzeitlich Es wurde wiederholt die Behauptung aufgestellt, dass mit dem Domkran die Kölner Domglocken an ihren Platz im Glockenstuhl des Südturms gehoben worden sind. Das erscheint ausgeschlossen. Der Domkran befand sich auf dem Südturm und hatte keine Möglichkeit, die Glocken von oben in den Turm herabzulassen. Mit Gewichten von mehreren Tonnen – für die Pretiosa mehr als zehn Tonnen – war der Kran für ihren Transport nicht ausgelegt. Die größten von außen sichtbaren Steinquader des Südturms wiegen wenig mehr als 1000 Kilogramm. Daher wird für den Kran ein mögliches Lastgewicht von maximal eineinhalb Tonnen angenommen.
Für den Südturm wurden während der fünfzigjährigen Bauzeit etwa 20.000 Tonnen Steine bewegt. Das entspricht an jedem Arbeitstag zwei bis drei Tonnen Material oder sechs bis acht Materialbewegungen. Dabei dauerte ein Hub zuletzt etwa 20 Minuten.
Seil und Anschlagmittel Unter Berücksichtigung des Weges vom Boden bis zur Kranspitze und den Ausleger entlang durch das Krangerüst bis zum Antrieb ergibt sich eine erforderliche Seillänge von zuletzt etwa 100 Metern. Da Flaschenzüge mit Sicherheit und lose Rollen wahrscheinlich nicht zum Einsatz gekommen sind, wird das Seil nicht wesentlich länger gewesen sein.
Die mittelalterlichen Dombauhütten verwendeten verschiedene Anschlagmittel. Das geläufigste war die Steinzange, für deren Einsatz zunächst an gegenüber liegenden Seiten des zu transportierenden Steins Löcher eingeschlagen werden mussten. Die Spuren einer solchen Bearbeitung müssten an außen liegenden Steinflächen sichtbar sein; sie fehlen jedoch am Südturm des Kölner Domes. Anschlagmittel, die nur ein Loch zur Verankerung im Stein benötigten, waren der zwei- oder dreiteilige große und kleine Wolf, sowie der scherenförmige Spreizwolf.
An Steinen im Strebewerk des Chores und an der Südseite des Langhauses wurden Bearbeitungsspuren entdeckt, die die Rekonstruktion des verwendeten Werkzeugs erlaubten. Es handelt sich um den Spreizwolf, der aus zwei sichelförmigen Metallteilen bestand, die in der Mitte durch einen Bolzen miteinander verbunden waren. Der Spreizwolf wurde in schwalbenschwanzförmig ausgeschlagene Löcher an nur einer Seite des Transportguts eingeführt und verband sich beim Hochziehen der Last kraftschlüssig mit dem Werkstück. Obgleich auch für dieses Werkzeug bislang keine Spuren an den Steinen des Südturms gefunden werden konnten, wird angenommen, dass es hier in verschiedenen Größen für unterschiedlich schwere Steine verwendet worden ist.
Reparaturen und Veränderungen mini|Kölner Dom um 1824, Stahlstich von 1865, aus Max Hasak: Der Dom zu Köln, 1911. Der Stich zeigt fälschlich das erst 1842 montierte Gegengewicht am Ausleger. mini|Kölner Dom, Südseite, Salzdruck von Johannes Franciscus Michiels, 1855, das Gegengewicht wurde bereits entfernt Der Domkran wurde nach dem Ende der Bauarbeiten am Südturm um 1410 und nach der Einstellung des gesamten Dombaus um 1525 wiederholt repariert. Zunächst dienten die Reparaturen der Erhaltung der Betriebsfähigkeit, in späteren Jahrhunderten auch dem Erhalt eines Wahrzeichens der Stadt.
In den Jahren 1606 und 1610 fanden Reparaturarbeiten am bereits lange stillgelegten Domkran statt. 1693 wurde die Spitze des Krans durch einen Blitzschlag zerstört und wieder instand gesetzt. 1816 erhielt der preußische Geheime Oberbaurat Karl Friedrich Schinkel von König Friedrich Wilhelm III. den Auftrag, den baulichen Zustand des Kölner Domes zu begutachten. Am 18. April und am 10. Juli 1816 erfolgten durch eine von Schinkel angeführte Delegation Begehungen des Domes, dabei wurde auch der Domkran überprüft. Wegen gefährlicher Schäden am Material wurde der Ausleger zwischen dem 11. und dem 22. Juli 1816 vollständig abgebaut. Diese Maßnahme rief energische Proteste der Kölner Bevölkerung hervor. Die Montage eines neuen Auslegers wurde aus Kostengründen abgelehnt. Der letzte reichsstädtische Bürgermeister, Reiner Josef Klespe (1744–1818), hinterließ als Vermächtnis einen Betrag von 1.800 Reichstalern für diesen Zweck. Darüber hinaus führte der Stadtrat eine Sammlung durch. Am 11. September 1819 wurde am Domkran „ein neuer 55 Fuß langer und am untern Ende 17 Fuß breiter Schnabel“ montiert. Bereits 1828 erforderte die mangelhafte Ausführung des neu angebrachten Auslegers eine Reparatur.